Kapitel 30
Hakim Fachat

Schmerz. Das war das erste was Nick wahrnahm, als er langsam das Bewußtsein wieder erlangte. Er fühlte, wie sein Herzschlag rythmisch in seinem Schädel pochte und als er seine Augen einen winzigen Spalt öffnete, schien sich die Helligkeit glühendheiß in seine Netzhaut zu brennen.
Leise stöhnend versuchte er sich aufzurichten und zuckte zusammen, als er spürte, dass er sich nicht rührend konnte. Er saß auf einem Stuhl, Arme und Beine fest verschnürt und auch um seine Brust fühlte er einen unangenehmen Druck. Vorsichig und unendlich langsam öffnete er die Augen und versuchte dabei das Stechen zu ignorieren, das sein Gehirn zu durchbohren schien.
Vor ihm breitete sich ein kahler Kellerraum aus. Irgendwo hinter ihm schien ein Fenster zu sein, das ein Rechteck aus Helligkeit auf den Boden malte, dicke Rohre zogen sich an der Decke entlang. Zu seiner Rechten konnte er eine massive Holztür ausmachen und zu seiner Linken brannte ein Feuer in einem kleinen, gußeisernen Ofen. Außer diesem und dem Stuhl auf dem er saß, befand sich nichts in dem leicht muffig riechenden Raum.
Angst schnürte ihm die Kehle zu. Was hatten die Fachats mit ihm vor? Wie war er nur auf den Gedanken gekommen, dass es eine gute Idee war einfach so hier hinein zu spazieren und zu glauben, die Fachats würden ihn mit offenen Armen empfangen?
Vorsichtig zog Nick an den Fesseln, doch außer, dass sie sich noch etwas fester um seine Gelenke schnürten, passierte nichts.
Gerade als er überlegte, wie er wohl am besten die Tür erreichen konnte, wurde diese aufgestoßen und drei Gestalten betraten den engen Kellerraum.
„Ah, du bist wach,“ sagte einer von ihnen und baute sich vor ihm auf. Nick erkannte in ihm den Mann, der ihn auf der Straße angehalten und befragt hatte. Die beiden anderen Männer hatten sich hinter ihm in Position gestellt und beobachteten wachsam jede von Nicks Bewegungen.
Nachdem Nick nichts erwiderte fuhr der Fremde fort. „Du hast nach dem Anführer der Fachats gefragt. Nun, hier bin ich. Was willst du?“
„Sind sie Hakim Fachat?“ fragte Nick und musterte seinen Gegenüber aufmerksam. Er hatte sich die Leitfigur dieser skrupellosen Gangster etwas anders vorgestellt. Dieser kleine Mann mit dem dunklen Haar und den schwarzen Augen schien so gar nicht in das Bild zu passen, dass Nick sich gemacht hatte.
„Ja, ich bin Hakim Fachat. Was auch immer dir diese Information nützen mag,“ entgegnete sein Gegenüber und Nick konnte dessen Ungeduld beinahe mit Händen greifen. Also antwortete er schnell. „Ich habe die Beoachteter verlassen. Sie sind schwach und überheblich. Sie wissen nicht, was sich gehört. Ich habe keine Lust mich den Rest meines Lebens mit Verlierern abzugeben. Deshalb bin ich hier. Ich hatte gehofft, mich euch anschließen zu können.“
„Uns anschließen? ... Er will sich uns anschließen,“ sagte Hakim Fachat zu seinen Gefolgsleuten und sie brachen gemeinsam in gehässiges Gelächter aus.
Nick schluckte. Das schien gar nicht gut zu laufen.
„Sag mir eins,“ meinte Hakim Fachat, während er noch einen Schritt auf Nick zutrat und sich zu ihm hinunter beugte. Seine Augen schienen zu glühen und auf seinem Gesicht war ein unnachgiebiger Ausdruck erschienen. „Was in Allahs Namen sollte ich mit dir anfangen?“
„Ich habe Informationen über die Beoachter,“ brachte Nick irgendwie heraus und spürte, wie er am ganzen Leib zu zittern begann.
„Informationen? Was interessieren mich diese Ungläubigen? Wenn ich wollte, könnte ich sie mit einem Dutzend meiner Männer dem Erdboden gleich machen. Also ... möchtest du mir noch irgendetwas anderes sagen, bevor ich dich töte?“
„Töte?“ Nick blickte ängstlich zu Hakim Fachat auf.
„Was hast du gedacht? Dass du hier einfach so herein spazierst und ich dich mit Kußhand aufnehme? Wenn du das geglaubt hast, bist du noch dümmer als du aussiehst.“
„Aber ich kann euch nützlich sein,“ beeilte Nick sich zu sagen und versuchte sich etwas auf seinem Stuhl aufzurichten.
„Falsch!“ über Hakim Fachats Gesicht huschte ein kurzes, freudloses Lächeln. „Du hast nichts zu bieten. Du bist ein Nichts. Ein Niemand. Deine Regierung ist schuld an dieser Zerstörung der Welt. Der Welt die Allah uns in seiner Großzügigkeit geschenkt hat. Sie waren größenwahnsinnig, haben sich zum Herscher über die Welt aufgeschwungen und nur Lügen verbreitet. Sie haben uns bekämpft. Auf der ganzen Welt haben sie ihre Waffen auf uns gerichtet und versucht uns zu unterdrücken. Überall haben sie sich eingemischt, behauptet, sie wären die einzig wahren Herrscher des Universums. Sie haben die Männer getötet, unsere Frauen und Kinder verschleppt. Sie haben ganze Dörfer dem Erdboden gleich gemacht und das nur, weil sie unser Öl wollten, weil sie unseren Glauben ablehnten und weil wir angeblich eine Gefahr für sie darstellten. Nun ... wie du siehst, haben sie bekommen, was sie verdienen. Und Du machst in diesem Fall keine Ausnahme.“
„Aber ... ,“ versuchte es Nick noch einmal, doch bevor er weiter sprechen konnte traf ihn Hakim Fachtas Faust mitten im Gesicht. Nicks Kopf flog nach hinten, ein nie gekannter Schmerz explodierte in seinem Kopf und er biss sich auf die Zunge um zu verhindern, dass er laut aufschrie.
„Schweig! Der einzige Grund warum du noch am Leben bist ist der, dass wir dich langsam und qualvoll töten können. Genau so, wie ihr es die ganzen Jahrhunderte mit uns getan habt. Ihr habt uns verfolgt, uns unsere Familien genommen und geglaubt, ihr kommt damit durch.“ Hakim Fachat hatte die Stimme erhoben und stand nun über Nick wie ein Prophet, der das Ende der Welt verkündetete. Nick nahm dies alles durch einen roten Nebel aus Schmerz und Angst wahr. „Jetzt ist Schluß damit,“ dröhnte Hakim Fachat. „Jetzt bestimmen wir, was mit der Welt passiert und Menschen wie du, die ihre eigenen Sippe verraten, die wegen einer kleinen Meinungsverschiedenheit sofort die Seiten wechseln und hoffen, dort noch mehr Profit herausschlagen zu können, sind hier nicht willkommen. Wir verachten euch und ich verachte dich. Ich kann dir gar nicht sagen wie sehr. Und das wirst du zu spüren bekommen.“
Aus dem Schatten löste sich eine der beiden Gestalten, die die ganze Zeit hinter Hakim Fachat gestanden hatten. In seiner Hand blitze ein Messer auf, das er nun seinem Anführer reichte.
„Du widerst mich an,“ sagte er und setzte die Scharfe Klinge an Nicks Hals an.
Nick atmete heftig. Er dachte an Kevin und dass sein Freund mal wieder recht behalten hatte. Er hatte sein Todesurteil unterschrieben als er sich einbildete, diese Mörder und Betrüger hätten so etwas wie ein Ehrgefühl oder auch nur einen klaren Menschenverstand. Hakim Fachat war wahnsinnig und mit einem Wahnsinnigen konnte man keine Geschäfte machen.
Er fühlte den kalten Stahl an seiner Halsschlagader, konnte förmlich spüren, wie sein Puls das Blut immer wieder gegen das Messer trieb. Seine Eingeweide waren zu einem kleinen, kompakten Ball zusammen geschrumpft und Tränen füllten seine Augen. Das war also das Ende. Das unrühmliche Ende von Nick Carter, der nur ein einziges Mal in seinem Leben etwas wirklich wichtiges und großes tun wollte.
Als Hakim Fachat den Griff des Messers etwas fester fasste und mit Schwung zustieß, kniff Nick die Augen zusammen, auf den Lippen ein leises Gebet, dass Gott ihm vergeben möge. Doch anstatt Schmerz zu spüren, hörte er ein trockenes Reißen. Hakim Fachat schnitt ihm sein T-Shirt vom Körper. Lange, weiße Streifen schälten sich von seiner Haut, hier und da benetzt von kleinen Tröpfchen seines Blutes, wo die Klinge seine Haut angeritzt hatte.
„Nein, du wirst nicht sofort sterben. Sagte ich das nicht bereits?“ hörte er Hakim Fachats amüsierte Stimme. „Du wirst langsam und qualvoll verenden. So wie du es ... ,“ die Stimme verstummte und Nick wagte es, vorsicht die Augen zu öffnen.
Hakim Fachat stand immer noch vor ihm, das Messer auf eine Stelle knapp unter seinem Herzen gerichtet und starrte mit offenem Mund auf seine Brust. Nick überlegte kampfhaft, was Hakim Fachat an den tätowierten Füßen darauf so aufsehenerregend fand, doch er kam zu keinem Ergebnis.
„Was ist das?“ sagte Hakim Fachat leise, fuhr mit dem Messer seinen Hals entlang und durchtrennte dann mit einen kurzen Ruck das Lederband, an dem ein silberner Anhänger baumelte. Die Kette fiel in seine geöffnete Hand und mit gerunzelter Stirn blickte er darauf.
„Das ist doch ... ,“ er schüttelte den Kopf und trat an Nick vorbei um den Gegenstand in seiner Hand im Tageslicht, das durch das Fenster drang, besser sehen zu können.
Die beiden Aufpasser machten zwei Schritte auf Nick zu, so, als hätte er tatsächlich irgendeine Chance sich von seinen Fesslen zu befreien und im nächsten Moment davon zu stürmen. Doch die Geste verfehlte seine Wirkung nicht. Nick erstarrte und wagte es kaum noch zu atmen.
„Wo hast du das her?“ hörte er Hakim Fachat in seinem Rücken und Nick mußte erst zwei Mal trocken schlucken, bevor er seiner Stimme wieder traute. Als er dann sprach, klang sie trotzdem noch einige Nuancen zu hoch.
„Das hat mir ... jemand geschenkt. Ich ... ,“
„LÜG MICH NICHT AN!“ donnerte es hinter ihm, während eine Hand nach seinem Haarschopf fasste und seinen Kopf zurück riss. Seine Kehle lag nun offen und ungeschützt da und Nick spürte, wie die Panik anfing seine Gedanken zu vernebeln. Sein Herzschlag raste, seine Glieder zuckten unkontrolliert und für einen ewig scheinenden Moment wußte er nicht mehr, was er hier eigentlich tat und was er gerade eben noch hatte sagen wollen.
„Das ... ist ... die ... Wahrheit,“ brachte er irgendwie hervor.
Er sah das Messer im Licht aufblitzen, bevor es sich kalt und hart an seine Kehle presste.
„Das kann nicht sein,“ knurrte Hakim Fachat und blickte von oben auf ihn herab. In seinen Augen loderte die Wut, sein Gesicht war angespannt und vor Hass verzerrt und Nick hatte keine Ahnung, warum ihn ausgerechnet diese Kette so sehr aufregte.
„Ein Mädchen hat sie mir geschenkt. Ich schwöre es. Ich habe sie ... unterwegs ... getroffen ... ,“ es war schwierig zu sprechen. Er hatte das Gefühl, dass seine Luftröhre in die Länge gezogen wurde und dass sich sämtliche Sehnen in seinem Hals verspannten.
„LÜGNER!!“ Donnerte Hakim Fachat erneut, lies aber endlich seinen Haarschopf los.
Nick richtete sich unter einiger Mühe wieder auf. „Ich schwöre es bei allem was mir heilig ist. Das Mädchen war in Schwierigkeiten als ich sie traf. Drei Kerle hatten sie in die Zange genommen und sie kämpfte wie eine Löwin. Aber sie hatte keine Chance ... ,“ Nach und nach kamen die Erinnerungen wieder und erschrocken stellte er fest, wie weit er dieses Ereignis, seine Folgen und alles was damit zusammen hing aus seinem Gedächtnis verbannt hatte. Er hatte sich geschworen diesen Tag zu vergessen. Er wollte nicht daran erinnert werden, auch wenn ihm sein Spiegelbild jeden Morgen die Auswirkungen dieses Kampfes überdeutlich ins Gedächtnis rief. Doch das Mädchen ... wie hatte er das Mädchen nur vergessen können?
Er sah die dunkle Gasse vor sich, sah die drei finsteren Gestalten, die das Mädchen in eine Ecke gedrängt hatten und hörte ihre verzweifelte Hilfeschreie.
Ohne darüber nachzudenken hatte er sich damals eine herumliegende Eisenstange geschnappt und war auf die drei Typen losgegangen.
„Es gab einen Kampf. Zwei der Typen gingen sofort zu Boden, doch der Dritte ... der Dritte hatte ein Messer,“ Nick wurde während seiner Erzählung immer leiser. Er wollte nicht daran denken ... er wollte sich nicht erinnern ... aber so wie es aussah, war vielleicht gerade das die einzige Möglichkeit hier lebend heraus zu kommen, auch wenn er nicht verstand warum.
Hakim Fachat trat aus seinem Rücken und baute sich erneut vor ihm auf. Der Anhänger der Kette war fest in seiner Faust verschlossen, die Läderbänder baumelten herab und Nick folgte ihren Bewegungen mit den Augen. Wie in Trance sprach er weiter.
„Er hatte das Mädchen in seiner Gewalt. Er schrie, ich solle abhauen. Das wäre eine Sache, die mich nichts anginge. Aber ... sie ... sie hatte Angst und ich konnte nicht ... ich ... ,“ Nick schluckte und schloss die Augen. „Ich habe mich auf ihn gestürzt. Es gab ein Handgemenge. Die Eisenstange fiel mir aus der Hand und dann hat er ... zugestochen.“
Er öffnete wieder die Augen und starrte Hakim Fachat an. Seine Angst war verschwunden. Da war nur noch eine tiefe Leere. War es nicht sowieso egal, ob er ihn umbrachte? Sein Leben würde sowieso nie wieder so sein, wie es einmal gewesen war. Er war zu einem Monster mutiert. Und das nicht nur äußerlich. Er hatte Rachefantasien, die ihn nachts nicht schlafen ließen. Er wollte töten. Er wollte verletzen. Sollten sie doch mit ihm machen was sie wollten. Dann hätte dieser Albtraum wenigstens ein Ende.
„Er hat mir mein Gesicht beinahe in zwei Hälften geschnitten,“ als Bestätigung drehte er den Kopf etwas weiter ins Licht. „Und dafür ist er gestorben. Leider konnte nicht ich ihn töten. Das hat das Mädchen übernommen. Sie hatte einen ordentlichen Schlag drauf, das können sie mir glauben. Sie hat auf den Typen eingeprügelt, bis er sich nicht mehr gerührt hat. Und danach ... ich weiß es nicht mehr so genau ... ich wurde wohl ohnmächtig. Als ich wieder zu mir kam, war sie weg und ich hielt in meiner Hand diese Kette. Das ... ist alles ... woran ich mich erinnere.“
Schweigend starrte Hakim Fachat auf ihn hinunter. Seine Kiefermuskeln arbeiteten, seine Faust umklammerte immer noch den Anhänger und sein Gesichtsausdruck war nicht zu deuten.
Ohne ein Wort fuhr er schließlich herum und stürmte aus dem Keller, gefolgt von seinen beiden Begleitern, die so aussahen als hätten sie ebenfalls keine Ahnung was hier eben passiert war.

Die Stille im Zimmer war beinahe mit Händen zu greifen. Während Nicks Erzählung hatte ich innegehalten und mit wachsendem Entsetzen seinen Ausführungen gelauscht. Nicht nur, dass mich noch im Nachhinein die Angst um Nicks Leben überkommen hatte, die Eröffnung, wie genau er zu seiner Narbe gekommen war hatte mich bis ins Mark erschüttert.
„Du hast richtig gehandelt, als du sie gerettet hast,“ flüsterte ich leise.
„Sicher. Nur um welchen Preis?“ hörte ich ihn leise sagen.
Ich richtete mich neben ihm auf und blickte auf sein Gesicht hinunter. Vorsichtig beugte ich mich über ihn und lies meine Lippen sanft über das Narbengewebe streifen.
„Mir ist egal wie du aussiehst,“ sagte ich leise nahe an seinem Ohr. „Du bist ein beeindruckender Mensch und in deinem Herzen gibt es so viel Gutes.“
Ich spürte, wie er seine Arme etwas fester um mich schlang. „Das ist nett, dass du das sagst, aber ... ,“ er verstummte, was mich dazu veranlasste ihm in die Augen zu sehen. Ich konnte Schmerz darin lesen und etwas anderes, was ich aber nicht wirklich deuten konnte. Hass? Trauer? Kampfeswillen? Es hätte alles und nichts davon sein können.
„Aber?“ hakte ich also nach.
„Nichts,“ er schüttelte den Kopf und ich beschloss, nicht weiter in ihn vorzudringen.
„Was war das für ein Mädchen?“ fragte ich stattdessen. „Und was passierte danach?“
„Du bist ganz schön neugierig, kann das sein?“ fragte Nick, inzwischen wieder mit dem mir inzwischen so vertrauten Lächeln auf dem Gesicht. Das erste Mal ging mir auf, dass ich den wahren Nick vielleicht noch gar nicht gesehen hatte. Es schien mir als hätte er im Laufe der Zeit angefangen eine Rolle zu spielen. Er war der nette Typ von nebenan. Ein Charmeur, immer witzig, zuvorkommend, vielleicht manchmal ein wenig dickschädlig. Doch was davon war tatsächlich echt?
Er hatte mir soeben gezeigt, wieviel Schmerz und Unsicherheit in ihm schlummerte. Vielleicht war es das, was mich eigentlich an ihm anzog. Nicht die Stärke, die er immer zur Schau stellte.
„Ich möchte es nur verstehen,“ gab ich also zurück und kuschelte mich wieder an seine Brust. „Außerdem kann ich heute Nacht unmöglich schlafen wenn ich mir dabei vorstellen muß, wie du gefesselt auf dem Stuhl in irgendeinem Keller der Fachats hockst.“
Er schmunzelte und küsste mich sanft aufs Haar. „So, so. Machst du dir etwa Sorgen um mich?“
„Ein bißchen,“ gab ich zu.
„Das brauchst du nicht.“
„Das kann ich leider nicht steuern.“
„Es wäre aber besser, wenn du dir das bewußt machst. Auch wenn wir jetzt hier gemeinsam in deinem Bett liegen, so heißt das nicht, dass wir ... hm ... eine Beziehung hätten ... oder so etwas ähnliches. Mein Leben ist viel zu kompliziert und gefährlich, als dass ich es mir leisten könnte mein Herz an irgendeinen Menschen zu binden.“
„Ich rede hier auch nicht von irgendeiner Bindung du Doofie,“ murmelte ich leicht beleidigt. „Ich mag dich. Ob dir das jetzt passt oder nicht und ich mache mir grundsätzlich immer Sorgen um meine Freunde.“
„Auch wenn ich mich wiederhole ... hör auf damit. Das bringt dir doch nur schlaflose Nächte ein, die es nicht wert sind. Ich komme schon zurecht und wenn irgendetwas schief gehen sollte, so kann niemand außer mir etwas dafür. Wenn es irgendwann zu Ende ist, ist das gut so. Ich denke, ich habe für meine Schulden mehr als genug bezahlt. Alles was jetzt noch kommen kann ist auf jeden Fall besser als das, was hinter mir liegt.“
Ich schwieg. Deutlicher hätte er mir wohl kaum zu verstehen geben können, wie viel beziehungsweise wie wenig ich ihm bedeutete.
„Erzähl mir von dem Mädchen,“ sagte ich um mich abzulenken und hörte Nick leise seufzend. „Du gibst nie auf, hm?“
„Selten. Meistens bekomme ich das, was ich will.“
„Eine gute Einstellung, die leider viel zu schnell enttäuscht werden kann.“
„Wenn du meinst.“
„Hey, sind wir etwa gerade dabei uns zu streiten?“
„Nein. Wir sind nur nicht einer Meinung. Das ist etwas anderes.“
„Achso,“ Nick lachte belustigt und ich spürte wie mein Puls vor Wut in die Höhe schoss. Scheinbar war die Schonfrist vorbei. Wir waren wieder da angekommen, wo wir vor einigen Stunden aufgehört hatten.
„Das Mädchen also ... ,“ fuhr Nick schließlich zu meinem Erstaunen fort, griff hinüber zum Nachttischchen und zündete sich eine neue Zigarette an. „Sie hieß Nashril und ohne es zu wissen habe ich gleichzeitig mit ihrem Leben mein eigenes gerettet.“

Kapitel 31