Kapitel 16
In den nächsten Tagen vermied ich es ganz bewußt, mich länger als nötig am Strand auf zu halten. Am Anfang versuchte ich mir noch ein zu reden, dass ich einfach meine Umgebung erkunden wollte als ich Boomer in den Volvo packte und die diversen Parks in der Nähe ansteuerte. Nach drei Tagen gab ich diesen lächerlichen Versuch des Selbstbetrugs allerdings auf. Ich wollte AJ nicht über den Weg laufen. Das war die einfache und ungeschminkte Wahrheit.
Abgesehen von den Spaziergängen mit Boomer traute ich mich kaum aus dem Haus und am Ende der Woche war ich soweit, dass ich das Gefühl hatte, die Decke fiele mir auf den Kopf. Alle Umzugskartons waren mittlerweile ausgepackt, sämtliche Bilder hingen an ihrem Platz und das Fernsehprogramm langweilte mich eigentlich von Anfang an.
Also beschloss ich, endlich einmal die Stadt zu erkunden. Nach LA hinein war es gerade mal eine halbe Stunde mit dem Wagen und da mein Honorar für den Artikel über AJ bereits auf meinem Konto eingegangen war, stand einer ausgedehnten Shoppingtour nichts im Wege.
Ich schlenderte stundenlang durch die Innenstadt, stöberte in kleinen versteckten Boutiquen und größeren Einkaufszentren, besuchte einige Sehenswürdigkeiten und nahm mir vor, demnächst die Filmstudios als waschechte Touristin zu besuchen.
Am späten Nachmittag lies ich mich schließlich erschöpft aber glücklich mit einem ganzen Berg an Tüten auf einen Stuhl vor einem kleine Cafe in der Sonne nieder. Ich bestellte einen Milchkaffe und beobachtete die Menschen die an mir vorbei flanierten. Das Leben konnte tatsächlich schön sein, man mußte nur ab und an bereit sein, etwas dafür zu tun.
Als ich bei meinem zweiten Milchkaffe angekommen war, legte sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter.
Hallo Sky, hörte ich die mir inzwischen so vertraute, raue Stimme und sofort erschien mir der Tag nicht mehr ganz so strahlend.
Ich drehte mich auf meinem Stuhl herum und sah mein Spiegelbild in AJs dunklen Sonnenbrillengläsern.
Hallo, gab ich zurück und schluckte.
Darf ich mich zu Dir setzen?
Na klar, sagte ich, hörte mich dabei aber an, als hätte ich nein gesagt. Ein flüchtiges Lächeln huschte über sein Gesicht und er setzte sich mir gegenüber. Die Kellnerin stand sofort neben ihm und er bestellte ein Ginger Ale.
Als die Bedienung wieder im Inneren des Cafes verschwunden war, nahm er seine Sonnenbrille ab und musterte mich.
Wie geht es Dir? fragte er.
Sollte das nicht eigentlich mein Text sein? gab ich zurück und biss mir gleich darauf auf die Zunge. Das war nicht sehr taktvoll gewesen.
Mir geht es ganz gut eigentlich, erwiderte er und lies dabei nicht erkennen, ob ihn meine Frage in irgendeiner Weise getroffen hatte.
Mir geht es auch ganz gut eigentlich, gab ich also zurück und unisono breitete sich ein Grinsen auf unseren Gesichtern aus.
Es tut mir leid, sagten wir dann auch noch beide gleichzeitig und wir brachen endgültig in befreiendes Gekicher aus.
Nachdem das ja jetzt geklärt ist ... ,
... können wir alles was gewesen ist vergessen und von vorne anfangen, vollendete ich seinen Satz. Er nickte bestätigend und setzte diesen guten Vorsatz auch direkt in die Tat um.
Du warst einkaufen? fragte er mit einem Blick auf meine Tüten und Taschen.
Oh ja, gab ich zurück und ein wenig Wehmut schlich sich in meinen Tonfall. Ich würde eine ganze Menge Artikel schreiben müssen um das wieder herein zu holen.
Der Artikel ... da war es schon wieder. Konnte ich das nicht einfach einmal für eine Weile vergessen?
Na, so schlimm wird es wohl nicht sein, oder? meinte er lächelnd, wobei ich nicht sicher war, ob er auf meinen Tonfall oder meinen betretenen Gesichtsausdruck reagierte. Ich finde, es gibt kaum etwas schöneres, als sein Geld in neue Sachen zu investieren. Es hat so etwas von ... hm ... Erneuerung. Findest Du nicht?
Mir würde da eher das Wort Befriedigung einfallen, gab ich grinsend zurück.
Auch gut. Ja, Befriedigung klingt gut.
Und Du? Was machst Du hier?
Eigentlich wollte ich auch eine ganze Menge Geld ausgeben. Befriedigung, Du weißt schon, fügte er mit einem Grinsen hinzu. Aber irgendwie war mir heute nicht danach. Passiert selten, aber ist leider so.
Na ja, das nächste Mal bestimmt.
Das hoffe ich doch! Möchtest Du mir zeigen, was Du gekauft hast?
Und die nächste halbe Stunde verbrachten wir damit, in sämtliche Tüten zu schauen, das Muster, den Schnitt und die Farben diverser Kleidungsstücke zu analysieren und die besten Kombinationen heraus zu finden.
Wie es mir schien, saßen wir ewig in dem Cafe und redeten. Dabei hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich tatsächlich ich selbst war. Ich hatte keine Angst etwas über mich preis zu geben und ihm schien es ähnlich zu gehen.
Natürlich ging ich nicht so weit, ihm von Luke oder dem Artikel zu erzählen und das Thema Kimberly und Andrea klammerten wir ebenfalls aus. Doch als er dann irgendwann mit einem bedauernden Blick auf seine Uhr sah und meinte tut mir leid, ich muß langsam los. Ich habe noch einen Termin, war ich beinahe enttäuscht, dass dieser Nachmittag jetzt schon zu Ende war.
Wenn Du möchtest ... also ... könntest Du auch mitkommen.
Mitkommen? Wohin?
Das ist eine Überraschung, gab er geheimnisvoll lächelnd zurück.
Ich mag keine Überraschungen.
Die wird Dir sicherlich gefallen ... oder sagen wir besser, ich hoffe, dass sie Dir gefallen wird.
Sehr beruhigend.
Also, kommst Du mit?
Ich bin jetzt sowieso schon so neugierig, dass es kein Zurück mehr gibt, gab ich zu und er schien sich sichtlich zu freuen.
Ich bezahlte, nach einigem Hin und Her, unsere Drinks und gemeinsam gingen wir zu seinem Auto.
Als ich den schwarzen Porsche in den gedämpften Strahlen der Abendsonne stehen sah, wurde mir ganz warm ums Herz.
Das ist tatsächlich Deiner? fragte ich entzückt und er nickte stolz.
Yep. Er stand ganz einsam beim Händler und hat meinen Namen gerufen. Da konnte ich ja wohl schlecht nein sagen.
Er öffnete mir galant die Wagentür und irgendwie schaffte ich es, meine vielen Tüten auf dem eigentlich nicht vorhandenen Rücksitz zu verstauen. Als er den Wagen startete, hüllte uns sofort das kräftige Brummen des Motors ein und ich legte vorsichtshalber den Sicherheitsgurt an.
Ich hoffe Du weißt, wie Du mit diesem Baby umzugehen hast. Sonst sollte vielleicht besser ich fahren, neckte ich ihn, doch er lachte nur.
Mit elegantem Schwung setzte er rückwärts aus der Parklücke, schlängelte sich durch den recht dichten Feierabendverkehr und als wir schließlich die Innenstadt hinter uns ließen und auf die etwas breitere und nicht ganz so volle Ausfallstraße abbogen, gab er Gas.
Ich wurde in den Sitz gepresst und wenn es mir nicht so peinlich gewesen wäre, hätte ich sicherlich vor lauter Entzücken gejuchzt. Ich war schon immer ein Geschwindigkeits-Junkie gewesen. Meinen alten Volvo fuhr ich nur, weil ich mir bei Tempo 200 nicht wirklich über den Weg traute. Ein zu Schrott gefahrener BMW meines Vaters war dafür Lektion genug gewesen. Doch bei AJ fühlte ich mich sicher und genoss die Häuser, die an uns vorbei rasten und das aufgeregte Kribbeln in meinem Magen.
Viel zu schnell für meinen Geschmack, kamen wir an unserem Ziel an. Wobei ich erst einmal Schwierigkeiten hatte zu erkennen, was uns genau hier her verschlagen hatte.
Wir befanden uns in einer Vorstadtsiedlung, wobei die Häuser hier verhältnismäßig weit auseinander standen und die Grundstücke von niedrigen Gartenzäunen eingefasst wurden. Hier glich kein Haus dem anderen, was zum einen für diese Wohngegend sprach und mir zudem verriet, dass sämtliche Häuser schon recht alt sein mussten. Allerdings sah man ihnen das nicht an. Die weißen, blassgelben und hellblauen Fassaden wirkten alle wie frisch gestrichen, die Vorgärten waren gepflegt aber nicht überordentlich und vereinzelt saßen kleine Grüppchen von Menschen vor den Haustüren oder in den Gärten und genossen die warme Abendsonne.
Wir stiegen aus dem Wagen aus und ich konnte es mir nicht verkneifen beinahe zärtlich über die Motorhaube des Porsches zu streichen. Was für ein Wagen!
AJ kicherte hinter mir leise wenn Du ganz brav bist, darfst Du vielleicht zurück fahren.
Wirklich? Höchstwahrscheinlich wirkte ich gerade wie ein Kind am Weihnachtsmorgen, doch AJ legte mir lächelnd einen Arm um die Schulter und trennte mich damit endgültig von dem Objekt meiner Begierde.
Wirklich, schmunzelte er und schob mich dann auf ein Haus zu, an dessen Gartentor ein Schild hing: Unbefugtes Betreten Verboten. Das Gebäude war Zweistöckig und nahm beinahe die gesamte Breite des Gartens ein. Sicherlich befanden sich auf jeder Etage mindestens sechs bis sieben Zimmer.
An der Türklingel hing kein Schild und ich hatte immer noch keine Ahnung, wo wir uns eigentlich befanden und was wir hier machten.
AJ klingelte und schob gleich darauf das Gartentor auf. Noch bevor wir den kleinen Weg, der zum Haus hinauf führte, richtig betreten hatten, ging die Tür auf und eine rundliche Schwarze mit Unmengen kunstvoll geflochtener Zöpfchen und einem herzlichen Lächeln trat auf die Veranda hinaus.
AJ McLean, ist es denn zu glauben? rief sie erfreut aus, kam uns mit ausgebreiteten Armen entgegen und zog AJ gleich darauf in eine herzliche Umarmung.
Hallo Tersha, ist schön Dich zu sehen, sagte AJ und ein glückliches Lächeln lag dabei auf seinem Gesicht.
Wen hast Du uns denn da mitgebracht? fragte Tersha gleich darauf und lächelte mich an.
Das ist Skyler. Sky, das ist Tersha, eine alte Freundin von mir.
Tersha streckte mir die Hand entgegen und schüttelte sie freundlich.
Hallo Skyler. Schön Dich kennen zu lernen.
Gleichfalls, gab ich lächelnd zurück und warf dann einen fragenden Blick zu AJ hinüber.
Keine Sorge. Ich werde Dir gleich alles erklären, sagte dieser aber lass uns erst einmal hinein gehen.
Wie geht es Allan und Conner? fragte er an Tersha gewannt, während wir die Stufen zur Veranda hinauf stiegen.
Allan macht sich ganz gut. Ich glaube, er hat langsam verstanden, dass wir im nichts Böses wollen. Conner ist eine ganz andere Geschichte. Letzte Nacht ist er wieder nicht nach Hause gekommen und so langsam weiß ich nicht mehr, was wir machen sollen. Wir können ihn ja schlecht einsperren.
Ich betrat hinter AJ und Tersha das Haus und blieb erst einmal in der Nähe der Eingangstür stehen.
Vor mir lag eine Mischung aus Empfang, Warteraum und Wohnzimmer. Zu meiner Linken standen Stühle an der Wand aufgereiht. Jeweils zwischen zwei dieser altmodischen und mit geblümten Polstern bezogenen Sitzmöbel standen kleine Tische, auf denen sich Berge von Zeitschriften türmten. Eine Tür führte am Ende des Zimmers scheinbar in eine Art Büro. Zumindest konnte ich von hier die Ecke eines mit Papier beladenen Schreibtisches erkennen.
Geradeaus ging es durch einen schmalen Rundbogen in einen Flur, an dessen Ende eine Treppe in die oberen Räumlichkeiten führte.
Zu meiner Rechten standen zwei Sitzgruppen, bestehend aus alten, zerschlissenen Sofas, Sesseln und abgenutzt wirkenden Couchtischen, dazwischen hingen Regale voller Bücher und Plakate von diversen Rockbands und Filmplakate an den Wänden, ein großer, rustikaler Eichenschrank stand in einer Ecke und war voll gestopft mit Gesellschaftsspielen. Etwa fünf bis sechs Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren lümmelten auf den Sofas herum. Eine Gruppe von Jungs spielte Karten, eine andere Gruppe Mädchen saß gemütlich in die Ecken der Sofas gekuschelt und lasen in diversen Zeitschriften und Büchern.
Als Tersha mit AJ im Schlepptau den Raum betrat, kam allerdings Bewegung in die Kids. Die meisten standen sofort auf und unter großem Hallo wurde AJ begrüßt. Er schüttelte den Jungs die Hände, klopfte ihnen auf die Schulter, umarmte die Mädchen, küsste sie schmatzend auf die Wange und erkundigte sich bei jedem wie es ihm ging und was er machte.
Ein Junge war in seinem Sessel sitzen geblieben und musterte misstrauisch die Szenerie vor sich. Ich fühlte mich sofort verbunden mit ihm, da mich ein ähnliches, unwirkliches Gefühl beschlich. Immer noch wußte ich nicht, was ich hier eigentlich vor mir hatte.
Also schob ich mich an der aufgeregt durcheinander redenden Gruppe vorbei und lies mich neben den Jungen auf das Sofa fallen. Ich schätzte ihn auf etwa 16 Jahre, sein dunkles Haar hing ihm strähnig bis auf die Schultern, sein Gesicht war kantig, mit etwas schräg stehenden Augen und vollen Lippen. Unter seinem weiten T-Shirt zeichneten sich die ersten Muskeln ab, allerdings hatte er noch die Ausstrahlung eines jungen Fohlens: Etwas schlaksig und eindeutig zu lange Gliedmaßen für seinen schmächtigen Körper. In gewisser Weise war er sehr attraktiv, wenn auch nicht ganz mein Geschmack.
Der Junge warf mir einen düsteren Blick zu, als ich mich so unaufgefordert neben ihn setzte, beugte sich dann vor und nahm die achtlos hingeworfenen Karten vom Tisch. Er teilte den Stapel in zwei kleinere, etwa gleichgroße Päckchen und lies die Karten so geschickt durch seine langen, schlanken Finger laufen, dass er sie ohne Mühe und ohne, dass eine Karte davon sprang, mischte.
Wow, sagte ich beeindruckt von diesem Schauspiel und erntete dafür einen weiteren düsteren Seitenblick. Sein Verhalten ärgerte mich ein wenig. Von Höflichkeit hatte der Knirps wohl noch nie etwas gehört.
Nur mal so eine Frage, sagte ich deshalb redest Du eigentlich grundsätzlich nicht oder bist Du einfach so zum Spaß unfreundlich?
Wieder rauschten die Karten mit gleichmäßigem Geknatter durch seine Finger.
Warum sollte ich mich mit Dir unterhalten? Ich kenne Dich doch gar nicht, gab der Junge mit einer erstaunlich tiefen Stimme zurück.
Das ist auch wieder wahr, gab ich zu und streckte ihm dann meine Hand entgegen. Skyler, angenehm.
Der Junge sah mich an, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, dann wanderte sein Blick tiefer und blieb am Ausschnitt meiner Bluse hängen. Das erste Mal legte sich ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht, die Karten verharrten reglos in seiner Hand, die andere ergriff meine.
Conner, ebenfalls angenehm, gab er zurück, dabei blieb sein Blick allerdings an meinen Brüsten hängen und ich musste mich beherrschen um ruhig zu bleiben.
Ich drückte seine Hand ein bißchen fester als nötig gewesen wäre, was sein Lächeln nur noch breiter werden lies, allerdings hob er nun wieder den Blick und sah mir direkt in die Augen.
Ich mag Menschen mit einem festen Händedruck, sagte er.
Und ich mag Menschen, die mir in die Augen sehen statt auf meine Brüste zu starren, gab ich zurück.
Er lies meine Hand los und widmete sich wieder den Karten.
Warum sollte man nicht darauf starren? Sie sind doch schön.
Ich wußte nicht, was ich darauf sagen sollte, also schwieg ich.
Ich sehe schon, ihr habt Euch bereits bekannt gemacht. AJ war an unseren Tisch gekommen und lächelte auf uns hinunter.
Seltsame Freunde hast Du, gab ich zurück und AJ sah sofort misstrauisch auf Conner hinunter. Dieser hatte ihn bis jetzt allerdings noch keines Blickes gewürdigt.
Hi Conner, sagte AJ ich hoffe, Du bist Sky nicht zu nahe getreten.
Conner hob den Blick und musterte AJ lange.
Frag sie doch, gab er schließlich zurück und seine Augen blitzten dabei auffordernd.
AJ wandte sich wieder mir zu und hob fragend die Augenbrauen.
Nein, alles bestens, gab ich zurück und bemerkte aus den Augenwinkeln, wie Conner erstaunt zu mir herüber sah. Allerdings wäre es wirklich nett, wenn Du mich so langsam mal aufklären könntest, wo wir hier eigentlich sind.
Conner kam AJ mit der Antwort zuvor das hier ist das Haus der Looser, sagte er mit einer ausholenden Handbewegung.
Das ist nicht ganz richtig, korrigierte ihn AJ schmunzelnd das ist das Haus der Kinder und Jugendlichen, die ein wenig Hilfe gebrauchen können. Es ist nichts schlimmes, so etwas in Anspruch zu nehmen.
Ich kam bisher ganz gut alleine klar, schnaubte Conner und sah nun angriffslustig zu AJ auf.
Hm, klar, gab dieser zurück das beweist ja auch Dein ellenlanges Vorstrafenregister und wenn ich mich richtig erinnere, hast Du, bevor Du hier her kamst, auf der Straße geschlafen.
Na und? Wenigstens konnte ich da tun und lassen, was ich wollte.
Wir zwingen Dich nicht hier zu bleiben, entgegnete AJ immer noch in ruhigem Tonfall.
Nicht zwingen? Ha! Wenn ich gehe, verständigt ihr doch sofort die Bullen und ich lande wieder im Jugendknast. Tolle Freiheit!
Tja, Du hast die Wahl. Leider ist es im Leben eben so, dass man für seine Fehler gerade stehen muß.
Ein listiges Funkeln war in Conners Augen getreten und ein bösartiges Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Ich konnte mir ziemlich genau vorstellen, was jetzt kam und am liebsten hätte ich mich auf ihn geworfen und ihm mit allem was ich bei mir hatte den Mund zu gestopft.
Ist keine schönes Gefühl, für seine Fehler gerade stehen zu müssen, was? Der große AJ McLean betrügt seine Freundin und schwups steht es in allen Zeitungen. Muß ganz schön ätzend sein.
Ist es auch, gab AJ unumwunden zu aber im Gegensatz zu Dir wurde ich nicht in Handschellen abgeführt, habe ich nicht öffentliches Eigentum zerstört oder meinem ehemals besten Freund ne blutige Nase verpasst.
Und Du meinst, für die Tränen und die seelischen Schmerzen Deiner Freundin ... oh Verzeihung ... EX-Freundin verantwortlich zu sein, macht es besser?
Ich sah, wie AJ die Hände zu Fäusten ballte und die Zähne zusammen biss. Das schlimme daran war, dass ich Conner beinahe verstehen konnte.
Jeder, ich wiederhole, wirklich jeder muß für seine Fehler gerade stehen, sagte ich um Conner von AJ ab zu lenken und jeder auf seine Weise. Du bist hier, AJ ohne Freundin. Ihr seid quit würde ich sagen.
Nun starrten mich beide mit offenem Mund an und mir wurde es mulmig. Ich hatte mich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt.
Hast Du das gehört? fragte AJ an Conner gewandt und dieser nickte immer noch völlig entgeistert.
Sie hat keine Ahnung, oder? fragte Conner und AJ schüttelte den Kopf.
Da bin ich mir nicht so ganz sicher.
Es war aber ein netter Versuch, oder?
Hm. Ich denke, wir können das so stehen lassen.
Könnt ihr mir mal erklären, was hier gerade vor sich geht? fragte ich und spürte schon wieder, wie es in mir zu brodeln begann.
Wir beide wissen wenigstens, worüber wir reden, meinte Conner, als rede er mit einem Kleinkind DU hast keine Ahnung. Also misch Dich nicht in Gespräch von Erwachsenen ein.
Wie bitte? ich schnappte nach Luft.
CONNER! Das ging zu weit, fuhr AJ auf.
Sorry, Conner hob entschuldigend die Hände aber ich habe doch recht. Was weiß die denn schon von ... ,
Es ist genug jetzt habe ich gesagt. In AJs Tonfall hatte sich eine gewisse Schärfe geschlichen und Conner schien das zu spüren. Von einem Moment auf den anderen fiel der vor Selbstbewußtsein strotzende Halbwüchsige vor meinen Augen zusammen und lies ein zerknirschtes Etwas zurück.
Es tut mir leid, sagte er an mich gewandt, sah mich dabei allerdings nicht an.
Das kannst Du besser, meint AJ und verschränkte die Arme vor der Brust.
Connner seufzte, legte die Karten zurück auf den Tisch und sah mich an.
Es tut mir wirklich leid. Ich hätte das nicht sagen sollen.
Das Verrückte daran war, dass ich ihm das sogar glaubte.
Ist in Ordnung, gab ich also zurück und meinte es auch so.