Prolog
Warte, ich richte den Schleier noch einmal, flüsterte Hannah neben mir und sogleich spürte ich, wie sie hinter meinem Rücken an dem weißen Tüll herum zupfte.
Hannah, das machst Du jetzt schon zum hundertsten Mal, kicherte ich Ist das Deine Hochzeit oder meine?
Es mag zwar Deine Hochzeit sein Skyler, aber ich bin für uns beide aufgeregt. Ich verstehe gar nicht wie Du so ... ,
In diesem Moment begann hinter den luftigen, rosa Vorhängen der Hochzeitsmarsch zu spielen und Hannah verstummte mitten im Satz. Sofort spürte ich, wie mein Vater meinen Arm noch etwas fester umklammerte.
Mit dem rechten zu erst, oder? fragte er und seine Augen hinter der randlosen Brille blinzelten heftig, wie immer wenn er aufgeregt war.
Ja Daddy, mit dem rechten zu erst. Und keine Panik, wir schaffen das schon. Ich lächelte, tätschelte ihm noch einmal aufmunternd die Hand und machte dann den ersten Schritt durch den Vorhang hinaus in den Garten.
Die langen Stuhlreihen waren bis auf den letzten Platz besetzt und mit Girlanden aus weißen Nelken und roten Rosen geschmückt. Auf dem Weg zu dem kleinen Podest, auf dem die Pfarrerin stand und mir lächelnd entgegen blickte, nickte ich hier und dort ein paar bekannten Gesichtern zu, stellte dabei fest, dass ich viele der hier Anwesenden gar nicht kannte und versuchte mich dann wieder auf meine gleichmäßigen Schritte und den Mann zu konzentrieren, den ich gleich heiraten würde.
Er stand erwartungsvoll am Ende des Mittelganges und lächelte mir liebevoll entgegen. Er sah einfach umwerfend aus in seinem schwarzen Smoking und der kleinen, angesteckten roten Rose. Sein Haar schimmerte dunkel in der Sonne und seine ebenfalls dunklen Augen lösten sich keinen Moment von meinen, während ich langsam das Ende des Ganges erreichte.
Er trat auf mich zu, umarmte meinen Vater kurz und nahm dann meine Hand in seine.
Jetzt endlich begann mein Herz ebenfalls schneller zu schlagen. Alleine seine weiche Haut unter meinen Fingern spüren zu können, mir seiner Nähe so unglaublich bewußt zu sein und seinen vertrauten Duft zu riechen machte mich schon glücklich. Und gleich würde ich seine Ehefrau sein. Das Leben war einfach wundervoll!
Wir sind hier versammelt, um diese Frau und diesen Mann in den heiligen Bund der Ehe zu führen ... , begann die Pfarrerin, den Rest bekam ich nicht wirklich mit, da ich damit beschäftigt war, meinen Herzschlag zu beruhigen und nicht dauernd zu ihm hinüber zu starren. Ihn an zu sehen, ihn aber nicht küssen zu dürfen, stellte mich auf eine sehr harte Probe.
... sie zu lieben und zu Ehren, bis das der Tod Euch scheidet, so antworte mit Ja, ich will.
Was? Waren wir schon so weit? Was hatte ich denn in der ganzen Zeit getan? Geschlafen?
Nein, korrigierte ich mich gleich selbst, ich war mit ihm in Gedanken ganz weit fort gewesen, so, wie ich es mir eigentlich für unsere Hochzeit gewünscht hatte. Leider war es nicht möglich gewesen, da seine einflussreiche Familie darauf bestanden hatte ein großes Fest mit all unseren Freunden und natürlich ihren zu feiern.
Also eigentlich ... ,
Wir hätten so wunderschön an einem einsamen Strand heiraten können ...
... will ich ... also ...
Wir hätten ... Moment ... was redete er da? Irritiert blickte ich zu ihm auf. Er hielt immer noch meine Hand, aber sein Blick war nicht mehr liebevoll auf mein Gesicht gerichtet, sondern starrte unglaublich traurig irgendwo auf einen Punkt in Mitten der Hochzeitsgesellschaft.
... ich möchte nicht heiraten ... , sagte er ganz leise, so dass es wahrscheinlich nur ich hören konnte. Scharf sog ich die Luft ein, noch nicht bereit zu glauben, was er da eben gesagt hatte.
Nein, sagte er dann etwas lauter, straffte sich, wandte seinen Blick endlich mir zu und sah mir tief in die Augen. Es tut mir leid Sky, aber ich kann Dich nicht heiraten.
Ich schluckte und sank dann einfach in Mitten eines Berges von Tüll, Taft und Seide bewußtlos zu Boden.