Kapitel 9
Als ich aufgehört hatte, mich für meine Dämlichkeit zu verfluchen, setzte so langsam das klare Denken wieder ein.
Ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder, ich ging zurück zu Will, klingelte und würde mich einem weiteren, peinlichen Moment in meinem Leben stellen, oder ich lief zu Fuß nach Hause und hoffte, dass der Ersatzschlüssel, den ich irgendwann in der letzten Woche in weiser Voraussicht unter dem Blumenkübel neben der Haustür versteckt hatte, noch an seinem Platz lag.
Ich redete mir ein, dass ich die Entscheidung, zu Fuß nach Hause zu gehen, einzig und alleine deshalb traf, weil ich Boomer nicht mehr länger alleine lassen wollte, doch im Endeffekt brauchte ich mir nichts vormachen. Im Moment war ich einfach nicht in der Lage, Will gegenüber zu treten.
Nach einer guten halben Stunde strammen Fußmarsches, erreichte ich schließlich die Straße in der ich wohnte. Wie üblich war es vollkommen ruhig, niemand befand sich auf der Straße oder in den Vorgärten und ich konnte mir einbilden, der einzige Mensch auf diesem weiten Planeten zu sein, was mein Selbstmitleid in nie geahnte Höhen steigen lies.
Wie erhofft, lag der Zweitschlüssel immer noch unter dem Blumenkübel und als ich die Haustür aufschloss, sprang mir Boomer sofort schwanzwedelnd entgegen.
Hey mein Süßer, begrüßte ich ihn hast Du mich vermisst? Ich schlang meine Arme um ihn und drückte mein Gesicht in sein Fell. Wenigstens auf ihn konnte ich mich verlassen.
Schließlich wurde es Boomer wohl zu langweilig einfach im Flur zu stehen und das Liebebedürfnis seines Frauchens zu stillen. Er entwand sich aus meiner Umarmung und trottete mir voraus in die Küche. Ganz klar: Im Moment war sein Magen wichtiger als seine Blase oder mein trauriges Gemüt.
Ich schüttete ihm etwas Trockenfutter in den einen und füllte frisches Wasser in den anderen Fressnapf und lief dann hinauf ins Schlafzimmer um schnell zu duschen und mich um zu ziehen. Danach wollte ich mit einem langen Spaziergang die Spinnweben in meinem Kopf beseitigen und darüber nachdenken, wie ich am schnellsten an meine Handtasche heran kam.
Draußen wurde es bereits dunkel und ich hatte mich immer noch nicht entschieden, was ich wegen meiner Tasche unternehmen sollte. Ich versuchte mir ein zu reden, dass ich ja einfach das nächste halbe Jahr in diesem Häuschen verbringen konnte. Lebensmittel würde ich mir liefern lassen oder zu Fuß besorgen und bis ich wieder zurück nach Pensylvania mußte, würde die Tasche schon irgendwie den Weg zu mir gefunden haben.
Ich war gerade dabei eine Salatgurke klein zu schneiden und aus der Stereoanlage schallte 3 Doors Down.
Youre gettin closer
to pushin me of of lifes little edge
Cause Im a looser
and sooner or later youll know Ill be dead
Ein Lied das, wie ich fand, hervorragend zu meiner Stimmung passte und das ich deshalb aus vollem Halse mitsang.
Gerade als ich dabei war, mit meiner Luftgitarre ein grandioses Solo hin zu legen, nahm ich eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahr.
Wie erstarrt hielt ich inne und sah hinüber zu meiner weit geöffneten Terrassentür. AJ lehnte im Rahmen und grinste über das ganze Gesicht.
Das war filmreif, sagte er, stieß sich ab und kam langsam auf mich zu. Das dunkelblaue, langärmlige Shirt stand ihm ausgesprochen gut und betonte seine muskulöse Brust, der Saum seiner ausgewaschenen Jeans fiel ihm lässig auf die nackten Zehen, die in braunen Sandalen steckten und ich konnte meinen Blick nicht von seinem Lächeln abwenden.
Boomer erhob sich mit lautem Getöse von seinem Platz neben mir, wo er bis eben noch darauf spekuliert hatte, dass mir ein Schnitz der Salatgurke herunter fallen würde, und begrüßte den Neuankömmling mit wildem Schwanzwedeln und einem auffordernd vorgerecktem Kopf. AJ tat ihm auch den Gefallen, lies sich in die Hocke sinken und kraulte ihn ausgiebig und liebevoll hinter den Ohren. Boomer schloss genüsslich die Augen und brummte leise.
Ein echter Genusshund Dein Boomer, stellte AJ fest.
Ja, könnte man so sagen. Wie ... ähm ... wie lange hast Du denn da schon gestanden?
Ungefähr ab Nothings gonna fill this place, gab er grinsend zurück, was der zweiten Zeile des Songs entsprach und mir deutlich machte, das er mich noch länger beobachtete hatte, als sowieso schon befürchtet.
Das ist niederschmetternd, entgegnete ich, schabte die Gurkenscheiben von meinem Schneidbrett in die große Salatschüssel und wandte mich den Karotten zu, während ich hoffte, dass er meine, vor Verlegenheit brennenden Wangen, nicht sehen konnte.
Ach was. Ich fand das süß.
Süß???
Wenn Dir Dein Leben lieb ist, sag nie wieder, dass ich süß bin, gab ich schnaubend zurück und drohte ihm zudem mit dem Gemüsemesser, dass ich in meiner verkrampften Hand hielt. Doch er lachte nur.
Erstens habe ich nicht behauptet, dass Du süß bist sondern lediglich gesagt, dass das was Du getan hast süß war und außerdem verstehe ich nicht, was Dich an dem Begriff süß stört. Ich dachte ihr Frauen steht darauf.
Er erhob sich und kam langsam auf mich zugeschlendert, setzte sich auf einen der Barhocker und sah mir interessiert dabei zu, wie ich die Karotten vor mir verbissen in kleine Stücke hackte.
Ich glaube, Du mußt noch einiges über uns Frauen lernen, gab ich zurück.
Das mag sein.
Schweigen.
In meinem Kopf stritt ich mit mir selbst, ob ich ihm nun etwas zu trinken anbieten, oder weiterhin eingeschnappt sein sollte.
Das Klingeln des Telefons riss mich aus diesem Streitgespräch und reflexartig trocknete ich mir die Hände an einem Geschirrhandtuch ab und machte die ersten Schritte um die Theke herum, nur um gleich darauf mitten in der Bewegung inne zu halten.
Das war bestimmt Hannah und abgesehen davon, dass ich immer noch keine Lust verspürte, den Hörer ab zu nehmen und mir ihre Erklärungen an zu hören, wollte ich dies schon gar nicht tun, wenn AJ mir dabei zu sah.
Willst Du nicht ran gehen? fragte er, nachdem ich beim zehnten Klingeln immer noch unentschlossen neben der Theke stand.
Nein, eigentlich nicht, entgegnete ich wahrheitsgemäß, drehte mich auf dem Absatz herum und wandte mich wieder meinen Karotten zu.
Nach dem zwanzigsten Klingeln gab das Telefon endlich Ruhe und ich atmete innerlich auf.
Du bist wirklich seltsam, stellte AJ fest und ich schielte von unten zu ihm auf.
Wie meinst Du das?
Ich weiß nicht. Du bist manchmal so ... , er suchte sichtlich nach dem passenden Wort und ich wartete ... so ... seltsam eben. Er zuckte mit den Schultern und breitete die Hände aus, so als wolle er sagen Sorry, ich habe leider keine Ahnung, wie ich es erklären soll.
Seltsam gut oder seltsam schlecht? fragte ich wider besseren Wissens weiter.
Das kommt darauf an.
Worauf?
Wenn Du nicht an klingelnde Telefone gehst ist es eher seltsam interessant und wenn Du Hunde auf meine Freundinnen hetzt, obwohl sie Dir gerade gesagt haben, dass sie ein Problem mit Hunden haben, dann seltsam schlecht und wenn Du mit Jules Stimme sagst Du denkst also, er hat Marsellus Wallaces Frau die Füße massiert und wurde deshalb vom Balkon geworfen? seltsam gut.
Na wenigstens bin ich nicht total unmöglich, bemerkte ich ironisch und gab die Karotten zu den Gurken in die Schüssel.
Und wenn wir schon dabei sind, es gibt niemanden, mit dem ich mich so lange unterhalten habe und dabei nichts, aber auch rein gar nichts von ihm erfahren habe.
Hey, Du weißt immerhin, wie mein Hund heißt, verteidigte ich mich und wie ich zu ihm gekommen bin, dass er mal meinen Wagen zerbissen hat und aus lauter Dummheit mit dem Kopf in einem Hasenbau stecken geblieben ist.
AJ nickte genau das meine ich. Ich weiß mehr über Deinen Hund, als über Dich.
Ist das schlimm?
Nein, eher ungewöhnlich ... seltsam eben.
Er lächelte mich über die Theke hinweg an und ich lächelte zurück. Irgendwie war es schön, dass er hier war.
Möchtest Du etwas trinken? fragte ich ihn etwas verspätet und er nickte.
Eine Cola wäre nicht schlecht.
Als ich das gefüllte Glas vor ihm auf der Theke abstellte, klingelte es an der Tür. Wie AJ ein paar Tage zuvor sagte ich wer kann das bloß sein?, hatte aber im Gegensatz zu ihm tatsächlich keine Ahnung, wer um diese Uhrzeit bei mir vor der Tür stehen könnte, ganz abgesehen davon, dass niemand wußte, dass ich hier war. Bis auf Hannah natürlich ... Oh Gott, sie würde doch nicht ... Nein, sie würde sich nicht in einen Flieger setzen und hier her kommen nur um mir zu sagen ... Würde sie nicht? Würde sie?
Reagierst Du eigentlich nie auf Klingelzeichen oder nur, wenn jemand dabei ist? meinte AJ schmunzelnd und nahm einen Schluck von seiner Cola.
Ich ... was? Nein. Also ... meistens ... ,
Die Türklingel gab erneut ein sanftes Ding Dong von sich und ich ging nur zur Tür, damit AJ nicht vollkommen davon überzeugt war, eine Psychopathin vor sich zu haben.
Boomer folgte mir auf dem Fuß. Seine Neugier wurde nur durch seinen riesigen Appetit übertroffen.
Auf dem Weg durch das Wohnzimmer und den Flur fragte ich mich ängstlich, was ich wohl tun würde, wenn tatsächlich Hannah davor stand. Die eine Hälfte von mir wünschte sich nichts sehnlicher, denn inzwischen war sogar mir klar, dass ich eindeutig überreagiert hatte als ich einfach den Hörer auflegte, doch je länger ich nicht mit ihr sprach um so unmöglicher schien es mir, von mir aus auf sie zu zu gehen.
Aus gerade diesem Grund stand meine andere Hälfte unter Hochspannung und war bereit sich gegen jede Anschuldigung zur Wehr zu setzen.
Doch als ich schließlich die Tür mit einem etwas zu heftig ausgefallenem Schwung aufriss, stand mir Will gegenüber.
Hi, sagte er und das unvermeidliche Lächeln lag dabei auf seinen Lippen.
Hi, gab ich zurück und starrte ihn wie eine göttliche Erscheinung an.
Ich nehme an, Du hast das hier schon schmerzlich vermisst, sagte er und hob dabei meine Handtasche in die Höhe.
Ähm ... ja ... vielen Dank. Ich nahm die Tasche an mich und mußte mich beherrschen um ihm nicht direkt die Tür vor der Nase zu zu schlagen.
Für einen Moment trat ein peinliches Schweigen ein. Boomer hatte sich an mir vorbei gequetscht und beschnupperte nun ausgiebig Wills Hosenbein. Scheinbar schien er zu beschließen, dass Will nicht interessant genug war, denn er drehte sich herum und trottete zurück ins Wohnzimmer.
Hier wohnst Du also, sagte Will schließlich und wippte etwas unbehaglich auf seinen Zehen auf und ab.
Ich ... ähm ... ja. Wie ... wie hast Du mich denn gefunden?
Ich gebe zu, dass ich in Deiner Tasche nachgesehen habe. Da war ein Zettel mit dieser Adresse drin und da ich mit meinem detektivischem Scharfsinn davon ausgegangen bin, dass Du gerade nicht in Pensylvania wohnst, so wie es in Deinem Ausweis steht, dachte ich, ich versuche einfach hier mein Glück.
Das ist wirklich ... sehr nett, ich wußte nicht, was ich noch sagen sollte. Ihn herein zu bitten kam auf keinen Fall in Frage. AJ wäre sicherlich höchsterfreut gewesen, Will kennen zu lernen und die beiden hätten wahrscheinlich den Rest des Abends damit verbracht, sich über mich aus zu tauschen.
Übrigens ... Du heißt gar nicht Grace, grinste Will, was mir dann doch ein leises Lächeln entlockte.
Stell Dir vor, das wußte ich schon, gab ich zurück und er nickte.
Also dann ... werde ich mal wieder, sagte er, vergrub die Hände in den Hosentaschen und machte Anstalten, sich herum zu drehen.
Will?
Ja? Gespannt sah er zu mir herüber.
Haben wir ... also ich meine ... Du weißt schon ... haben wir letzte Nacht ... , ich traute mich nicht, den Rest des Satzes aus zu sprechen. Es war einfach zu peinlich, doch ich mußte es einfach wissen.
Du meinst, ob wir miteinander geschlafen haben?
Ich nickte und spürte dabei, wie meine Wangen brannten.
Nein, er schüttelte den Kopf.
Gott sei Dank, entfuhr es mir und sein Lächeln wirkte bereits etwas angestrengt.
Wenn Du es so sehen willst, entgegnete er schulterzuckend.
Oh nein. So habe ich es nicht gemeint, beeilte ich mich zu sagen es ist nur ...
Schon gut.
Wirklich?
Ja.
Sicher?
Ganz sicher. Sein Lächeln wurde breiter.
Hättest Du Lust, mit mir demnächst mal etwas Essen zu gehen? hörte ich mich fragen und schlug mir innerlich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Ich wollte ihn doch loswerden. Oder?
Gerne, strahlte er.
Ich ... wie kann ich Dich denn ... ,
Meine Telefonnummer steckt in Deiner Tasche, grinste er etwas verlegen.
Gut. Dann also ... noch mal vielen Dank, dass Du mir das gute Stück zurück gebracht hast.
Gerne geschehen. Deinem Auto geht es übrigens bestens. Es hat mit einem kleinen Fiat Panda Freundschaft geschlossen. Ich glaube, demnächst werden sie ihre Verlobung bekannt geben.
Na, das wir ein Fest, grinste ich.
Das ich um nichts in der Welt verpassen möchte, ergänzte Will.
Dann also bis bald.
Ja, bis bald.
Er winkte noch einmal kurz zum Abschied und trat dann hinaus auf die Straße. Zu Fuß setzte er seinen Weg fort und ich fragte mich einen verwirrten Moment, ob er eigentlich gar kein Auto besaß und mich gestern Abend angelogen hatte, oder er grundsätzlich jede Strecke die unter zehn Meilen lag zu Fuß ging.
Wolltest Du Deinen Freund nicht herein bitten? Riss mich AJ aus meinen Überlegungen. Hastig schloss ich die Tür, drehte mich zu ihm herum und schüttelte in der gleichen Bewegung den Kopf.
Nein. Er hat nur meine Tasche gefunden und sie mir wieder gebracht, antwortet ich und schwenkte zur Bestätigung meine Handtasche vor seiner Nase.
Das war aber nett von ihm.
Ja, finde ich auch.
Damit drückte ich mich an ihm vorbei und begab mich zurück zu meinem Salat.
Du hast also schon neue Freundschaften geschlossen seit Du hier bist, stellte AJ fest während er sich wieder mir gegenüber auf den Barhocker setzte.
Hm, antwortete ich eher ausweichend.
Es entstand eine kleine Pause, in der ich so tat, als interessiere mich auf der ganzen Welt nichts mehr als meine Karotten.
Wie habt ihr Euch kennen gelernt? fragte AJ weiter.
Wie man sich eben so kennen lernt. Wie hast Du Deine jetzige Freundin kennen gelernt? fragte ich zurück und hoffte, dass ihn das von mir ablenken würde.
Wie man sich eben so kennen lernt, gab er schulterzuckend zurück und seine Augen funkelten mich belustigt über den Rand seines Glases hinweg an.
Aha, entgegnete ich und wandte mich dann dem Kühlschrank zu um die restlichen Zutaten für meinen Salat zusammen zu suchen.
Während ich die Regale nach dem Mozzarella Käse absuchte, der sich aus unerfindlichen Gründen nicht mehr da befand, wo er eigentlich sein sollte, fragte ich mich, wie lange ich das hier noch durchhalten würde.
Spielchen spielen war eine Sache, einen Panzer um sich herum zu bauen, obwohl man sein Herz normaler Weise auf der Zunge trug, eine ganz andere.
Ich dachte an Luke. Wie unkompliziert es doch gewesen war, sich mit ihm zu unterhalten. Ein Wort gab das andere, jeder Satz ging nahtlos ineinander über und führte uns damit immer weiter von unserem Ausgangspunkt fort, ohne das wir es wirklich merkten.
Was er wohl gerade machte? Dachte er an mich? Vermisste er mich? So wie ich ihn?
Und Hannah? Lag sie neben Simon und erzählte ihm, was für eine unzuverlässige und zickige Freundin sie hatte, während er ihr beruhigend über den Rücken strich und sie zärtlich küsste?
Kann ich Dir irgendwie helfen? hörte ich AJs Stimme plötzlich und erschrocken zuckte ich zusammen. Ich richtete mich auf und schloss die Kühlschranktür. Als ich mich herumdrehte, wäre ich beinahe mit ihm zusammen gestoßen.
Alles in Ordnung? fragte er und seine Stirn kräuselte sich dabei besorgt.
Nein, gab ich zurück ich finde den Mozzarella nicht.
Soll ich es mal versuchen?
Klar. Bitte, ich trat einen Schritt zur Seite und AJ öffnete den Kühlschrank. Während er einen genauen Blick hinein warf, drehte ich ihm den Rücken zu, nahm ein paar Tomaten und begann sie langsam in kleine Stücke zu schneiden.
Ich mußte eine ganze Weile in den offenen Kühlschrank gestarrt haben, wenn AJ Zeit gehabt hatte zu mir in die Küche zu kommen, noch dazu ohne dass ich es bemerkte.
Ich mußte besser aufpassen, mich mehr konzentrieren. Ich brauchte diesen Artikel. Ohne ihn konnte ich mir tatsächlich gleich einen Strick nehmen, so wie Will vorgeschlagen hatte.
Na, da ist ja der Ausreißer, meldete sich AJ hinter mir. Gleich darauf hörte ich, wie die Kühlschranktür geschlossen wurde.
Wirklich? Hey, Du bist ein Genie, lobte ich ihn, drehte mich herum und nahm ihm den Käse ab. Ich versuchte dabei zu lächeln, allerdings fühlte es sich ziemlich verzerrt an und so lies ich es schnell wieder bleiben.
Ist ansonsten wirklich alles in Ordnung?
Ich hatte den Mund schon für eine Erwiderung geöffnet, als ich an seinen Augen hängen blieb. Wie hypnotisiert starrte ich ihn an und in diesem Augenblick wußte ich, dass ich ihm jetzt sofort alles erzählen würde: Die Sache mit Luke und der geplatzten Hochzeit, der Streit mit Hannah und nicht zuletzt meine Arbeit an dem Artikel über ihn.
Ich öffnete meinen Mund erneut, doch heraus kam ein alles in bester Ordnung, und oben drauf setzte ich noch ein Wirklich!
Für einen Moment sah er mir noch in die Augen, dann zuckte er mit den Schultern.
Wenn Du meinst.
Was sollte denn nicht in Ordnung sein?
Ich habe keine Ahnung, deshalb frage ich ja, sagte er und ging an mir vorbei, um die Theke herum um sich wieder zu setzen.
Ich hatte nur einfach eine ziemlich lange Nacht, gab ich zurück und hoffte, dass ihn das etwas besänftigen würde.
Hm, antwortete er, stützte dann seinen Kopf in die Hand und sah mir dabei zu, wie ich das restliche Gemüse zerkleinerte und dann eine Fertigsalatsoße darüber gab.
Sagte ich eigentlich schon, dass Du wirklich seltsam bist?
Ja, ich glaube, Du hast da mal so etwas erwähnt, gab ich zurück und sah zu ihm auf. Diesmal viel mir das Lächeln schon etwas leichter und zaghaft erwiderte er es.