Kapitel 34

„Miranda, ich muß Schluß machen. Ich fahre gleich los zum Flughafen.“
„Ach ja richtig, A.J. kommt ja heute,“ hörte ich sie am anderen Ende der Leitung. Ich war immer wieder erstaunt, wie klar und deutlich ich sie verstehen konnte. So, als wäre sie im Nebenraum und nicht tausende von Meilen von mir entfernt.
„Wie geht es ihm denn inzwischen?“
„Oh, es geht ihm sehr gut. Er geht regelmäßig zur Therapie, hat seit einem Jahr keine Tropfen Alkohol angerührt und scheint momentan in einer sehr kreativen Phase zu sein. Vielleicht wird er demnächst etwas solo machen.“
„Hey, das klingt gut. Und, bist Du schon aufgeregt?“
„Aufgeregt? Aufgeregt ist gar kein Ausdruck. Es ist das erste Mal nach einer sehr lagen Zeit, dass wir uns sehen. Ich ... weiß nicht so genau, was auf mich zu kommt.“
„Aber ihr habt doch so oft telefoniert?“
„Das mag ja sein und im Endeffekt kennen wir uns jetzt sicherlich besser, als jemals zuvor. Aber ... na ja ... irgendwie ... ist es eben immer so, als telefonierten zwei Freunde mit einander, verstehst Du?“
„Hm ... ich weiß nicht so genau, immerhin hat er Dir tränenreich seine Liebe gestanden.“
„Ja. Aber Du weißt doch wie das ist. Wenn man so weit von einander entfernt ist, konzentriert man sich eher auf ... na ja ... die unproblematischen Dinge würde ich mal sagen. Wir haben das Thema Liebe und die Sache auf dem Flughafen kaum erwähnt. Irgendwie ... waren wir wohl beide der Meinung, dass das jetzt erst einmal nicht wichtig genug ist.“
Miranda lachte „ich sehe es schon vor mir. Ihr werdet Euch am Flughafen um den Hals fallen und das gesamte Wochenende nicht aus dem Bett kommen.“
„Miranda! Ich bin entsetzt.“
„Sag bloß die weltmännischen Londoner haben Dir immer noch nicht Deine Prüderie ausgetrieben.“
„Mach’ Dich nicht über mich lustig,“ warnte ich sie.
„Würde ich doch nie,“ kicherte sie „und bevor ich mich jetzt um Kopf und Kragen rede, lege ich lieber auf.“
„Besser für Dich,“ gab ich zu und mußte dann ebenfalls lachen. „Du bist wirklich unmöglich.“
„Ich weiß, aber deshalb magst Du mich doch auch so sehr.“
„Na, dann mal viel Spaß mit Tim, Tom oder wie auch immer er hieß.“
„Er heißt Ted und danke. Wünsche ich Dir auch mit Deinem Traummann.“
„Danke. Ich werde berichten.“
„Wehe nicht. Dann komme ich vorbei und prügele die Informationen aus Dir heraus.“
„Mach’s gut Miranda,“ lachte ich.
„Ja mein Schatz. Du auch.“
Während ich den Hörer auflegte, warf ich einen Blick in den Flurspiegel. Was würde er wohl sehen, wenn er aus dem Flugzeug stieg? Meine Haare waren etwas kürzer als damals und ich hatte etwas abgenommen.
In einem hatte ich Miranda recht geben müssen. Hier etwas anständiges zu essen zu finden war gar nicht so einfach und wenn, dann unglaublich teuer.
Erin, meine Mitbewohnerin, streckte den Kopf aus ihrem Zimmer.
„Ich habe mit Arnold telefoniert. Er führt mich ins Kino aus und hinterher ins Pub. Also genug Zeit für Euch, Euer Wiedersehen zu feiern.“
„Ich danke Dir. Allerdings wäre es nicht nötig gewesen ... ,“
„Ja, ja, ich weiß Süße. Aber sicher ist sicher. Oh Mann bin ich aufgeregt. Eine Berühmtheit in unserer Hütte.“
„Könnten wir das nicht für eine Weile vergessen?“ fragte ich unbehaglich. Ich sah sie schon wie ein kreischender Teenie auf ihn zustürzen und ihn mit Fragen bombardieren.
Doch Erin lachte nur „keine Sorge, ich lasse mir nichts anmerken. Aber bitte sei nett zu ihm. Nicht das er abreist, bevor ich ihn gesehen habe.“
„Ich werde mir Mühe geben.“
„Gut, dann verschwinde jetzt. Sonst landet er am Ende und Du bist nicht da. Du weißt wie der Londoner Verkehr um diese Uhrzeit ist.“
„Bin schon weg,“ rief ich, schnappte mir im Vorbeigehen meine Handtasche und hüpfte dann die Stufen des Treppenhauses hinunter.

Der Verkehr war wirklich fürchterlich und ich kam tatsächlich fast eine halbe Stunde zu spät. Als ich die Ankunftshalle betrat, befanden sich nur noch sehr wenige Menschen darin und einer davon saß auf einer Reisetasche und tippte auf seinem Handy herum. Im gleichen Moment hörte ich, wie in meiner Handtasche mein Handy piepte. Schnell schaltete ich es aus und registrierte, wie A.J. im selben Moment die Stirn runzelte. Ob er gerade Angst bekam, dass ich es mir anders überlegt hatte?
Ich betrachtet ihn für einen Moment und konnte dabei nicht verhindern, dass mein Herzschlag zu rasen begann und sich ein angenehmes Kribbeln zwischen meinen Schulterblättern ausbreitete. Es war einfach ewig her, dass ich ihn gesehen hatte.
Die Therapie hatte ihm gut getan. Die Blässe war aus seinem Gesicht gewichen, sein Körper strahlte wieder Kraft und Energie aus und alles in allem wirkte er wie ein zufriedener Mensch. Wenn da nicht das kleine Problem mit meinem Handy gewesen wäre.
Erneut tippte er auf den Tasten herum und begann unruhig auf seiner Tasche hin und her zu rutschen.
Leise näherte ich mich von hinten, beugte mich zu ihm hinunter und flüsterte in sein Ohr „der kleine Alex möchte abgeholt werden?“
Erschrocken fuhr er zu mir herum und als er mich erkannte, erhellte ein strahlendes Lächeln sein Gesicht.
„Oh Mann, ich dachte tatsächlich, Du würdest nicht kommen,“ sagte er, stand auf, steckte sein Handy in die Hosentasche und blieb dann unschlüssig vor mir stehen.
Es war ein seltsames Gefühl ihm plötzlich wieder so nahe zu sein. Die Wunden, die er vor fast einem Jahr so gründlich in mein Herz geschlagen hatte, waren alle samt verheilt, trotzdem blieb ein letzter Rest von Skepsis, die hauptsächlich von der Angst, erneut verletzt zu werden, stammte.
Ich wußte nicht so genau, was ich jetzt tun sollte und ihm schien es genau so zu gehen. Schließlich trat ich vorsichtig einen kleinen Schritt auf ihn zu und breitete etwas unbeholfen meine Arme aus.
Er lächelte, legte mir seine Arme um die Taille und zog mich fest an sich. Ich spürte seine rauen Bartstoppel an meiner Wange, seine Hände auf meinem Rücken und seinen warmen Atem an meinem Hals und ganz plötzlich war mir, als sei ich nach Hause gekommen.
„Ich habe Dich so sehr vermisst,“ sagte er leise an meinem Ohr.
„Geht mir genau so,“ gab ich zurück und spürte, wie er mich noch ein wenig fester an sich zog.
„Glaubst Du, wir schaffen es noch an diesem Wochenende aus dem Flughafen heraus?“ lachte er leise und nun drückte ich ihn fest an mich.
„Ich denke nicht,“ kicherte ich.
Schließlich ließen wir uns dann doch los, A.J. nahm seine Tasche und gemeinsam verließen wir das Flughafengebäude.
„Sightseeing-Tour oder nach Hause?“ fragte ich ihn, während ich mich darüber amüsierte, dass er erst einmal zur falschen Seite des Wagens lief.
„Sightseeing klingt nicht schlecht ... ich bin auf der falschen Seite,“ stellte er irritiert fest und sah mich über das Wagendach hinweg an. Ich mußte lachen.
„Das habe ich bereits bemerkt. Aber wenn Du möchtest, kannst Du gerne fahren,“ und dabei erinnerte ich mich an das letzte Mal, als ich an seiner Seite auf dem Beifahrersitz gesessen hatte. Damals waren wir auf dem Weg in dieses italienische Lokal, um Nick zu treffen und schon damals war etwas von dieser Spannung zwischen uns zu spüren gewesen, auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte wahr haben wollen.
Wortlos kam er nun um den Wagen herum und öffnete die Beifahrertür.
„Ich glaube, das überlasse ich erst einmal Dir. Wer weiß in welchem Schaufenster wir sonst landen.“
Ich nickte grinsend, ging um den Wagen herum und wenig später waren wir auf dem Weg hinein in das pulsierende Leben Londons.

Wir hatten das komplette Programm absolviert, das man als Tourist hinter sich bringen mußte und das meiste hatte A.J. vom Wagen aus gesehen. Zum einen war es fast unmöglich in London einen einigermaßen erschwinglichen und zentrumnahen Parkplatz zu bekommen und zum anderen waren wir beide im Moment unglaublich fußfaul. Wir redeten und lachten, ich erzählte ihm zwischendurch ein wenig über die Geschichte der Stadt und der diversen Sehenswürdigkeiten und als es schließlich dämmerte, lenkte ich den Wagen nach Hause.
Ich hatte eine sündhaft teure Garage gemietet, die fast so viel kostete, wie das Zimmer in dem ich lebte, aber das war es mir wert gewesen. Ich mußte nicht stundenlang nach einem Parkplatz suchen und vor allen Dingen konnte ich sicher sein, dass mein Wagen am nächsten Morgen noch dort stand, wo ich ihn abgestellt hatte.
Der große Nachteil daran war allerdings, dass man noch fünf Blocks bis zu meiner Wohnung gehen mußte. Als wir durch die Glastür der Parkgarage traten, begann es gerade zu tröpfeln.
„So viel also zu dem viel zitierten schlechten Wetter,“ schmunzelte A.J. und schlug den Kragen seiner Jacke hoch.
„Hey, das sind alles nur Gerüchte. Hier regnet es auch nicht öfter, als sonst wo in Europa. Florida oder Kalifornien zählen hier nicht als Vergleich.“
Er lachte nur und hakte sich bei mir unter.
Gemeinsam schlenderten wir trotz des stärker werdenden Regens die Straße hinunter und so waren wir klitschnass, als wir schließlich an dem kleinen Reihenhaus ankamen.
„Hier wohnst Du also,“ stellte A.J. fest, während ich die Haustür aufschloss.
„Ja, was dagegen?“
„Nein, nein. Es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Diese Stufen zur Eingangstür, der Minivorgarten. Ich finde es hat sehr viel ... uhm ... Atmosphäre.“
„Atmosphäre ... aha ... wo hast Du nur dieses Wort her?“ schmunzelte ich und betrat vor ihm das Halbdunkel des Hausflures.
„Willst Du etwa behaupten, ich bin nicht kultiviert genug um mich solcher Worte zu bedienen?“ sagte er mit bestem britischen Akzent und ich mußte schon wieder lachen.
„Nein A.J., Du bist der kultivierteste Mensch den ich kenne.“
Er schnaubte nur und stieg hinter mir das enge Treppenhaus zu meiner Wohnung hinauf.
Bevor ich die Wohnungstür aufschloss, drehte ich mich noch einmal zu ihm herum.
„Es könnte durchaus möglich sein, dass Dich meine Mitbewohnerin gleich anspringt. Sie ist ein großer Fan von Dir und den Jungs und sie war mindestens so aufgeregt wie ich, als ich ihr sagte, wer uns besuchen kommt.“
„Du warst aufgeregt?“ sagte er schmunzelnd, den Rest meines Satzes hatte er wohl absichtlich überhört.
„Ein bißchen,“ gab ich grinsend zu und schloß dann endlich die Tür auf.
Ein angenehmes Dämmerlicht umfing uns und aus dem Wohnzimmer, das Erin und ich gemeinsam benutzten, drang der Schein von warmen Kerzenlicht.
„Ich fasse es nicht,“ murmelte ich, als wir gemeinsam tropfend in der Tür standen und das betrachteten, was Erin für uns gezaubert hatte.
Sie hatte den kleine Couchtisch und die zwei abgenutzten Sessel in eine Ecke geschoben und auf dem Boden einen Berg von Kissen verteilt. In der Mitte standen kleine Teller mit diversen Köstlichkeiten, Kristallgläser, Silberbesteck, Servierten mit Sonnenblumen darauf und zwischen all den Dingen hatte sie schwach duftende Rosenblätter verteilt. Die Kerzen waren überall im Raum verteilt und schienen noch nicht lange zu brennen. Scheinbar hatte sie vom Fenster aus nach uns Ausschau gehalten und sie in dem Moment angezündet, als wir in die Garage hinein fuhren.
„Wow, das ist ja mal ein Empfang,“ sagte A.J. neben mir leise „was hast Du ihr nur erzählt?“
„Nichts ... ich meine ... also ... ich ... uhm ... ,“ ich wußte nicht was ich sagen sollte. Ich hatte Erin in einer unseren ersten Nächte, als wir uns mit billigem Wein und Musik von Frank Sinatra ordentlich beschwipst hatten, von A.J. erzählt. Die ganze, verdammte Geschichte und sie war mehr als wütend auf ihn gewesen. Im Laufe der Zeit hatte sich das allerdings ins Gegenteil verkehrt, als sie merkte, dass wir mindestens zwei Mal die Woche telefonierten und das selten unter drei Stunden ablief. Inzwischen sah sie in uns das Traumpaar, das es galt wieder zu vereinen.
Ein anhaltendes, leises Platschen erinnerte mich schließlich daran, dass wir beide immer noch komplett durchnässt in der Tür standen und sich langsam kleine Pfützen um unsere Füße bildeten.
„Ich hole uns erst einmal etwas zum Trockenlegen,“ sagte ich deshalb und verschwand im Bad um uns zwei große, flauschige Handtücher zu besorgen.
„Hier,“ ich reichte A.J. eines davon, er griff danach und unsere Fingerspitzen berührten sich für einen flüchtigen Moment, doch es reichte aus, um mir eine Art Stromstoß durch den Körper zu jagen. Für einen Moment hielt ich die Luft an und vermied es, ihm in die Augen zu sehen.
„Danke,“ sagte er, zog seine Jacke aus und begann seine Haare trocken zu rubbeln. Sein T-Shirt war ebenfalls tropfnass und klebte ihm am Körper. Fasziniert sah ich dabei zu, wie er das Handtuch neben sich auf den Boden warf und dann das T-Shirt über den Kopf zog. Er fuhr fort sich ab zu trocknen, scheinbar ohne zu bemerken, wie ich immer noch wie ein hypnotisiertes Kaninchen an der Wohnzimmertür stand.
Der sanfte Kerzenschein tauchte seinen Körper in goldenes Licht und Schatten tanzten hinter ihm an der Wand. Selbst wenn jetzt die Welt vor meinen Augen explodiert wäre, hätte ich mich nicht bewegen können.
Schließlich sah er zu mir herüber. Seine Hand drückte das Handtuch an seinen Bauch und er lächelte zu mir hinüber.
„Du bist ja immer noch ganz nass,“ sagte er leise und kam auf mich zu.
„Ähm ... j-ja ... ,“ gab ich überflüssiger Weise zu und konnte mich immer noch keinen Zentimeter bewegen.
Er schüttelte lächelnd den Kopf und streifte mir dann die Jacke von den Schultern.
„Du wirst Dich erkälten und ich will mir gar nicht vorstellen, was Deine Mitbewohnerin dann mit mir macht.“
Er entwand mir sanft das Handtuch aus meinen klammen Fingern und begann damit mein Gesicht ab zu tupfen. Sanft fuhr er über meine Wange, meinen Hals entlang und hielt schließlich an dem Ausschnitt meiner Bluse inne.
„Du wirst sie ausziehen müssen,“ sagte er und seine Stimme war nicht mehr als ein raues Flüstern. „Wenn Du möchtest gehe ich so lange ... keine Ahnung ... uhm ... ne Runde um den Block oder so,“ dabei kicherte er etwas verlegen, doch ich schüttelte den Kopf.
„Das wird nicht nötig sein,“ sagte ich leise und dann tat ich das, wonach ich mich seit fast einem Jahr sehnte. Ganz vorsichtig legte ich meine Hände auf seine Brust und ich hörte, wie er scharf die Luft einsog. Sofort nahm ich meine Hände wieder zurück.
„Zu kalt?“ fragte ich erschrocken.
„Nein, nein,“ sagte er schnell, nahm meine Hände und legte sie wieder zurück auf seine Brust „einfach nur schön,“ fügte er leise hinzu und beugte sich ein Stück zu mir hinunter.
Unsere Lippen fanden sich von ganz alleine und als ich die Augen schloss, fühlte ich seine Hände, die ganz langsam einen Knopf nach dem anderen an meiner Bluse öffneten.
Ich hatte gar nicht gemerkt, wie unwohl ich mich in diesem nassen Kleidungsstück gefühlt hatte, doch kaum hatte A.J. sie mir über die Schultern gestreift, fühlte ich die Wärme, die die Kerzen in diesem kleinen Raum verbreiteten und seine Fingerspitzen, die unglaublich zärtlich über meinen Rücken strichen.
Dann hielt er einen Moment inne, rückte ein Stück von mir ab und sah mir fest in die Augen.
„Weißt Du, hiervon träume ich, seit Du damals weg geflogen bist. Es ist ... Du ... Du hattest damals sicher recht, als Du mich weg geschickt hast. Ich mußte mich erst selbst finden, aber in einem Punkt hast Du Dich geirrt. Ich habe schon damals gewußt, was ich wirklich wollte. Ich wollte Dich und will es immer noch. Nur Dich.“
Ich lächelte schief „es hat mich ziemlich viel Überwindung gekostet, Dich weg zu schicken,“ sagte ich leise „aber ich glaube nicht, dass wir damals die Chance gehabt hätte, die wir jetzt haben.“
„Das stimmt,“ er nickte und trat dann wieder auf mich zu. Er zog mich fest an sich, küsste mich sanft auf die Schulter und legte dann seinen Kopf darauf.
„Ich liebe Dich so sehr. Bitte sag mir, dass Du mich nicht wieder weg schicken wirst. Noch einmal überlebe ich das nicht.“
Ich fuhr ihm sanft durch das Haar und genoss die Wärme seines Körpers.
„Ich werde Dich nie wieder weg schicken,“ versprach ich „ich liebe Dich ... genau genommen schon ziemlich lange.“
„Tatsächlich?“ er sah mich an und grinste dabei.
„Das weißt Du ganz genau,“ lachte ich und knuffte ihn sanft ihn die Seite.
„Wirklich sicher war ich mir nie,“ entgegnete er, wieder ernst geworden.
„Ich weiß. Aber jetzt ... lass uns nicht mehr reden,“ hauchte ich und er befolgte diesen Befehl auf der Stelle.

Viel später, als die Kerzen beinahe komplett herunter gebrannt waren und wir in die Kissen gekuschelt im Wohnzimmer lagen, mit einer Decke zugedeckt und mit meinem Kopf auf seiner Brust stellte ich die Frage, die mir schon ein ganzes Jahr durch den Kopf ging.
„Woher hast Du damals gewußt, wann ich abfliegen würde oder besser gesagt, dass ich überhaupt dabei war, Amerika zu verlassen?“
„Miranda hat es mir gesagt,“ schmunzelte er.
Erstaunt richte ich mich auf, drehte mich auf den Bauch und sah ihn an.
„Sie hat Dich angerufen?“ Das hatte sie mir nie erzählt.
„Ja, hat sie, und das so zu sagen kurz vor knapp. Ich hatte genau vierzig Minuten um zum Flughafen zu kommen. Sie sagte „wenn Du sie wirklich liebst, wirst Du es schaffen. Aber nur dann.“ Und ich habe es geschafft.“
Sanft fuhr er mit dem Finger die Kurve meines Rückens entlang und küsste mich dann sanft auf die nackte Schulter.
„Diese ... Verräterin,“ ich schüttelte entgeistert den Kopf, doch A.J. lachte nur.
„Sie hat es gut gemeint. Sie sagte, ich sei zwar ein entsetzlicher Mistkerl, aber wir hätten diese winzige Chance wohl verdient.“
„Haben wir sie richtig genutzt?“ fragte ich leise.
„Ich glaube nicht, das ich heute hier wäre, wenn ich damals nicht zum Flughafen gekommen wäre,“ gab er nachdenklich zurück.
„Warum? Hättest Du nicht versucht mich wieder zu sehen?“
„Wie hätte ich Dich finden sollen? Und selbst wenn ... höchstwahrscheinlich hättest Du den Hörer auf die Gabel geknallt in dem Moment, in dem Du meine Stimme gehört hättest.“
„Da könntest Du sogar recht haben.“
Ich lies meinen Kopf zurück auf die Kissen sinken und mein Gesicht war somit mit seinem auf gleicher Höhe.
„Wir haben diese Zeit gebraucht,“ sagte er leise. „Ich habe ... Dir weh getan, Dich verletzt ... ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass Du mir das tatsächlich verziehen hast.“
„Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Und das wir jetzt hier zusammen sind, gibt mir recht.“
Er nickte langsam.
„Es gibt so viele Dinge, die wir uns niemals gesagt haben,“ sagte er und so etwas wie Bedauern schwang in seiner Stimme mit.
„Dafür haben wir jetzt jede Menge Zeit,“ lächelte ich, beugte mich zu ihm hinüber und küsste ihn zärtlich. Er rollte sich auf die Seite, umschlang mich mit seinen Armen und vergrub sein Gesicht in meinem Haar.
„Ja, bis ans Ende unseres Lebens.

The End

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