
Marcy, hast du die Lichterketten irgendwo gesehen? rief AJ McLean, während er verzweifelt in der Abstellkammer unter der Treppe herum wühlte. Es war wirklich eine blöde Idee gewesen so kurz nach dem Einzug in dieses Haus eine Halloween Party zu veranstalten. Nichts stand an seinem Platz, in allen Ecken stapelten sich noch Kartons und es war beinahe unmöglich irgendetwas wieder zu finden. Wie zum Beispiel die Lichterkette in Form von kleinen, orangenen Kürbissen, die er jetzt schon beinahe eine halbe Stunde verzweifelt suchte.
Seine Freundin Marcy war in der Küche mit dem Buffett für den heutigen Abend beschäftigt. Er hörte das Klappern von Töpfen, dann eine Weile Stille und plötzlich ihre Stimme hinter seinem Rücken, was ihn erschrocken zusammenzucken lies.
Ich habe keine Ahnung, wo die Dinger hingekommen sind, beantwortete sie seine Frage.
Aber irgendwo müssen sie doch sein, grummelte AJ und trat aus der Abstellkammer heraus. Da drin jedenfalls nicht.
Hast du im Keller schon nachgesehen? Ich glaube, da sind die ganzen Kartons mit der Aufschrift Diverses gelandet. Sie strich sich eine Strähne ihres langen Haares aus dem Gesicht und ihre dunklen Augen ruhten lächelnd auf seinem Gesicht. AJ konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, wie er bisher ohne diese Frau an seiner Seite hatte existieren können. Sie war seine zweite Hälfte, der ruhige Pohl in seinem manchmal recht chaotischen Leben, sein Fels in der Brandung und der einzige Mensch, dem er uneingeschränkt vertraute.
Mit einem Seufzen zog er sie an sich und presste sein Gesicht in die Fülle ihrer dunklen Locken. Also im Keller, murmelte er und begann zärtlich an ihrem Ohrläppchen zu knabbern.
Könnte ich mir zumindest vorstellen und wenn du nicht sofort aufhörst an mir herum zu kauen, werden wir niemals fertig mit den Vorbereitungen, schmunzelte sie gutmütig.
Jaaaa, ich weiß, murmelte er und zwang sich dazu seine Gedanken wieder auf die Party und die Vorbereitungen dazu zu lenken.
Soll ich dir suchen helfen? fragte Marcy und küsste ihn sanft auf die Lippen.
Nein, lass mal. Wer weiß, was ich da unten im Keller mit dir anstelle, grinste er.
Marcy lachte, drehte ihn dann an den Schultern in Richtung Kellertür und gab ihm einen freundschlaftlichen Klapps auf seinen Allerwertesten. Dann mal los du Partygenie. Ohne die Lichterkette läuft gar nichts.
Ja Madam, grummelte er und machte sich auf den Weg in den Keller.
Als er das Licht anknipste und vorsichtig die ausgetretenen Holzstufen hinunterstieg, dachte erneut daran, wie schnell sich sein Leben doch zum Guten gewendet hatte.
Eben war er noch ein einsamer Mensch ohne richtiges zu Hause gewesen und im selben Moment lernte er Marcy kennen. Sie verbrachten einen atemberaubenden Sommer miteinander und beschlossen dann, zusammen zu ziehen.
Und wieder hatte das Schicksal ihnen unbewußt zu dieser Entscheidung gratuliert, denn einige Tage nachdem sie den Entschluss gefasst hatten, flatterte das Schreiben eines Anwalts ins Haus.
AJ hatte geerbt. Ein Haus, das irgendwann einmal seinem Ur-Ur-Ur-Großvater gehört hatte und das bis zu seinem 27. Geburtstag von einer Stiftung verwaltet und in Stand gehalten wurde. Niemand aus seiner Familie hatte davon gewußt. Nicht einmal seine Mutter.
In seinem Testament hatte Gerald McLean das Haus seinem jüngsten, im Jahre 2005 lebenden Verwandten vermacht. Und das war, so unglaublich das auch klingen mochte, AJ gewesen.
Ein dreiviertel Jahr hatten sie nun dieses riesige, alte Haus renoviert, alles nach ihren Vorstellungen einrichten lassen und waren zuguterletzt vor nicht einmal drei Wochen eingezogen. AJ hatte sich hier sofort zu Hause gefühlt. Er liebte die verwinkelten Ecken, die großzügen Räume und die kurze Entfernung zum Meer. Das Haus war wie für ihn und Marcy gemacht.
Lächelnd begann er nun die unzähligen Kisten und Kartons zu inspizieren, die sich teilweise bis unter die Decke des Kellers stapelten. Ja, sie hatten riesiges Glück gehabt und das wollten sie nun mit dieser Party und ihren Freunden feiern.
Wenn er nur diese verflixte Lichterkette finden würde! Nacheinander besah er sich jeden Karton und dessen Inhalt, stapelte sie neu, räumte sie von einer Ecke in die andere und fand dabei leider nichts, was einer Lichterkette auch nur im entferntesten ähnelte.
Schließlich hob er einen der letzten Kartons von einem Stapel an der Wand und hielt verblüfft inne. Die Lichterkette war augenblicklich vergessen. Aufgeregt stellte er den Karton ab, wischte sich die schmutzigen Hände an seinen Jeans ab und trat etwas näher an die Wand heran.
Hinter dem letzten Kartonstapel war eine Tür zum Vorschein gekommen. Schnell räumte er auch noch die letzten Kartons beiseite. Die Tür war aus massivem, dunklen Holz und als seine Hände langsam darüber strichen, fühlte er die raue Masserung unter seinen Fingerspitzen.
Er konnte sich nicht erinnern, dass es hier unten eine Tür gegeben hätte. Mal abgesehen davon, dass, wenn ihn sein Orientierungssinn nicht ganz trog, sie lediglich in massives, dunkles Erdreich führte. Laut den Plänen des Architekten war die Grundfläche des Hauses unterkellert und nichts wies darauf hin, dass sich dieses Gewölbe darüberhinaus noch ausdehnte.
Doch offensichtlich mußte dem so sein, denn warum sollte sonst eine Tür in dieser Mauer sein?
Für einen Moment überlegte er, ob er Marcy rufen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Zu groß war seine Neugier.
Er griff nach dem massiven Türknauf aus Messing und drehte ihn doch nichts geschah. Er versuchte es noch ein paar Mal, rüttelte an der Tür und untersuchte für einen Moment den Schließmechanismus. Nein, keine Chance. Die Tür war verschlossen und lies sich nicht öffnen.
Enttäuscht schaute er sich noch einmal um, ob in der Nähe vielleicht irgendwo ein Schlüssel zu finden war, dabei fiel sein Blick auf einen Karton, dessen Deckel bei der ganzen Umräumaktion aufgesprungen war. Darin lag die von ihm so lange gesuchte Lichterkette und kopfschüttelnd griff er danach.
Manchmal war das Leben wirklich seltsam. Mit einem letzten Blick auf die mysteriöse Tür griff er nach den kleinen, orangenen Kürbisköpfen und stieg dann die Treppe wieder hinauf. Mit der Tür würde er sich später beschäftigen. Jetzt mußte er erst einmal dafür sorgen, dass seine Gäste nicht in einem kahlen Wohnzimmer feiern mußten.
Wie auch immer sie es angestellt hatten, aber sie waren tatsächlich noch rechtzeitig mit den Vorbereitungen fertig geworden. Marcy sah sich glücklich in dem überfüllten Wohnzimmer um. Einige ihrer Freunde tanzten zu lauter Musik, eine andere Gruppe stand im hinteren Teil und versuchte sich mit viel Gebrüll und ausgefallenen Gesten zu verständigen. In der Küche war das Buffet bereits halb leer gegessen und AJ war gerade dabei einigen Leuten das obere Stockwerk zu zeigen.
Marcy lächelte. Vielleicht war dies tatsächlich die Erfüllung ihres Traumes, den sie bereits als kleines Kind geträumt hatte: Ein eigenes zu Hause, ein Mann, der sie liebte und gute Freunde, auf die sie sich verlassen konnte. Seit sie AJ kannte, hatten sich viele Dinge beinahe von alleine ergeben und dieses Haus war die Krönung gewesen. Sie liebte jeden Winkel dieses alten, ehrwürdigen Gemäuers und manchmal, wenn sie alleine und alles um sie herum still war, konnte sie es atmen hören. Das war natürlich ein verrückter Gedanke, aber sie fühlte das leichte Vibrieren, den ruhigen Herzschlag, der irgendwo ganz tief in den alten Mauern pochte und sie fühlte sich dabei sicher und beschützt.
Der Klang ihres Namens riss sie schließlich aus ihren verträumten Gedanken. Maaaarcyyyy!
Interessiert blickte sie sich um, doch nirgends war die Person zu entdecken, die zu der Stimme passen könnte. Irritiert wandte sie sich vom Wohnzimmer ab und ging den Flur hinunter.
Da war es wieder. Ein leises Flüstern, heiser und rau. Maaaarcyyyy, wisperte die Stimme und unwillkürlich stellten sich die Härchen auf ihren Unterarmen auf.
AJ? rief sie eher halbherzig in den leeren Flur und machte noch zwei weitere Schritte.
Maaaarcyyy! Das Flüstern war hier schon etwas lauter. Ihr Blick fiel auf die Kellertür und mit einem genervten Schnauben ging sie darauf zu. AJ konnte was erleben! Er hatte sie mit seiner schlechten Imitation aus einem noch schlechteren Horrorfilm ganz schön erschreckt.
Mit Schwung riss sie die Tür auf. Also wirklich AJ. Was soll denn
. Verdutzt hielt sie inne. Die Treppe war verlassen. Hinter sich hörte sie das Lärmen der Partygesellschaft, das von sehr weit her zu kommen schien. Was war hier, verdammt noch mal los?
Jetzt erst bemerkte sie den schwachen Lichtschimmer am Fuße der Treppe. Also doch, murmelte sie triumphierend und stieg die wackligen Stufen hinunter.
AJ, das ist überhaupt nicht lustig. Beschwerte sie sich, doch auch diesmal bekam sie keine Antwort.
Weißes, milchiges Licht tauchte die Kartonwüste vor ihr in diffuses Licht. Zögernd trat sie näher. Wenn sich niemand hinter einem der Kartonstapel versteckt hatte, war der Raum tatsächlich verlassen. Woher kam aber dann die Stimme?
Wie auf Kommando erklang das Flüstern erneut, diesmal wesentlich näher. Marcy erschrak und wäre beinahe über einen Karton gestolpert, der hinter ihr stand. Taumelnd fing sie sich gerade noch rechtzeitig an der kalten Steinmauer ab und erblickte dann endlich die Quelle des seltsamen Lichtes.
Eine Tür war in die Wand eingelassen und durch die schmalen Schlitze im Türrahmen sickerte strahlendweiße Helligkeit. Verwundert trat sie näher heran. Sie konnte sich nicht erinnern bei ihrem Einzug hier unten eine Tür gesehen zu haben. Außerdem führte sie ins Nichts. Dies war die Außenmauer und dahinter befand sich lediglich dunkles, undurchdringliches Erdreich.
Was zum Teufel
, murmelte sie, doch die letzten Worte blieben ihr förmlich im Halse stecken.
Die Tür begann leicht zu vibrieren, im Zeitlupentempo drehte sich der metallene Türknauf und mit einem leisen Knarren schwang die Tür wie von Geisterhand auf. Gleißendes Licht ergoss sich in den Keller und blendete Marcy so sehr, dass sie die Augen fest zukneifen und den Kopf zur Seite drehen musste. Wind kam plötzlich auf und erfasste ihr Haar und ihre Kleidung. Ein hohes Sirren, wie von Millionen von Bienen erklang und die Temperatur fiel augenblicklich ins Bodenlose.
Zitternd wollte Marcy sich abwenden und zurück zur Treppe laufen, doch sie stellte entsetzt fest, dass sie sich nicht bewegen konnte. Im Gegenteil. Irgendetwas schien sie magisch in Richtung der nun weit geöffneten Tür zu ziehen. Ihr Herz hämmerte panisch in ihrer Brust, mit Händen und Füßen versuchte sie einen Halt zu finden und vor lauter Angst standen ihr Tränen in den Augen. Als ihre Füße schließlich endgültig den Kontakt zum Boden verloren und sie hilflos auf die Tür zuschlitterte versuchte sie zu schreien, doch der Wind, der mittlerweile laut um sie herum heulte und das immer noch anhaltende Sirren verschluckten jedes Geräusch. Immer schneller näherte sie sich der gleißenden Helligkeit, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Schließlich verschluckte sie der Türrahmen und mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter ihr ins Schloss. Der Wind erstarb augenblicklich, das Sirren hörte auf, die Temperatur stieg auf ein normales Maß an und zum Schluß erlosch das Licht. Zurück blieb ein dunkler, toter Keller.
AJ lag auf seinem Bett und starrte an die Decke. Er fühlte sich leer und gefühllos. Als hätte ihm jemand sein Herz heraus gerissen und nur eine leere Hülle zurück gelassen.
Marcy war verschwunden. Eben hatte er sie noch zärtlich geküsst und im nächsten Moment war sie nicht mehr da.
Die Polizei war auch keine große Hilfe. Wir können eine Vermisstenmeldung erst nach 48 Stunden entgegen nehmen, hatte der Officer gesagt und zudem noch anklingen lassen, dass Marcy seine Marcy vielleicht mit einem anderen Mann durchgebrannt war. Was wussten diese Idioten denn schon? Marcy und er waren glücklich. Sie liebten sich. Nie im Leben wäre sie einfach so davon gelaufen. Irgendetwas war passiert und alleine der Gedanke daran, was sie vielleicht gerade jetzt in diesem Moment durchmachen musste, raubte ihm beinahe den Verstand.
Ein paar seiner Freunde hatten bei ihm bleiben wollen, doch nach dieser Nacht voller Tränen, Vorwürfen, Ängsten und Verzweiflung wollte er lieber alleine sein.
Wo konnte sie nur sein? Dieser Gedanke kreiste wieder und wieder in seinem Kopf. Natürlich hatte er bereits alle möglichen Verwandte und Freunde angerufen, jedes Mal mit dem gleichen, niederschmetternden Ergebnis. Niemand hatte Marcy gesehen, keiner der Partygäste konnte sich daran erinnern, dass sie aus dem Haus gegangen war. Es war zum verzweifeln!
Schließlich hielt es ihn nicht mehr länger im Bett. Er musste irgendetwas tun. Mußte Marcy finden. Mit fahrigen Bewegungen zog er seine Schuhe an, seine Kleider waren von dem langen Liegen auf dem Bett zerknittert, seine Augen zierten dunkle Augenringe und seine Lider waren vom Weinen gerötet. Doch das kümmerte ihn alles nicht. Er musste sie wieder haben. Es durfte einfach nicht so enden.
Er ging die Treppe hinunter ins Erdgeschoss und beschloss, sich erst einmal einen Kaffe zu kochen, dann würde er überlegen, was als nächstes zu tun war. Auf dem Weg in die Küche kam er an der Tür zum Keller vorbei. Unbewusst verlangsamte er seine Schritte und blieb schließlich mit der Hand am Türknauf stehen. Der Keller war der einzige Ort, an dem er noch nicht nach ihr gesucht hatte. Eigentlich unglaublich. Jeder Zentimeter dieses Hauses war mehr als einmal auf der Suche nach Marcy durchkämmt worden, aber ausgerechnet der Keller blieb unberührt. Es war ihm, als hätte ihn eine fremde Macht davon abgehalten dort hinunter zu gehen.
Mit klopfendem Herzen öffnete er die Tür und betätigte den Lichtschalter. Angst grub sich in seine Eingeweide und zeigte ihm Bilder von verrenkten Gliedmaßen und einer blutüberströmten Marcy, die am Fuße der Treppe lag, zu Tode gestürzt bei dem Versuch weitere Getränke für die Gäste aus dem Keller zu holen.
Doch als das gelbliche Licht schließlich aufflammte sah er nichts weiter als einen leeren Treppenabsatz und feine Staubkörner, die im Licht der Lampe tanzten.
Langsam stieg er eine Stufe nach der anderen hinunter. Sein Mund war vollkommen ausgetrocknet und nervös fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen. Irgendetwas sagte ihm, dass Marcy hier unten gewesen war. Sie war, genau wie er, diese Stufen hinunter gestiegen, hatte sich nach links in den größten der vier Kellerräume begeben, in dem er heute Nachmittag noch nach der verdammten Lichterkette gesucht hatte.
Er hatte den Raum noch nicht ganz betreten, da traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitzschlag. Die Tür! Hastig betrat er den leicht muffig riechenden Raum. Alles schien noch so zu sein, wie er es vor einigen Stunden verlassen hatte und doch war irgendetwas anders. Er konnte nicht sofort sagen was es war, doch als sein Blick schließlich auf die, mittlerweile von Kartons wieder halbverdeckte Tür fiel, sah er sofort den Unterschied.
Mit einem wimmernden Laut stürzte er auf die Tür zu und rüttelte an dem Türknauf, doch nichts tat sich. Seine Hände tasteten hektisch über die Tür, fuhren die Linien nach, die sich tief in das harte Holz gebrannt hatten. Das war ein Gesicht. Marcys Gesicht. Ihre hübschen Augen waren fest zukniffen, der Mund zu einem stummen Schrei geöffnet, die Gesichtszüge in unsagbarer Pein erstarrt.
MAAARCYYYY!! brüllte er und hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür. Doch sie gab nicht einmal einen Millimeter nach.
Hektisch fuhr er herum, durchquerte den Keller mit schnellen Schritten und wandte sich nach rechts. Im hinteren Teil des Kellers wollte er sich eine Art Werkstadt einrichten und als er dort ankam und den Lichtschalter betätigte, beleuchtete die nackte Glühbirne einen unüberschaubaren Wirrwarr aus Werkzeugen, Kisten und Resten von Baumaterial. Ohne Rücksicht bahnte er sich einen Weg durch die Unordnung, öffnete da einen Karton, schob hier etwas zur Seite und unter großem Gepolter und Getöse fand er schließlich, was er gesucht hatte.
Mit der großen, roten Axt in der Hand lief er zurück in den anderen Keller und noch im Laufen holte er aus und lies die scharfe Klinge auf die mysteriöse Tür hinuntersausen. Die ungeheure Wucht des Schlages explodierte mit gleißendem Schmerz in seinen Armen. Mit einem Aufschrei lies er die Axt fallen und krümmte sich. Er hatte das Gefühl, als hätte man ihm gerade sämtliche Knochen zertrümmert. Tränen brannten ihm vor Wut und Schmerzen in den Augen. Als er blinzelnd aufsah hatte die Tür nicht einen Kratzer abbekommen und Marcys Konterfei schrie ihm immer noch stumm entgegen. Ein dunkles Heulen stieg aus seiner Kehle auf, wurde lauter und schien schließlich sein komplettes Denken auszufüllen.
Marcy! Sie war hinter dieser Tür, was auch immer sich dort verbergen mochte. Sie hatte es irgendwie geschafft sie zu öffnen und er hatte keine Chance, an sie heran zu kommen.
Erschöpft sackte er in die Knie und blieb mit hängendem Kopf, wummernden Herzen und schmerzenden Armen vor der Tür sitzen. Es musste eine Möglichkeit geben. Es musste einfach
Sein Blick fiel auf den unteren Rand der Tür. Sein Herz machte einen Satz und schnell kroch er näher heran. Da war ein Symbol. Ein Dreizack in einem Kreis und darunter die 666, genau wie Marcys Gesicht in das Holz gebrannt. Vorsichtig fuhr er mit den Fingern darüber und erwartete eigentlich, dass sich das Holz warm unter seinen Fingern anfühlen würde. Doch das Gegenteil war der Fall. Eine eisige Kälte ging von der Tür aus. Er kannte dieses Symbol, hatte es bereits gesehen, als er mit Marcy hier eingezogen war und er wusste auch wo.
Ich komme wieder Liebling, flüsterte er, stand auf und legte noch einmal seine Hand auf Marcys Gesicht. Ich komme wieder und dann Gnade dem, der sich mir in den Weg stellt.
Entschlossen drehte er sich herum und lief, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Kellertreppe hinauf.
AJ saß im Wohnzimmer auf dem Boden inmitten eines riesigen Berges aus Papieren und blätterte hektisch durch dicht beschrieben Seiten eines alten Manuskripts. Um ihn herum zeugten die Überreste der Party davon, dass er vor nicht einmal fünf Stunden noch glücklich gewesen war. Benutzte Gläser und Teller standen auf dem Couchtisch, den Schränken und auf dem Boden herum, volle Aschenbecher türmten sich daneben, die Lichterkette warf ein warmes, orangenes Licht auf die Szenarie und es roch nach kaltem Zigarettenqualm und den Ausdünstungen vieler tanzender und feiernder Menschen.
Doch das alles nahm er gar nicht richtig wahr. Er suchte das Symbol, das Zeichen, das er an dem Tag gesehen hatte, als er gemeinsam mit Marcy das erste Mal das Haus besichtigt hatte.
Marcy! Der Gedanke an sie ließ einen heißen, stechenden Schmerz in seinem Herzen auflodern. Nein. Jetzt nicht daran denken. Er war der Lösung sehr nahe, das wußte er. Er mußte nur die richtige Seite finden.
Damals hatten sie, zusammen mit einigen wenigen, übriggebliebenen Möbeln zwei große Kartons, angefüllt mit alten Dokumenten und Aufzeichnungen seiner lange verstorbenen Verwandtschaft hier vorgefunden. Eine Weile hatten sie vorsichtig in den alten, zum Teil bereits vergilbten Hinterlassenschaften gestöbert und dann alles wieder sorgfältig verstaut. Sie wollten sich dafür Zeit nehmen, alles ganz genau und in Ruhe begutachten. Marcy hatte bei ihrem Einzug einen Teil der alten Aktendeckel und Ledermappen hervor geholt und in ein Regal gestellt. Sie meinte, dass somit auch ein Teil seiner Vergangenheit einen Platz in dem neuen Haus gefunden hatte und er hatte sie für diese wundervolle Geste zärtlich an sich gezogen und geküsst.
Jetzt, als er die Symbole an der mysteriösen Tür gesehen hatte, war es ihm wieder eingefallen. Er hatte sie schon einmal gesehen. Beim schnellen Durchblättern eines Manuskripts, dessen Seiten von einer kleine, engen Handschrift bedeckt gewesen waren. Und irgendwo dazwischen hatte er den Dreizack mit dem Kreis darum gesehen, dessen war er sich absolut sicher.
Er blätterte die letzte Seite um, legte die gebundenen Blätter enttäuscht zur Seite und griff nach dem letzten Aktendeckel. Es mußte einfach hier sein, es gab gar keine andere
Und da war es. Ganz unten rechts in der Ecke, mit schwarzer Tinte gemalt prangte das Zeichen, das sich unten an der Tür befand, die ihn von Marcy trennte.
Aufgeregt huschten seine Augen über die dichtbeschriebene Seite. Er versuchte den Text zu erfassen und darin einen Hinweis zu finden, was mit Marcy geschehen war und wie er sie retten konnte. Doch er merkte schnell, dass er so nicht weiter kam. Mit äußerster Anstrengung zwang er sich zur Ruhe und begann langsam Wort für Wort zu lesen, was ihm sein Ur-Ur-Ur-Großvater hinterlassen hatte.
Das Tor ist gestern wieder aufgetaucht. Nach 150 Jahren hat es seinen Platz wieder eingenommen, hat es unsere Welt betreten und damit eine Verbindung geschaffen. Eine Verbindung zwischen dieser und der anderen Welt. Wir hofften noch, dass dieser Kelch an uns vorrüber gehen möge, doch unsere Gebete wurden nicht erhört.
Lucille hat die Kellertür verschlossen und ist nicht dazu zu bewegen, ihr näher als 5 Schritte zu kommen.
So viel Unheil hat das Tor und dieses Haus seinen Bewohnern gebracht. So viel Leid mussten sie erdulden, nur um die Mächte der Finsterniss zu besänftigen. Damit muß ein für alle Mal Schluss sein! Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass es sich auch dieses Mal wieder ein Opfer holt, dass es auch dieses Mal versuchen wird seine Saat des Unheils zu sähen und damit das Glück, das wir hier gefunden haben, zu zerstören.
Ich habe Nachforschungen über das Tor und seine Symbole angestellt. Ich weiß jetzt, wie wir es besiegen können. Doch um ehrlich zu sein, beruhigt mich dies nicht im Geringsten. Ein Opfer ist nötig. Ein letztes, schmerzbringendes Opfer. Ich glaube nicht, dass ich dazu im Stande bin. Ich stellte es mir so einfach vor. Irgendetwas musste es geben, dass die Macht des Tores brechen kann. Nun, es gibt etwas, doch diese Möglichkeit ist unmenschlich. Monströs, wie das Tor selbst. Es scheint, als hätte es selbst im Hinblick auf seine Vernichtung dafür gesorgt, dass wir es fürchten und niemals vergessen.
Der Hass tötet die Liebe.
Die Liebe tötet den Hass.
Wo beides aufeinander trifft, kann keines überleben.
Doch entziehst Du dem einen das andere, so wird Frieden herrschen.
Für alle Zeit.
Es ist ein Opfer, das ich nicht bereit bin zu erbringen. Mögen es andere Generationen besser machen als ich.
Der Schlüssel bist du, dein Herz, das in dir vor Verlangen schlägt und das sich sehnt nach dem, was hinter dem Tor verborgen liegt.
Oktober 1865 Gerald McLean
AJ starrte mit brennenden Augen auf die Zeilen vor sich. Wieder und wieder las er jedes einzelne Wort und spürte, wie all seine Hoffnungen langsam in sich zusammenstürzten. Das war alles? Mehr hatte Gerald nicht zu sagen? Wie konnte er nur? Wie konnte er zulassen, dass er, Alexander James McLean in diese Lage kam? Wie hatte er ihn ins offene Messer laufen lassen können, mit nichts mehr als ein paar verwirrter Worte zu seiner Verteidigung, die keinen wirklichen Sinn ergaben?
Mit einem frustrierten Laut schlug er das Manuskript zu und warf es quer durch den Raum. Verzweifelt barg er den Kopf in seinen Händen. Warum? Warum ausgerechnet Marcy? Warum passierte ihnen so etwas?
Der Schlüssel bist du hallte es in seinem Kopf wieder.
Er sollte der Schlüssel sein? Aber wie sollte das funktionieren? Hatte er nicht schon alles versucht um die Tür zu öffnen? Selbt mit roher Gewalt war diesem Tor nicht beizukommen, das hatte er am eigenen Leib schmerzhaft erfahren müssen.
Der Schlüssel bist du, murmelte er und schüttelte den Kopf. Das ergab keinen Sinn. Entschlossen stand er auf, durchquerte das Wohnzimmer und stieg erneut die Treppe in den Keller hinunter.
Ich bin der Schlüssel, sagte er schon von weitem zu der Tür. Hast du gehört? ICH
bin der Schlüssel und du wirst jetzt verdammt noch mal tun, was ich dir sage!
Er trat näher an die Tür heran. Marcys voller Qualen verzerrtes Gesicht schien ihm das letzte bißchen seines verkümmerten Herzes heraus zu reißen und Tränen der Wut traten ihm in die Augen.
Ich bin der Schlüssel, rief er laut und dachte dabei an Marcy, ihr hübsches Gesicht, ihr liebevolles, strahlendes Lächeln, an das Gefühl ihres weichen Haares zwischen seinen Fingern und das Gefühl ihres Körpers, der sich an ihn schmiegte und ihm damit mehr gab, als es jemals ein Mensch zuvor getan hatte. Seine zitternden Hände legten sich auf das raue Holz. Ich bin der Schlüssel, wiederholte er flüsternd. Mein Herz, das in mir vor Verlangen schlägt und das sich sehnt nach dem, was hinter dem Tor verborgen liegt.
Plötzlich fühlte er Bewegung unter seinen Händen. Die Tür begann beinahe unmerklich zu vibrieren und ein leises Knarren war zu vernehmen, so, als erschütterte irgendetwas das jahrhundertealte Holz. Licht flammte in den Türritzen auf und gleißende Strahlen ergossen sich in den Keller.
Ehrfürchtig trat er zwei Schritte zurück und versuchte dabei zu begreifen, was da gerade passierte. Hatte er dies alles wirklich nur mit seinen Worten ausgelöst?
Sein Herz machte einen erschrockenen Satz, als sich plötzlich mit einem knirschenden Geräusch der Türknauf zu drehen begann. Ein erster Windhauch streifte ihn und kühlte seine erhitzten Wangen. Dann schwang die Tür mit einem ohrenbetäubenden Knall auf, der Wind wurde augenblicklich zum Orkan und riss an seinen Kleidern, ein hohes Summen erklang und geblendet von dem gleißenden Licht kniff er die Augen fest zusammen.
Er spürte, wie ihn ein ungeheurer Sog erfasste und unaufhaltsam Richtung Tür zog. Er wehrte sich nicht. Dort, in diesem hellen Licht, wartete Marcy auf ihn. Für sie war er sogar bereit in den Tod zu gehen, das erkannte er nun, als sich seine Füße ohne sein Zutun vom Boden hoben und er in rasender Geschwindigkeit auf die Öffnung in der Mauer zuraste.
Ein letzter harter Ruck, das Gefühl, als hätte ihm jemand einen kräftigen Stoß ins Kreuz verpasst und er wurde durch die Tür katapultiert. Er drehte sich einmal um sich selbst während er durch die Luft flog, nur um gleich darauf schmerzhaft mit dem Rücken auf festen Grund aufzuschlagen. Die gesamte Luft wurde dabei aus seinen Lungen gepresst und ein unartikulierter Laut entrang sich seiner Kehle, bevor er nach Luft schnappend und keuchend zusammengekauert liegen blieb. Um ihn herum war es kalt - furchbar kalt - und etwas nasses, eisiges kroch durch sein dünnes T-Shirt. Erschrocken merkte er, wie Schwärze auf ihn zuzukriechen begann. Er schmeckte einen metallischen Geschmack in seinem Mund und begriff, dass er sich bei seinem Sturz auf die Zunge gebissen hatte.
Nur mühsam schaffte er es, die drohende Bewußtloskeit zurückzudrängen. Alleine der Gedanke an Marcy und dass er sie retten mußte hielten ihn aufrecht.
Nach ein paar Minuten verschwand die Benommenheit und vorsicht richtete er sich auf. Entgeistert riss er die Augen auf. Er hatte mit allem gerechnet: Heißes Fegefeuer, hässliche und gefährliche Kreaturen, die sich ihm rasend schnell näherten, Feinde, die es galt zu bekämpfen, doch nichts davon war zu sehen.
Er lag auf einer riesigen Ebene, die sich bis an den Horizont erstreckte und bretteben zu sein schien. Das Licht der fahlen Sonne, die hoch am Himmel stand, wurde von glitzerndem, weißen Schnee reflektiert. Nirgends schien so etwas wie Leben zu sein, wenn man mal von seiner mickrigen Wenigkeit absah.
Stöhnend stand er auf, wobei er gefährlich schwankte und schlang dann frierend die Arme um seinen schmalen Körper. Wo, verdammt noch mal, war er hier gelandet? Lernte man denn nicht schon von Kindesbeinen an, dass es in der Höhle unglaublich heiß war? Dass man bis in alle Ewigkeit für seine Sünden schmoren mußte?
Das hier sah allerdings doch eher nach Nordpol als Hölle aus. Aufmerksam sah er sich um. In einiger Entfernung sah er leichte Vertiefungen im Schnee und mit neu gewonnener Hoffnung stapfte er darauf zu. Der Schnee war an der Oberfläche gefroren und das erleichterte ihm das Vorwärtskommen ungemein, allerding war dies nicht wirklich hilfreich für seinen Aufprall gewesen. Ihm tat immer noch alles weh und er spürte, wie seine Arme und Beine von der Kälte bereits taub wurden.
Gleich darauf hatte er die Spuren im Schnee erreicht. Es waren Abdrücke von Schuhen, einige Nummern kleiner als seine eigenen und er fragte sich voller Hoffnung, ob dies wohl Marcys Spuren waren.
Aus Mangel an Möglichkeiten beschloss er, den Spuren zu folgen. Er hoffte, dass sie möglichst bald irgendwo hinführen würden wo es warm war. Mittlerweile schlugen seine Zähne vor Kälte schmerzhaft aufeinander, seine Fingernägel begannen bereits blau anzulaufen und sein Gesicht schien mit einer Eisschicht bedeckt zu sein. War dies ein perfider Plan des Bösen? Er wurde zwar in die andere Welt hinein gelassen, aber war dazu verdammt elendig zu erfrieren?
Die Bewegung tat ihm gut, wenn er auch nicht wirklich das Gefühl hatte, das ihm warm wurde. Doch er spürte förmlich, wie das Blut in seinen Armen und Beinen zirkulierte und damit gegen die drohenden Erfrierungstod ankämpfte.
Die Fußspuren schienen sich unendlich weit vor ihm auszudehnen. Er konnte meilenweit sehen. Nirgends war eine Erhebung zu erkennen, kein Fels, kein Baum, kein Haus, nicht das geringste Anzeichen für Leben oder auch nur der Möglichkeit sich zu verstecken, sollte hier plötzlich jemand oder etwas auftauchen, das ihm gefährlich werden konnte.
Es fiel ihm von Sekunde zu Sekunde schwerer einen Fuß vor den anderen zu setzen, sein Atem ging keuchend, seine Glieder protestierten bei jedem Schritt mit gleißendem Schmerz und er fühlte, wie ihn trotz allem Müdigkeit überkam. War es diese Müdigkeit, von der man immer wieder hörte, die einen Erfrierenden überkam? Man stirbt im Schlaf, murmelte er leise vor sich hin. Das Blut kann nicht mehr richtig zirkulieren und legt damit den Körper lahm.
Er würde sterben! Die Erkenntnis traf ihn wie einen Blitzschlag und er sog heftig die Luft ein, nur um gleich darauf in einen unkontrollierten Hustenreiz zu verfallen. Er würde nicht im Kampf um Marcy sterben. Nein, schon bei dem Versuch sie zu finden würde er elendig versagen.
Erneut machte er einen Schritt, was ihn von Mal zu Mal mehr Anstrengung kostete. Zu spät merkte er, dass die Fußspuren hier endeten. Während er noch ungläubig die Augen aufriss hörte er ein Knirschen und Kreischen, das ihm sämtliche Haare zu Berge stehen lies. Da gefriert einem ja das Blut in den Adern, schoss ihm durch den Kopf und er hätte beinahe hysterisch losgekichert. Die besten Witze waren eben immer noch die eigenen.
Dann begann der Boden unter ihm nachzugeben und das Lachen blieb ihm im Halse stecken und bildete einen harten, unüberwindlichen Klos in seinem Hals. Er streckte noch die Arme aus um das Gleichgewicht zu halten, doch es war bereits zu spät.
Mit einem ekelerregenden Laut gab die Schneedecke unter ihm nach, scharfe Kanten aus Eis brachen auf und in einem letzten, verzweifelten Versuch warf er sich herum. Doch zu spät. Seine Füße brachen in das Eis ein, bevor sein gesamter Körper unter Wasser gezogen wurde.
Die Kälte lähmte im ersten Moment sowohl seine Gedanken, als auch seinen Atemreflex. Die Wassermassen schlugen dunkel und angsteinflößend über ihm zusammen und fiel zu schnell sank er nach unten. Das bisschen Licht, dass durch das Loch in der Eisdecke zu ihm durchdrang, schwand schnell. Seine Gedanken drifteten davon. Er hatte nicht mehr die Kraft auch nur einen Schwimmzug zu machen und sich damit wieder der Oberfläche zu nähern.
Er spürte, wie er seinen Körper verließ, sah eine schmächtige, blasse Gestalt weiter dem Grund entgegen schweben. Aus den Augenwinkeln (wobei er sich fragte, ob diese Astralgestalt, die er nun angenommen hatte, so etwas überhaupt besaß) nahm er ein schwaches funkeln war. Ein kurzes Aufblinken von etwas. Er konzentriete seine Gedanken und all seine Sinne auf dieses kleinen Punkt. Hatte er sich das kurze Glitzern nur eingebildet? Nein! Da war es wieder.
Langsam folgte er seinem entschwindenden Körper, der leeren Hülle, die dieser AJ McLean inzwischen nur noch war, und näherte sich damit dem Ursprung des Funkelns, das verheißungsvoll nach ihm zu rufen schien.
Beinahe hatte er es erreicht, er streckte noch eine Hand danach aus und stellte dabei verwundert fest, dass er leuchtete wie eine 500 Watt Glühbirne, dann spürte er einen Ruck, das Universum schien sich einmal um seine eigene Achse zu drehen und im nächsten Moment spuckte er hustend und keuchend Wasser.
Er war zurück in seinem Körper, was ihm die rasenden Schmerzen in seinem Kopf, Rücken, Armen und Beinen sofort bestätigten. Und ihm war kalt. Ihm war so verdammt kalt, dass er nicht in der Lage war, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Sein gesamter Körper zitterte, seine Muskeln krampften sich zusammen, entspannten sich wieder, nur um gleich darauf wieder in gleißendem Schmerz zussammenzuschrumpfen.
Das ist das Ende schoss es ihm durch den Kopf, bevor vor seinem geistigen Auge das Licht ausging, die Dunkelheit ihn übermannte und er zusammensakte.
Alex!! Wach auf!! Die Stimme klang sanft, aber dennoch alarmierend in seinem Kopf.
Alex bitte. Hilf mir. Ich bin hier.
Etwas unglaublich weiches und warmes streifte sein Gesicht. Mühsam öffnete er die Augen. Licht blendete ihn und er hob schützend eine Hand vor die Augen.
Langsam schälten sich Konturen aus diesem alles überstrahlenden Weiß.
Marcy! entfuhr es ihm und auf der Stelle war er hellwach.
Hilf mir bat die Lichtgestalt erneut und ein Ausdruck von unsagbarem Schmerz lag dabei auf ihrem Gesicht. Marcys Gesicht, wie AJ sofort feststellte.
Ich bin hier Baby, krächzte er und stemmte sich in die Höhe. Ihm war nicht mehr kalt, aber auch nicht wirklich warm. Seine Kleider waren trocken, lediglich einige Kratzer und Schrammen bestätigten ihm, dass er immer noch in diesem Albtraum gefangen war.
Er wollte nach der Lichtgestalt greifen, wollte Marcy beschützend in die Arme nehmen, doch seine Hände griffen ins Leere. Marcys Gesicht drückte Kummer aus, während ihre wunderschöne Stimme erneut in seinem Kopf widerhallte.
Du kannst mich nicht berühren. Ich bin nicht mehr hier. Ich weiß nicht genau was geschehen ist, aber ich habe Angst. Bitte Alex, du mußt mir helfen!
Das werde ich. Das verspreche ich. Sag mir nur wie.
Ich weiß es nicht. Ich kann
oh Gott. Er kommt! Alex er kommt. Bring dich in Sicherheit. Bitte!! Er kommt
Die Gestalt vor ihm begann zu flackern und verblasste zusehens vor seinen Augen.
Marcy. Nein! rief er entsetzt und versuchte wieder besseren Wissens nach ihrer Hand zu greifen, doch wieder spürte er nur leere Luft.
Bring dich in Sicherheit sagte sie noch einmal, dann war sie verschwunden.
Das erste Mal sah er sich hektisch um. Um ihn herum war es dunkel. Um genau zu sein breitete sich einen undurchdringliche Schwärze um ihn herum aus. Wenn er auf seine Hände hinunter sah, konnte er diese zwar einwandfrei sehen, aber alles was darüber hinaus ging schien wie ein großes, schwarezes Loch zu sein.
Vielleicht war es das auch. Das Loch, durch das man vom Reich der Lebenden in das der Toten wechselte. Ein Schaudern erfasste ihn und nun spürte er ganz deutlich, dass sich etwas näherte. Etwas großes, monströses, unfassbares.
Als würde es etwas nützen wich er langsam zurück und starrte dabei angestrengt in die Dunkelheit vor sich. Etwas schien sich zu verändern, das Schwarz bildete kleine Wellen an seinen Rändern, der Raum dehnte sich erst unendlich vor ihm aus, um sich dann wieder zusammen zu ziehen. Plötzlich erschien in Augenhöhe vor ihm ein kleiner, bläulich schimmernder Lichtpunkt, der sich rasend schnell ausbreitete.
AJ trat einige weitere Schritte zurück und erschrak, als er mit dem Rücken gegen etwas hartes stieß. Das Dunkel war also nicht wirklich unendlich. Er stand buchstäblich mit dem Rücken zur Wand und der Lichtpunkt hatte sich inzwischen so weit ausgedehnt, dass er eine vage Gestalt darin erkennen konnte. Er sah einen schmalen Kopf, lange Gliedmaßen und etwas, das wie ein wehendes Cape aussah.
Du bist ihr also hierher gefolgt, dröhnte plötzlich eine tiefe Stimme und AJ hatte das Gefühl, dass jemand sein Herz in eine eiserne Faust genommen hatte und gnadenlos zudrückte.
Sie ist meine Frau, antwortete er dennoch und schluckte. Ich werde nicht ohne sie gehen.
Warum denkst du, sollte ich die gehen lassen? fragte die Stimme amüsiert.
Wir gehören hier nicht her. Wir gehören in das Reich der Lebenden.
Das ihr, wie du sicherlich schon gemerkt hast, vor einer ganzen Weile verlassen habt. Ihr seid tot. Daran kannst du oder sie nichts mehr ändern.
Die Stimme log, das spürte AJ, doch er konnte auch nicht sagen, warum er so dachte.
Ihr Menschen seid so leicht zu beeinflussen. Eure Neugier und euer Wissensdurst treiben euch an. Man muß euch nur etwas vor die Nase setzten, das ihr so nicht kennt und schon seid ihr nicht mehr zu halten.
Marcy ist nicht freiwillig hier, widersprach AJ. Und ich auch nicht.
Ein dröhnendes Lachen antwortete ihm. Die Gestalt vor ihm pulsierte ein letztes Mal, dann schien sie an Substanz zu gewinnen und er sah sich unvermittelt einem Mann gegenüber.
Er überragte AJ um fast einen Kopf, sein Gesicht war schmal und lang, schwarze Augen glommen in tiefen Augenhöhlen und seine dünne Gestalt steckte in einem dunklen Anzug der tatsächlich von einem blutroter Umhang umschmeichelt wurde.
So, so. Nicht freiwillig. Und was willst du dagegen tun? Hm? Willst du dich mit mir prügeln? erneut lachte der Fremde.
Wenn es sein muß, antwortete AJ und richtete sich zu seiner vollen Größe auf.
Der Fremde legte den Kopf schief und musterte ihn einen Moment aufmerksam.
Du kommst hier in mein Reich und handelst dir sofort Ärger ein. Sehr sympathisch. Leider muß ich dir sagen, dass dir das nichts nützen wird.
Das ist mir egal, ich
,
SCHWEIG!! brüllte der Fremde. Seine Augen begannen plötzlich in einem dunklen rot zu leuchten, er breitete die Arme aus und reckte den Kopf in die Höhe. Ich bin der Herrscher der Finsterniss. Ich werde dich zertreten wie einen kleinen Wurm. Denn das bist du. Nicht mehr als ein Wurm!
Eine unglaubliche Wandlung vollzog sich mit der dürren Gestalt. Aus dem ausgebreiteten Cape wuchsen Federn und bildeten kräftige, schwarze Schwingen, das Gesicht verformte sich, wurde noch schmaler, kleine Hörner wuchsen aus seiner Stirn und als der Fremde den Kopf wieder senkte und AJ ansah, zog er die Lippen zurück und entblößte eine Reihe messerscharfer, gelber Zähne.
Du willst dich also mit mir anlegen, grinste das Monster und kicherte wild.
Die Angst machte AJ bewegungsunfähig. Sein Herz hämmerte, als wolle es ihm gleich aus der Brust springen und seine Eingeweide fühlten sich wie ein kalter Klumpen Eis an.
Mit einem Schrei warf sich das Monster auf ihn, stahlharte Schwingen fegten AJ von den Füßen und rissen seine Wange auf. Er flog quer durch den Raum und wurde an der gegenüberliegenden Seite von unsichtbaren, schwarzen Mauern gestoppt. Stöhnend blieb er auf der Seite liegen, versuchte den Schmerz, der glühendrot hinter seinen Augenlidern pulsierte zu ignoriern und sich wieder aufzurichten. Doch sämtliche Kraft schien aus seinem Körper entwichen zu sein.
Ihr Menschen seid so naiv, das Monster war wieder neben ihm aufgetaucht. Alle 150 Jahre komme ich nachsehen, ob nicht doch einer von euch dabei ist, der schlauer ist als sein Vorfahr. Aber nein, immer wieder landet ihr hier. Wegen der Liiiiebe, das letzte Wort spie er aus, als hätte er etwas ungenießbares im Mund.
Mit Händen, deren Fingernägeln zu rasiermesserscharfen Klingen mutiert waren griff das Monster nach AJs Schulter und riss ihn in die Höhe. AJ schrie gequält auf und versuchte, sich aus dem stahlharten Griff zu befreien, doch die Krallen gruben sich nur noch tiefer in ihn hinein.
Menschen, sagte das Monster erneut abfällig und schleuderte AJ erneut davon.
Für einen Moment verlor er das Bewußtsein. Zumindest glaubte er das, denn er hörte erneut Marcys Stimme.
Töte mich flüsterte sie. Entziehe dem einen das andere und es wird Frieden herrschen. Für alle Zeit.
Nein Marcy. Niemals. Ich werde
,
Du hast keine andere Wahl. Töte mich. Die Lichtgestalt beugte sich zu ihm hinunter und strich ihm federleicht über die Wange. Sofort verschwanden seine Schmerzen, er konnte wieder klar denken und ein letzter Rest Kraft ströhmte zurück in seine Glieder.
Töte mich wiederholte sie und er spürte, wie sich ein Gegenstand in seine Handflächen schmiegte.
Marcy, das kann ich nicht tun. Ich liebe dich. Ich
Brutal wurde er zurück in die Realität gerissen. Das Monster hatte ihn erneut gepackt und er spürte, wie seine Füße ein ganzes Stück über dem Erdboden baumelten.
Hast du es endlich begriffen, flüsterte das Monster. Du bist tot. Schon als du geboren wurdest. Niemand wird dir helfen und schon gar nicht die kleine Schlampe.
Ohne Vorwarnung rammte AJ seine beiden Fäuste in die Brust des Monsters. Dieser gab einen überraschten Laut von sich und lies tatsächlich AJs Schultern los.
Blitzschnell wirbelte AJ herum und rannte los. Wohin wußte er nicht. Er wollte nur so viel Abstand wie möglich zwischen sich und das Monster bringen.
Bleib stehen, kreischte dieser und AJ hörte wie die mächtigen Schwingen druch die Luft sausten.
Töte mich! Vor AJ erschien erneut die helle Lichtgestalt. Töte mich und rette dein Leben.
Schweratmend blieb AJ stehen. Ein schneller Blick zurück bestätigte ihm, was er sowieso schon wußte. Das Monster stand hinter ihm und funkelte ihn aus seinen unheimlich glühenden Augen an. Ein höhnisches Grinsen erschien um seine Mundwinkel.
Du hast die Wahl, sagte er. Töte den Hass oder die Liebe. Aber mach mich nicht hinterher für deine Wahl verantwortlich.
AJ blickte hektisch zwischen dem Monster und Marcy hin und her. Was sollte er nur tun? Hatte Marcy recht? Konnte nur so verhindert werden, dass sich das Tor alle 150 Jahre wieder öffnete und sich ein weiteres Opfer holte? Musste er Marcy töten? Nein, das konnte er nicht. Nicht Marcy. Nicht, wenn es noch ein Fünkchen Hoffnung gab. Doch gab es dies tatsächlich noch? Hoffnung?
Ich wußte, dass du zu feige bist, lachte das Monster, breitete die Schwingen aus und setzte über AJs Kopf hinweg. Leichtfüßig landetet es bei Marcy. Seine Hand schoss vor und bohrte sich in ihren leuchtenden Leib. Sie schrie gequält auf und ihre Stimme hallte dabei schmerzhaft in AJs Kopf wieder, füllte sein gesamtes Denken aus und verursachte ihm körperliche Schmerzen. Tränen schossen ihm in die Augen, sein Magen rebellierte und er krümmte sich unter nicht enden wollenden Qualen.
Töte mich schrie Marcy erneut.
Ich kann nicht, presste er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. Sein Blick fiel auf seine geschlossene Faust. Immer noch hielt er den Gegenstand fest, den Marcy ihm in die Hand gedrückt hatte. Vorsichtig öffnete er die Finger und starrte auf das, was auf seiner Handfläche lag.
Ein kleiner Pfeil, nicht größer als sein Zeigefinger, mit einer glänzenden Spitze und weichen, hellgelben Federn am Ende. Das sollte eine Waffe sein? Damit sollte er Marcy
Aaaalex. Bitte! Ich flehe dich an!! Hörte er Marcy erneut in seinem Kopf schreien.
Als er nun aufsah, stand das Monster über Marcy gebeugt, ihr Kopf lag an seiner Brust, aus ihrem Bauch sickerte eine strahlendweiße, glitzernde Flüssigkeit, die zu Füßen des Monsters kleine, silbrige Pfützen bildete.
In diesem Moment hörte er auf zu denken. Mit eine Wutschrei stürzte er sich auf das Monster. In seiner Faust hielt er den Pfeil, sein Herz wummerte in seiner Brust und drohte zu zerspringen und noch während er seinen Arm herunter sausen lies um die Spitze in das Auge des Monsters zu versenken, richtete sich die Lichtgestalt, die einmal Marcy gewesen war, in dessen Armen auf und stellte sich AJ entgegen.
Der Pfeil verfehlte das Auge des Monsters und drang stattdessen tief in Marcys Körper ein, ungefähr dort, wo ihr Herz saß.
Neeeeeiiiiiiin, brüllte AJ, der zu spät erkannt hatte, was Marcy vorhatte. Er versuchte nach ihr zu greifen, streckte seine Hände nach ihr aus und konnte doch nur dabei zu sehen, wie sie sich mit einem sanften Lächeln auf dem Gesicht vor seinen Augen auflöste.
Ich liebe dich flüsterete sie.
Ein markerschütternder Schrei hallte durch die Dunkelheit. Das Monster bäumte sich auf, seine Haut schlug blasen und tropfte als zähe, gelbliche, stinkende Flüssigkeit zu Boden. Unter Todesqualen wandt sich das Monster zu AJs Füßen, schrie und schrie und schlug dabei immer wieder mit den lichterloh brennenden Flügeln auf den Boden.
In diesem Moment begann sich die Dunkelheit um AJ herum zu drehen, das Monster stieß einen letzten, wahnsinnigen Schrei aus, dann fiel AJ in samtene Schwärze, die ihn umhüllte wie einen Schutzmantel, aus dem er gedachte nie wieder aufzutauchen.
Es war ungewöhnlich kalt für Kalifornien. Der Wind lies die Blätter in den Bäumen rauschen, dunkle, schwere Wolken hingen tief am Himmel und nahmen damit der Welt sämtliche Farben.
AJ ging langsam mit hängendem Kopf und einem Blumenstrauß in der Hand über den Friedhof.
Drei Monate wäre es jetzt her, dass die Polizei an seiner Haustür geklingelt hatte und ihm mitteilte, dass man Marcy gefunden hatte. Laut Polizeibericht entdeckte man sie in einem Park, nicht weit von ihrem Haus. Die Leiche war übel zugerichtet worden. Schnittwunden und tiefe Kratzer verunstalteten ihren hübschen Körper, doch das alles hatte nicht zu ihrem Tod geführt, wie der Leichenbeschauer feststellte. Ein kleiner Stich in ihr Herz von einer Nadel oder ähnlichem, hatte sie getöt. Die Polizei tappte im Dunkeln was den Täter betraf. Nur AJ wußte, wer für ihren Tod verantwortlich war. ER hatte sie umgebracht. ER hatte ihr die tödliche Verletzung zugefügt.
Starr vor Trauer, Schuldgefühlen und Verzweiflung erreichte er schließlich ihr Grab.
Hey Baby, flüsterte er und legte den Blumenstauß auf die dunkle Erde. Das Tor ist wieder verschwunden, erzählte er und lies sich auf die Knie nieder. Es ist zum verrückt werden. Jetzt habe ich drei Monate gebraucht um zurück in den Keller zu gehen und nun ist der einzige Weg, auf dem ich dich vielleicht noch zurück holen könnte verschlossen. Es ist, als hätte diese Tür nie existiert. Manchmal glaube ich, dass sie vielleicht auch nie da war, dass ich alles nur geträumt habe. Dann wache ich auf, greife nach dir, weil ich denke, du liegst neben mir im Bett. Der Schmerz, den ich empfinde, wenn ich merke, dass du nicht mehr da bist ist so fuchtbar.
Er wurde still, weil er nicht wußte, was er noch sagen sollte. Zu schwer drückte die Last ihres Todes auf seinen Schultern. Alleine der Gedanke, was ihn zu Hause erwartete, hielt ihn aufrecht. Die Tabletten würden helfen. Viele Tabletten, damit er auch wirklich nicht mehr aufwachte. Er konnte nicht ohne sie weiter leben und schon gar nicht mit dieser Schuld.
Der Wind wurde heftiger, zerrte an seinem Hemd und Haaren. Blätter wirbelten um ihn herum und bildeten vor seinen Augen Worte auf der dunklen Erde von Marcys Grab. Ungläubig starrte er darauf.
Es ist nicht deine Schuld stand da. Die Blätter wirbelten erneut herum und formten einen neuen Satz.
Du hast die Menschheit gerettet. Ein Schluchzen entrang sich seiner Kehler, während das Laub erneut raschelte.
Tu es nicht! Denn sonst gewinnt ER doch noch.
AJ schüttelte den Kopf. War das möglich? Konnte sie
Ich liebe dich.
Ich liebe dich auch.
Vergiss mich nicht.
Das werde ich nie.
Geh nach Hause. Fang ein neues Leben an.
Ich kann nicht. Du fehlst mir!
Es geht mir gut. Mach dir keine Sorgen.
Ich will dich wieder haben. Es ist nicht fair, dass er mir dich genommen hat. Er hätte mich genau so gut gleich mit töten können. Mein Leben hat keinen Sinn mehr ohne dich.
Geh nach Hause. War die erneute Antwort. Aber
,
Geh!!
Schwerfällig richtete er sich auf. Die Blätter wirbelten erneut herum, schienen sich für einen Moment nicht entscheiden zu können und stoben dann davon.
Weinend wandte er sich von Marcys Grab ab und schlufte langsam zurück zu seinem Wagen. Das Leben war nicht fair. Er hatte die Menschheit gerettet? Was für eine Witz. Jetzt mußte er für die gesamte Menschheit leiden und genau so fühlte es sich auch an.
Er öffnete die Wagentür und stieg ein. Doch er startete den Motor nicht sofort, sondern blieb ruhig sitzen, den Kopf nach hinten gelegt, bemüht, die Tränenflut irgendwie einzudämmen.
Plötzlich wurde es hell um ihn herum, die Konturen des Wagens verblassten und er schien zu schweben.
Ich bin bei dir hörte er Marcys vetraute Stimme und eine nie gekannte Ruhe durchströhmte ihn. Du hast das richtige getan und den Fluch gebrochen. Du kannst stolz auf dich sein. Ich liebe dich und ich werde dich immer lieben, aber du hast noch dein ganzes Leben vor dir. Wirf es nicht weg. Suche dich selbst, mache etwas aus der Chance, die du bekommen hast. Opfere IHM nicht noch mehr.
Ich weiß nicht, ob ich das kann, murmelte er.
Du kannst. Glaub mir.
Und dann fühlte er eine Berührung auf seinen Lippen, so zart und weich als hätte ihn gerad ein Engel geküsst.
Leb wohl AJ. Flüsterte Marcy
"Leb wohl mein Liebling." Flüstere er zurück. Für einen Moment schloss er die Augen, genoss noch ein letztes Mal ihre Präsenz. Dann erlosch das Leuchten ganz langsam. Nur das Gefühl der Ruhe in ihm, das blieb. Vielleicht weil er wußte, dass er das richtige getan hatte und vielleicht auch, weil er die Möglichkeit, irgendwann einmal wieder glücklich sein zu können, nun nicht mehr ganz ausschloss.
Er startete schließlich den Wagen und fuhr langsam an. Nach Hause.
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