Kapitel 25
Der Plan
Ich saß noch eine Weile mit Kevin und Thali zusammen und wir unterhielten uns über dies und das, doch schließlich wurde ich unruhig. Ich brauchte ein wenig Bewegung und beschloss, noch einen Spaziergang zu machen, wenn ich dafür auch das Hotel nicht verlassen konnte.
Ich verabschiedete mich mit dem Versprechen, den beiden sofort bescheid zu geben, sobald ich genaueres von Dwain wußte, dann schob ich meinen Stuhl zurück, brachte mein Tablett in die Küche, wo bereits vier Personen damit beschäftigt waren, das Geschirr zu spülen und machte mich dann auf den Weg in die Lobby.
Ich wanderte die langen, immer noch prunkvoll wirkenden Gänge hinunter, blieb mal an einem Gemälde stehen oder besah mir einige der vielen Räume etwas genauer.
Ich war gerade an einem Springbrunnen angekommen, der zwar kein Wasser mehr führte, aber dessen Marmor Umrandung mit den vielen Verziehrungen aus Gold immer noch beeindruckend aussah, als ganz in meiner Nähe eine Tür aufgerissen wurde und eine junge Frau in den Gang gerauscht kam. Ihr Gesicht, das vor Wut verzerrt war, kam mir vage bekannt vor, doch bevor ich es richtig einordnen konnte, war sie bereits mit einem kurzen, vernichtenden Blick in meine Richtung an mir vorbei gerauscht.
Etwas verdutzt sah ich ihr nach. Was hatte sie wohl so sehr aufgeregt? Im selben Moment bekam ich meine Antwort. Die Tür schwang erneut auf und heraus trat AJ, der mit gerunzelter Stirn vor sich hin starrte. Er schien mich gar nicht wahrzunehmen, denn als ich ihn ansprach, zuckte er überrascht zusammen.
Hallo, sagte ich. Dicke Luft?
Was machst du denn hier? entfuhr es ihm.
Entschuldige, dass ich lebe, grinste ich und breitete in einer entschuldigenden Geste die Arme aus.
Ach, er winkte ab und stand dann unschlüssig im Gang.
Das war nicht zufällig Rachel, oder? fragte ich nach und lies mich auf die Umrandung des Brunnens nieder.
Doch. Rachel wie sei leibt und lebt, entgegnete er grimmig.
Jetzt wußte ich, woher ich sie kannte. Sie hatte mit Thali zusammen die Organisation für den Jahrestag übernommen. Ich kannte sie von der Versammlung, auch wenn sie damals keinen Ton gesagt hatte.
Was ist passiert? fragte ich und klopfte auffordern neben mich auf die Brunneneinfassung.
Ach, das übliche, entgegnete er, kam auf mich zu und ließ sich gleich darauf neben mich fallen.
Was heißen soll?
Was heißen soll, dass sie mir eine Szene gemacht hat, weil sie erfahren hat, was gestern im Club geschehen ist.
Oh, entfuhr es mir.
Mach dir keine Gedanken. Du kannst nichts dafür. Sie ist eben so.
Ich mache mir keine Gedanken. Das ist ganz alleine deine Sache.
Ich weiß, er nickte und sah mich dann direkt an. Hast du mir inzwischen verziehen? Ich meine ... , er stockte und senkte den Blick.
Ich weiß nicht so recht, gab ich ehrlich zu. In dem Moment als er den Club erwähnt hatte, spürte ich, wie sich das bedrückende Gefühl des Labyrinths erneut schwer auf meine Brust legte. Nein, so leicht würde er aus der Nummer nicht heraus kommen.
AJ seufzte. Das dachte ich mir. Kaum bist du ein paar Tage hier, schon habe ich es mir auch mit dir verscherzt. Ist nichts neues. Er war bereits im Begriff sich zu erheben, als ich ihn sanft am Arm fasste und wieder zu mir herunter zog.
Jetzt gib doch nicht so schnell auf. Du kannst doch nicht erwarten, dass dir jeder gleich alles nachsieht. Manchmal muß man eben auch etwas dafür tun, damit eine Freundschaft funktionieren kann.
Freundschaft? fragte er eingeistert.
Ja, Freundschaft.
Du möchstes mit mir befreundet sein? fragte er, immer noch ungläubig.
Ein Versuch wäre es zumindest wert. Aber bilde dir ja nichts darauf ein. Bis ich so weit bin, dass ich dir vertraue, muß noch so einiges passieren.
Zum Beispiel?
Zum Beispiel ... hm ... , ich dachte einen Moment darüber nach. Zum Beispiel, dass du endlich aufhörst, alle anderen hier als deine Feinde zu betrachten und ihnen das Leben schwer zu machen.
Wieso das Leben schwer machen? Ich halte mich aus allem heraus, gerade damit ich niemandem in die Quere komme.
Und genau das ist das Problem. Meinst du nicht, es würde besser ankommen, wenn du ab und zu mal mit anpacken würdest? Du lebst hier auf Kosten der anderen, machst dir ein schönes Leben und lässt die anderen schuften.
Ein schönes Leben, schnaubter er. Entschuldige, aber das war ein Witz, oder?
Nein, das war kein Witz, entgegnete ich und spürte, wie bereits wieder der Zorn auf diesen Mann in mir zu brodeln begann. Wie konnte man nur so ... so ... egoistisch und selbstsüchtig sein? Hör zu. Vielleicht solltest du dich langsam daran gewöhnen, dass die gute alte Zeit, in der du berühmt, reich und glücklich warst nicht mehr wieder kommt. Das ist vorbei. Punkt. Du hast jetzt ein neues Leben und auch wenn es hart ist, mußt du es dir so gestalten, dass du auch hier glücklich sein kannst. Glaub mir, das geht. Aber zu erst mußt du aufhören, dich selbst zu bemitleiden. Wir alle haben schlimme Dinge durch gemacht.
Schon klar, schnaubte er und wandte sich von mir ab, dann begann er in seiner Hosentasche zu kramen und förderte schließlich einen silbernen Flachmann zu Tage.
Auch einen Schluck, fragte er und schwenkte die kleine Falsche in meine Richtung.
Nein Danke. Übrigens würde es dir sicherlich auch nicht schaden, die Finger wenigstens ab und zu von dem Zeug zu lassen. Das tut dir nämlich auch nicht gut.
Bist du meine Mutter, oder was? raunzte er. Ohne dieses Zeug, erklärte er dasnn und nahm einen kräftigen Schluck, wobei er mich herausfordern ansah würde ich gar nicht funktionieren.
Das denke ich nicht.
Aber ich. Um seine Mundwinkel spielte ein arrogantes Lächeln. Scheinbar war er gerade dabei zu testen, wie schnell er mich wieder los wurde und wenn er so weiter machte, hatte er sein Ziel sicherlich sehr schnell erreicht. Ich entschied mich also, für einen Themawechsel.
Ich weiß übrigens, was ich mit meiner vielen, freien Zeit anfangen werde, sagte ich beiläufig.
Ach ja? Jetzt bin ich aber gespannt, sagte AJ mit wenig Begeisterung.
Ich baue einen Radiosender.
Stille.
Einen was?
Einen Radiosender. Du weißt doch was das ist, oder? schmunzelte ich.
Ja, ja ... es ist nur ... ich meine ... das ist ... cool, er schien total verwirrt und starrte mich aus seinen dunklen Augen an.
Du klingst überrascht.
Kann sein, er zuckte mit den Schultern und kehrte wieder den uninteressierten Mistkerl heraus.
Dwain soll mir bei der Technik helfen. Er ist für so etwas wirklich begabt.
Hm.
Ich könnte aber noch jemanden gebrauchen, der mir bei der Organisation hilft. Jemand, der sich hier auskennt, jemand, der vielleicht eine Idee hat, wo wir die entsprechenden Teile herbekommen und jemand, der einen Platz weiß, wo wir das ganze aufstellen können.
Ich sah ihn bei meinen Worten unverwandt an. Ich hatte das Gefühl, dass er innerlich Feuer und Flamme für dieses Projekt war, aber zu stolz, zu verbohrt oder was auch immer, um es zuzugeben. Vielleicht, weil es etwas war, das seine Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verband. Sicherlich war ihm genau so klar wie mir, dass es nicht nur um den Sender ging, sondern auch darum, was man hinterher damit anfing. Und das führte schlussendlich und ganz eindeutig zur Musik. Auch wenn das sicherlich nicht die Hauptaufgabe sein würde. Immerhin suchten wir nach etwas, das die Kommunikation erleichtern würde.
AJ schwieg immer noch, also hakte ich nach. Du kennst nicht zufällig einen solchen Jemand?
Nein, er schüttelte entschieden den Kopf und innerlich stöhnte ich enttäuscht auf. Aber ich kenne einen Ort, wo man das Ganze installieren könnte.
Er hob den Blick und sah mich an. Er wirkte ... verändert. Seine Augen leuchteten, seine Gesichtszüge hatten etwas von der harten Verbitterung verloren und seine Wangen waren leicht gerötet. Sollte ich am Ende doch ins Schwarze getroffen haben?
Würdest du mir den Ort zeigen? fragte ich leise und sein Lächeln wurde breiter.
Nur, wenn du brav bitte, bitte sagst.
Bitte, bitte, grinste ich.
Na, dann komm mal mit, er stand auf und wandte sich nach rechts den Gang hinunter. Aufgeregt folgte ich ihm durch die Lobby, trat durch die zerbrochene Glastür ins Treppenhaus und stieg mit ihm vier Stockwerke hinauf.
Dort angekommen wandten wir uns nach links und liefen die menschenleeren Flure hinunter. Nach zwei Biegungen erreichten wir das Ende des Ganges und standen schließlich vor der grünen Betonwand.
Und jetzt? fragte ich irritiert, weil ich nicht wußte, worauf er hinaus wollte. Er grinste breit und deutete nach oben. Ich folgte seinem ausgestreckten Finger und entdeckte eine kleine Luke in der Decke.
Mir ist immer noch nicht ganz klar ... , setzte ich an, doch er trat wortlos an mir vorbei in einen der Räume und tauchte gleich darauf mit einer langen Leiter wieder auf.
Er platzierte diese unter der Luke, stieg hinauf, wobei die Leiter bedenklich wackelte, hantierte einen Moment an dem Schließmechanismuss herum und schob schließlich die kleine Holzklappe auf. Staub und Steinchen regneten auf ihn hinunter. Er hustete einen Moment, dann stieg er weiter hinauf und verschwand schließlich durch das Loch in der Decke.
Schwaches Licht drang von oben in den Flur und ich beeilte mich, die Leiter ebenfalls hinauf zu klettern. Als ich meinen Kopf durch die Luke steckte, erwartete AJ mich bereits und streckte mir die Hand entgegen. Mit seiner Hilfe kletterte ich hinaus und sah mich dann mit großen Augen um.
Wir standen dort, wo sich früher einmal der Flur im fünften Stock befunden haben mußte, unter freiem Himmel, an dem sich die Sonne langsam verabschiedete. Das diffuse Dämmerlicht erhellte Mauerreste, Schutt und Geröll. Der ehemalige Grundriss war durch die verbliebenen Mauern, die allerdings an ihrem höchsten Punkt höchstens noch vierzig Zentimeter massen, gut zu erkennen. Am anderen Ende des Stockwerks sah ich ein Wachbecken, das einsam und verlassen in die Höhe ragte, ansonsten konnte man beinahe meinen, dass man sich auf einem Dach befand.
Wow, entfuhr es mir, während ich weiterhin sämtliche Einzelheiten in mich aufnahm.
Ja, es ist cool hier, stimmte mir AJ grinsend zu, ging an mir vorbei und näherte sich vorsichtig dem Rand. Ich folgte ihm und hielt mich vorsichtshalber an seiner Schulter fest, während ich in die Tiefe blickte.
Unter uns standen zwei Wachleute. Sie rauchten eine Zigarette und unterhielten sich leise. Von hier aus hatte man einen atemberaubenden Blick über die zerstörte Stadt und ich stellte erfreut fest, dass die umstehenden Gebäude auch nicht viel höher waren, als das Waldorf Astoria. Eine gute Vorraussetzung um hier eine Antenne aufzustellen, die zumindest im Umkreis von zwei Kilometern senden konnte.
AJ trat einen Schritt vom Rand zurück und sah mich an.
Und, was hältst du davon?
Es ist perfekt! Wir können entweder direkt über der Luke ein kleines Häuschen errichten, oder daneben, das ist erst einmal egal, plapperte ich aufgeregt. Für die Antenne könnten wir einen Sockel bauen, damit die Reichweite erhöht wird und von unten kann man sie wahrscheinlich noch nicht einmal sehen. Du bist ein Genie!
Aus einem Impuls heraus umarmte ich ihn stürmisch und drückte ihm einen schmatzenden Kuß auf die Wange.
Hey, hey. Mal ganz langsam, lachte AJ verlegen und schob mich ein Stück von sich. Das letzte Mal, als ich dir so nahe kam, hast du mir einen blauen Fleck auf der Brust verpasst. Ich möchte kein Risiko eingehen.
Ach du, lachte ich und schlug ihm scherzhaft auf die Schulter, dann wandte ich mich wieder dem vor mir liegenden Stockwerk zu. Ja, es könnte tatsächlich klappen.
Die kleine Gruppe von Leuten, die auf dem Dach standen, hörten Kevin aufmerksam zu, während er ihnen von meinem Projekt erzählte. Ich hatte ihm sofort am nächsten Morgen beim Frühstück von AJs Idee berichtet und nachdem er die Tatsache, dass ausgerechnet AJ an diesem Projekt beteiligt war verdaut hatte, ging er sofort daran eine entsprechende Mannschaft zusammen zu stellen.
Als erstes stellte er mir Gus vor. Er war in seinem früheren Leben Architekt gewesen und hatte für die Reichen und Schönen in Hollywood Häuser und Villen entworfen. Sein bärtiges Gesicht strahlte unablässig, während er Kevins Ausführungen lauschte, dabei aber immer wieder seine großen, blauen Augen über das Dach schweifen lies, um den perfekten Standort zu finden. Er war fünfzig Jahre alt, hatte aber die Ausstrahlung eines Jungen, der mit jeder Menge Spielzeug in den Sandkasten entlassen wurde.
Ihm zur Seite stand Ludwig, der irgendwann vor Jahrmillionen, wie er sich ausdrückte, in die USA eingewandert war und dort Häuser baute, etwas, was ihm noch sein deutscher Vater beigebracht hatte.
Dann waren da noch zwei Arbeiter, die mit ihm aufgetaucht waren und die jeder nur Lollek und Bollek, nach der gleichnahmigen, polnischen Fernsehserie nannten. Ich wusste noch nicht einmal, ob sie auch wirklich aus diesem Land stammten, denn sie sprachen kein einziges Wort, sondern standen lediglich dabei und lauschten andächtig, aber ohne jede Gefühlsregung auf ihren faltigen, wettergegerbten Gesichtern.
Dwain war bisher noch nicht aufgetaucht und mir wurde ein wenig mulmig wenn ich daran dachte, dass wir zwar ohne viel Mühe ein Haus bauen konnten, aber für die Planung des Senders noch niemanden gefunden hatten.
Kevin hatte seine Ausführungen inzwischen beendet und blickte jetzt lächelnd in die Runde. Also, was sagt ihr dazu?
Von der Statik her, dürfte es keine Probleme geben, entgegnete Gus und seine tiefe, ruhige Stimme hallte dabei über das Dach. Der Boden ist fest genug, die Luke könnten wir vergrößern und eine richtige Treppe einbauen ... ,
Das sehe ich auch so, nickte Ludwig. Wir bauen einen kleineren Raum für den Sender und einen etwas größeren für das Archiv.
Ja, das ist gut, nickte Gus aufgeregt. Wir könnten hier ... , er ging auf die Luke zu und fing an, mit seinem Fuß Linien in den Staub zu malen ... und hier ... und hier ... Wände hochziehen, mit Panoramafenstern und vielleicht einem kleine Balkon der ... ,
Es geht hier nicht um ein schickes Wohnhaus, warf Kevin schmunzelnd ein. Das Haus soll so schnell wie möglich fertig gestellt werden und ich glaube, da können wir auf einen Balkon verzichten.
Mach dir darüber mal keine Gedanken, grinste Gus. Wir haben so viel freie Zeit, dass dieses Etablissment schneller steht, als du Piep sagen kannst. Und ich will einen Balkon. Punkt.
Na dann, gab Kevin achselzuckend nach und zwinkerte mir zu.
Wir müssen noch nicht einmal Material heranschaffen, meinte Ludwig. Wir verwenden die alten Mauerreste des Waldorf Astorias. Bessere Steine bekommen wir sowieso nirgends. Nicht war Lollek und Bollek? Das kriegt ihr hin? Er hatte sich den beiden schweigenden Gestalten zugewendet und diese nickten unisono. Wie zwei Marionetten, schoss es mir durch den Kopf und der Gedanke gruselte mich etwas.
Bleibt nur noch die Frage, wie ihr hier oben Strom bekommt um das ganze Ding zum Laufen zu bringen, sagte Gus nachdenklich und sah fragend zu Kevin hinüber.
Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht so genau. Wir könnten einen kleinen Genarator anschließen, wobei ich nicht weiß, wie es mit unseren Ölreserven ... ,
Wir verwenden Solarenergie, unterbrach ihn plötzlich eine Stimme in unserem Rücken und als wir gemeinsam herumfuhren, stand Dwain auf dem Dach und blickte uns mit ernstem Gesicht entgegen.
Solar? fragte Kevin erstaunt und lud ihn mit einer Geste ein, zu uns herüber zu kommen.
Ja, Solar, entgegnete Dwain, während er langsam auf uns zugeschlurft kam. Ich hoffe doch, dass sich hier noch ein paar Kollektoren finden lassen. Ich kann eine Speichereinheit bauen, die den Sender auch dann mit Strom versorgt, wenn es dunkel ist.
Aber wir können die Sonne noch nicht einmal sehen, warf ich ein. Geht das denn überhaupt?
Glaub mir, das geht, nickte Dwain nachsichtig. Wir benötigen vielleicht mehr Kollektoren, als es normaler Weise üblich ist, aber das dürfte hier kein Problem sein. Zur Not können wir immer noch einen Genarator zur Sicherheit anschließen.
Das klingt gut, nickte Kevin. Willkommen im Team, er streckte ihm die Hand entgegen und ich wartete mit angehaltenem Atem darauf, dass Dwain sie ergriff. Für einen Moment starrte er auf die ausgestreckte Hand hinunter, dann schien er sich einen Ruck zu geben und schlug ein.
Ich gehe also davon aus, dass du bei uns bleibst? fragte Kevin noch einmal nach.
Sieht ganz danach aus, nickte dieser.
Das ist großartig, Kevin freute sich sichtlich.
Danken sie Rebecca. Sie kann sehr überzeugend sein, und dabei lächelte Dwain mich an.
Ich werde dich für unser Begrüßungsteam vorschlagen, lachte Kevin und legte mir einen Arm um die Schulter.
Oh, das war doch keine große Sache, winkte ich verlegen ab.
Darüber werden wir ein anderes Mal disskutieren. Im Moment bin ich einfach nur froh, dass die Sache mit dem Sender tatsächlich voran geht, entgegnete Kevin und warf noch einmal einen stolzen Blick in die Runde.
Was werden wir denn an Material brauchen, Dwain? fragte ich nach und war ein bißchen enttäuscht, als Kevin seinen Arm wieder von meiner Schulter nahm.
Als erstes eine leistungsstarke Antenne, entgegnete Dwain und man sah ihm an, dass er vollkommen in seinem Element war. Ich werde mich mal mit Mitch vom Lager unterhalten. Ich könnte wetten, da liegt noch irgendwo so etwas herum. Wenn nicht, müssen wir mal einen Zug durch die Gemeinde machen. Außerdem verschiedene Kondensatoren, Widerstände, lauter solchen technischen Kram.
Na dann mal los, lachte Kevin und klatschte in die Hände.
Moment! rief ich. Und was wird meine Aufgabe sein? Ich meine ... ich kann hier doch nicht blöd in der Gegend herum stehen und nur zuschauen.
Du hast die Leitung über dieses Projekt, erklärte Kevin. Du wirst dafür sorgen, dass alle Hand in Hand arbeiten, wirst das Ganze koordinieren. Außerdem bist du Ansprechpartner für jegliche Probleme und hast dich dann auch um eine Lösung zu kümmern.
Könnte ich nicht lieber etwas mit weniger Verantwortung haben und dafür ... nun ja ... eher körperlich etwas tun? fragte ich zaghaft. Die Aufgabe, die sich riesengroß vor mir auftürmte, lies mein Herz ängstlich schneller schlagen.
Hey, du wolltest einen Sender, jetzt bekommst du ihn, lachte Kevin. Keine Sorge. Wenn du Hilfe brauchst, bin ich ja auch noch da.
Sehr beruhigend, entgegnete ich ironisch.
Man wächst mit seinen Aufgaben, lächelte Gus und nickte mir aufmunternd zu. Keine Sorge, wir schaffen das schon. Wirst sehen, in ein paar Wochen steht hier ein Villa, die das Wort Sendestation gar nicht verdient hat.
Die Worte sollten mich wohl beruhigen, aber im Grunde meines Herzens war ich zutiefst erschrocken. Ich hatte so etwas noch nie gemacht und wenn etwas schief ging, mußte nicht nur ich für das alles bezahlen. Jeder der hier Anwesenden schien darauf zu vertrauen, dass ich wußte was ich tat, dass ich eine Ahnung davon hatte, wie man so ein Projekt anging und was man alles zu tun hatte. Doch sie irrten sich.
In meinem bisherigen Leben hatte ich lediglich eine Radiomoderation vorbereiten, ein paar geeignete Songs aussuchen und ansonsten die anderen die Arbeit machen lassen müssen.
Sieh es als großes Abenteuer, meinte Kevin verschmitzt grinsend und schob mich auf die Luke zu. Lasst uns nach unten gehen und mit der Planung anfangen. Je länger wir hier herum stehen, um so länger müssen wir auf unseren Sender warten.
Scheinbar hatte es keinen Zweck weiterhin zu protestieren, also folgte ich den anderen nach unten und betete innerlich, dass keine größere Komplikationen auf mich zukommen würden.