Kapitel 4
Als ich am späten Nachmittag nach Hause kam, empfing mich eine drückende Stille. Nichts Gutes ahnend brachte ich meine Einkäufe in die Küche und ging dann vorsichtig ins Wohnzimmer.
Die Vorhänge waren zu gezogen, so dass ich A.J. beinahe übersehen hätte, der im Dämmerlicht auf der Couch saß und eine Flasche Jack Daniels vor sich anstarrte.
Was machst Du da? fragte ich ihn und blieb im Türrahmen stehen.
Ich kämpfe, sagte er leichthin ohne auf zu sehen.
Und wer gewinnt?
Momentan steht es noch unentschieden. Mr. Jack hier hat schon einiges versucht, aber bis jetzt konnte ich ihm widerstehen.
Das ist toll, sagte ich ehrlich erfreut aber meinst Du nicht, es wäre leichter, wenn Du ihn einfach in den Ausguss schütten würdest?
Darüber habe ich auch schon nachgedacht, entgegnete er und fixierte weiter die Flasche vor sich aber ich hatte bisher noch nicht die Kraft von der Couch auf zu stehen.
Wenn Du Hilfe brauchst..., sagte ich und wartete einen Moment. Doch von ihm kam keine Reaktion.
Ich beschloß mich in dieses Männergespräch nicht ein zu mischen und ging stattdessen zurück in die Küche.
Während ich die Lebensmittel in den Schränken verstaute horchte ich angestrengt ins Wohnzimmer. Kein Laut war zu hören und ich fragte mich langsam, wie lange die beiden wohl schon miteinander kämpften.
A.J. war es zu zu trauen, dass er seit dem Vormittag da hockte und versuchte, sich gegen seine Sucht zu behaupten. Ich war unglaublich stolz auf ihn, hatte aber auch Angst. Nur weil er bisher standhaft geblieben war, hieß das nicht, dass er nicht wieder rückfällig werden konnte.
Als ich schließlich die Makkaroni mit Käse in den Ofen schob und den Salat noch einmal mischte, kam er in die Küche geschlichen. Im Arm hielt er die Flasche Jack Daniels und wirkte dabei unglaublich müde.
Er ging geradewegs zum Spülbecken, schraubte den Verschluss auf, hielt dann einen Moment inne, schloss die Augen und schüttete die bernsteinfarbene Flüssigkeit langsam in den Ausguss.
Ich beobachtete ihn. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck irgendwo zwischen Anstrengung, Trauer, Triumph und Ekel.
Schließlich stellte er die jetzt leere Flasche neben das Spülbecken, drehte den Wasserhahn auf und spülte auch noch den letzten Rest des Alkohols in den Abfluß.
Die Küche roch mittlerweile wie ein mittelgroßer Schnapsladen und in meinem Kopf spürte ich bereits einen unangenehmen Druck.
Ich trat hinter ihn und schlang meine Arme um seine Taille. Meine Nase reichte ihm gerade bis an die Schulter und durch den alles überlagernden Alkoholgeruch, nahm ich ganz schwach mein sündhaft teures Lieblingsduschgel war.
Punkt eins: Ich bin unglaublich stolz auf Dich, sagte ich leise.
Danke, kam es zurück und es klang, als läge dabei ein Lächeln auf seinem Gesicht.
Punkt zwei: Benutze nie wieder mein Duschgel.
Er lachte, er lachte tatsächlich und drehte sich zu mir herum. Er nahm mich ebenfalls in den Arm und drückte mich an sich.
Ich kaufe Dir den ganzen Laden wenn Du das möchtest.
Darum geht es nicht und das weißt Du auch, gab ich zurück, konnte ihm aber nicht wirklich böse sein, da mich seine Nähe viel zu sehr verwirrte.
Jaaa, ich weiß. Ist schon in Ordnung. Ich war heute Mittag zu Hause und habe ein paar Sachen geholt ... ich hoffe ... , er schob mich ein Stück von sich um mir in die Augen sehen zu können es ist Dir recht, dabei legte er den Kopf schräg und ein unsicherer Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.
Als ob ich Dich wieder nach Hause schicken könnte, gab ich lächelnd zurück. Du kannst so lange bleiben, wie Du möchtest, das weißt Du doch.
Er seufzte erleichtert und drückte mich wieder an sich ich weiß wirklich nicht, womit ich Dich verdient habe, wiederholte er seine Worte von heute Morgen und es klang immer noch so, als hätte er tatsächlich keinen blassen Schimmer.
Das solltest Du Dich allerdings tatsächlich fragen, gab ich lachend zurück warum muß nur immer eine Katastrophe passieren, dass Du Dich an mich erinnerst?
Ich weiß es nicht, ehrlich. Und falls das etwas nützt, wieder schob er mich ein Stückchen von sich ich denke sehr oft an Dich.
So? eine Augenbraue schnellte in die Höhe.
Ja. Meist ist es so ein ... hm ... was würde Sam wohl dazu sagen Ding. Du warst einfach schon immer die Vernünftigere von uns beiden.
Das stimmt allerdings und oft genug habe ich Dir damit Deinen Hintern gerettet.
Das ist wohl wahr, gab er zu und ich wand mich aus seinen Armen. Es tat mir und meiner Gefühlswelt einfach nicht gut, wenn ich ihm zu lange so nahe war. Ich spürte, wie mein Herz vor Verlangen schneller zu schlagen begann und damit das nicht noch schlimmer wurde, brauchte ich dringend etwas Abstand.
Ich werde noch schnell duschen gehen, o.k.? Pass Du einfach auf, dass das Haus nicht abbrennt.
Das werde ich gerade noch so hin bekommen, gab er grinsend zurück und lies sich auf einen meiner Küchenstühle fallen.
Ich warf ihm einen letzten, prüfenden Blick zu und lief dann die Treppe in den ersten Stock hinauf.
Ob diese Anziehungskraft, die von ihm ausging, irgendwann verschwinden würde?
Kapitel 5