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Kapitel 33
Irgendwann verstummten die Schüsse und machten lautem Fußgetrappel und hektischem Rufen Platz. Sarah hatte aufgehört zu schreien und lag nun zitternd in A.J.s Armen. Sie wagte nicht den Kopf zu heben, aus Angst vor dem, was sie dann vielleicht sehen könnte.
Schnelle Schritte näherten sich ihnen. Ist alles in Ordnung bei ihnen? fragte eine besorgte männliche Stimme. A.J. richtete sich auf und sah zu dem freundlich drein blickenden Polizisten auf. Ich glaube, ich bin soweit noch ganz, erwiderte er, während er für einen Moment suchend über seinen Körper tastete. Dann sah er zu Sarah hinunter und berührte sie leicht am Arm. Hey Sweetie, es ist vorbei. Ist alles in Ordnung mit Dir? Bist Du verletzt? Sarah konnte nicht antworten. Mit blickleeren Augen starrte sie vor sich hin. Immer wieder sah sie Bo, der auf ihre Schwester schoss und diesmal konnte kein Zweifel daran bestehen, das Eve tatsächlich tot war.
Besorgt beugte sich A.J. zu ihr hinunter. Sanft streichelte er ihr Haar es ist wirklich vorbei. Komm, setz Dich auf. Sarah reagierte nicht.
Lassen sie mich mal, sagte der Polizist und schob A.J. ein Stück beiseite. Miss...? fragend sah er zu A.J. hinüber OConner...äh...nein...Parker, stammelte A.J.. Aha, der Polizist runzelte die Stirn, wandte sich aber wieder Sarah zu. Miss Parker, können sie aufstehen? Ihnen droht keine Gefahr mehr, das kann ich ihnen versichern. Endlich sah Sarah zu ihm auf. Kommen Sie, ich helfe Ihnen, und der Polizist faste sie sanft am Arm. Doch energisch entwandte sie sich ihm und richtete sich von alleine auf. Ist schon gut. Ich bin o.k., sagte sie und wenig später stand sie tatsächlich aufrecht zwischen A.J. und dem Polizisten. Sie hatte dem Ausgang des Ganges den Rücken zu gekehrt und verwendete ihre ganze Aufmerksamkeit darauf, sich den Staub von der Hose zu klopfen.
Es ist wohl besser, wenn ich sie hier erst einmal hinaus bringe, sagte der Polizist und machte eine einladende Geste Richtung Ausgang. Unbehaglich blickte Sarah zu A.J. hinüber. Ihre Fantasie stellte ihr ein Szenario nach dem anderen vor und jedes war schauriger, als das davor.
A.J. blickte an ihr vorbei Richtung Ausgang, dann wieder zurück zu ihr. Wir schaffen das schon, sagte er aufmunternd. es sieht lange nicht so schlimm aus, wie Du Dir das jetzt vielleicht vorstellst, doch ihm war alle Farbe aus dem Gesicht gewichen und sie wußte, das er log. Doch sie nickte. Sie hatten ja keine andere Wahl.
Sie atmete noch einmal tief durch und wandte sich dann Richtung Ausgang. Sie versuchte, ihren Blick ausschließlich auf die Dunkle Öffnung der Tür zu richten, die sie in die Bahnhofshalle und damit weg von dem Blut und der Enge bringen würde. Doch so ganz gelang es ihr nicht. Der Polizist führte sie um Bos Leiche herum und aus den Augenwinkeln sah sie Carvellien in einer grotesk wirkenden Haltung an die Schrankfächer gelehnt sitzen. Auf seinem ehemals weißen Hemd hatte sich ein riesiger Blutfleck ausgebreitet und seine Augen starrten blicklos ins Leere. Von Josh war nichts zu sehen.
Sarah schloss die Augen als sie an Eve vorbei gingen und das Gefühl, sich gleich übergeben zu müssen, wurde beinahe übermächtig. Doch tapfer setzte sie einen Fuß vor den anderen und gleich darauf hatten sie die Bahnhofshalle erreicht. Ein gelbes Absperrband trennte den Ausgang von der schaulustigen Menge. Sarah kamen sie wie Aasgeier vor, die darauf hofften, möglichst viel von dem blutigen, brutalen Geschehnissen mit zu bekommen. Sie musste sich zusammenreißen, um ihnen nicht die unflätigen Bemerkungen entgegen zu schreien, die ihr auf der Zunge lagen.
Unvermittelt setzte das Blitzlichtgewitter von unzähligen Kameras ein und Sarah verbarg den Kopf an A.J.s Brust. Auch das noch! Konnte es eigentlich noch schlimmer kommen? Ihre Schwester war tot, sie selbst befand sich in der Gewalt der Polizei und A.J. wurde tiefer und tiefer in diese Angelegenheit mit hinein gesogen. Sicherlich würden ihre Fotos morgen auf allen Titelseiten der Boulevardpresse erscheinen.
Einer der Polizisten, der sie begleitet hatte, hob nun das Absperrband an und half ihnen, darunter hindurch zu tauchen. Dann dirigierte er sie nach links und durch eine Tür mit Milchglasscheibe betraten sie einen Raum, der sich unendlich weit vor ihnen aus zu dehnen schien und in dem geschäftiges Treiben herrschte.
Polizisten in Zivil und Uniform rannten hektisch hin und her, Telefone klingelten und die Luft war zum schneiden dick. A.J. hatte immer noch den Arm um sie gelegt. Er dirigierte sie nun in eine etwas ruhigere Ecke und drückte sie sanft auf einen Stuhl nieder. Zwei Sanitäter kamen auf sie zu geeilt und Sarah lies die kurze, oberflächliche Untersuchung und die knappen Fragen über sich ergehen. Sie reagierte wie ein Roboter und merkte kaum, das man ihr eine warme Wolldecke um die Schultern legte. Hatte sie gefroren? Was wollten diese vielen Menschen eigentlich von ihr? Ihre Schwester war tot. Sie wollte doch nur ihre Ruhe.
Es war Nick, der sie schließlich aus ihrer Lethargie riss. A.J.! Sarah! Gott sei Dank...ist alles in Ordnung? rief er schon von weitem und bahnte sich rücksichtslos einen Weg durch die Polizisten. Kaum hatte er sie erreicht, umarmte er A.J. kurz und heftig und kniete sich dann vor Sarah nieder. Er schloss sie in die Arme und drückte sie fest an sich. Oh Mann, ich hatte solche Angst um Euch, das kannst Du Dir garnicht vorstellen. W-Wie geht es Dir....bist Du o.k.?
In Sarahs Augen sammelten sich Tränen Eve ist tot..., flüsterte sie. Oh Sunshine...es tut mir so leid..., entgegnete er traurig und drückte sie noch etwas fester an sich. Wenn Du so weiter machst, ist gleich nichts mehr von ihr übrig..., mischte sich Brian ein und schob Nick sanft aber bestimmt zur Seite. Komm her Kleines...ich will sehen, ob an Dir auch wirklich noch alles dran ist, und mit diesen Worten zog er sie von ihrem Stuhl und umarmte sie. Aus den Augenwinkeln bemerkte Sarah, wie Nick nun wieder an A.J. hing und immer wieder betonte, wie glücklich er doch war, das sie alle beide unverletzt waren.
Kevin hob die Decke auf, die ihr beim Aufstehen von den Schultern geglitten war und legte sie ihr fürsorglich wieder um. Wie geht es Dir? fragte er und zupfte noch einen Moment an der Decke herum ich glaube, ich werde es irgendwie schaffen, entgegnete sie und sie war überrascht, wie fest ihre Stimme dabei klang. Nein...warte...ich bin mir sicher das ich es schaffe. Das klingt schon besser, entgegnete Kevin mit einem Lächeln und drückte sie nun an sich. Howie tippte ihm auf die Schulter. Kevin machte ihm Platz und erneut wurde Sarah in eine freundschaftliche Umarmung gezogen. Ich bin mir sicher, hörte sie plötzlich A.J.s Stimme das diese ganzen Umarmungen und Küsse, dabei sah er Nick vorwurfsvoll an und fuhr sich mit der flachen Hand über die Wange bestimmt für den Rest unseres Lebens reichen werden. Ein zaghaftes Lächeln huschte über Sarahs Gesicht. Vielleicht gab es doch so etwas wie Freundschaft, Ehrlichkeit und Vertrauen. Vielleicht würde doch irgendwann alles wieder gut werden.
Kapitel 34 |
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