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Kapitel 29
Josh hatte die ganze Zeit einige hundert Meter Abstand zwischen sich und A.J.s Wagen gelassen. Die Straße führte hier kilometerweit schnurgeradeaus und selbst auf diese weite Entfernung waren die Rücklichter gut zu sehen. Als plötzlich die Bremslichter vor ihm aufleuchteten, nahm er erschrocken den Fuß vom Gas, schaltete die Scheinwerfer aus und lies sich langsam am Straßenrand ausrollen. Fast zeitgleich mit A.J.s Wagen kam er zum Stehen und als er auch noch den Motor abstellte, senkte sich gespenstische Stille über die Insassen Was macht er denn jetzt? fragte Eve von der Rückbank und Josh rollte genervt mit den Augen. Du kannst ja hin gehen und nachsehen, wenn es dich so brennend interessiert, entgegnete er schroff und starrte weiter gerade aus. Von hinten kam ein beleidigtes Schnauben. Dann wurde es wieder still. Nach einer Weile flammten die Scheinwerfer vor ihnen wieder auf und der Wagen mit der wichtigsten Fracht in Joshs Karriere an Bord, machte sich wieder auf den Weg.
Auch Josh lies den Motor an, lenkte den Wagen vom Straßenrand zurück in die Mitte der Fahrbahn und als er diese erreicht hatte, schaltete er auch die Scheinwerfer wieder ein.
A.J. blickte immer wieder besorgt in den Rückspiegel. Kaum waren sie los gefahren, flammten hinter ihnen Scheinwerfer auf und er fragte sich, wo diese wohl jetzt auf einmal her kamen. Waren sie schon die ganze Zeit hinter ihnen gewesen? Und warum schienen sie gerade jetzt wie aus dem Nichts auf zu tauchen? Er verlangsamte seine Fahrt und beobachtete die Lichter genau. Sie schienen nicht wesentlich näher zu kommen. Als er schließlich mit nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit dahin rollte, blickte Sarah beunruhigt zu ihm hinüber. Ich glaube, wir werden verfolgt, beantwortete er ihre unausgesprochene Frage und lies dabei die Scheinwerfer hinter sich nicht aus den Augen. Immer noch hielten sie den gleichen Abstand ein. Er hörte einen zittrigen Atemzug von Sarah, warf ihr einen kurzen Blick zu und drückte dann das Gaspedal voll durch. Mit einem Ruck schoß der Wagen vorwärts.
Du brauchst Dich garnicht anstrengen, hörte er Sarah neben sich sagen und die Emotionslosigkeit in ihrer Stimme jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken. Sie werden nicht eingreifen, bevor sie sich nicht sicher sind, das ich die Diamanten und das Beweismaterial habe.
Das klang irgendwie logisch und doch veranlasste ihn das nicht, langsamer zu werden. Die Augen fest auf die Straße gerichtet, zog er sein Handy aus der Hosentasche und reichte es Sarah hinüber. Ruf Kevin an. Er soll zu mir fahren und in der Tiefgarage auf uns warten, sagte er knapp. Sarah blickte das Telefon in ihrer Hand für einen Moment unbehaglich an. Die Jungs wussten, das sie eine gesuchte Mörderin war. Würden sie ihr überhaupt helfen wollen? Oder sofort die Polizei verständigen? Keine Sorge, sagte A.J., der ihre Gedanken zu erraten schien sie stehen auf unserer Seite. Keiner der Jungs glaubt den Mist, der über Dich in der Zeitung stand. Sie werden uns helfen. Als sie immer noch keine Anstalten machte, die entsprechenden Knöpfe zu drücken, fügte er hinzu vertrau mir, o.k.? und diese drei Worte schienen sie schlussendlich zu überzeugen. Sie suchte Kevins Nummer heraus und drückte sich das kleine Gerät ans Ohr. Gleich darauf meldete sie sich Nein..hier ist Sarah...ja...es geht mir ganz gut....
Nach einer Stunde hatten sie schließlich A.J.s Apartment erreicht. Er hatte den Rückspiegel die ganze Fahrt über nicht länger als nötig aus den Augen gelassen und erst jetzt, als sie in die Tiefgarage rollten, blieben die Lichter ihrer Verfolger hinter ihnen zurück. Doch A.J. war sich sicher, das sie lediglich auf der anderen Straßenseite darauf warteten, das sie wieder heraus kamen. Als er um eine der unzähligen Stützpfeiler bog, sah er Kevins Ford in der Nähe des Fahrstuhls stehen und wenig später hielten sie neben ihm an. Fast gleichzeitig öffneten sich die Türen von A.J.s und Kevins Wagen und gleich darauf waren die Backstreet Boys wieder vereint. Ich hatte eigentlich nicht erwartet, das Du gleich die ganze Kavallerie mitbringst, grinste A.J. und schlug Kevin dabei freundschaftlich auf die Schulter. ich weiß auch nicht, entgegnete dieser und warf einen kurzen Blick zu seinen Freunden hinüber sie sind mir einfach nachgelaufen, was hätte ich sonst tun sollen? A.J. lachte leise und blickte sich dann nach Sarah um. Sie stand etwas abseits und ihr Blick huschte unruhig zwischen Garageneinfahrt und den Schatten, die sich wie bedrohliche Pfützen unter und hinter den Autos und Stützpfeilern ausbreiteten, hin und her. Lasst uns erstmal nach oben gehen, sagte A.J. und trat auf Sarah zu. Sanft schob er sie vor sich her in Richtung Fahrstuhl. Als sie sich zu sechst in die enge Kabine zwängten, legte Nick ihr freundschaftlich einen Arm um die schulter hey sunshine, schön Dich wieder zu sehen. Ein Lächeln huschte über Sarahs angespanntes Gesicht es ist auch schön Dich wieder zu sehen.
Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung und gleich darauf betraten sie A.J.s Apartment. Durst, verkündete Brian und machte sich sofort auf den Weg in die Küche. Noch jemand etwas? Zustimmendes Gemurmel antwortete ihm. Als er mit Getränken und Gläsern beladen zurück kam, sah er sich suchend nach Sarah um. Wo ist sie hin? In ihr Zimmer, glaube ich, antwortet A.J. und ging hinüber zu ihrer Zimmertür, die nur angelehnt war. Er klopfte vorsichtig an und als er nichts hörte, schob er langsam die Tür auf.
Sarah saß auf dem Bett, ihren Gipsfuß hatte sie hochgelegt, und drehte nachdenklich die kleine Spieluhr in den Händen. Hey Sweetie, ist alles in Ordnung bei Dir? fragte er und setzte sich neben sie auf das Bett. Als er keine Antwort erhielt, legte er ihr einen Hand unter das Kinn und zwang sie so ihn an zu sehen. Du sprichst wohl nicht mehr mit jedem, was? versuchte er zu scherzen, doch er entlockte ihr damit nicht einmal den Anflug eines Lächelns. Stattdessen zuckte sie mit den Schultern und er sah, wie ihre Augen verräterisch zu glitzern begannen. Sie drückte seine Hand beiseite und betrachtete erneut die Spieluhr. Die habe ich von meiner Grandma geschenkt bekommen, sagte sie schließlich mit leichtem Zittern in der Stimme sie sollte mich immer an sie erinnern. Eve hat so eine ähnliche. Wir haben sie oft stundenlang einfach nur angesehen und der Melodie gelauscht. Wir...ich meine...ich...war glücklich...ich weiß nicht, was seit dem passiert ist... ihre Stimme brach und verstohlen wischte sie sich eine Träne von der Wange.
A.J. konnte ihren Schmerz fast körperlich spüren. Wie furchtbar musste es sein, von der eigenen Schwester verraten zu werden? Wieviel Hass musste da dahinter stecken? Da er nicht wußte, was er sagen sollte um ihren Schmerz zu lindern, zog er sie einfach an sich und bereitwillig legte sie ihm die Arme um die Schultern. Eine Weile saßen sie einfach nur so da, hatten die Augen geschlossen und horchten auf das Atmen des Anderen.
Schließlich rückte Sarah ein Stück von ihm ab. Ihre Augen und Wangen waren trocken, doch er konnte immer noch den Schmerz in ihren Augen lesen. Ohne das sie beide etwas dagegen hätten tun können, näherten sich ihre Gesichter einander. Es war, als hätten die ganzen Ereignisse nur dem einzigen Zweck gedient, sie hier gemeinsam in das Halbdunkel des Zimmers zu führen. Als A.J.s weiche Lippen die ihren berührten kam es Sarah so vor, als sei ihr das von Anfang an so bestimmt gewesen. Der Autounfall, mit dem alles begonnen hatte, nur Mittel zum Zweck. In diesem Moment schienen nur sie beide auf diesem Planeten zu existieren, alle Sorgen und Ängste wurden in den Hintergrund gedrängt. A.J. begann sanft an ihrer Unterlippe zu knabbern und als sich ihre Zungen trafen, durchfuhr es Sarah wie ein heißer Stromschlag, der sich von ihren Haarwurzeln bis hinunter in die Zehenspitzen ausbreitete. Sollte morgen die Welt untergehen, hatte es sich alleine für diesen Augenblick gelohnt zu leben. Sie fühlte sich zu Hause, am Ende einer langen Suche angekommen und sie wollte aus diesem wohligen Gefühl nie wieder auftauchen.
Doch schneller als es ihr lieb war, musste sie sich wieder der Wirklichkeit stellen, als die Tür mit Schwung aufgerissen wurde und Nick im Zimmer stand. Resigniert wandte sich A.J. zu ihm um immer noch nicht gelernt wie man anklopft, Blondi? Sarah konnte selbst im Halbdunkeln des Zimmers Nicks Gesicht erkennen, das rot wie eine Tomate angelaufen war. Ähm...Tschuldigung...aber..., Ja, wir kommen gleich, unterbrach ihn A.J. unsanft und scheuchte ihn dann mit einer ungeduldigen Handbewegung aus dem Zimmer. Als sich die Tür hinter Nick geschlossen hatte, wandte er sich wieder Sarah zu. Alles in Ordnung? fragte er erneut, diesmal mit einem zärtlichen Lächeln auf dem Gesicht und strich ihr dabei eine Haarsträhne hinter das Ohr. Ich denke schon, antwortete sie mit einem Anflug von plötzlicher Schüchternheit und senkte den Blick in den Schoß, wo ihre Hände immer noch die Spieluhr umklammert hielten.
Hey, kriege ich noch einen Kuss? Auf Vorrat sozusagen. Ich befürchte, wir werden die nächste Zeit nicht mehr dazu kommen, sagte A.J. mit flehendem Blick. Ein Lächeln erhellte Sarahs Gesicht und sie beugte sich zu ihm hinüber. Ihre Schüchternheit war verflogen uns als sie sich nach einer halben Ewigkeit voneinander lösten, prangten kleine, rote Flecken auf ihren Wangen und ihre Augen leuchteten.
Sie wußte nicht, wohin das alles führen sollte, ob dieser Kuss der Anfang von etwas Großem war, oder einfach nur ein flüchtiger Moment, den sie für immer in ihrem Herzen bewahren würde. Sie war sich ziemlich sicher, das es A.J. nicht anders erging und doch bereute sie keine einzige Sekunde.
Auf in den Kampf, seufzte A.J. schließlich und zog sie vom Bett auf die Füße. Hand in Hand betraten sie das Wohnzimmer, wo sich die restlichen Backstreet Boys um den Couchtisch versammelt hatten und erwartungsvoll zu ihnen auf blickten.
Kapitel 30 |
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