15. April 2004

Al: Nervenheilanstalt Feinsworth...wer spricht?
An: *lacht* Hallo Alex.
Al: *erfreut* Hey Anna...schön Dich zu hören.
An: Gleichfalls. Ich dachte ich melde mich mal wieder und höre, wie es Dir so geht.
Al: Danke, so weit ganz gut. Etwas im Stress die letzte Zeit...aber das ist ja nix Neues.
An: Gib es zu, Du brauchst das.
Al: *kichert* Schuldig im Sinne der Anklage.
An: *lacht* Wußte ich es doch.
Al: Und wie geht es Dir? Was macht Maria?
An: Uns geht es beiden gut. Wir waren gestern Abend mal wieder aus. Ich bin heute allerdings noch etwas...na ja...geschafft.
Al: Kater?
An: Nicht direkt...zu wenig Schlaf...zu viel getanzt. Mir tut alles weh.
Al: *schmunzelt* Klingt nach einer heftigen Nacht.
An: *lacht* Das kannst Du laut sagen. Der Höhepunkt war wohl, als Maria irgendwann auf der Bar stand und ihre Hüften hat wackeln lassen, das einem Hören und Sehen verging.
Al: *ehrfürchtig* Wow! Und warum tut DIR dann alles weh? *lacht*
An: *lacht* Weil ich mich auch etwas bewegt habe?
Al: *lacht* Etwas?
An: Na ja...vier Stunden am Stück...aber es war...so...schöööön!
Al: Das klingt richtig gut. *seufzt*
An: Finde ich auch. Wann warst Du das letzte Mal aus?
Al: Ich? Oh je...das ist ne Weile her.
An: Macht man so etwas nicht, wenn man auf Tour ist?
Al: Hm...doch...manchmal...oder besser...also...
An: Hey...seit wann stotterst Du?
Al: *lacht* Tut mir leid...also noch mal...früher habe ich das fast jeden Abend nach unseren Auftritten gemacht. Im Prinzip hat der ganze Schlamassel mit diesem Ausgehen in die Clubs angefangen.
An: Schlamassel?
Al: Das Trinken...die Frauen...
An: *erschrocken* Oh...entschuldige...ich war wohl gerade etwas auf der Leitung gestanden.
Al: Hey...kein Problem.
An. *vorsichtig* Und jetzt gehst Du nicht mehr aus, um das zu vermeiden?
Al: Ja. Na ja...ich kann mittlerweile schon wieder in Clubs gehen...aber meistens ergreife ich nach ca. 2 Stunden die Flucht. Es ist schwierig sich zurück zu halten, wenn am laufenden Band irgendwelche Tabletts mit Alkoholika an Dir vorbei geschleppt werden.
An: Ich verstehe...vermisst Du es?
Al: Das Trinken oder das Ausgehen?
An: Beides.
Al: Das Trinken...nicht wirklich...manchmal ist das Bedürfnis natürlich schon noch da...ich meine...das wird wahrscheinlich nie ganz verschwinden. Aber ich weiß, was dann passiert und darauf habe ich absolut keine Lust. Also lasse ich es bleiben.
An: Ich bin wirklich stolz auf Dich, weißt Du das?
Al: *verlegen* Danke...ich auf mich auch, komisch oder?
An: Wieso komisch?
Al: *seufzt* Wie sind wir eigentlich auf dieses Thema gekommen?
An: Alex, Du lenkst ab!
Al: *kichert* Ich weiß, aber nicht sehr erfolgreich, wie mir scheint.
An: Hey...wenn Du nicht darüber reden willst, ist das vollkommen o.k..
Al: Nein...ist schon gut...ich...versuche einfach nicht zu oft daran zu denken. Es reißt so viele alte Wunden auf, weißt Du?
An: Das verstehe ich...wirklich! Also lass uns...
Al: Nein, nein...warte...also...ich...also...ich mag mich nicht besonders. Ich weiß auch nicht. Manchmal schaue ich mich im Spiegel an und will mir selbst ins Gesicht schlagen. Kennst Du das?
An: Hm...nicht in dem Ausmaß aber natürlich habe ich auch so Zeiten, wo ich lieber jemand anderes wäre.
Al: Jemand anderes...das trifft es eigentlich ganz gut. Ich habe einfach...ziemlich schlechte Angewohnheiten. Ich bin launisch, misstrauisch...nicht wirklich treu...
An: Was bedeutet nicht wirklich treu? Treu im Sinne von „Treu in einer Beziehung“?
Al: Treu im Sinne von „in jeder Beziehung“. Am schwersten fällt es mir wohl, mir selbst treu zu bleiben.
An: Hast Du Sarah betrogen?
Al: Willst Du eine ehrliche Antwort?
An: Natürlich.
Al: Nein...aber wer weiß...vielleicht ist sie nur gegangen, bevor ich es konnte.
An: Nein Alex...das ist Blödsinn. Ihr wart doch eine sehr lange Zeit zusammen und ich bin mir sicher, dass Du jeden Tag fünftausend Gelegenheiten hattest, sie zu betrügen.
Al: Na ja...*kichert* übertreiben brauchen wir aber auch nicht.
An: *schmunzelt* Ich wollte einfach realistisch sein.
Al: *lacht* Danke für das Kompliment.
An: Jedenfalls...Du hast es nicht getan. Vielleicht machst Du Dich schlechter, als Du bist. Ich habe einen Mann kennen gelernt, der sehr sensibel, humorvoll und ausgesprochen lieb ist. Ich kann mir Dich einfach nicht als den gemeinen Typ vorstellen.
Al: Du kennst mich eben nicht gut genug.
An: Mag sein. *nachdenklich* Du würdest also auch mir absichtlich weh tun?
Al: Das ist eine gemeine Frage.
An: Ich erwarte einfach eine ehrliche Antwort.
Al: Ich befürchte, ich werde es vielleicht irgendwann tun, ohne es zu wollen. So etwas passiert mir immer. Die Dinge verselbständigen sich und wenn es an mir ist, eine Entscheidung zu treffen, treffe ich mit ziemlicher Sicherheit die falsche.
An: Na, dann besteht ja noch Hoffnung.
Al: *erstaunt* Du nimmst das aber sehr gelassen.
An: Ich habe ja auch keine andere Wahl. Soll ich jetzt nur, weil ich weiß, dass Du irgendwann vielleicht etwas tun könntest, was mir nicht gefällt, unsere...na ja...Beziehung oder wie immer Du das nennen willst...aufgeben?
Al: ...
An: ...
Al: Sagte ich schon mal, dass Du eine...unglaubliche Frau bist?
An: *verlegen* Wieso denn das? Ich meine...also...
Al. *schmunzelt* Hey...ganz ruhig, ja? Das war nur ein kleines, unschuldiges Kompliment.
An: Klein und unschuldig...schon klar.
Al: *lacht* Also das müssen wir noch üben.
An: Was meinst Du?
Al: *Imitiert einen Fernsehmoderator“ Und demnächst auf diesem Sender der Kurs „wie gehe ich richtig mit Komplimenten um“.
An: *lacht* Na, da haben sich ja die richtigen zwei dafür gefunden.
Al: *lacht* Da bin ich aber ganz genau Deiner Meinung.
An: *kichert* Schön, das wir einer Meinung sind.
Al: Finde ich auch.
An: Wir sollten wohl so langsam mal Schluß machen.
Al: Wieso? Hast Du noch was wichtiges vor?
An: *lacht* Rechne nach, wie spät es jetzt bei mir ist.
Al: Also gut...hier ist es jetzt...acht Uhr abends...dann ist es bei Dir...oh...Ende der Mittagspause, was?
An: *seufzt* Genau das.
Al: Ihr tanzt unter der Woche auf Bartheken?
An: *lacht* Stell Dir vor...ab und zu überkommt uns so ein Trieb und dann treibt uns eine dunkle Macht dazu. Wir können gar nichts dagegen tun. Meistens passiert das, wenn Vollmond ist.
Al: *lacht* O.k., o.k., ich habe verstanden. Na dann...werde ich Dich mal wieder in die Arbeitswelt entlassen.
An: Danke...ich habe zwar nicht wirklich Lust dazu...
Al: Wer hat die schon?
An: Mußt Du nicht auch irgendeinem Job nach gehen?
Al: Och...ich denke, die Jungs kommen heute auch mal ohne mich aus.
An: Was?
Al: *lacht* Wir haben heute Abend frei...ausnahmsweise.
An: *lacht* „Frei“ ist ein schönes Wort.
Al: Oh ja, das kannst Du laut sagen.
An: Nun denn...ich muß jetzt.
Al: Alles klar. War schön dass Du angerufen hast.
An: Fand ich auch.
Al: Wer zählt?
An: Mach Du das...Du kannst das einfach besser.
Al: *lacht* Ja, ich sollte damit auftreten.
An: *lacht* Du wirst Millionen begeistern.
Al: *kichert* Also gut. Bereit?
An: Soweit das eben geht...ja.
Al: Gut...dann...eins...zwei...oh Moment...
An: *lacht* Du hast Glück, der Hörer war schon fast wieder auf der Gabel.
Al: *lacht* Ab und zu habe sogar ich Glück.
An: *kichert* Was wolltest Du sagen?
Al: Ich wollte Dir noch einen schönen Tag wünschen Süße.
An: D-Danke...
Al: Das mit der „Süßen“ bringt Dich ganz schön aus dem Konzept, was?
An: Gib es zu, Du machst das absichtlich!
Al: *lacht* Nicht wirklich...aber ich meine es ernst...ich mag Dich nämlich sehr.
An: *leiser* Ich mag Dich auch sehr.
Al: *seufzt* Gott sei Dank.
An: *schmunzelt* Was hast Du denn erwartet?
Al: Ich weiß es nicht so genau. Egal...probieren wir es noch mal mit Zählen.
An: In Ordnung. Mach’s gut.
Al: Du auch...eins...zwei...drei

18. April 2004