Kapitel 14
Die erste Zeit wirkte Nick noch so, als falle es ihm schwer sich auf unsere Unterhaltung zu konzentrieren. Immer wieder schweifte sein Blick zu den großen Fenstern hinaus, hinunter zum Strand oder in den Himmel, von wo ein erstes, leises Grollen zu hören war.
Ich versuchte mich daran zu erinnern, ob er schon damals so gewesen war, ob er sich also immer so benahm oder das heute ein Ausnahme war, weil ihn irgendetwas beschäftigte.
Doch im Endeffekt kam ich zu keinem Ergebnis. A.J. schien sich die selben Gedanken zu machen.
Sag mal Nick, ist alles o.k. mit Dir?
Ähm ... ja klar, wieso fragst Du?
Nun ja, Du wirkst etwas abwesend, kann das sein?
Nick sah plötzlich äußerst schuldbewußt aus, tat aber weiter so, als sei alles in bester Ordnung.
Nein, nicht das ich wüßte. Ich finde es einfach sehr ... interessant da draußen, dabei deutete er mit dem Kopf Richtung Terrasse.
Sag mir lieber, wie das mit Sarah passiert ist, sprach er weiter und ich hätte wetten können, dass das lediglich ein geschicktes Ablenkungsmanöver war.
A.J. schien auch sofort zu vergessen, was er eigentlich hatte sagen wollen. Sein Blick verfinsterte sich und um seine Mundwinkel zuckte es verräterisch. Ohne Umschweife den wunden Punkt getroffen Mr. Carter dachte ich und unterdrückte den Impuls, A.J. schützen zu wollen und vom Thema ab zu lenken. Die beiden kannten sich lange genug um zu wissen, was sie sagen konnten und was nicht.
Ich hielt mich aus der nun folgenden Diskussion heraus. A.J. erzählte in groben Zügen was passiert war, was Nick dazu veranlasste ein paar nicht ganz nette Kommentare über seinen Freund los zu lassen.
Ich konnte ihn ja verstehen, aber es half A.J. wohl nicht wirklich weiter wenn man ihm sagte, welche große Dummheit er da begangen hatte.
Nach einer Weile schaltete ich innerlich ab und lies meinen Blick hinaus wandern. Die Wolken hingen jetzt fast schwarz über uns und die ersten dicken Regentropfen prasselten gegen die Fensterscheibe.
Die wenigen Gäste auf der Terrasse waren schon vor einer Weile in das Innere des Lokals geflüchtet und so sah es da draußen ziemlich verlassen aus.
Das Meer peitschte aufgewühlt gegen den Strand, Wind kam auf und die Böen schlugen mit voller Wucht gegen die Glasfront.
Ich liebte dieses Wetter. Ein Gewitter verströmte so unglaublich viel Energie und gleichzeitig fühlte man sich geborgen im Schutz eines Hauses. Schon als kleines Kind hatte ich fasziniert an irgendeinem Fenster gestanden und das Schauspiel von Blitz und Donner verfolgt.
Ein Kellner brachte schließlich unser Essen und für eine Weile herrschte gefräßiges Schweigen, bis Nick einen Schluck von seinem Wein nahm und unvermittelt fragte glaubt ihr eigentlich an Schicksal?
Schicksal? A.J. sah etwas verwirrt aus.
Ja ... ich meine ... das manche Dinge vorher bestimmt sind.
Die Vorstellung gefällt mir nicht besonders, gab ich zu und wickelte einige Spaghetti um meine Gabel.
Wieso nicht? fragte Nick zurück.
Nun ja ... ich möchte gerne meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich hasse die Vorstellung, dass alles was ich tue vorherbestimmt ist und ich sowieso nichts dagegen tun kann.
Andererseits ist es doch auch ganz angenehm, gab A.J. zu bedenken Du brauchst Dir nie Vorwürfe machen, dass Du das Falsche getan hast denn Du hattest ja sowieso keine andere Wahl.
Ich verzog das Gesicht. Das war eine typische McLean Antwort ... oder zumindest die des neuen McLean. Warum fiel es ihm so schwer Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen?
Ich meinte auch eher so etwas wie ... hm ... , Nick sah wieder gedankenverloren hinaus in den Regen.
So etwas wie ... ? hakte A.J. schließlich nach.
Na ja Nick wandte seine Aufmerksamkeit wieder unserem Tisch zu dass man bestimmte Menschen trifft z.B.. Glaubt ihr dass es Schicksal war, dass wir uns an irgendeinem Punkt unseres Lebens getroffen haben? Wer beeinflußt so etwas? Wir selbst? Oder gibt es eine höhere Macht die dafür sorgt, dass man die richtigen Menschen in seinem Leben kennen lernt?
Mit der höheren Macht meinst Du Gott? fragte A.J. zweifelnd und schob sich eine Gabel voll Lasagne in den Mund.
Nenne es wie Du willst. Aber irgendeinen Sinn muß das Ganze doch haben, oder?
Wieso einen Sinn? entgegnete ich. Glaubst Du, Eure Karriere wäre anders verlaufen, wenn ihr Euch nicht in dieser Konstellation zusammen gefunden hättet?
Wer weiß das schon. Irgendwie hat es eben gepaßt und die Vorstellung, dass das auch mit jemand anderem geklappt hätte gefällt mir nicht.
Vielleicht gibt es tatsächlich irgendetwas, das uns eine Art Richtung weißt, gab ich zu aber was Du daraus machst liegt immer noch bei Dir.
Hey, Du wirfst gerade meine gesamte Theorie über den Haufen, lachte A.J. und zwinkerte mir zu.
Gewöhn Dich schon mal daran, schmunzelte ich Du wirst nicht darum herum kommen Verantwortung für das was Du tust zu übernehmen.
Sei gnädig, bat er ich bin noch dabei zu lernen.
Zu lernen? grinste Nick und schüttelte dabei den Kopf Du und lernen, das widerspricht sich doch voll und ganz.
Hey, Du würdest Dich wundern! gab A.J. zurück und damit war das Thema abgeschlossen.
Für einen Moment schwirrte mir die Frage im Kopf herum, wie Nick denn nun eigentlich auf dieses Thema gekommen war, doch der Kellner kam und räumte unsere leeren Teller ab und als er wieder weg war, hatte ich die Frage auch schon wieder vergessen.
Kapitel 15