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27. Mai 2004
Den restlichen Tag hatten wir fast ausschließlich im Bett verbracht und der nächste Morgen kam leider viel zu schnell.
Wir hatten uns geliebt, uns leise miteinander unterhalten, Ewigkeiten einfach nur geschwiegen und die Nähe des anderen aufgesaugt, uns schließlich eine Pizza bestellt und waren am Ende erschöpft aber unendlich glücklich eingeschlafen.
Als ich nun vorsichtig die Augen öffnete, sah ich als erstes Alexs im Schlaf entspanntes Gesicht. Ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen und seine Haare vielen ihm verstrubbelt in die Stirn.
Ich hatte schon die Hand ausgestreckt, um sie ihm vorsichtig aus dem Gesicht zu streichen, als ich mich eines besseren besann. Er sollte ruhig noch ein wenig schlafen. Sicherlich brauchte er nach dem gestrigen Tag alle Energiereserven die er bekommen konnte.
Geräuschlos schlug ich die Bettdecke zurück, nahm meine Kleider vom Boden auf und mit einem letzten Blick auf ihn und das zerwühlte Bett, schloß ich leise die Tür hinter mir.
Ich duschte ausgiebig und zog mich dann an. Dabei summte ich leise vor mich hin und überlegte währenddessen, wann ich das letzte Mal so glücklich gewesen war.
War ich es überhaupt schon jemals gewesen? Nun gut, vielleicht trübten die vergangenen Ereignisse meiner Ehe auch meinen Blick...aber...war es tatsächlich mit Steven jemals so gewesen?
So vertraut und gleichzeitig so neu und aufregend? So vertrauensvoll und doch so angenehm ungewohnt? So glücklich und gleichzeitig so traurig, wenn ich an unseren baldigen Abschied dachte?
Ich schüttelte den Kopf um den Gedanken an Alexs Abreise zu vertreiben und schlich leise ins Wohnzimmer. Ich angelte meinen Discman vom Couchtisch, fuhr mit dem Finger mein CD-Regal entlang, dass sich vom Boden bis zur Decke erstreckte und in dem in Augenhöhe meine momentanen Lieblinge standen.
Zielsicher blieb mein Finger bei Dakota Moon hängen und mit einem Lächeln der Vorfreude legte ich die CD ein.
Als mir die Jungs aus dem tiefsten Süden der USA ins Ohr sangen, machte ich mich auf in die Küche um Alex und mir ein standesgemäßes Frühstück zu zaubern.
Ich war fast fertig, der Tisch war gedeckt, der Kaffee brodelte in der Kaffeemaschine und eigentlich mußte Alex jetzt nur noch aufwachen, als das Lied in meinem Ohr mit leisen, melancholischen Gitarrenklängen und den wundervoll, traurigen Stimmen der vier Musiker begann.
Dont wanna see the morning
I dont want the day to begin
than Ill be without you again
please dont wake me
I dont want the night time to end
than Ill be without you again
But now youre here,
here in my dreams
all night long i cant pretend
but in the light of day I find
that youre only here,
here in my mind
and when I awake you fade away
with the night
in the light of day
Wie erstarrt stand ich mitten in der Küche und blickte auf den gedeckten Tisch. In wenigen Stunden würde ich wieder alleine hier sitzen und ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie ich es ertragen sollte, von ihm getrennt zu sein.
Zitternd griff ich mir einen Stuhl und lies mich schwer darauf nieder.
Sollte alles tatsächlich nur ein Traum gewesen sein? Etwas, was in der Nacht ganz natürlich und real wirkte und bei Tageslicht betrachtet sich verflüchtigte, wie das Träume eben nun mal taten?
Wie konnte es sein, dass ich mich gestern noch geweigert hatte, neben ihm auf der Couch zu sitzen und jetzt keine Sekunde mehr ohne ihn sein wollte?
Was hatte er bitte schön mit meinem Verstand angestellt? Hätte mir nicht von vornherein klar sein müssen, das es wieder so kommen würde?
Er würde gehen...einfach aus der Tür hinaus spazieren und höchstwahrscheinlich würden diese zwei Tage im kalten Deutschland für ihn nichts weiter als eine schöne Erinnerung bleiben.
Was wollte er auch schon mit mir? Einer kleinen Angestellten, die noch nicht mal wußte, wie man eine richtige Party buchstabierte, die keine Kontakte zu irgend jemand Wichtigem hatte, die meist zu Hause saß und Tag ein Tag aus das gleiche tat, das selbe sah und das gleiche dachte und fühlte?
Ich hatte mich von einem Traum zum Narren halten lassen. Träume endeten immer mit dem bösen Erwachen.
Die Erkenntnis erwischte mich eiskalt und nahm mir für einen Moment die Luft zum Atmen. Wie hatte ich nur so...so...so blöd sein können?
Oberstes Gebot: Lass keinen Mann zu nahe an Dich heran kommen, wahre Abstand, trage Deine freundliche Maske und gehe, bevor er es kann.
Tja, so wie es aussah, war ich wieder einmal diejenige, die hier alleine sitzen bleiben würde.
Als sich der Gesang in meinem Ohr zu seinem traurigen Creccendo steigerte, rollten mir die ersten Tränen über die Wangen.
Du siehst aus, als hättest Du gerade ein Gespenst gesehen, drang plötzlich Alex besorgte Stimme durch die laute Musik zu mir durch und erschrocken sprang ich auf, wobei der Stuhl so viel Schwung ab bekam, dass er mit lautem Poltern zu Boden fiel. Hektisch riss ich mir die Kopfhörer von den Ohren.
Ich...also...das...das Frühstück ist fertig, stotterte ich und bückte mich mit weichen Knien, um den Stuhl wieder auf zu heben.
Essen interessiert mich im Moment überhaupt gar nicht, sagte er leise und machte ein paar Schritte in die Küche hinein.
Reflexartig machte ich einige Schritte rückwärts, bis ich mit dem Rücken gegen die Arbeitsplatte stieß.
Was ist los? fragte er und blieb mit gerunzelter Stirn mitten in der Küche stehen.
Nichts...ich...
Hör bitte auf mit diesem es ist nichts und es geht mir gut, sagte er leicht gereizt ich sehe ganz genau das etwas nicht in Ordnung ist und ich möchte wissen, was es ist.
Die Türklingel rettete mich vor einer Antwort und hastig schob ich mich an Alex vorbei um zu öffnen. Auf dem Weg durch den Flur wischte ich mir die Tränen von den Wangen und blieb dann für einen kurzen Moment vor der Tür stehen um mich zu sammeln.
Schwungvoll riss ich die Tür schließlich auf und erwartete eigentlich, Maria davor stehen zu sehen. Wahrscheinlich wollte sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass wir noch lebten.
Stattdessen fiel ich beinahe in ein Monstrum von Blumenstrauß.
Überraschung! hörte ich Stevens vertraute Stimme und ich war für einen Moment versucht, vor Schreck und Unglauben laut auf zu schreien. Wenn es so etwas wie den unpassenden Zeitpunkt gab, dann hatte er sich diesen zielsicher ausgesucht.
Was willst Du? fragte ich nicht sehr freundlich und endlich verschwand der Blumenstrauß aus meinem Blickfeld und Stevens dunkler Haarschopf tauchte dahinter auf.
Ich sehe schon, Du bist begeistert mich zu sehen, sagte er ironisch darf ich reinkommen? und mit diesen Worten war er schon an mir vorbei und stand im Flur.
Schicksalsergeben schloß ich die Tür und drehte mich dann zu ihm um. Misstrauisch blickte er Richtung Küche. In der Tür stand Alex, die Arme vor der Brust verschränkt und sah immer wieder zwischen Steven und mir hin und her.
Steven, darf ich vorstellen, das ist Alex, Alex, das ist Steven, stellte ich die beiden auf englisch einander vor.
Hallo, sagte Steven und man sah ihm deutlich an, wie viel Überwindung ihn dieses einzelne Wort gekostet hatte. Er streckte Alex die Hand entgegen, aber dieser machte keine Anstalten sie zu ergreifen.
Na wunderbar! So hatte ich mir meinen Morgen vorgestellt: Ein Ex und ein höchstwahrscheinlich-fast-Ex zusammen in meinem Flur, mit dem Gedanken an die Waffenwahl bei dem sicherlich gleich folgenden Duell.
Was macht der hier? fragte Steven und lies Alex dabei nicht aus den Augen. Er hatte wohl absichtlich auf Deutsch gesprochen, so dass Alex ihn nicht verstehen konnte.
Ich antwortete in englisch, alles andere wäre Alex gegenüber nicht fair gewesen Das geht Dich überhaupt gar nichts an. Sag mir einfach, was Du willst und dann verschwinde wieder.
Eigentlich wollte ich Dich zu einem Frühstück entführen, sagte Steven und sprach nun ebenfalls so, dass Alex es verstehen konnte.
Tut mir leid, da bist Du etwas zu spät, entgegneten Alex und ich wie aus einem Munde. Für einen Moment trafen sich unsere Blick und ein warmes Lächeln erhellte sein Gesicht.
Traute Zweisamkeit, was? stellte Steven fest und ich sah deutlich, wie die Ader an seiner Stirn vor Wut zu pochen begann.
Wie ich schon gesagt habe, geht Dich das überhaupt nichts an, wiederholte ich.
Aber..., er drehte sich zu mir um und sein Gesichtsausdruck lag irgendwo zwischen Unglauben und Frustration ich dachte...,
Da hast Du wohl falsch gedacht, unterbrach ihn Alex und Steven fuhr wieder zu ihm herum.
Halte Du Dich da gefälligst raus, fuhr er Alex an das ist eine Sache zwischen mir und meiner Frau.
Ex-Frau, sagten Alex und ich wieder gleichzeitig, doch diesmal fühlte ich keinen Triumph. Steven tat mir fast ein wenig leid. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, mir Blumen gekauft und...STOP...was dachte ich da eigentlich? Hatte dieser Mistkerl mich nicht jahrelang betrogen? Hatte er nicht auf meinen Gefühlen herum getrampelt?
Es ist wohl besser, wenn Du jetzt gehst, sagte ich eisig und packte ihn am Arm.
Lass mich los, schrie er, entzog sich ruckartig aus meinem Griff, was mich straucheln lies und hilflos stolperte ich in Alex Arme.
Für einen Moment drückte er mich an sich, dann schob mich sanft zur Seite und baute sich dann drohend vor Steven auf.
Hör gut zu, sagte er mit mühsam unterdrückter Wut in der Stimme es wäre besser für Dich, wenn Du jetzt so schnell wie möglich das Weite suchst, bevor ich mich vergesse. Hast Du das kapiert?
Du hast mir gar nichts zu sagen, gab Steven bockig zurück und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Somit überragte er Alex um fast einen halben Kopf und mir wurde die Sache langsam wirklich mulmig.
O.k. ihr Streithähne, sagte ich also laut und schob mich zwischen die beiden. Wenn ihr hier unbedingt Euren Balztanz aufführen wollt, dann macht das gefälligst draußen. Steven, ich sage es Dir jetzt ein letztes Mal...verschwinde!
Für eine Moment blickte er noch unschlüssig auf mich hinunter, dann entschied er sich wohl doch lieber für den geordneten Rückzug, warf mir den Blumenstrauß vor die Füße und knallte die Wohnungstür hinter sich zu.
Alles in Ordnung? fragte Alex leise und zog mich in seine Arme.
Nein, gab ich flüsternd zu und die Traurigkeit überkam mich erneut es ist überhaupt gar nichts in Ordnung, schniefte ich und Alex drückte mich etwas fester an sich.
Sag mir was los ist, bat er.
Es ist so schwierig, sagte ich und kuschelte mich enger an ihn.
Was ist schwierig?
Das mit...uns...ich...will nicht das Du gehst und doch habe ich keine andere Wahl. Du wirst aus meiner Tür spazieren und bevor Du im Flugzeug sitzt, wirst Du mich vergessen haben.
Ich hörte, wie Alex laut seufzte und dabei den Kopf schüttelte.
Anna, hör mir ganz genau zu, was ich Dir jetzt sage, o.k.? Ich nickte.
Ich werde dich niemals...wirklich niemals...vergessen. Du bist ganz tief in meinem Herzen und da wirst Du auch für immer bleiben.
Ich liebe Dich, verstehst Du? Auch wenn ich nicht körperlich bei Dir sein kann, so bin ich es doch in Gedanken. Niemand wird sich jemals zwischen uns stellen können. Weil Du für mich nämlich das Wichtigste auf der Welt bist. Verstehst Du das?
Wieder nickte ich.
Dieser..., er zögerte, bevor er den Namen aussprach Steven...er ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Egoistisch bis zum geht nicht mehr. Er hat nicht einmal gesehen, dass Du geweint hast. Er ist es nicht wert, dass Du Dir um ihn noch Gedanken machst. Und bitte, bitte, vergleiche mich nicht mit ihm.
Ich bin nicht er und, wenn ich das mal so sagen darf, er wird sicherlich niemals meine Klasse erreichen können.
Sein Tonfall lies mich schon wieder leise kichern.
Nein, flüsterte ich das wird er niemals.
Sieh mich an, forderte er leise und ich hob den Kopf. Der Blick seiner braunen Augen war voller Vertrauen in mich, in unsere Beziehung. Liebvoll strich er mir über die Wange und küsste mich dann sanft auf die Lippen.
Versprichst Du mir, auch ein klitzekleines Bißchen an mich zu denken, wenn ich weg bin?
Machst Du Witze? fragte ich erstaunt. Ich werde Tag und Nacht nichts anderes tun. Ich...hab Dich nämlich sehr, sehr lieb.
Über Alex Gesicht huschte ein Lächeln na, das ist doch ein guter Anfang, erwiderte er und küsste mich erneut. Diesmal länger und fordernder.
So viel zum Thema Frühstück.
Schließlich machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und unsere bedrückte Stimmung hatte beinahe Substanz in dem engen Innenraum meines kleinen Mini Coopers.
Und Du willst wirklich nicht mitkommen? fragte Alex zum hundertsten Mal.
Ich kann nicht, antwortete auch ich zum hundertsten Mal ich bekomme niemals so schnell Urlaub.
Hm, gedankenverloren blickte Alex aus dem Beifahrerfenster hinaus auf die vorbeirasende Landschaft.
Gib mir ein oder zwei Wochen. Ich denke, ich werde meinen Chef schon noch überzeugen können. Ich lächelte zu ihm hinüber und tatsächlich bekam ich so etwas wie ein Lächeln von ihm zurück.
Was meinst Du, wie oft werden wir noch Abschied nehmen müssen? fragte er.
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Es...ich..., ich zuckte mit den Schultern, nicht fähig das aus zu sprechen, was mir durch den Kopf ging, da ich meine widersprüchlichen Gefühle und Gedankengänge nicht einmal annähernd ordnen konnte.
Natürlich wollte ich in seiner Nähe sein und natürlich hätte ich fast alles dafür getan. Andererseits war der Gedanke, mich von allem hier zu lösen, doch noch etwas beängstigend. Es fiel mir schon schwer, ihm zu vertrauen, darauf zu bauen, dass er mich wirklich liebte und nicht in ein paar Tagen anrief um mir zu sagen, dass er jemand neues kennen gelernt hatte. Wie sollte ich darauf meine Zukunft aufbauen?
Du wirst wohl noch eine Weile brauchen, um wirklich an uns zu glauben, oder?
Erschrocken blickte ich zu ihm hinüber. Konnte er etwa Gedanken lesen? Andererseits...nun ja...was meine Ängste betraf, wußte er ja nun fast besser über mich bescheid, als ich selbst.
Sieht so aus, lächelte ich schwach.
Alex nickte nur. Für ihn war das Ganze sicherlich auch nicht leicht. Im Prinzip waren die paar Tage mit mir ein einziger Kampf gewesen. Wie lange würde es wohl dauern, bis er davon genug hatte?
Schneller als uns lieb war, erreichten wir den Frankfurter Flughafen. Ich stellte den Wagen in der Tiefgarage ab und Alex schulterte seine Reisetasche.
Arm in Arm gingen wir langsam in das Flughafengebäude hinein, wo er als erstes sein Ticket abholte und das Gepäck auf gab.
Ein bißchen Zeit blieb uns noch und so zog Alex mich mit sich in die VIP Lounge, wo wir auf den Aufruf seines Fluges warteten.
Es war nicht viel los. Mit uns befanden sich lediglich noch ein schwer beschäftigt wirkender Japaner mit aufgeklappten Laptop und ein blondes, junges Mädchen, dass bei unserem Eintreffen freundlich lächelte, in dem relativ kleinen Raum.
Alex verkroch sich mit mir in die hinterste Ecke und zog mich auf seinen Schoß. Fest schlang er seine Arme um mich und legte seufzend seinen Kopf auf meine Schulter.
Ich hasse das, flüsterte er.
Frag mich mal, gab ich zurück und streichelte sanft seinen Arm.
Sag mir, was Du jetzt im Moment fühlst, bat er leise und sah mit seinen sanften, braunen Augen zu mir auf.
Was ich fühle? fragte ich etwas verwirrt zurück. War das nicht offensichtlich? Ich war kurz davor einfach tot um zu fallen bei der Aussicht alleine zurück in meine Wohnung zu müssen.
Na ja, es schien ihm schwer zu fallen die nächsten Worte aus zu sprechen ich weiß ja, dass ich Dich zu nichts drängen soll, aber...na ja...ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, was Du eigentlich über mich denkst und über unsere...Beziehung. Liebst Du mich? Ich meine...wirst Du mich vermissen? Oder bist Du glücklich, endlich wieder alleine in Deinen vier Wänden zu sein und...
Hier unterbrach ich ihn, indem ich ihn sanft auf den Mund küsste.
Du hast es wirklich nicht leicht mit mir, was? gab ich zärtlich lächelnd zurück und küsste ihn dann auf die Stirn.
Na ja...also leicht stelle ich mir etwas anders vor, sagte er und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken.
O.k., dann pass mal auf, entgegnete ich, holte noch einmal tief Luft und tat dann etwas, von dem ich mir eigentlich geschworen hatte, es nie wieder zu tun. Ich öffnete mein Herz und riskierte dabei, dass Alex mir seinen Dolch direkt dort hinein rammte. Aber irgendwie hatte ich so eine Ahnung, dass sich dieses Risiko durchaus lohnen würde.
Am Anfang, als wir uns die Briefe schrieben, war das so eine Art...hm...Spontanaktion. Ich dachte, ich könnte Dir vielleicht ein wenig helfen und damit gleichzeitig auch mir.
Irgendwann merkte ich, dass ich Deine Briefe brauchte und das nicht, weil Du zufälligerweise reich und berühmt bist, sonder weil Du eine ganz besondere Art von Verständnis für mich hast.
Als ich das erste Mal Deine Stimme hörte...ich meine...wow, mein Blick verklärte sich bei dem Gedanken an mein Herzklopfen und dem Gefühl, wie nahe er mir plötzlich gewesen war. Direkt in meinem Ohr, mit dieser rauen Stimme und seinem ansteckenden Lachen.
Spätestens da war ich vollkommen hin und weg. Ich meine...nicht das ich das zu diesem Zeitpunkt schon gewußt hätte...
Meine Bemerkung lies Alex dann doch leise lachen und seine Hand streichelte zärtlich mein Bein.
...doch ich war so zu sagen süchtig nach Deiner Stimme, nach Deinen Worten und dieser...hm...Ausstrahlung. Ich war teilweise auf der Arbeit zu nichts zu gebrauchen. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich eine halbe Stunde lang wie hypnotisiert mein Handy an gestarrt habe und mir wünschte, Du würdest Dich melden.
Dann kam dieser unsägliche Anruf..., ich stockte und schüttelte den Kopf. Im Nachhinein betrachtet war das alles so etwas von unnötig gewesen.
Heute weiß ich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Wirklich! Es tut mir leid, ich...,
Das ist doch schon längst vergessen, sagte er ruhig.
Für Dich vielleicht. Ich...das ist einfach ein Wesenszug an mir, der mir nicht wirklich gefällt. Ich fange erst langsam an zu begreifen, wie sehr mich Steven verletzt hat und wie sehr ich immer noch unter seinem Einfluss stehe.
Einfluss?
Na ja...ich tue Dinge, die ich früher niemals getan hätte. Ich meine...Maria hat schon zwei Mal mehr oder weniger vor meiner Wohnungstür übernachtet. So etwas ist doch nicht normal!
Das vielleicht nicht, aber immerhin hast Du das Problem erkannt. Du kannst es also in Zukunft nur noch besser machen. Sein zärtliches Lächeln wärmte mich von innen und ich drückte ihn an mich.
Ich werde mein Bestes versuchen, flüsterte ich und er küsste sanft meinen Hals.
Jedenfalls..., versuchte ich zum eigentlich Thema zurück zu finden als Du dann vor mir standest, hatte ich einfach nur unglaubliche Panik. Du hast meinen sorgfältig aufgebauten Schutzmechanismus ganz schön durcheinander gebracht.
Das war auch meine Absicht, schmunzelte er.
Erfolg auf ganzer Linie, würde ich sagen, lachte ich. Weißt Du, ich glaube, man kann Dir einfach nicht widerstehen. Du sitzt lediglich da, tust gar nichts außer mich mit Deinen Reh-Augen an zu sehen und...tja..., ich warf die Hände in die Luft das war es dann. Ja, ich muß zu geben, ich liebe Dich. Von ganzem Herzen. Dieses Gefühl macht mir Angst, auch das muß ich wohl eingestehen, aber ich lerne gerade, dass es sich lohnt, dagegen an zu kämpfen. Du bist für mich so unglaublich wichtig...ich will mir einfach nicht vorstellen, wie es ohne Dich sein würde. Und wenn Du jetzt gleich Dein Flugzeug bestiegen hast, werde ich ganz sicher nicht sofort zurück in meine Wohnung fahren, da ich es nicht ertragen werde, wieder alleine zu sein. Jedes Möbelstück wird mich an Dich erinnern. Ich werde wahrscheinlich Deinen Geruch noch in den Kissen riechen können und..., mir stiegen die Tränen in die Augen. Mein Gott, er würde wirklich gleich nach Hause verschwinden!!
So richtig wurde es mir erst jetzt klar. Das hier war nicht irgend ein Traum, sondern Realität und in der Realität gingen die Flieger pünktlich und in der Realität würde Alex nicht urplötzlich wieder auftauchen, weil er sich entschieden hatte, doch nicht nach Hause zu fliegen. Er hatte einen Job, der ihn komplett ausfüllte und er hatte mich...die ihn höchstwahrscheinlich innerhalb von einem halben Jahr in den Wahnsinn treiben würde.
Nicht weinen Süße, flüsterte er und ich sah dabei ebenfalls Tränen in seinen Augen wir...es sind ja nur zwei Wochen. Falls Dein Chef gnädig ist.
Er schniefte und verbarg seinen Kopf an meiner Schulter.
Wir sind schon zwei Heulsusen, oder? versuchte ich zu scherzen und beide taten wir so, als fänden wir es lustig.
Ich liebe Dich, flüsterte ich.
Ich liebe Dich auch, flüsterte er zurück.
Epilog
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