Kapitel 16
Als ich am nächsten Morgen das Lehrerzimmer betrat, erwartete mich eine strahlende Miranda.
Sie brauchte keinen Ton zu sagen, ich wußte auch so, dass sie wohl am Wochenende einen weiteren Kandidaten in ihr rotes Büchlein aufgenommen hatte.
Guten Morgen Miranda, begrüßte ich sie, stellte meine Aktentasche auf einen freien Stuhl und ging dann in die Ecke, in der eine kleine Kaffeemaschine auf einem altersschwachen Beistelltischchen stand.
Als ich mich mit meiner Tasse zu ihr an den Tisch setzte, strahlte sie immer noch, ihre Augen blickten mich kugelrund an und ihre ganze Haltung schrie Frag mich! Frag mich! Frag mich!
Ich seufzte ergeben und tat das, was sie von mir erwartete irgendwelche besondere Vorkommnisse am Wochenende?
Du wirst es nicht glauben, platze sie heraus ich habe am Samstag Nick Carter auf einer Party kennen gelernt!
Ich verschluckte mich beinahe an meinem Kaffee und sah sie entgeistert an.
Du meinst ... den Nick Carter ... ich meine ... Nick Carter von den Backstreet Boys?
Genau den, ihr Gesicht glühte förmlich vor Aufregung und unverhohlenem Stolz. Meine Güte, manchmal konnte die Welt wirklich klein sein.
In meinem Kopf formte sich eine Idee und ich mußte meine gesamte Energie aufbringen um nicht vorher schon laut los zu prusten.
War das bevor oder nachdem ich mit ihm und A.J. essen war? sagte ich bemüht möglichst beiläufig zu klingen und sie dabei nicht an zu sehen. Ich hörte sie neben mir geräuschvoll Luft holen und sah dann endlich zu ihr hinüber.
Ihr Blickt sagte mir, dass sie noch überlegte, ob sie mir das nun glauben sollte doch scheinbar war mein Gesichtsausdruck sehr überzeugend.
Sag mir bitte dass das nicht wahr ist, bat sie.
Doch, es ist wahr.
Aber ... also ... da schaust Du monatelang keinen Mann an und dann gehst Du gleich mit zwei der begehrtesten Junggesellen L.A.s aus? Ich fasse es einfach nicht.
Ich mußte nun doch lachen. Miranda, das ist nicht der Weltuntergang, o.k.? Ich kenne sie schon eine ganze Weile. A.J., um genau zu sein, schon seit ich klein bin. Es ist also keine große Sache.
Keine große Sache, ja? Moment mal ... , ein listiger Ausdruck war auf ihrem Gesicht erschienen. Es hält sich das Gerücht, dass A.J. und Sarah sich getrennt haben, bei Dir taucht plötzlich ein alter Jugendfreund auf, dem es sehr schlecht geht und in den Du zufälliger Weise schon seit Ewigkeiten verliebt bist ... , ich holte Luft um sie zu unterbrechen doch sie schüttelte den Kopf lass mich ausreden! Ich kombiniere also, dass A.J. McLean von den Backstreet Boys bei Dir zu Hause sitzt und sich an Deiner Schulter ausweint, sehe ich das richtig?
Ich konnte leider nicht mehr tun als zu nicken und fragte mich im selben Moment ob es klug gewesen war, sie förmlich mit der Nase auf meine Beziehung zu A.J. zu stoßen. Konnte ich ihr vertrauen? Ich hatte keine Lust die Geschichte morgen in allen Zeitungen zu lesen mal ganz abgesehen davon, dass es A.J.s Chancen sich mit Sarah zu versöhnen endgültig zu Nichte machen würde.
Können wir das nicht einfach vergessen, versuchte ich es wenig diplomatisch und sie schüttelte auch gleich darauf den Kopf.
So etwas kann ich nicht vergessen Sam, tut mir leid. Aber keine Sorge, sie legte mir vertrauensvoll eine Hand auf den Arm ich werde niemandem davon erzählen.
Das ist ... nett ... , brachte ich heraus und nahm einen weiteren Schluck von meinem Kaffee.
Erzähl mal, fuhr Miranda fort ist A.J. genau so gut ... na Du weißt schon ... wie Nick?
Miranda! Ich war ehrlich entsetzt.
Nun hab Dich doch nicht so. Wir haben eine sehr schöne Nacht miteinander verbracht und nachdem ich ja nun weiß, dass Du ihn kennst wird es sicherlich auch kein Problem sein, ihn wieder zu sehen.
Ich habe keine Lust die Kupplerin zu spielen falls Du das meinst, beeilte ich mich zu sagen.
Hey komm schon. Gönn Dir und mir doch den Spaß. Du hilfst mir mit Nick und ich Dir bei A.J.. Das wird lustig!
Lustig? Miranda, Du verstehst das nicht. A.J. ist mein bester Freund. Punkt und aus. Da gibt es nichts zu regeln. Nick ist ebenfalls ein Freund von mir, auch wenn ich ihn zwischendurch eine Weile nicht gesehen habe und ich werde den Teufel tun und ihn in Deine Arme treiben. Ich will nicht, dass sein Herz gebrochen wird.
Woher weißt Du denn, dass ich ihm sein kleines, zartes Herz brechen werde?
Ich brauchte keine Worte für einen Antwort. Mein Blick reichte voll und ganz aus. Miranda nickte o.k., o.k., vielleicht hast Du recht. Trotzdem. Lass ihn doch entscheiden was er möchte. Immerhin hat es ihn am Samstag nicht daran gehindert mich mit zu sich nach Hause zu nehmen.
Tatsächlich? Davon hat er gar nichts erzählt.
Samantha, Du mußt noch viel lernen, stellte sie stirnrunzelnd fest so etwas erzählt man doch nicht. Das behält man für sich ... genießt und schweigt so zu sagen.
Und warum tust Du das dann nicht?
Ich sah wie sie schluckte und ich mußte lachen. Spiel, Satz und Sieg für mich. Ich lies sie noch eine Weile zappeln und sagte dann ist schon in Ordnung, ich werde es keinem erzählen.
Also haben wir einen Deal? hakte sie nervös nach.
Ja, wir haben einen Deal. Du erzählst niemandem etwas von A.J. und ich niemandem von Dir und Nick.
Sie schien erleichtert und mir ging es ganz genau so. Erneut hatten wir einen weiteren Schritt Richtung Freundschaft getan. Wir teilten unser erstes, kleines Geheimnis miteinander.
Kapitel 17