Kapitel 25
Conner lotste mich vom McDonalds Restaurant durch ein paar Seitenstraßen und schneller als ich gedacht hatte, erreichten wir das Wohnheim. Luftlinie lag das Schnellrestaurant sicherlich nicht einmal zwei Meilen von hier entfernt.
Jetzt habe ich wenigstens meine Orientierung wieder, seufzte ich, als ich gemeinsam mit Conner aus dem Wagen stieg.
Ja, das hört man öfter von Frauen. Dass sie die Orientierung verlieren meine ich, grinste Conner und wurde auf dem Weg zum Gartentor immer langsamer.
Schließlich blieb er ganz stehen und ich drehte mich fragend zu ihm herum.
Tersha wird ziemlich sauer auf mich sein, sagte er leise und schaute zu dem Haus hinüber, aus dem aus der unteren Etage ein schwacher Lichtschein drang.
Zum einen hat sie sicherlich Grund dazu und zum anderen werde ich ein gutes Wort für Dich einlegen, wenn es Dir hilft.
Ist schon komisch, aber irgendwie habe ich Angst davor, dass sie mich diesmal wirklich raus wirft.
Das wird schon, versuchte ich ihn zu beruhigen.
Gibt es eigentlich irgendetwas, was Deinen Glauben an das Gute im Menschen erschüttern kann? fragte er.
Sofort fielen mir Luke und Hannah ein. Ich schluckte und entgegnete da gibt es sicherlich eine ganze Menge, aber ich denke, Tersha hat das Herz am rechten Fleck und immerhin ... na ja ... sieht es so aus, als würdest Du Dich bessern wollen. Ich glaube, dass sie das überzeugen wird.
Mich bessern wollen. Das ist für meine Ohren ungefähr so schlimm, wie wenn ich zu Dir Schätzchen sage.
Dann einigen wir uns einfach darauf, dass wir diese Wörter aus unserem Wortschatz streichen, sagte ich lächelnd.
Er nickte abwesend und setzte sich dann wieder in Bewegung. Er drückte das Gartentor auf und lief langsam über den Weg durch den Garten. Als er die Stufen zur Veranda erreicht hatte, tauchte ein Bewegungsmelder den Garten in helles Licht. Noch bevor er wirklich an der Haustür klopfen konnte, wurde die Tür bereits geöffnet und Tersha stand, in ein weites, buntes Hauskleid gehüllt, im Türrahmen.
Conner? Mit Dir hatte ich jetzt gar nicht gerechnet, sagte sie und ihr war deutlich anzumerken, dass sie nicht gerade gut auf ihn zu sprechen war. Dann entdeckte sie mich hinter ihm.
Skyler? Du meine Güte, wo kommen Sie denn um diese Uhrzeit her?
Ich habe Conner unterwegs eingesammelt. Tut mir leid, dass es so spät geworden ist, aber ... nun ja ... wir haben uns bei McDonalds irgendwie verquatscht.
Tershas und Conners Blicke waren göttlich. Tersha sah so aus, als erzähle ich ihr gerade eine unglaubliche Geschichte über fliegende Untertassen und das Seemonster von Lochness und Conner konnte wohl einfach nicht fassen, dass ich so unbekümmert über unseren Ausflug sprach.
Seien Sie also nicht böse auf ihn, ja? brachte ich noch heraus und scheinbar war Tersha zu perplex um weiterhin wütend auf Conner zu sein. Sie öffnete die Tür noch ein Stück weiter und bedeutete uns, ein zu treten.
Conner drückte sich sofort an ihr vorbei und verschwand im Inneren des Haus. Gleich darauf hörte ich ihn die Treppe hinauf hasten.
Der Flur lag weit gehend im Dunkeln. Im Aufenthaltsraum zu meiner Rechten brannte eine kleine Stehlampe, die den Raum nur notdürftig erhellte, am anderen Ende des Ganges viel ein Keil warmen, gelben Lichtes aus Tershas Büro und davor zeichnete sich eine dunkle Silhouette ab.
Wir haben uns ganz schöne Sorgen um den Ausreißer gemacht, sagte Tersha gerade leise, während die Gestalt hinter ihr zwei Schritte ins Licht machte.
Hi Sky, sagte AJ leise und seine warme, raue Stimme lies mein Herz sofort schneller schlagen.
Hey AJ. Was machst Du denn hier? war alles, was ich sagen konnte.
Tershas Blick huschte von einem zum anderen, dann grinste sie breit, ging den Gang hinunter, klopfte AJ im Vorbeigehen freundschaftlich auf die Schulter und verschwand gleich darauf in ihrem Büro.
Ich habe Tersha besucht, entgegnete er schulterzuckend und machte zwei weitere Schritte auf mich zu. Ist die Party schon zu ende? fragte er weiter und stand nun so nahe vor mir, dass ich ihn hätte berühren können, wenn ich das gewollt hätte.
Ja ... also ... nein, eigentlich nicht. Aber ... ich hatte keine Lust mehr dort zu sein, also bin ich gegangen.
Und Deine Begleitung ... uhm ... Will richtig? Wo ist der?
Noch dort und ich hoffe, dass er gerade wild knutschend mit seiner Herzdame auf der Couch sitzt, schmunzelte ich.
Sky, der neue Amor? fragte AJ amüsiert.
So in Etwa, ja, gab ich grinsend zurück.
Für einen Moment breitete sich Stille zwischen uns aus. Das spärliche, warme Licht malte Schatten in sein lächelndes Gesicht, seine Hände steckten lässig in seinen Hosentaschen und er lies mich keinen Moment aus den Augen.
Es ist schön Dich zu sehen, sagte er schließlich leise.
Mein Herz machte einen stolpernden, harten Satz und klopfte dann doppelt so schnell weiter. Was geschah hier nur mit mir?
Uhm ... geht mir ähnlich.
Das hastige Geräusch von Füßen auf den Treppenstufen brachte mich zurück in die Wirklichkeit. Conner kam schnell näher, in den Händen hielt er einen dicken Stapel Papier, den er fest an seinen Oberkörper presste.
Hey Kumpel. Schön dass Du wieder da bist, begrüßte ihn AJ.
Uhm ... ja ... ähm ... könntest Du uns kurz alleine lassen? antwortete Conner hastig und AJ sah verwundert zwischen ihm und mir hin und her.
Uhm ... natürlich, sagte er schließlich, drehte sich herum und ging den Flur hinunter. Kurz bevor er Tershas Büro betrat, warf er noch einmal einen fragenden Blick zurück, doch ich winkte ihm lediglich kurz zu, was er mit einem Schulterzucken beantwortete. Dann verschluckte ihn der Türrahmen.
Also ... das sind sie, sagte Conner an mich gewandt und hielt mir die dicht beschriebenen Seiten entgegen. Ich hoffe, Du kannst meine Handschrift lesen.
Ach, ich denke, das wird kein Problem sein, antwortete ich, während ich ihm die Papiere aus seinen leicht zitternden Händen nahm.
Und vergiss nicht, Du hast mir versprochen, sie niemandem zu zeigen.
Klar. Hey, das ist doch Ehrensache. Was ich verspreche, das halte ich auch.
Gut. Uhm ... ich sollte jetzt vielleicht nach oben verschwinden. Im Moment ist Tersha wohl noch etwas überrascht, aber das lässt bei ihr relativ schnell nach und dann möchte ich nicht unbedingt in ihrer Nähe sein.
Ist in Ordnung. Ich schaue die nächsten Tage vorbei und sage Dir, was ich davon halte, ja?
Er nickte nervös, schien dann noch einen Moment zu überlegen und schlang dann seine langen, schlaksigen Arme um mich.
Danke, sagte er nahe an meinem Ohr.
Aber das ist doch keine große Sache, ich meine ... ,
Nein. Danke, wiederholte er.
Gerne geschehen, erwiderte ich lächelnd und drückte ihn kurz an mich.
Als er mich los lies, lag ein spitzbübisches Grinsen auf seinen Lippen davon kann ich heute Nacht träumen, meinte er. Ich konnte ihn allerdings nur verständnislos anstarren.
Na, wie es sich anfühlt, wenn sich Deine Brust gegen meine drückt.
Ohhhh, verschwinde Du gemeiner Kerl, rief ich und schlug ihm, allerdings nicht sehr fest, mit dem Papier in meiner Hand auf den Arm. Er lachte auf seine ganz eigene, meckernde Art, drehte sich herum und spazierte lässig den Flur hinunter. Kaum war er die Treppe hinauf verschwunden, streckte AJ seinen Kopf aus Tershas Büro.
Alles in Ordnung? fragte er.
Ja. Alles in bester Ordnung, gab ich grinsend und kopfschüttelnd zurück und ging dann zu ihm hinüber.
Tersha saß hinter ihrem voll beladenen Schreibtisch und führte gerade eine Tasse Tee zum Mund, ihr gegenüber hatte wohl AJ in einem bequemen Stuhl mit Armlehnen gesessen. Seine Tasse stand leer auf einer Ecke des Schreibtisches.
Ich fasse es immer noch nicht, dass Sie ihn zurück gebracht haben, sagte Tersha, als sie mich erblickte.
Erstens: Können wir dieses förmliche Sie nicht lassen? Und zweitens: Conner ist wirklich ein lieber Kerl. Eigentlich war es gar nicht wirklich schwierig.
Sie schien sich nicht entscheiden zu könne, ob sie nun lachen oder weinen sollte. Ich spürte Bewegung in meinem Rücken und als ich mich herum drehte, war AJ gerade dabei einen Stuhl in das ohnehin schon überfüllte Büro zu schleppen. Er stellte ihn neben seinem ab und dankbar lies ich mich darauf fallen, Conners Papiere immer noch fest an mich gepresst.
Erstens: Klar können wir uns dutzen, entgegnete Tersha schließlich lächelnd zweitens: Nichts an Conner ist einfach und drittens: Was in Gottes Namen versuchst Du da vor uns zu verstecken?
Genau das wollte ich auch schon fragen, meinte AJ, während er sich neben mich in seinen Stuhl setzte.
Das geht Euch gar nichts an, grinste ich. Aber wenn es möglich wäre hätte ich gerne einen Hülle oder einen Ordner für das hier. Ich sah mit meinem liebsten Hundeblick zu Tersha hinüber und mit einem leisen Ächzen beugte sie sich zu einer der untersten Schreibtischschubladen hinunter. Sie förderte eine graue Mappe aus Pappe zu Tage und dankbar nahm ich sie entgegen, verstaute Conners Geschichten darin und legte sie schließlich locker in meinen Schoß.
Erzähl uns wenigstens ein bißchen von dem Abend, meinte Tersha dann spendiere ich Dir auch eine Tasse besten Earl Grey Tees.
Also gut. Für Tee tue ich ja fast alles.
Gut zu wissen, grinste AJ neben mir.
Ich habe Conner auf einem Supermarktparkplatz aufgegabelt, begann ich, während Tersha zu einem kleinen Schränkchen ging, eine Tasse daraus hervor holte und mir gleich darauf dampfenden und köstlich duftenden Tee einschenkte. Danach sind wir zu McDonalds gefahren, haben uns ein paar leckere Burger rein gezogen und dabei ein wenig geplaudert.
Und danach ist er freiwillig mit Dir mitgegangen? fragte Tersha immer noch ungläubig, während sie die Tasse vorsichtig vor mir abstellte.
Ja, so ungefähr. Wir haben einen Deal geschlossen, von daher werdet ihr leider nicht mehr von mir erfahren, aber wenn er sich an seinen Teil hält, wird er Euch in Zukunft weniger Kummer bereiten.
Das glaube ich erst, wenn ich es gesehen habe, meinte Tersha trocken.
Ausgerechnet Conner, murmelte AJ neben mir.
Wie meinst Du das? Ich nahm einen Schluck von dem Tee und verbrannte mir beinahe augenblicklich die Zunge daran.
Na ja ... er ist normaler Weise unnahbar wie ein Eisblock. Es würde mich wirklich interessieren, wie Du ihn dazu gebracht hast, auf zu tauen.
Ich weiß nicht. Vielleicht steht er auf mich, grinste ich und erkannte zum ersten Mal, dass das vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt lag.
Das wäre natürlich eine Erklärung, entgegnete AJ schmunzelnd.
Wir beschlossen stillschweigend, dass dieses Thema erst einmal abgeschlossen war. Ich verbrachte noch eine gute halbe Stunde in dieser wundervollen Insel der Ruhe, genoss meinen Tee, lauschte den Geschichten, die AJ und Tersha über das Heim erzählten und merkte, wie ich langsam schläfrig wurde.
Als ich schließlich ausgiebig gähnen mußte, beschlossen wir, die Runde für heute Abend auf zu lösen.
Tersha brachte AJ und mich noch bis zur Tür, wir verabschiedeten uns mit einer herzlichen Umarmung und dem Versprechen, demnächst mal wieder vorbei zu kommen und gingen dann langsam den Weg durch den Garten zu unseren Autos zurück.
Für einen verwirrten Moment fragte ich mich, warum mir der schwarze Porsche nicht schon vorhin aufgefallen war, aber höchstwahrscheinlich war ich zu nervös und aufgeregt gewesen, um ihn wirklich zu bemerken.
Ist es o.k., wenn ich vor Deinem Haus noch eine Zigarette rauche? fragte AJ lächelnd.
Ich denke, das ist mehr als o.k..
Gut, dann bis gleich.
Ja, bis gleich.
Wir gingen in entgegen gesetzte Richtungen davon, stiegen in unsere Autos und fuhren hintereinander die Straße hinunter. Eine knappe halbe Stunde später hielten wir vor meinem Haus an.
Ich lehnte bereits an der Motorhaube des Volvos, als sich AJ mit einer brennenden Zigarette in der Hand zu mir gesellte.
Ein ereignisreicher Tag, was? meinte er, lehnte sich entspannt neben mich an den Wagen und blies eine graue Rauchwolke in die Luft.
Kann man wohl sagen. Ich weiß noch nicht einmal, was mich wirklich dazu veranlasst hat auf diesen Parkplatz zu fahren und Conner an zu sprechen. Es war, als würde für einen Moment eine fremde Macht von mir Besitz ergreifen und mich dazu zu zwingen ab zu biegen und zu ihm zu gehen.
Das war auf jeden Fall eine großartige Leistung.
Ach was, winkte ich ab, dann warf ich einen begehrlichen Blick auf seinen Zigarette. Würdest Du mir einen Zug abgeben?
Du rauchst? fragte er verblüfft und streckte mir bereitwillig die Zigarette entgegen.
Sehr selten, gab ich zu, zog einmal daran und reichte sie ihm wieder zurück. Ich versuchte vorsichtig, den Rauch zu inhalieren, gab ein stotterndes Husten von mir und versuchte dann die Tränen in meinen Augen weg zu blinzelnd. AJ lachte neben mir leise.
Man merkts.
Wir schwiegen eine Weile und betrachteten die Sterne über uns.
Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, jemandem geholfen zu haben, sagte ich schließlich leise. AJ reichte mir die Zigarette und blickte dabei liebevoll auf mich hinunter.
Ja, ich weiß.
Der nächste Zug klappte schon besser und die Zigarette wechselte wieder seinen Besitzer.
Erzähl mir von Will, bat er, während er recht auffällig versuchte, mich nicht dabei an zu sehen.
Will? Hm ... Will ist für mich inzwischen ein sehr guter Freund geworden. Er hat ... ich meine ... er ist ein guter Zuhörer und manchmal so ... so ... unorganisiert in seinem Leben, lachte ich leise. Das macht ihn für mich unheimlich liebenswert.
Bist Du verknallt in ihn? fragte AJ gerade heraus und ich sah verblüfft zu ihm auf.
Nein! Er ist einfach ein guter Freund.
Er musterte mein Gesicht aufmerksam, so als vermutete er, dass ich nicht die Wahrheit sagte.
Ganz ehrlich. Abgesehen davon ist er unsterblich in eine Kollegin verliebt. Der Plan war, die beiden miteinander zu verkuppeln und nachdem sie heute Abend nicht schnell genug betonen konnte, dass sie ihn seeehr gerne nach Hause fahren würde, bin ich mir fast sicher, dass aus den beiden etwas werden könnte.
Denkst Du manchmal auch, dass es einfacher ist, das Leben von anderen Menschen zu regeln, als das eigene? meinte AJ unvermittelt.
Da könnte was dran sein, entgegnete ich nachdenklich. AJ reichte mir die Zigarette, die schon fast ganz herunter gebrannt war, ich nahm noch einen Zug und warf sie dann in den Rindstein.
Vielleicht sind wir auch einfach zu kompliziert, als das unser Leben irgendwann in geregelten Bahnen verlaufen könnte, gab ich zu bedenken.
Ich weiß nicht. Der Gedanke ängstigt mich.
Liebevoll sah ich zu ihm auf.
Manchmal ist es ganz angenehm, wenn nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt ist, sagte ich leise und war mir plötzlich seiner Nähe überdeutlich bewußt. Seine warmen, braunen Augen, die auf mein Gesicht gerichtet waren, seine muskulösen Arme, die sich lässig auf der Motorhaube neben mir abstützten, die Kuhle zwischen seinem Hals und Schlüsselbein, die mich geradezu dazu einlud, meine Lippen darauf zu pressen ...
Vor Schreck sog ich hastig die Luft ein und wandte meinen Blick von ihm ab. Was tat ich hier? Was dachte ich? War ich plötzlich größenwahnsinnig geworden?
Was denkst Du? fragte er natürlich sofort nach und ich schüttelte den Kopf.
Nicht so wichtig.
Das sehe ich aber anders. Du hast gerade geschaut, als hättest Du an etwas sehr verbotenes gedacht, meinte er schmunzelnd.
Ach vergiss es, gab ich störrisch zurück und wagte es immer noch nicht, ihn an zu sehen.
Unvermittelte tauchte seine Hand in meinem Blickfeld auf. Sie umfasste sanft mein Kinn und zwang mich so, ihn an zu sehen.
Sag es mir, verlangte er mit rauer Stimme und mein Blick hing wie hypnotisiert an seinen Augen.
Ich habe nur gerade daran gedacht, wie es wäre ... wie es wäre ... also ...,
Dich zu küssen, sagten wir im selben Moment gemeinsam und meine Augen hatten noch Zeit, riesengroß zu werden, bevor sich seine Lippen langsam und unglaublich zärtlich auf meine senkten.
Augenblicklich wurden meine Knie weich, meine Hände glitten Halt suchend erst über die Motorhaube, fanden dann ihren Weg über seinen Bauch zu seiner Taille, um die ich sofort meine Arme schlang. Er zog mich ganz nahe zu sich heran, presste mich dabei gleichzeitig gegen die Motorhaube, seine Lippen fuhren aufreizend langsam über meine Mundwinkel, küssten dann meinen Hals, wanderten zurück zu meinem Mund und nagten dann verführerisch an meiner Unterlippe. Ungeduldig löste ich einen Arm aus seinem Rücken, vergrub meine Hand in seinem Haar und schob meine Zunge zwischen seine leicht geöffnete Lippen. Er stöhnte leise auf und zog mich noch etwas enger an sich, so dass ich ganz deutlich seine Erregung spüren konnte.
Es schien mir, als hätten wir uns ewig in diesem Kuß verloren. Raum und Zeit hatten plötzlich keine Bedeutung mehr. Alles was ich wollte, war er und ihm ging es mit mir wohl genau so.
Schließlich schob er mich schwer atmend ein Stück von sich, küsste mich noch einmal kurz auf den Mund, so als müsse er sich selbst beweisen, dass dieser Kuß eben tatsächlich stattgefunden hatte und sah dann zärtlich auf mich hinunter.
Zu Dir oder zu mir, raunte er.
I-Ich weiß nicht ... , stotterte ich und fühlte, wie die Realität mit aller Macht auf mich einstürzte.
Ich hatte kein Recht hier zu sein. Ich hatte ihn verraten und verkauft, sein Vertrauen missbraucht und mich hinterher irgendwie in sein Leben zurück geschlichen. Was ich hier tat war der helle Wahnsinn, mehr als unfair ihm gegenüber und das niederträchtigste, was ich seit langem getan hatte.
Hektisch befreite ich mich aus seiner Umarmung.
Ich sollte jetzt gehen, sagte ich, ging um den Wagen herum, nahm Conners Papiere und meine Tasche vom Beifahrersitz und war mir dabei die ganze Zeit AJs bohrenden Blick in meinem Rücken bewußt.
Was? Sky ... das kannst Du doch nicht ... hey ... habe ich irgendetwas falsch gemacht ich ... , er war mir gefolgt und versperrte mir jetzt den Weg zu meiner Haustür.
Ich warf einen schnellen Blick in sein Gesicht. Ungläubigkeit paarte sich darin mit Unverständnis und irgendwo dazwischen lag der Ausdruck eines geprügelten Hundes.
Es tut mir leid AJ. Das ... das hier ist nicht richtig. Ich ... hänge noch immer in meiner alten Beziehung fest und ... kann jetzt nicht ... also ... versuchte ich mich heraus zu reden.
Aber ich habe mir das eben doch nicht eingebildet, beharrte er Du wolltest es doch auch.
Das mag ja sein. Aber ... so geht das einfach nicht. Bitte, versuche doch mich zu verstehen.
Ich versuche es ja aber ... wenn ich Dich ansehe kann ich einfach keinen klaren Gedanken mehr fassen. Andrea, Kim, das alles war ... ich wußte nicht, wie es sein kann, verstehst Du? Ich sehe Dich, diese ganzen, seltsamen Kleinigkeiten, die Dich umgeben und Dich einfach unwiderstehlich machen. Bitte, geh jetzt nicht.
Ich kann nicht. Es tut mir leid, murmelte ich, quetschte mich an ihm vorbei und lies ihn einfach vor meinem Haus mitten auf dem Bürgersteig stehen.