Christina Aguilera "Stripped"


Eigentlich kaufte ich mir diese CD wegen „Dirrty“. Ein Track zum mittanzen und für gute Stimmung.
Was ich stattdessen bekam, war ein Album, das an Kraft, Stimmgewalt, Abwechslung und Suchtfaktor kaum zu überbieten ist.

1. Stripped Intro

Christinas Einladung etwas näher zu treten und einen Blick auf ihr Seelenleben zu werfen. Man wird, so zu sagen, stilvoll auf das folgende Feuerwerk eingestimmt.
Waited a long time for this, feels right now, allow me to introduce myself want you to come a little closer

2. Can’t hold us down (featuring Lil’ Kim)

Ein Dance-Track, der alle Frauen dieser Welt aufruft, ihren „Mann“ zu stehen.
Nobody can hold us down die zentrale Aussage und sehr bezeichnend für diesen Track, der durch Lil’ Kims dunkle Rapstimme tatkräftig unterstütz wird.

3. Walk away

Für mich eines der beeindruckensten Songs auf diesem fantastischen Album. Die Geschichte einer Liebe, die zerstört, ausnutzt und einen in Verzweiflung zurück lässt.
Soulig gehaucht oder kräftig gesagt was Sache ist ... da bleiben kaum noch Wünsche offen.
Der Text auf viele Situationen anwendbar: I can’t going right back to the one thing that I need to walk away from.
Der Beweis dafür, dass Christina eine gigantische Stimme hat, die auch in der schwierigsten Situation noch den richtigen Ton trifft.

4. Fighter

Ein wenig Rock gefällig? Auch das schafft die Aguilera spielend.
Ein packendes Stück, in dem sie sich bei den Menschen bedankt, die sie verletzt haben.
I wanna thank you, ’cause you made me that mutch stronger.
Wunderbar geeignet um den Kopf zu heben und zu sagen „ihr könnt mich alle mal!“

5. Prime Amor Interlude

O.k. ... sie kann auch spanisch. Leider verstehe ich es nicht ;-). Es scheint um eine Ballerina und (natürlich) um einen Mann zu gehen. Eine kleine Geschichte, untermalt mit der Melodie, die uns im nächsten Song erwartet.

6. Infatuation

Wieder eine neue Stilrichting. Spanische Rythmen und eine herzzereißende Geschichte über das Mädchen, das beim Anblick des Latinos dahin schmilzt, aber zwischen den Worten ihrer Mum und ihrem Gefühlschaos gefangen ist.
I said – Ay Mama, you seem to forget I never will let a man control my emotions, but when he smiles I feel like a little child
Ja, ja...geht es uns nicht dauernd so?? ;-)

7. Lovin Embrace Interlude

Spätestens hier versteht der Hörer, warum dieses Album 20 (in Worten ZWANZIG) Titel enthält.
46 Sekunden Vogelgezwitscher und leise Hintergrundmusik, dazwischen ihre Stimme, die uns Worte ins Ohr haucht, uns ganz ruhig werden lässt und uns ganz sanft zum nächsten Track hinüber trägt.

8. Loving me 4 me

Der Titel sagt schon alles. Eine ruhige Ballade (sind die nicht immer ruhig?!?), in dem sie dem Mann dankt, der sie so nimmt, wie sie ist und nicht dem hinter her rennt, was sie darstellt.
But the best quality that’s hookin’ me ist that you’re lovin me 4 me etwas, was sich wohl jeder von uns wünscht.

9. Impossible

Die Zusammenarbeit mit Alicia Keys hört man hier ganz deutlich. Das Klavier, der unverkennbare Keys-Beat...dies alles verbindet sich zu einem kraftvollen Rythm & Blues Stück.
Die zentrale Aussage: It’s impossible to love you, if you don’t let me know what you’re feeling.
Ein Stück, in dem man sich unweigerlich zwischendurch an der eigenen Nase packt.

10. Underappreciated

Eine Anklage an alle fernsehschauenden und dabei biertrinkenden Männer, die ihre Frauen links liegen lassen.
Das Lied hat Groove und läd zum mitwippen und kopfnicken ein.
What happened to those days when you used to be compassionate, caring what I thought and said, so attentive, a gentleman, now it’s hard to turn your head away fromt the TV set, taking me for granted lately and frankly it’s gotta quit
Es gibt wohl zwei Arten, dieses Thema an zu gehen. Die eine eher weinerlich und klagend, die andere aufrecht stehend und fordernd. Drei Mal dürft ihr raten, wie sie es gemacht hat...oder kauft Euch einfach diese CD ;-).

11. Beautiful

Zu diesem Song muß man wohl nicht mehr viel sagen. Die zweite Auskopplung, man kennt ihn inzwischen aus Radio und TV und doch verliert er nicht von seiner Kraft und Atmosphäre.
Er lässt mich mit einem guten Gefühl zurück, gibt mir etwas von meinem verlorenen Selbstbewußtsein zurück und ist einfach beautiful!
We are beautiful no matter what they say!

12. Make Over

Meist gibt es auf jeder CD einen Song, der mir nicht gefällt. Mit „make over“ habe ich ihn tatsächlich auch hier gefunden.
Er klingt ein wenig wie ein „Overload“ - Verschnitt der Sugababes.
Geschmackssache...aber nicht wirklich etwas für mich.
I just want to get away, saving all your bullshit for another day, I’m the only one that can rescue me from me
Der Text trotzdem sehr kraftvoll und es zumindest wert, sich diesen Song einmal an zu hören.

13 Cruz

Tja...wer hat nicht schon einmal daran gedacht, alles hinter sich zu lassen, ins Auto ein zu steigen und allen Problemen davon zu fahren.
Christina macht sich in diesem Song auf den Weg und nimmt uns dabei mit auf diese Reise.
I’m leaving today, livin’ it, leaving it to change
Auch eine Ballade, die vor meinem geistigen Auge direkt Bilder von vorbei rauschender Landschaft, ewig langen, leeren Straßen und guter Musik aus dem Radio entstehen lässt.

14. Soar

Ein weiterer Höhpunkt auf diesem Album. Mit einem Gospelchor im Hintergrund ruft sie uns auf spread your wings and soar
Und auch hier wieder das zentrale Thema : Hör auf Dich und Deine innere Stimme. Lass Dir von anderen nichts einreden. Du bist jemand ganz besonderes!
Auch mit diesem wundervollen Song lässt sie uns ein wenig an ihrer Stärke teil haben.

15. Get mine, get yours

Auch ein Lied, dass sich noch nicht wirklich in mein Herz geschlichen hat.
Groovig und mit eingängiger Melodie, ist der Text doch eher ungewöhnlich: We have a physical thing, we make love, but don’t fall in love, we spend time, just enough so you get yours and I get mine.
Für mich eher etwas, das im Hintergrund läuft, aber deshalb nicht unbedingt schlecht ist.

16. Dirrty

Auch dieser Track wieder eine ganz andere Stilrichtung und die erste Single-Auskopplung des Albums. Ein geniales Lied...die frage bleibt allerdings, ob sie mit diesem „Dance-Hip-Hop-Beweg-Dich-and-get-noughty-Stil“ nicht gleich zu Anfang den Kritikern in ihrer „Pop-und-damit-nichts-aussagen-Einstellung“ bestärkt hat.
Wanna get dirrty it’s about time that I came to start the party, sweat drippin over my body
Genialer Song, wenn man nicht weiß, was man gerade mit seinen Füßen machen soll ;-).

17. Stripped Pt. 2

Eigentlich das Outro, das aber nicht am Ende steht. Noch einmal der Hinweis darauf, was sie alles nicht ist, Abrechnung mit ihrem bisherigen Image und Danksagung an ihre Dreamers und Underdogs.
Lift your head high and stay strong keep pushin’ on

18. The voice within

Der Gospelchor ist wieder da! Dieser Track ist ein erneuter Beweis für ihre herausragende Stimme und die wundervollen Texte, die uns innerlich stärken.
When there’s no one else, look inside yourself, like your oldest friend just trust the voice within.
Eine Mischung zwischen Ballade und Pop-Song. Niemals kitschig, immer klar und gerade heraus.

19. I’m o.k.

Der wohl bewegendste Song auf diesem Album. Sowohl für den Hörer als auch für Christina selbst.
Die Geschichte ihres zu Hauses, mit einem Vater, der sowohl sie als auch ihre Mutter misshandelt hat.
Sie lässt es an deutlichen Worten nicht fehlen, hat manchmal Mühe, die Tränen zurück zu halten.
Ganz schlicht in Begleitung einer Gitarre und einigen Streichern entführt sie uns in die bedrückende Atmosphäre ihrer Kindheit.
Bruises fade father but the pain remains the same, and I still remember how you kept me so afraid
Taschentuchzwang ohne Kitsch und Schnörkel!

20. Keep on singin’ my song

Etwas aufmunterndes zum Schluß. Wieder mit Chor im Hintergrund und der wohl beeindruckensten Passage auf dem gesamten Album.
Ich befürchte ich kann noch nicht einmal so lange die Luft anhalten, wie sie scheinbar mühelos den Ton hält und dabei in ungeahnte Sphären entschwindet.
Es scheint, als gebe sie uns ihr Mantra mit auf den Weg.
I believe they can take anything from me, but they can’t succeed in taking my inner peace from me, they can say all they wanna say about me, but I’m gonna carry on, I’m keep on singin’ my song.

Fazit

Was bleibt abschließend zu sagen?
Ein unglaublich geniales Album, das man Miss Aguilera wohl nicht zu getraut hätte (zumindest ich nicht :-)).
Gelungener Imagewechsel vom Popsternchen zur reifen Frau, die weiß wer sie ist und meint, was sie sagt.
Unbedingt kaufen!!!!!!!

Rewind