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Kapitel 32
Sind sie an uns dran? fragte Nick, der sich hinter den Beifahrersitz von A.J.s Wagen geduckt hatte. Brian lenkte das Auto ruhig durch den nächtlichen Verkehr. Er trug eine von A.J.s Sonnenbrillen und eine schwarze Wollmütze. Sie hatten gehofft, das das und die langen Haare von Howie einem flüchtigen Blick standhalten würde.
Als Nick keine Antwort bekam, versuchte er es noch einmal. Brian, Mensch, sag doch was. Sind sie an uns dran? Aua! Nick! Mann, momentan bist DU jedenfalls mit Deinem Ellenbogen näher an MEINER Nase dran als mir lieb ist, meldete sich Kevin gepresst zu Wort. Sorry...das ist aber auch eng hier..., ...und ausgerechnet die zwei längsten mussten sich hier hinter hinein quetschen, ergänzte Kevin, der mittlerweile wieder Luft durch die Nase bekam, da sich Nick noch ein Stückchen weiter zusammengefaltet hatte.
Das haben wir doch ausführlich besprochen Kev...Brian und ich haben wenigstens annähernd die selbe Statur..., ja, ja, ich weiß..., unterbrach Kevin Howie genervt. Natürlich hatten sie recht, aber er hatte genau gewusst, das diese Fahrt für ihn nicht besonders angenehm werden würde und hatte sich dementsprechend eine Weile gegen diese Variante gewehrt. Außerdem hätte er sicherlich auch den Wagen viel besser....
Brian unterbrach seine dunklen Gedanken ich glaube, sie sind nicht darauf herein gefallen. Howie, schau mal nach, ob Du irgendwas siehst. Himmel, wie kann man nur nachts mit Sonnenbrille Auto fahren? Kann mir einer erklären, wie Bone das macht? Doch er bekam keine Antwort. Alle warteten gespannt auf Howies Antwort.
Fehlanzeige, sagte dieser schließlich und lies sich mit einem enttäuschten Seufzer wieder zurück in seinen Sitz gleiten. Bedeutet das, das wir uns jetzt endlich hier hinten entknoten können? fragte Nick hoffnungsvoll. Es bedeutet auf jeden Fall, das A.J. und Sarah ziemlich große Probleme am Hals haben, entgegnete Kevin, während er sich ächzend aus seiner unbequemen Position auf die Rückbank hievte. Nick streckte ihm die Hand entgegen und Kevin half ihm, sich neben ihn zu setzen.
Und jetzt? fragte Howie. Ich denke, wir sollten auf dem schnellsten Weg eine Polizeiwache suchen. Die beiden können jede Hilfe gebrauchen, in Kevins Stimme schwang ein ängstlicher Unterton mit und Nick wandte sich erschrocken zu seinem Freund um. Wenn Kevin sich schon so große Sorgen machte, sollte er wohl lieber anfangen zu beten.
Sarah und A.J. drückten sich in den Gang mit den Schließfächern. Nummer 682, es ist immer noch hier. A.J. kicherte über diese Bemerkung Was? fragte Sarah. Wo sollte es denn Deiner Meinung nach hin gekommen sein, hm? Ach, das verstehst Du nicht, sagte Sarah schroff und zog den Schlüssel unter ihrem T-Shirt hervor. Puh, das ist jetzt wohl der große Moment..., sagte sie und steckte mit zitternden Fingern den Schlüssel ins Schloss. Mit einem Klicken öffnete sich die Tür und Sarah griff in die Dunkelheit des Faches. Aufatmend zog sie den Umschlag hervor und lies dann die Tür des Faches einfach offen stehen. Mit einem triumphierenden Blick drehte sie sich zu A.J. um und erstarrte dann plötzlich mitten in der Bewegung. Ihr Blick war auf einen Punkt knapp hinter ihm gerichtet und langsam drehte er sich um. Er wußte auch so, wer da hinter ihm stand, aber als er direkt in die Mündung einer Pistole sah, wurden ihm dann doch mit einem Schlag die Knie weich. Es war eine Sache darüber zu reden, das diese Aktion gefährlich war, aber es jetzt buchstäblich unter die Nase gehalten zu bekommen, war dann doch nochmal etwas anderes.
Josh grinste. Die Angst, die in den Augen dieses Playback-Sängers aufflackerte, amüsierte ihn. Scheinbar schien der Idiot erst jetzt wirklich zu begreifen auf was und wen er sich da eingelassen hatte.
Schön Dich wieder zu sehen, sagt Carvellien zu Sarah und streckte lächelnd die Hand nach dem Umschlag aus, den sie immer noch fest an sich gepresst hielt. Erst jetzt wurde ihr bewusst, das sie Carvellien in der ganzen Zeit ihrer Gefangenschaft kein einziges Mal zu Gesicht bekommen hatte. Er hatte Eve und Josh die Drecksarbeit machen lassen und gehofft, sie würde verraten, wo der Schlüssel versteckt war. Sie betrachtete für einen Moment sein Gesicht. Er sah nicht gut aus. Seine Augen lagen in dunklen Höhlen und um seinen Mund hatten sich tiefe Linien eingegraben. Sie fühlte eine gewisse Befriedigung, das diese ganze Geschichte auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen war.
Nun gib schon her und erspar Dir und mir eine unangenehme Szene...ach und ehe ich es vergesse, die Diamanten...MEIN Eigentum...hätte ich auch gerne wieder, sagte er ungeduldig. Du wirst nie im Leben bekommen was Du willst, entgegnete Sarah ruhig es gibt Kopien hiervon, damit wedelte sie mit dem Umschlag vor seinem Gesicht herum. Es bringt Dir also garnichts, wenn Du das hier vernichtest, sie blöffte und sie sah im selben Moment, das auch Carvellien es wußte. Sie war noch nie eine gute Lügnerin gewesen.
Ein hämisches Grinsen breitete sich auf Carvelliens Gesicht aus. Netter Versuch, aber ich kenne Dich. Dafür bist Du nicht clever genug. Er schnippte mit den Fingern und Bo trat in Sarahs Blickfeld. Er hatte Eve einen Arm um den Hals gelegt und hielt ihr eine Pistole an den Kopf. Sarah hatte damit gerechnet und doch traf sie der Anblick ihrer Schwester, der sie so lange bedingungslos vertraut hatte, wie ein Schlag in die Magengrube. Eve wollte die Diamanten, deshalb hatte sie sich mit Carvellien eingelassen und Carvellien wollte das Beweismaterial. Doch Sarahs Vorteil war, das die anderen nicht wussten, das sie sie längst durchschaut hatte.
Langsam hob Sarah die Hände. O.k., o.k, lenkte sie zum Schein ein ihr wollt diesen Umschlag hier und die Diamanten, sie griff in ihre Hosentasche und förderte den braunen Lederbeutel zu Tage. Die hier könnt ihr gerne haben, mit einer lässigen Bewegung warf sie den Beutel in Bos Richtung, der auch reflexartig danach griff und Eve somit aus seiner Umklammerung entließ. Aber das hier, sie hielt den Umschlag in die Höhe werdet ihr nie bekommen. Carvellien gab Bo einen Wink und dieser verstaute blitzschnell den Beutel in seiner Hosentasche und legte Eve dann erneut den Arm um den Hals. Sarah stöhnte innerlich auf. Sie hatte gehofft, das sie Eve und Bo mit dem Beutel ablenken und somit ein wenig Zeit gewinnen würde. Doch dieser Versuch war wohl gründlich fehl geschlagen.
Weißt Du, das letzte mal hatte Eve riesiges Glück. Die Kugel hat sie tatsächlich nur gestreift und sie war nur für einen Moment bewusstlos. Aber ich verspreche Dir, das Bo diesmal gründlicher sein wird, als ich es gewesen bin. Sarah lachte höhnisch. Aha, gestreift, ja? Du meinst wohl, Du hast auf sie mit Platzpatronen geschossen. Netter Versuch, aber ich kenne Dich. Dafür bist Du nicht clever genug, äffte sie ihn nach und an Carvelliens Schläfe begann eine Ader zu pochen.
Jetzt war die Katze aus dem Sack, allerdings schien das Carvellien erschreckend egal zu sein. Bo? sagte er und sie hörte, wie Bo den Hahn spannte. Sie sah die vor ungläubigem Entsetzen geweiteten Augen von Eve und erkannte zu spät, das sie einen riesigen Fehler begangen hatte. Sie hatte Carvellien unterschätz und das würde sie bis ans Ende ihres Lebens büßen müssen. In diesem Moment hörte sie einen leisen Knall, der höchstwahrscheinlich noch nicht einmal diesen Raum verlassen würde und Eve sackte zu Boden. Eine Blutlache begann sich rasend schnell um ihren Kopf aus zu breiten und verwandelte Eves wunderschöne, blonde Haare in eine schwarz schimmernde, klebrige Masse.
Oh Gott...nein...nein...oh Gott, Sarah fühlte, wie ihre Beine unter ihr nach gaben. A.J. wollte sie auffangen, doch Josh reagierte blitzschnell. Er packte ihn, verdrehte ihm den Arm auf den Rücken, so dass er gequält aufstöhnte und presste ihm mit Nachdruck die Waffe an den Kopf ganz ruhig Alter, zischte er ihm ins Ohr und A.J. musste hilflos mit ansehen, wie Sarah auf allen Vieren auf ihre Schwester zu kroch. Eve...bitte...sag doch was...Eve. Tränen strömten ihr über das Gesicht. Immernoch hielt sie den Umschlag in der Hand, der mittlerweile verknittert und schmutzig vom ungekehrten Linoleum war. Du siehst also, das ich es ernst meine. Denk ein Deinen Freund hier, und damit nickte er in A.J.s Richtung. Ich bitte Dich ein letztes Mal, gib mir gefälligst den Umschlag und alle sind zufrieden. Zufrieden?!? presste Sarah zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
Erst meinte sie, das die Tränen ihren Blick verschleierten, doch dann stelle sie fest, das es die heiße, alles verzehrende Wut auf diesen Mann war. Dieser Mann, der ihr Leben zerstört, ihre Würde mit Füßen getreten hatte, alle ihre Träume in einer Nacht zu nichte gemacht und jetzt ihr Schwester, die vielleicht gegen sie, aber immer noch ihre Schwester gewesen war, getötet hatte. Ohne mit der Wimper zu zucken, hatte er über Leben oder Tod entschieden.
Schwankend richtete sie sich auf. Du...Du...Bastard...Du..., Carvellien hob abwehrend die Hände und ein zufriedenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht, das Sarah nur noch wütender machte. Aber, aber, wer wird denn gleich die Beherrschung verlieren. Gib mir was ich haben will und alles ist gut. Gut? ES WIRD NIEMALS WIEDER ALLES GUT SEIN DU ARSCHLOCH! schrie sie Du hast Eve getötet, mein Leben zerstört. Was willst Du denn noch? Dieses beschissene Beweismaterial? Bitte, hier hast Du es, außer sich vor Wut, schleuderte sie ihm den Umschlag entgegen. Aber vielleicht solltest Du Josh hier mal erklären, wie es sich so angefühlt hat, als Du seinen Bruder erschossen hast. Versuch Dich doch nicht heraus zu reden, entgegnete Carvellien selbstgefällig, während er den Umschlag vom Boden auf hob. Er holte ein Taschentuch aus der Brusttasche seines Jacketts hervor und wischte ein paar Flecken von Eves Blut davon ab. Wir alle wissen doch, das Du John getötet hast. Ich denke nicht, das wir da alle ihrer Meinung sind, mischte A.J. sich ein. Sofort verstärkte Josh seinen Griff und A.J. gab einen erstickten Laut von sich. Josh, versuchte Sarah es nun anders Du musst mir glauben, ich habe mit dem Tod deines Bruders nicht das Geringste zu tun. Was glaubst Du, warum ich den Schlüssel habe, woher ich von dem Beweismaterial wußte? John wollte, das ich Carvellien das Handwerk lege, falls ihm etwas zu stößt. Bitte Josh, Du musst mir glauben. Joshs Blick huschte unsicher zwischen Sarah und Carvellien hin und her. Glaub ihr kein Wort Josh. Du weißt genau, was für eine hinterhältige Schlange sie ist. Ihre Fingerabdrücke wurden auf der Waffe gefunden, nicht meine. Ich habe ihn ganz sicher nicht erschossen. Meine Fingerabdrücke kamen an meinem Geburtstag auf die Waffe. Erinnerst Du Dich Josh, ich habe Dir noch erzählt, was für ein geschmackloses Geschenk Carvellien mir gemacht hat. J-Ja..., antworte Josh zögernd und warf dann einen Blick zu Bo hinüber. Dieser zuckte unentschlossen mit den Schultern. Es war durchaus möglich.
Du solltest ihr wirklich glauben, meldete sich erneut A.J. zu Wort, der versuchte, trotz seiner Schmerzen Sarah aufmunternd zu zulächeln hat sie nicht eben eindrucksvoll bewiesen, das sie nicht besonders gut lügen kann? Halt Du Dich da gefälligst raus, erwiderte Josh heftig, doch gleichzeitig lockerte er den Griff, der A.J. wie in einem Schraubstock gefangen hielt.
Josh, bitte, glaub ihr doch nicht so einen Blödsinn, Carvelliens Stimme schwankte fast unmerklich vor Unsicherheit. Und im selben Moment wurde ihm klar, das er damit einen nicht wieder gut zu machenden Fehler begangen hatte. Er hatte Schwäche gezeigt und das war für Josh Grund genug, an ihm zu zweifeln.
Josh lies A.J. endgültig los und drehte sich zu Carvellien um. Du warst an diesem Abend mit ihm unterwegs und hast das untere Stockwerk durchsucht, sagte Josh nachdenklich und richtete die Waffe auf seinen Boss He, Josh, mach keinen Fehler, ich habe Dir erklärt, das wir uns getrennt haben und John ihr unten am Pool in die Arme gelaufen sein muss, mittlerweile schwang echte Angst in Carvelliens Stimme mit und hilfesuchend wandte er sich zu Bo um. Doch dieser sah ihn nur mit kalten Augen an. Von dieser Seite hatte er keine Hilfe zu erwarten.
Und dann ist sie die Treppe rauf, durch die Hintertür und war weg, bevor die Polizei da war, wiederholte Josh in Kurzform die Geschichte, die ihm Carvellien vor zwei Jahren erzählt hatte ich weiß. Aber weißt Du, irgendwie klingt das... ich weiß nicht...wie währe es mit...gelogen? Bei dem letzten Wort hob er eine Augenbraue und Sarah hielt den Atem an. A.J. hatte sich während dessen unbemerkt in ihre Richtung bewegt und schob sich jetzt schützend vor sie. Sie hatten keine Chance aus diesem Gang hinaus zu kommen. Zwischen ihnen und dem rettenden Ausgang standen drei Männer und zwei davon hatten eine Waffe schussbereit auf Carvellien gerichtet.
A.J. drängte Sarah langsam Schritt für Schritt tiefer in den Gang hinein. Er wollte nicht in der Nähe sein, wenn das Gewitter gleich los brechen würde.
Doch bevor einer der Drei noch etwas sagen konnte, zerriss eine durchdringende Stimme die angespannte Stille Polizei! Waffen fallen lassen und wagen sie es ja nicht, eine unüberlegte Bewegung zu machen. Noch im selben Moment erscholl ein ohrenbetäubender Knall, gefolgt von einem leiseren. Carvellien brach von zwei Kugeln getroffen zusammen und im selben Moment brach die Hölle los.
Ein wahrer Kugelhagel pfiff durch den Raum. Aus den Augenwinkeln sah Sarah Bo ebenfalls zu Boden gehen und Josh aus dem Gang hechten. Dann riss A.J. sie mit sich hinunter auf den Boden, drückte sie an sich und legte die andere Hand schützend über ihren Kopf. Sarah schrie und sie hatte das Gefühl, das sie damit nie wieder würde aufhören können.
Kapitel 33 |
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