Backstreet Boys

Dienstag 31.5.2005, wir befinden uns zu dritt auf dem Weg nach Köln ins E-Werk, wo in knappen 7 Stunden das erste Backstreet Boys Konzert meiner Karriere beginnen wird.
Auf Grund kurzfristiger Information über den Anreiseweg haben wir fast keine Schwierigkeiten. Eine kurze Frage an einen türkischen, männlichen, jungen Mitmenschen, der erst einmal breit grinst, als wir ihm erklären, wo wir hinwollen, genügt um das E-Werk ohne Probleme zu finden.
Auf der Suche nach einem Parkplatz fahren wir um ca. 15.00 Uhr an der bereits überraschend langen Schlange von wartenden Fans vorbei. Erstes Herzklopfen stellt sich ein. Sind die Leute, mit denen wir uns treffen wollten, schon da? Was wird auf uns zukommen? Sind die Jungs vielleicht sogar schon in der Halle? Nur wenige Meter von uns entfernt?
Also erst einmal Wagen abstellen, mit Trinkflaschen bewaffnen und zurück zur Schlange.
Nach kurzer Verwirrung machen wir das Ende der Schlange aus und stellen uns schön brav an. Es ist 15.15 Uhr, Einlass hoffentlich um 19.00 Uhr und Beginn des Konzerts laut Karte 20.00 Uhr.
Noch sind wir guter Dinge, auch wenn der Blick auf die Uhr etwas niederschmetternd ist. Vier Stunden warten – und mal ehrlich ... wer wartet denn schon gerne?
Immer wieder gelangen Musikfetzen an unser Ohr. Die Vermutung liegt nahe, dass in der Halle gerade der Soundcheck läuft. Erneut macht mein Herz einen kleinen Sprung. Wie heißt es so schön: „So nah und doch so fern.“
Erste Kontakte zu anderen Fans werden geknüpft, wobei immer wieder die Frage auftaucht, warum die Menschen auf der anderen Straßenseite, die ganz eindeutig auch BsB Fans sind, auf diesen Treppenstufen hocken statt sich mit uns anzustellen um einen möglichst guten Platz zu ergattern. Die Frage kann im Laufe des gesamten Tages nicht eindeutig geklärt werden (auch wenn sich mehrere dubiose Theorien dazu entwickeln lassen!).
Nach zwanzig Minuten der erste Schock. In die Schlange kommt Bewegung und wir beginnen blind hinter der Masse her zu stolpern. Was ist passiert? Einlass drei Stunden früher? Kann ja wohl kaum sein.
Aus irgendeinem, nicht näher zu erklärenden, Grund sind sämtliche Fans, die bis eben noch gemütlich auf dem Boden gesessen und gechillt haben, aufgestanden und haben sich zu einer eng stehenden Schlange zusammengerottet, was uns ungefähr 50 Meter einbringt und uns tatsächlich bis zum Zaun spült, der den kleinen Vorplatz vor dem E-Werk absperrt.
Das erste Mal erhaschen wir einen Blick auf die holländischen Fans, die, so sagt man sich, seit dem vergangenen Tag unter einer Plastikplane auf der Pole-Position auf Einlass warten.
Erste Telefonate werden mit Shannon geführt. Sie stehen noch vor dem Hotel der Jungs und warten. Ein Stückchen vor uns stehen zwei Mädels, von denen wir vermuten, dass wir sie aus dem Forum und von Fotos kennen, uns aber nicht sicher sind und sie deshalb nicht ansprechen.
Das Warten, das seltsamer Weise ziemlich kurzweilig ist, wird durch mehrere spektakuläre und weniger spektakuläre Ereignisse unterbrochen (versuche das in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, wird wahrscheinlich nicht ganz klappen).

1. Es regnet. Setzen ist also nicht drin. Schirme werden aufgespannt und nach zehn Minuten wieder zusammen geklappt, nur um sie fünf Minuten später wieder aufzuspannen. Selbst der Himmel kann sich also nicht entscheiden, ob er das hier alles gut finden soll.
Man versucht, irgendwo unter einen Ausläufer der Schirme zu kommen, damit man von den spitzen Enden nicht plötzlich erstochen wird. Shaya weißt darauf hin, dass sie den Schirm mitgenommen hat, um ihn hier zu lassen.
Ein alter Mann wird ihn später von der Straße auflesen und mit nach Hause nehmen. Immerhin hat er ein neues zu Hause gefunden.

2. Ein Bus mit Holländern kommt an und wir ahnen schlimmes. Im Laufe des Konzerts werden wir lernen, sie tatsächlich zu hassen.

3. Erste Kreischanfälle der Massen als, von unseren kleine Gruppe völlig unbemerkt, ein Van mit Nick drin (angeblich!) vorbei fährt.
Eine andere Konzertbesucherin erzählt in unserer Nähe, dass sie, auf dem Weg zum Pinkeln, AJ in einem anderen Bus gesehen hat. Er hätte sogar gewunken (Wahrheitsgehalt??)
Adrenalinproduktion wird erneut angeregt und man beginnt langsam daran zu glauben, dass man sie bald (noch 3 Stunden bis Einlass) sehen wird.

4. Shannon, Ywee und Nessy kommen mit einer unbekannten Person im Schlepptau an. Wir werden ihren Namen nie erfahren.
Großes „Hallo“ und „Schön Dich endlich mal persönlich kennen zu lerne.“ und „Dich hab ich mir ganz anders vorgestellt.“ usw. usw.
Wir erfahren endlich, dass wir uns nicht darin getäuscht haben, dass wir die zwei Mädels in der Schlange vor uns kennen (Dream + ASJ)

5. Die Security wird langsam unruhig. Die Schlange steht viel zu dicht und es dauert ja noch sooooo lange, bis Einlass ist. Also wird mit Führer Mentalität versucht, die Schlange auseinander zu treiben. Im Moment hassen wir den jungen, breiten Mann, später wird er Applaus bekommen.

6. Die ersten Gruppenbilder werden geschossen, wobei man versucht nicht zu sehr vor Kälte zu zittern ... sonst wird das ja nix.

7. Die Zeit plätschert so dahin. Es wird gescherzt, gelacht, erzählt und die Zeit tot geschlagen, in dem man immer mal wieder zum Auto läuft, seinen Schirm weg bringt, nur um dann von Shaya angerufen zu werden, dass es ja doch noch regnet und der Schirm doch noch gebraucht wird, Brötchen werden mitgenommen und mit Heißhunger verzehrt.
Die Keks-Mama hat an alles gedacht.

8. Mittlerweile sind Kamerateams wie Fliegen um einen Scheißhaufen aufgetaucht. Es ist unglaublich, was für Taktiken man entwickeln kann um ja nicht gefilmt, geknipst oder interviewt zu werden.
Versuche mein teuer bezahltes T-Shirt in die Kamera zu halten, auch wenn ich dabei frieren muß. Befürchte, ich habe umsonst gezittert.

9. Ein seltsam anmutendes Pärchen wird an uns vorbei geführt, während es dabei gefilmt wird, wie es scheinbar zufällig an einer Schlange wartender Backstreet Boys Fans vorbei schlendert (Nee, schon klar). Nessy schreit „Hey, ist der etwa prominent oder was?“ und das so laut, dass es jeder im Umkreis von 100 Metern hören muß.

10. 18.30 Uhr. Die Spannung steigt und aus nicht ganz zweifelsfreien Quellen wird berichtet, dass die Schlange mittlerweile über die Kreuzung reicht.
In eine Gruppe von Mädchen auf der anderen Straßenseite kommt plötzlich Bewegung.
Zwei von Ihnen schleichen sich über die Straße und drängeln sich knapp vor uns in die Schlange (Grrrrrrr!!).
Der von Nessy schnell herbeigerufene Security Mensch (ihr ahnt es sicherlich ... der selbe aus Punkt Nr. 5), macht sich endlich mal mit Grund wichtig und schmeißt die beiden wieder raus. Standing Ovations und anhaltender Applaus sind sein Lohn.
Die übermütige und scheinbar noch nicht entmutigte Gruppe steht eine Weile zähnefletschend auf der anderen Straßenseite und die beiden Mädels sind dann so dumm (oder lebensmüde) einen erneuten Versuch zu starten – mit dem selben, ziemlich peinlichen Ergebnis.

11. 19.00 Uhr. Ein Jubelschrei geht durch die Menge und die Schlange beginnt sich zu bewegen.
Es heißt nun, schön in Zweierreihen aufstellen und so schnell wie möglich an den netten Security Menschen vorbei zu kommen (der nicht mit mir kuscheln wollte, obwohl er sich direkt vor mir in den Weg gestellt hat *kopfschüttel*), die den Fluß immer wieder stoppen, damit man sich nicht schon vor dem Konzert tot trampelt.

19.10 Uhr. Wir sind drin!! Das E-Werk ist, wie bereits vermutet, tatsächlich nicht sehr groß und wir stehen im vorderen Drittel. Die Bühne ist gut zu sehen, der Vorhang noch geschlossen. Es ist unglaublich, wie lange man auf einen Spalt in diesem Schwarzen Stoff starren kann, ohne dabei blind zu werden.
Irgendwo vor uns hocken noch ein paar Holländer auf dem Boden, das geben diese allerdings nach etwa 10 Minuten auf und das erste Drängeln und Schieben beginnt.
Ich für meinen Teil kann behaupten, noch nie so eingequetscht in einer Menschenmasse gestanden zu haben. Am Anfang ist das alles noch kein Problem, aber irgendwann nervt das gewaltig, weil die feinen Herren nämlich nicht pünktlich anfangen.
Und hier kommen dann auch die Holländer wieder ins Spiel. Zwei dieser penetranten Arten der Gattung Mensch standen direkt hinter uns. Ich hoffe, Shanny hat keine blauen Flecken davon getragen, aber die feinen Damen hatten wohl ihren Spaß daran, Ellenbogen in Rippen zu schlagen und von hinten zu schieben, was das Zeug hält. Buuuuuuhhhhh!!!
Es vergeht eine weitere halbe Stunde, ohne dass etwas auf der Bühne passiert und die Trommelmusik aus den Lautsprechern ist am Anfang ja noch ziemlich cool, aber geht noch der x-ten Wiederholung tierisch auf die Nerven.

Ab hier werden meine Erinnerungen dann etwas verschwommen. Ich behaupte mal, dass es so etwa 20.40 Uhr ist, als endlich das Licht ausgeht. Johnny Wright tritt hinter dem Vorhang hervor (hätte nicht gewußt, dass er das ist, wenn er sich nicht mal kurz vorgestellt hätte) und verkündet, dass die Single „Incomplete“ in Deutschlang auf Platz 2 der Singlecharts geschossen ist und wir fleißig weiterkaufen sollen, damit sie auf Platz 1 klettert. Er verabschiedet sich nach kurzer Zeit und sehr bekannte und ungewohnt harte Klänge aus den Boxen erklingen. Eigentlich dachte ich, das wäre dann der Moment, wo ich mich in meine Ohnmacht flüchte, aber nichts dergleichen passiert.
Ich kann allerdings noch nicht mal sagen, oder der Vorhang zur Seite geglitten oder heruntergefallen ist. Plötzlich sind sie einfach da!
Der Lärm, das Gekreische und Gejohle wird ohrenbetäubend, Adrenalin pur und ein nie gekanntes Glückseligkeitsgefühl fliesen durch meine Adern.
Ich versuche die Setliste mal zusammen zu bringen (chronologisch ist allerdings nicht drin), bevor ich versuche, irgendetwas zu erklären/erzählen, was man so sowieso nicht wiedergeben kann:

- Larger than life
- The Call
- All I have to give
- As long as you love me
- More than that
- I’ll never break your heart
- Everybody
- Shape of my heart
- Drowning
- Incomplete (Zugabe!)
- Beautiful Woman
- Climbing the walls
- Poster Girl
- Wanna Shout
- I want it that way
- Show me the meaning of being lonely
- Und noch ein paar neue Sachen (3-4) von denen ich die Titel (noch) nicht kenne

Grundsätzlich besteht das Konzert, dadurch das klein und fast „familiär“, nicht aus dieser perfekt choreografierten, Pyroeffektverseuchten, Multi-Garderoben-Wechsel und eher „unpersönlichen“ Aneinanderreihung von Songs.
Stattdessen haben die Jungs sichtlich Spaß an den Songs, die sie zwar mit ein wenig Synchronität beim Tanz würzen, aber ansonsten frei von der Leber weg ins Mikro schmettern. Spätestens als Howie nach ca. 10 Sekunden das erste Mal sein Zwinkern sehen lässt befinden wir uns in der heimeligen, aufregenden und sensationellen Backstreet Welt.
Brian ist mir leider am wenigsten aufgefallen, deshalb kann ich zu seiner Garderobe wenig sagen. Jeans und weißes Hemd glaube ich.
Howie hatte ein graues, bedrucktes T-Shirt an, was sehr cool aussah und trug dazu Jeans.
Nick sah zum Anbeißen aus. Schwarzes T-Shirt, Jeans, endlich mal kein Iro und hochmotiviert.
AJ ... hach ... weißes, bedrucktes T-Shirt, olivefarbene Baseballkappe und diese Nadelstreifenjeans, in der selbst er zumindest den Ansatz eines Hinterns hat.
Der absolute Kleiderfavorit aber auf jeden Fall Kevin. Wer mit einem T-Shirt der Uni Heidelberg auftritt hat bei mir sofort gewonnen.
Leider versteht man in der ersten Hälfte des Konzerts sein eigenes Wort und das der Jungs so gut wie nicht, weil der Geräuschpegel der Fans einfach zu hoch ist. Trotzdem erzeugt es doch immer wieder Gänsehaut, wenn 2000 Fans synchron den Text mitgrölen. Selbst die, eigentlich, noch unveröffentlichten Songs kann mindestens zwei Drittel des Publikums auswendig.
Jeder der Jungs erhält seine zwei Minuten alleine auf der Bühne. Diesmal allerdings nicht um zu performen, sondern um die Fans zu begrüßen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man am 13. Juni gefälligst das Album zu kaufen hat (was meiner Meinung nach AJ am charmantesten gelöst hat: „It’s like a birthday or something“) und das wir (natürlich) die besten Fans der Welt sind.
Über AJs Aussage über seine Zeit, die er trocken ist, scheiden sich die Geister. Es gibt zwei Varianten:
„Almost three years sober“ oder
„Three years almost sober“.
Wer’s genau weiß, kann mir ja mal ne Mail schicken.
Kevin war sehr witzig. Als der „älteste“ kam er nach vorne gehumpelt und hielt sich das Kreuz und bemerkte, als eines von den fünf oder sechs Mädels, die über die Konzertdistanz ohnmächtig aus der Menge gezogen wurden, vor seinen Augen über die Absperrung gehievt wird: „It’s like in old times!“. Dafür bekommt er auch von AJ ne Flasche Wasser gereicht und auch noch geöffnet.
Den Vogel hat dann aber natürlich Nick abgeschossen. Ich weiß nicht, wie lange er sich das deutsche MTV reingezogen hat, aber es hat dafür gereicht, um den rasenden Frosch (oder wie auch immer man diesen bescheuerten Klingelton nennen mag) perfekt immitieren zu können.
AJ hatte sichtlich auch seinen Spaß dabei, auch wenn er Nick später ermahnt hat, dass er damit aufhören soll, weil er ja wohl weiß, dass das dann wieder stundenlang so weiter geht.
Nick soll Gitarre gespielt haben, hat mir Shaya hinterher erzählt. Davon habe ich allerdings gar nix mitbekommen (warum wohl *Augenroll*).
In der Hälfte des Konzerts haben sich die Jungs dann doch noch auf der Bühne umgezogen. Allerdings gab’s für jeden ein Jackett und einen Hut, also nix mit nacktem Fleisch. Jetzt weiß ich auch, warum AJ immer ne Kopfbedeckung trägt. Viel ist da nicht mehr.
Ein weiterer Brüller war dann die Ansage zu Poster Girl. AJ steht vorne an der Bühne und ruft den sichtlich verdutzten Nick zu sich (ich bin der festen Überzeugung, dass das so nicht geplant war).
AJ: „Do you know such a girl?“
Nick: „Not anymore!“
Ha, ha.

Was gibt es noch zu sagen? Wenn man was gehört hat, war das einfach sensationell. Die Stimmen einfach großartig, die Choreografie nicht übertrieben, viel Gefühl und Spaß bei der Arbeit, was will man mehr?
So nah werden wir jedenfalls niemals wieder an sie heran kommen und das ist wohl der einzige Wehrmutstropfen an der ganzen Sache. Als sie von der Bühne gingen („stürmten“ ist vielleicht der bessere Ausdruck), war das ein bißchen, als entzöge man nem Junkie seine Drogen. Da hilft nur fleißiges CD Hören und warten auf die Herbst-Tour (wenn es denn eine in Deutschland geben wird).

In diesem Sinne: KTBPA!

Bilder zum Konzert gibt es HIER