Kapitel 23

Es stellte sich heraus, dass die Party im eigentlichen Sinne keine Party mit lauter Musik, Tanz und unangenehmen Gedränge war, sondern eher einem Sit-In glich. Die Anwesenden versammelten sich im Wohnzimmer, hockten sich um den Wohnzimmertisch herum auf die Sofas, den Boden oder große, bunte Sitzkissen und unterhielten sich über Politik, Mode, die neusten BMW Modelle oder erzählten sich Anekdoten aus früheren Zeiten. Es wurde viel Gelacht und Gescherzt und je weiter der Abend voran schritt, um so ausgelassener wurde die Runde.
Will und Sarah saßen ein Stück von mir entfernt auf dem Boden und schienen zeitweise in eine ganz eigene Welt ab zu tauchen. Gelegentlich beobachtete ich sie aus den Augenwinkeln und manchmal konnte ich mir einen kleinen Stich der Eifersucht nicht verkneifen. Es war schön, Will so glücklich zu sehen, aber klar war auch, sollte aus den beiden tatsächlich mehr werden als einfache Arbeitskollegen, wäre es schwer für mich dazwischen noch einen Platz in Wills Terminkalender zu finden. Ich vermisste ihn schon jetzt, dabei war er nicht einmal zwei Meter von mir entfernt.
Außerdem erinnerte mich die Vertrautheit, die um den Tisch herum beinahe mit Händen zu greifen war, schmerzlich an zu Hause. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass ich mit meinen eigenen Freunden so entspannt zusammen gesessen, dass wir die neusten Neuigkeiten untereinander ausgetauscht und uns gemeinsam an alte Zeiten erinnert hatten.
Mir fehlte das Gefühl, einen Satz nicht bis zum Ende aussprechen zu müssen, weil mein Gegenüber schon längst wußte, was ich sagen wollte. Mir fehlte der Anblick von mir so vertrauten Gesichtern und das Gefühl, dass mich die anderen kannten und nicht gerade dabei waren mich kennen zu lernen.
Unweigerlich brachte mich dieser Gedankengang zurück zu Hannah und unserem letzten Telefongespräch.
Jetzt, mit etwas Abstand, erschien mir der Verlauf unseres Gespräches noch absurder. Hannah war schon immer die Direktere von uns gewesen und hätte es irgendein Problem gegeben, hätte sie es mit mir ausdiskutiert, mir vielleicht manchmal ziemlich harte, aber ehrliche Worte an den Kopf geworfen und irgendwann hätten wir uns wieder vertragen.
Doch diesmal war sie mir eine ganze Zeit aus dem Weg gegangen, hatte mir dann irgendwelche fadenscheinige Argumente aufgetischt und mir keine Chance gegeben, mich in irgendeiner Weise zu verteidigen. Sie hatte mir weh getan um sicher zu gehen, dass ich mich auch wirklich nicht mehr bei ihr meldete. Was das betraf kannte sie mich einfach ziemlich gut.
Die Erkenntnis traf mich aus heiterem Himmel und hätte ich in diesem Moment ein Telefon in der Hand gehabt, hätte ich sie angerufen, doch so saß ich weiterhin auf der Couch neben Bonnie, versuchte so aus zu sehen, als folge ich der Unterhaltung um mich herum und fragte mich, warum ich mich so leicht von Hannah hatte abwimmeln lassen.
Verstohlen warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war kurz nach zehn. Ob es wohl als unhöflich aufgefasst werden würde, wenn ich mich jetzt schon verabschiedete?
Als ich zu Will hinüber blickte, sah er mich stirnrunzelnd an. Scheinbar war ihm mein Blick auf die Uhr nicht entgangen. Ich stand auf, nahm mein Glas und machte mich auf den Weg in die Küche. Will folgte mir.
„Du willst schon gehen?“ fragte er leise, als wir nacheinander die Küche betraten.
„Ja. Sei mir nicht böse aber ... ich ... ich möchte nach Hause.“
„Was ist los? Gefällt es Dir hier nicht?“ Er wirkte besorgt, nicht traurig oder enttäuscht.
„Nein. Das ist es nicht. Ich habe nur ... ach, ich weiß auch nicht. Ehrlich gesagt bin ich nicht gerade in Partystimmung und ... na ja ... mit Sarah läuft es doch auch ganz gut, also brauchst Du mich hier nicht mehr.“
„Hey,“ seine Gesichtszüge wurden weich und er fasste nach meiner Hand „Du weißt hoffentlich, dass sich dadurch zwischen uns nichts ändert.“
„Ja, das weiß ich,“ gab ich lächelnd zurück „aber ... ach, ich weiß auch nicht. Ist einfach im Moment einfach alles ... so ... ,“ ich zuckte mit den Schultern und sah hilflos zu ihm auf.
„Luke?“ fragte er und ich schüttelte den Kopf.
„Hannah.“
„Das Klavier?“
„Hm,“ stimmte ich ihm zu und mußte gegen meinen Willen grinsen.
„Was hat sie angestellt?“
„Mir die Freundschaft gekündigt.“
„Oh nein. Wirklich? Wann war das und warum erfahre ich das erst jetzt?“
„Gestern und es hatte sich bisher noch nicht die Gelegenheit ergeben, es Dir zu sagen.“
„Sie ist gemein,“ stellte er fest.
„Ehrlich gesagt ... ich glaube, es steckt irgendetwas anderes dahinter. Ich weiß nur noch nicht was.“
„Wie meinst Du das „etwas anderes dahinter“? Das verstehe ich nicht.“
„Ich ja auch nicht. Ich bin aus irgendeinem Grund, den ich Dir noch nicht einmal wirklich benennen kann der Meinung, dass ihr diese „Trennung“, oder wie auch immer man das nennen mag, genau so weh tut, wie mir.“
„Glaubst Du nicht, dass Du Dir das eher wünschst, als dass es der Wahrheit entspricht?“ fragte er vorsichtig.
„Ich weiß es nicht Will. Ich weiß nur, dass meine Gedanken sich unablässig darum drehen und so nett Deine Kollegen und ihre Freunde auch sind ... ich kann mich ... nicht so richtig ... entspannen. Ich möchte im Moment einfach nicht wirklich hier sein und das hat nichts mit Euch sondern nur mit mir zu tun, verstehst Du?“
Er sah mich eine Weile stumm an, dann nickte er zögernd.
„Ich verabschiede mich noch schnell von Sarah, dann können wir los,“ sagte er und ich starrte ihn entgeistert an.
„Du wirst gefälligst hier bleiben.“
„Aber ich kann Dich doch nicht ...,“
„Oh doch, kannst Du wohl. Du könntest mir ja noch nicht einmal wirklich helfen Will. Wirklich, Dein Angebot in allen Ehren aber ... heute Abend ist Dein Platz hier und bei diesem äußerst bezaubernden Wesen, das seit Stunden an Deinen Lippen hängt.“
„Tut sie das?“ fragte Will und ein warmes Lächeln lag dabei auf seinem Gesicht.
„Ja, das tut sie und sie wäre auch verrückt, wenn sie es nicht täte.“
„Trotzdem ... ,“
„Nein Will. Mach’ Dir um mich keine Sorgen, o.k.? Ich komme schon klar. Ich möchte einfach ein bißchen alleine sein und noch einmal über alles gründlich nachdenken.“
Er schien noch immer zwischen Pflichtbewußtsein und dem Wunsch, bei Sarah zu bleiben, hin und her gerissen zu sein.
„Bist Du Dir wirklich sicher?“ fragte er.
„Gaaaanz sicher.“
„Na gut ... unter Protest lasse ich Dich gehen. Aber ich will, dass das ins Protokoll kommt.“
Ich mußte lachen „alles klar. Ist aufgenommen und jetzt komm’ her und lass Dich drücken.“
Wir umarmten uns fest.
„Du bist wirklich die Beste,“ flüsterte er in mein Ohr.
„Nein bin ich nicht. Du wirst auch noch dahinter kommen, glaub es mir.“
„Keine Chance. Tut mir leid Sky,“ er schob mich ein Stück von sich und lächelte mich von oben herab an „aber Du wirst mich nicht so einfach los. Ich bin hartnäckig und ekelhaft anhänglich und so unglaublich vernarrt in Dich, dass Du mich nicht einmal loswerden würdest, wenn Du es wirklich wolltest.“
Ich begann zu kichern „Du hast unverbesserlich, Kindskopf und süß vergessen.“
„Weil ich heute so gute Laune habe, werde ich Dir letzteres noch einmal durchgehen lassen. Freunde Dich aber schon einmal damit an, dass Du in diesem Punkt nicht Recht behalten wirst,“ grinste er.
„Entschuldigung ... ähm ... Will?“
Wir fuhren auseinander und drehten uns zu der Stimme um. Sarah stand in der Tür und wußte scheinbar nicht wohin mit ihrem Blick und ihren Händen.
„Ich wollte Euch nicht stören ich ... uhm ... möchte nur ... also ... ich hoffe, ihr streitet Euch nicht wegen mir.“ Ihre Wangen hatten sich tiefrot verfärbt und sie tat mir fast ein bißchen leid, wie sie nervös von einem Bein auf das andere trippelnd in der Tür stand.
„Nein, nein,“ antworte ich schnell, weil es offensichtlich war, dass Will vor lauter Überraschung keinen Ton heraus bringen würde. „Ich habe mich nur verabschiedet. Ich ... uhm ... habe noch einen Termin. Will bleibt allerdings hier, keine Sorge,“ fügte ich noch hinzu und setzte mein herzlichstes Lächeln auf.
„Oh ... ach so ... ich dachte nur ihr beide seid ... also ...“
„Hast Du das immer noch nicht klar gestellt?“ wandte ich mich tadelnd an Will.
„Ich hatte noch nicht die passende Gelegenheit,“ versuchte er sich zu verteidigen.
„Will und ich sind nur gute Freunde,“ erklärte ich an Sarah gewandt.
„Wirklich?“ ihre Erleichterung schien riesig zu sein und es war mir schleierhaft, wie sie erstens Will so lange Zeit hatte übersehen können und zweitens so wenig darin geübt war, ihre Gefühlsregungen im Zaum zu halten. An sich war dies eine Eigenschaft, die ich an Menschen sehr schätzte, die aber so gar nicht zu der knallharten Anwaltsassistentin, wie Will sie mir immer beschrieben hatte, passen wollte.
„Wirklich,“ antwortete Will nun an meiner Stelle.
„Nun gut, ich werde mich dann mal auf den Weg machen. Ich nehme mal an, Du kommst allein nach Hause?“ wandte ich mich dann wieder den praktischen Dingen zu.
„Klar. Zur Not rufe ich mir ein Taxi. Kein Problem.“
„Ich kann Dich nach Hause fahren,“ bot sich Sarah an und ich mußte schon wieder lächeln. Da hatte es wohl beide richtig erwischt.
„Wunderbar. Dann brauche ich mir deshalb ja keine Sorgen mehr machen,“ sagte ich, stellte mich auf die Zehenspitzen und küsste Will flüchtig auf die Wange.
„Viel Spaß,“ flüsterte ich ihm ins Ohr, so dass nur er es hören konnte.
„Den werde ich haben,“ gab er leise zurück und bedachte mich mit einem liebevollen Lächeln.
Ich verabschiedete mich von der restlichen Partygesellschaft, was gar nicht so leicht war, da man wohl kollektiv beschlossen hatte, mich nicht so einfach gehen zu lassen.
Schließlich saß ich aber dann doch in meinem Wagen, genoß für einen Augenblick die Stille und überlegte, was ich nun mit diesem angebrochenen Abend anfangen sollte.

Ich hatte mich für das Programm „mit dem Auto durch die Nacht fahren“ entschieden. Aus den Tiefen des Handschuhfaches hatte ich tatsächlich noch einigermaßen annehmbare Musik hervor gezaubert und während Nelly sich mit seiner weichen Stimme in mein Ohr schmeichelte, tauchten immer wieder Gesichter aus meiner Vergangenheit und Gegenwart auf.

I remember the day you left
I rember the last breath you took right in front of me
When you said that you had to leave
I was to damn’ stubborn
To try to stop you or say anything

Ich versuchte diese Liedzeilen auf mich zu übertragen. Hatte ich damals, sowohl bei Luke als auch bei Hannah versagt, weil ich nichts gesagt hatte, das sie wirklich aufhalten konnte? Hatte ich mich nicht genug angestrengt? Dachten sie, es sei mir egal, dass ich jetzt ohne sie weiter leben mußte? Und überhaupt ... war es denn schon zu spät, das alles wieder in den Griff zu bekommen?
Ich suchte in mir nach den Gefühlen für Luke. Das rasende Herzklopfen, das Gefühl von Vertrautheit, Geborgenheit ... Liebe ... und stellte dabei überrascht fest, dass ich bereits Mühe hatte, mich an sein Gesicht zu erinnern. Das Leuchten seiner Augen, die kleinen Fältchen darum, wenn er einen Scherz machte und mich dabei liebevoll anlächelte ... das alles schien Lichtjahre entfernt zu sein und ich stelle verblüfft fest, dass es lange nicht mehr so weh tat an ihn zu denken, wie noch vor einigen Wochen, als ich mich von den Möbelpackern verabschiedete und der Meinung war, nie wieder ein glücklicher Mensch sein zu können.
Was weiterhin an mir nagte war ganz Eindeutig die Ungewissheit. Warum hatte er nein gesagt? Warum war er so einfach verschwunden? Warum?
Ich hielt an einer roten Ampel und lies meine Blick aus dem Fenster schweifen. Ich befand mich in einem der etwas ärmeren Randbezirken von L.A.. Häuser, an denen die Farbe bereits abblätterte, wechselten sich mit kleinen Supermärkten und Tankstellen ab. Es waren nur noch wenige Menschen auf den Bürgersteigen unterwegs, die breite Straße wurde allerdings von Laternen und dem noch recht dichten Verkehr erhellt. Also kein Grund mir Sorgen zu machen.
Mein Blick blieb bei einer Gruppe von fünf Jugendlichen hängen, die es sich auf der Bank vor einem Supermarkt gemütlich gemacht hatten. Sie lachten und scherzten und ließen eine Flasche in einer braunen Papiertüte herum gehen. Eine Gestalt erregte ganz besonders meine Aufmerksamkeit und ich mußte zwei Mal hinsehen um sie zu erkennen.
Ich runzelte verständnislos die Stirn und als die Ampel vor mir auf grün sprang, lenkte ich den Wagen, ohne dass ich das bewußt gewollt hätte, von der Straße auf den Parkplatz vor dem Supermarkt. Ein Stück von der Gruppe entfernt stieg ich aus und ging langsam auf sie zu.
„Ihr hättet sie sehen sollen. Solche Möpse und sie war ganz eindeutig an mir und meinem besten Stück interessiert,“ tönte gerade ein hoch aufgeschossener Jüngling, dem seine Kleider viel zu weit zu sein schienen und der nicht älter als 15 sein konnte. Die Gruppe um ihn herum lachte und johlte und reichte währenddessen die Flasche weiter.
Als ich nur noch drei Schritte von ihnen entfernt war, wurden sie auf mich aufmerksam.
„Hey, wir bekommen Besuch,“ rief einer der fünf. Die Gruppe teilte sich, so dass sie mich nun alle ansehen konnten und laute Pfiffe und Gelächter begrüßten mich.
„Haltet die Klappe,“ mischte sich einer der Fünf ein. Er hatte ein Bandana um seinen Kopf gewickelt und trug darüber eine Baseballkappe. Seine Hosen waren ihm eindeutig drei Nummern zu groß und aus seinem weiten T-Shirt schauten dünne, aber muskulöse Arme hervor.
„Hey Conner. Sag bloß, dass ist Deine neue Freundin,“ neckte ihn einer der Anwesenden und bekam dafür einen heftigen Klaps auf den Arm verpasst.
„Guten Abend,“ begrüßte ich die Fünf und war mir nicht sicher, ob ich Grund hatte, mich vor ihnen zu ängstigend.
„Was machen Sie hier?“ fragte mich Conner und trat einen Schritt vor um mich so von der restlichen Gruppe zu trennen. Es war ihm ganz eindeutig nicht recht, dass ich ihn hier entdeckt hatte.
„Ich war ganz zufällig hier unterwegs und habe Euch gesehen,“ entgegnete ich. „Was tust Du hier?“
„Mit meinen Freunden abhängen, nach was sieht es denn sonst aus?“ fragte er in aggressivem Tonfall zurück.
„Ich nehme an, Tersha weiß bescheid?“
„Tersha kann mich mal,“ gab er zurück. Die anderen nickten zustimmend, verschränkten die Arme vor der Brust und sahen mir feindselig entgegen.
„So, so. Ich nehme an, sie kann Dich auch mal, wenn Du mit Deinen Sachen wieder auf der Straße stehst.“
„Mir geht es gut. Sie brauchen hier nicht die Missionarin spielen in ihren teuren Kleidern und dem großen Auto.“
„Der alte Volvo zählt nicht und ganz zufällig habe ich mir meine Klamotten mit arbeiten verdient.“
„Selbst schuld,“ gab er lediglich zurück.
Ich seufzte, so kamen wir wohl nicht weiter.
„Ich würde Dich gerne auf eine Spritztour in meinem großen Auto einladen,“ hörte ich mich sagen und wußte nicht, woher dieser Gedanke plötzlich gekommen war.
„Sex nur gegen Bezahlung Schätzchen,“ grinste Conner.
„Selbst wenn ich spitz wie Nachbars Lumpi wäre, würde ich mich ganz sicher nicht an Dich wenden. Du bist ja noch nicht einmal ganz trocken hinter den Ohren,“ gab ich zurück.
Ich sah wie er schluckte. Scheinbar hatte ich ihn in seiner männlichen Ehre gekränkt.
„Hör’ zu,“ versuchte ich es also noch einmal. „Ich möchte nur ein wenig mit Dir durch die Gegend fahren und mich mit Dir unterhalten. Wenn Du möchtest spendiere ich Dir auch etwas zu essen.“
„Klar, damit sie mich danach zurück in dieses Gefängnis bringen können,“ schnaubte Conner.
„Ich verspreche Dir, ich bringe Dich nur zurück, wenn Du das selbst willst. Es hat ja auch sonst keinen Zweck. Warum sollte ich Dich zurück bringen, wenn Du sowieso die nächste Gelegenheit nutzen wirst, um wieder ab zu hauen? Damit mache ich Tersha nur noch mehr Kummer und Arbeit.“
Die Blicke der Umstehenden huschten erwartungsvoll zwischen Conner und mir hin und her. Ich hoffte, dass mein Angebot, ihm etwas zu essen zu spendieren, tatsächlich eine gewisse Anziehungskraft auf ihn ausübte. Ansonsten würde ich ihn wohl nie dazu bewegen können, mit mir diesen Ort zu verlassen.
„Schwören Sie, dass Sie mich nicht zurück bringen werden,“ forderte er.
„Ich schwöre, dass ich Dich nicht ohne Deine Erlaubnis zurück bringen werde,“ entgegnete ich und hob dabei eine Hand.
Er nickte nachdenklich und setzte sich dann in Bewegung.
„Wir sehen uns Jungs,“ rief er über die Schulter zurück und war bereits dabei, mein Auto zu umrunden, um auf der Fahrerseite ein zu steigen.
„Hat Du einen Führerschein?“ fragte ich, als ich ihn erreicht hatte.
„Klar. Was denken denn Sie?“
„Darf ich ihn sehen?“
„Ich habe ihn gerade nicht bei mir.“
„Dann tut es mir leid, aber Du wirst auf der anderen Seite Platz nehmen müssen.“
„Seien Sie doch nicht so spießig,“ fuhr er auf.
„Tut mir leid, aber ich bin in diesem Fall gerne spießig.“
Für einen Moment starrte er mich noch wütend an, doch nachdem er merkte, dass ich weder seinem Blick auswich, noch Anstalten machte, ihn hinter das Steuer zu lassen, gab er schließlich nach.
Wenig später fuhren wir vom Parkplatz und ich hatte keine Ahnung, was als nächstes passieren sollte. Verdammt seien die weibliche Intuition und der Mutterinstinkt!

Kapitel 24