Kapitel 24
Ich kämpfte mich vorsichtig durch die tanzenden Menschen und hatte nach einer ganzen Weile endlich den Rand der Tanzfläche erreicht. Für einen Moment blieb ich stehen und fuhr mir mit den Händen über das Gesicht. Ich wollte dieses Nebelgefühl aus meinem Kopf vertreiben, das der Alkohol dort hinterlassen hatte, aber es gelang mir natürlich nicht. Wie hatte ich auch nur so schnell dieses hochprozentige Zeug in mich hinein kippen können? Normaler Weise reichte mir ein Glas Wein, damit ich mich den ganzen Abend angenehm angeheitert fühlte.
Ich beschloß mich zu unserem Platz hinauf zu kämpfen und den Rest des Abends an Wasser zu halten. Ich mochte es nicht besonders wenn ich die Kontrolle über mein Handeln verlor.
Der Weg zur Treppe erschien mir ewig lang. Ich nickte dem Sicherheitsmann davor kurz zu und Gott sei Dank erkannte er mich wieder, denn er trat mit einem Lächeln zur Seite.
Mit der Hand am Geländer stieg ich Stufe für Stufe hinauf, bis mein Blick auf ein paar weiße Turnschuhe fiel und als ich langsam aufsah, stand A.J. vor mir. Er hatte seine Jacke angezogen und sah nun fragend auf mich hinab.
Wo willst Du denn hin? fragte ich mit schwerer Zunge und sah ihm dabei zu, wie er langsam zwei Stufen weiterging, damit seine Augen ungefähr auf meiner Höhe waren, und dann erneut stehen blieb.
Eigentlich nach Hause, sagte er und musterte mich dabei aufmerksam.
Aber warum denn ... ich meine ... der Abend hat doch gerade erst ... angefangen.
Es fiel mir schwer mich auf sein Gesicht zu konzentrieren. Immer wieder blinzelte ich um klarer sehen zu können.
Kann es sein, dass Du ein wenig zu viel getrunken hast? fragte A.J. lächelnd und strich mir dabei sanft über den Arm.
Ein wenig? ich kicherte. Ich befürchte den morgigen Tag werde ich nicht überleben. Aber ansonsten geht es mir gut.
A.J. lachte leise, dann wurde er wieder ernst.
Wo hast Du denn Deine neue Flamme gelassen?
Neue Flamme? für einen Moment wußte ich wirklich nicht was er meinte, doch dann fiel es mir wieder ein. Hatte er mich tatsächlich gesehen?
Du meinst Max? Der ist wieder zurück zu seinen Kumpels.
Max? Etwa ... der Max?
Uhm ... klar ... der Max! Es war jetzt sowieso schon egal und irgendwie redete mein Mund bevor ihm mein Gehirn überhaupt die Erlaubnis dazu erteilt hatte.
Wie ... stehen denn die Chancen? Ich meine ... na ja ... , scheinbar wußte er selbst nicht so genau was er sagen wollte.
Die Chancen stehen wie immer genau so schlecht. Aber egal. Ich glaube, ich bin über ihn hinweg. Er ist ... gar nicht so toll ... wie ich immer dachte, gab ich zurück und nickte dabei gedankenversunken.
Wirklich? A.J. schien ehrlich überrascht.
Ja. Ich weiß auch nicht. Entweder ist es der Alkohol oder er hat ... keine Ahnung ... irgendeine Verwandlung mit gemacht. Er war recht ... hm ... aufdringlich.
A.J.s Gesicht verdüsterte sich ich hätte Dich doch nicht alleine lassen sollen, sagte er mehr zu sich selbst.
Ach was, Du kennst mich doch, beruhigte ich ihn ich bin schon mit ganz anderen Typen fertig geworden. Aber erklär mir doch mal, warum Du Deine Jacke an hast und hier herum stehst? Ich hatte tatsächlich vergessen, dass er mir das bereits erklärt hatte. Ich machte eine ausholende Handbewegung die Treppe hinauf und wieder hinunter und verlor dabei das Gleichgewicht. In Zeitlupentempo kippte ich nach vorne und direkt in A.J.s geöffnete Arme.
Hey, lacht er leise es ist noch zu früh Dich in den Tod zu stürzen.
Dafür habe ich doch Dich, sagte ich liebevoll Du fängst mich doch immer auf. Egal was kommt.
Er strich mir sanft über die Wange.
Ich liebe Dich eben, sagte er leise.
Ich weiß, ich Dich doch auch. Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen. Zwischen unsere Freundschaft wird sich niemals jemand stellen können. Weder ein Max noch irgendein anderer Mann.
Ich grinste ihn an und schlang meine Arme um seinen Hals.
Ja ... uhm ... klar. Unsere Freundschaft kann nichts erschüttern, sagte er, doch irgendwie sah er nicht wirklich glücklich dabei aus.
Hey, mach nicht so ein Gesicht. Lass uns lieber nach oben gehen und mit den anderen beiden noch etwas feiern. Allerdings will ich keine Tropfen Alkohol mehr sehen.
Ich wollte eigentlich ... , doch weiter kam er nicht mehr.
Nick stürmte, mit hochrotem Gesicht und seiner Jacke in der Hand, an uns vorbei.
Nick?? rief A.J. hinter ihm her, doch der hatte bereits die unterste Treppenstufe erreicht und verschwand gleich darauf in der Menge.
Hinterher! rief ich wie in einem schlechten Film und lies mir von A.J. die Stufen hinunter helfen.
Wir erreichten den Ausgang und als wir wieder draußen im Freien standen sog ich tief die klare, kalte Luft ein nur um gleich darauf fest zu stellen, dass sich die Welt um mich herum noch ein wenig schneller zu drehen begann.
So ein Mist! Wer hatte nur gesagt, dass frische Luft gut tat? Höchstwahrscheinlich hatte dieser Jemand noch nie im Leben zu viel getrunken.
Wir erreichten Nick, kurz bevor er seine Wagentür vor unserer Nase zu schlagen konnte. A.J. hielt sie unerbittlich fest, was Nick nur noch wütender zu machen schien.
Lass das gefälligst, raunzte er und versuchte die Tür zu zu ziehen, doch A.J. hielt dagegen.
Was ist passiert? fragte er, während ich mich ein Stück abseits auf den Rand des Bürgersteiges hockte um von dort das Wortgefecht zu verfolgen. Ich machte mir natürlich ebenfalls Sorgen um Nick, aber ich hatte das Gefühl, dass ich nicht länger auf meinen wackeligen Beinen stehen konnte.
A.J. drehte sich kurz zu mir herum, stellte wohl fest dass es mir einigermaßen gut ging und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Nick zu. Dieser hatte inzwischen aufgehört an der Autotür zu zerren und trommelte stattdessen immer wieder auf das Lenkrad ein.
Sie hat mich an der Nase herum geführt, presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und hörte dann auf das Steuer weiter zu malträtieren.
Wer? Paige? fragte A.J. verständnislos.
Ja-ha. Um genau zu sein Paige Robinson von Robinson Enterprises, verlobt mit Raven McIrgendwas. Gott ... wie konnte ich nur so blöd sein. Es hätte mir zu denken geben sollen, dass sie nichts über sich erzählen wollte.
Jetzt mal langsam, sagte A.J., lies vorsichtig die Autotür los und ging vor Nick in die Hocke.
Erzähl mir genau was passiert ist.
Dieser Raven ist plötzlich aufgetaucht und hat behauptet, dass sie mit ihm verlobt ist.
Hat behauptet?!? hakte A.J. nach.
Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber sie sagt, es stimmt.
Nick klang unglaublich enttäuscht und zutiefst erschüttert. Scheinbar bedeutete sie ihm mehr als A.J. und ich bisher angenommen hatten.
Ich rede mit ihr, sagte A.J. entschlossen und erhob sich.
Vergiss es, fuhr Nick auf. Die Sache ist gelaufen, ich will nichts mehr von ihr hören.
Du kannst doch nicht einfach so kleinbei geben, meldete ich mich aus dem Hintergrund. Mühsam stand ich auf und stellte mich schwankend neben A.J., der mir einen Arm um die Taille legte.
Sie liebt Dich, da bin ich ganz sicher. Das alles ist bestimmt nur ein großes Missverständnis.
Sie liebt mich? Wie kommst Du denn bitte schön darauf? Ein Funken Hoffnung erschien in seinen Augen, der allerdings gleich wieder erlosch, als er meine Antwort hörte.
So etwas spürt eine Frau eben. Alleine wie sie Dich angesehen hat.
Tut mir leid Sam, aber darauf gebe ich im Moment nichts. Auch Du kannst Dich irren. Sie ist verlobt, verstehst Du? Sie wird diesen ekelhaften Typen heiraten, sie ist die Erbin eines Computerimperiums ... da habe ich nichts zu suchen.
Aber ...
Kein Aber, unterbrach er mich ich will jetzt nach Hause. Würdet ihr also BITTE von meinem Wagen verschwinden und mich in Ruhe lassen?
Nick. So geht das nicht ... wir kommen mit ... oder ... ,
Muß ich Dich erst daran erinnern, welche Diskussion wir vorhin geführt haben? entgegnete Nick und sah A.J. dabei fest in die Augen. Ich erinnere mich, dass da ein ganz gewisser Mensch auch nicht davon ab zu halten war alleine sein zu wollen.
A.J. sah betroffen aus und ich sah nur verständnislos von einem zum anderen und hatte endgültig das Gefühl den Faden verloren zu haben.
Nun gut, unglaublicher Weise trat A.J. einen Schritt zurück und zog mich dabei mit sich. Im selben Moment schlug Nick die Tür zu, lies den Motor an und fuhr mit quitschenden Reifen davon.
Was ist hier gerade passiert? fragte ich irritiert.
Das erkläre ich Dir später, entgegnete A.J. geistesabwesend. Lass uns Deine Jacke holen und dann bringe ich Dich nach Hause. Vielleicht treffen wir ja Paige noch. Dann können wir sie fragen was da schief gelaufen ist.
Der Gedanke wieder in den Club hinein zu gehen behagte mir nicht wirklich. Am liebsten hätte ich mich irgendwo hingesetzt und mich die nächsten Stunden nicht mehr bewegt.
Könnte ich nicht hier draußen warten? fragte ich also und sah treuherzig zu A.J. auf.
Sicher, er nickte. Dann führte er mich zu seinem Wagen, öffnete die Tür und half mir ein zu steigen. Bevor er die Tür schloß warf er mir noch einen ernsten Blick zu lauf ja nicht weg. Ich bin gleich wieder da.
Keine Sorge. Ich bin viel zu müde um mich noch zu bewegen.
Er nickte lächelnd, schloß dann die Tür und war gleich darauf im Club verschwunden.
Kapitel 25