Kapitel 27

Sarah presste sich flach an die Rückseite von Carvelliens Anwesen und atmete ein paar mal tief ein und aus. Sie wußte, das sie bis jetzt einfach nur Glück gehabt hatte. Es war riesiger Leichtsinn ein zweites Mal hier her zu kommen, doch sie hatte es Eve versprochen. Von ihr erfuhr Sarah, das Carvellien am Anfang nett und freundlich gewesen war. Mehr noch, er gab ihr zu verstehen, das er sich in sie verliebt hätte. Doch Eve erwiderte diese Gefühle nicht. Im Gegenteil, es war ihr unangenehm von diesem wesentlich älteren Mann begehrt zu werden. Doch mit seiner großzügigen Art und dem Versprechen, sich zurück zu halten und sie in Ruhe zu lassen, überredete er Eve schließlich, bei ihm ein zu ziehen. Er wollte mit ihr ein Album aufnehmen und sie zu dem Star machen, der Sarah hätte werden können. Sarah nahm es ihrer Schwester nicht übel. Immerhin fehlte seit zwei Jahren jede Spur von ihr und Eve währe sehr dumm gewesen, wenn sie diese Chance nicht wahr genommen hätte. Doch schnell änderte sich Carvelliens Verhalten. Nachdem Sarah Eve die Zusammenhänge erklärt hatte, verstand diese auch, warum sie wie eine Gefangene hier lebte und von einem eigenen Album keine Rede mehr war. Carvellien brauchte Eve als Druckmittel. Er wollte, das Sarah zurück kehrte und er an die Diamanten und das Beweismaterial heran kam. Zumindestens vermutete Sarah das. Das Carvellien angeblich in Eve verliebt war und sie ganz für sich haben wollte, glaubte Sarah keine Sekunde. Jeden Abend wurde Eve von ihm in ihr Zimmer eingesperrt und tagsüber stand sie unter ständiger Bewachung. Sie hatten am vergangenen Tag einfach nur Glück gehabt, das Josh einen dringenden Anruf im Haus entgegen nehmen musste und so den beiden Schwestern einen Moment Zeit gab, ihren Plan zu schmieden. Leise setzte Sarah sich wieder in Bewegung. Sie wußte, das es hier an der Rückseite des Hauses eine Hintertür gab, die nicht besonders schwer zu knacken war. Als sie eine Haarnadel aus der Manteltasche zog, war sie malwieder dankbar für das, was sie im Laufe der Zeit auf der Straße gelernt hatte. Vorsichtig bog sie das kleine Stück Metall in die richtige Form und steckte es ins Schlüsselloch. Es dauerte keine fünf Sekunden und Sarah hörte, wie das Türschloß aufschnappte. Vorsichtig schob sie die Tür ein Stück auf und lugte hinein. Dahinter war alles dunkel und ruhig. Sarah nahm all ihren Mut zusammen, schob die Tür noch ein Stück weiter auf und schlüpfte hinein. Nachdem sie die Tür leise wieder hinter sich geschlossen hatte, verharrte sie einen Moment regungslos. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und sie konnte schemenhaft die Umrisse der Küche erkennen. Den großen Herd in der Mitte des Raumes, über dem kupferne Töpfe und Pfannen hingen, der Kühlschrank, der in der Ecke leise vor sich hin brummte und die blankpolierte Arbeitsplatte, die sanft im hereinfallenden Mondlicht schimmerte.
Lautlos durchquerte sie den Raum und verharrte erneut an der Tür zur Halle. Auch dahinter schien alles ruhig zu sein. Vorsichtig drückte sie die Klinke hinunter und öffnete die Tür einen Spalt breit. Vor ihr lag die wie ausgestorben wirkende Halle. Der Anblick kam ihr so vertraut vor, das sie für einen Moment inne hielt. Wie oft war sie hier schon entlang gegangen? Praktisch jedes Zimmer ging hier unten von der Halle ab. Die Bibliothek, das Esszimmer, der Konferenzraum, Carvelliens Büro, der große Festsaal, alle diese Räume hatte sie im Laufe der Zeit unzählige Male betreten, ohne zu wissen, das sie eines Tages im Dunkeln der Küche stehen und vor Angst zittern würde. Mit einem Kopfschütteln riss sie sich zusammen. Solche Gedanken brachten sie im Moment nicht weiter.
Eve hatte ihr am Tag zuvor beschrieben, wo ihr Zimmer lag. Demzufolge musste Sarah die gesamte Halle durchqueren, die breite Treppe hinauf und dann links den Gang hinunter, an unzähligen Türen vorbei, bis sie die letzte erreicht hatte. Sie hatte geschluckt, als sie an die vielen Möglichkeiten entdeckt zu werden dachte, doch sie hatte keinen Augenblick gezögert.
Sie holte nun noch einmal tief Luft und schob sich dann ganz durch die Tür und blieb mit klopfendem Herzen einen Moment in der Dunkelheit dahinter stehen. Irgendwo tickte laut eine Uhr, ansonsten hüllte sie tiefes Schweigen ein.
Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen und während sie sich immer wieder ängstlich nach allen Seiten um sah, durchquerte sie langsam die Halle. Als sie schließlich vor der Treppe stand, glänzten kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn und sie war der Meinung, dass das laute Klopfen ihres Herzens das gesamte Haus aufwecken musste. Doch ohne zu zögern setzte sie den Fuß auf die unterste Treppenstufe und schlich hinauf in den ersten Stock.
Auch hier war keine Menschenseele zu sehen. Sarah hielt sich nahe der Wand. Jedes Mal, wenn sie eine weitere Tür passierte, hielt sie die Luft an. Sie wußte, das Perkins im Erdgeschoss schlief und das Carvelliens Zimmer am entgegengesetzten Ende des Flures lag. Bo lebte in einer kleinen Wohnung über der Garage, von ihm drohte ihr also auch keine Gefahr. Nur Joshs Zimmer lag in diesem Teil des Gebäudes und als sie nun seine Zimmertür erreichte, blieb sie erneut stehen. Sie hielt die Luft an, um besser hören zu können und sie meinte, sein leises Schnarchen hinter der Tür wahr zu nehmen. Das Geräusch war allerdings so leise, das ihr ihre überlasteten Nerven durchaus auch einen Streich spielen konnten. Mit immer noch angehaltenem Atem schlich sie weiter den Flur hinunter, als plötzlich eine Diele unter ihren Turnschuhen knarrte. Das Geräusch klang wie eine Explosion in der Stille des Hauses und vor Angst wurden Sarahs Beine ganz schwach. Automatisch zog sie den Fuß zurück und hielt dann wie eingefroren in der Bewegung inne.
Wie hatte sie dieses blöde Stück Holz nur vergessen können? John hatte einmal scherzhaft gemeint, das diese Diele sicherlich von dem ursprünglichen Besitzer als Frühwarnsystem eingebaut worden war, so das er mitbekam, wenn seine Frau sich malwieder zu einer vergnüglichen Stunde mit dem Chauffeur aufmachte. Sarah hatte damals nur gelacht und erwidert, dass das der Gattin sicherlich nur einmal passiert sei.
Und nun stand sie selbst hier, ihre Atmung ging stoßweise, obwohl sie versuchte dieses Geräusch so gut wie möglich zu unterdrücken, und erwartete, das Josh jeden Augenblick mit vom Schlaf zerzausten Haaren und seiner Pistole im Anschlag aus dem Zimmer gestürmt kam.
Als nach einigen Sekunden, die Sarah wie eine Ewigkeit vorkamen, nichts dergleichen passierte, atmete sie unendlich erleichtert auf und setzte zitternd ihren Weg fort. Dabei machte sie einen riesen großen Schritt über die quietschende Paneele hinweg und stand gleich darauf vor Eves Zimmertür. Probehalber drückte sie die Klinke hinunter, war aber nicht überrascht, als sich die Tür nicht öffnen lies. Eve hatte ihr bereits erklärt, das sie nachts immer eingeschlossen wurde und das ihr das, mehr als die ständige Bewachung durch Josh oder Bo, oder der Umstand, das sie das Grundstück nicht verlassen durfte, das Gefühl gab, eine Gefangene in diesem Haus zu sein.
Als Sarah den sebst gebastelten Dietrich aus der Manteltasche zog und ihn so leise wie möglich in das Schlüsselloch schob, hörte sie hinter der Tür leise Schritte. Auf Sarahs Gesicht erschien ein Lächeln. Gleich...gleich würden sie wieder vereint sein und gemeinsam diesem Widerling das Handwerk legen. Mit einem leisen Klicken sprang die Tür schließlich auf und Sarah blickte direkt in das blasse Gesicht ihrer Schwester. Wortlos fielen sie sich in die Arme. In Sarahs Augen schwammen Tränen. Es war so unvorstellbar lange her, das sie von jemandem in den Arm genommen worden war, das sie sich nicht einsam und alleine auf dieser Welt gefühlt hatte, das sie schon fast vergessen hatte, wie gut das tat. Das erste Mal, seit sie ihr eigenes Gesicht auf der Titelseite dieses Schmierblattes an der Central Station gesehen hatte, glaubte sie daran, das ihr Leben doch noch in Ordnung kommen könnte, das dieser Albtraum schließlich zu Ende gehen und sie zurück zu ihrer Familie konnte.
Sie lösten sich voneinander und Sarah faste nach Eves Hand. Vorsichtig führte sie sie den Gang hinunter, wobei sie einen großen Bogen um die quietschende Diele machte und unbehelligt erreichten sie das Ende der Treppe.
Die beiden wandten sich nach links, als plötzlich im oberen Stock eine Tür geöffnet wurde und sie Schritte vernahmen. Entsetzt sahen sich die Schwestern an. Eve reagierte als erste. Sie zog Sarah hinter sich her und öffnete die nächstbeste Tür. Ohne Umschweife schob sie Sarah in die Bibliothek und zischte „versteck Dich. Schnell! Und komm nicht heraus, egal was passiert, hast Du verstanden?“ Bevor Sarah etwas darauf erwidern konnte, hatte Eve die Tür bereits vor ihrer Nase wieder geschlossen. Die Schritte kamen nun schnell die Treppe herunter und als Sarah Carvelliens Stimme erkannte, wurde ihr vor Angst heiß und kalt. Gehetzt sah sie sich um. Ihr Blick glitt an den Bücherreihen entlang und blieb schließlich an dem Wandschrank mit der weißen Lamellentür hängen. In Windeseile hatte sie das Zimmer durchquert, die Schranktür geöffnet und sich in den engen Raum gezwängt. Ängstlich lugte sie durch die schmalen Spalte zwischen den Lamellen hindurch. Undeutlich hörte sie Stimmen. Sie meinte Carvellien, Josh und Eve zu erkenne, doch sie konnte die Worte nicht verstehen.
Plötzlich zuckte sie zusammen, als die Zimmertür mit Schwung aufgerissen wurde. Die metallenen Kleiderbügel über ihr begannen leise zu klirren, als sie sie durch ihre unbedachte Bewegung leicht mit dem Haar berührte. Sie hielt die Luft an und wartete starr vor Schreck, bis die Bügel wieder ruhig auf ihrer Stange hängen blieben. Dann warf sie erneut einen vorsichtigen Blick durch die schmalen Schlitze in das Zimmer und Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie erkannte Eve, die von Josh und Bo links und rechts festgehalten wurde. Flüchtig fragte sie sich, wo die beiden so schnell hergekommen waren, doch der Gedanke verschwand so schnell wie er gekommen war.
Erleichtert stellte sie fest, das man sie scheinbar in ihrem Versteck noch nicht bemerkt hatte. Von ihrem heimlichen Beobachtungsposten aus konnte sie ihrer Schwester direkt in das blasse Gesicht blicken. Ein Auge war zugeschwollen und ihre Lippe war aufgeplatzt. Ein feiner Faden roten Blutes lief ihren Mundwinkel hinab und das blonde Haar hing ihr wirr ins Gesicht. Und doch stand sie aufrecht und mit kämpferischer Miene zwischen den beiden Männern. Als irgendjemand außerhalb ihres schmalen Blickfeldes eine Lampe anknipste, glänzte Bos Glatze in dem warmen Licht. „Ich will die Wahrheit von Dir wissen,“ hörte sie nun die Stimme von Carvellien, den sie allerdings momentan nicht sehen konnte. „Wo hast Du sie versteckt? Ich verspreche Dir, dass Du keine Schmerzen mehr haben wirst, wenn Du brav bist und mir sagst, wo sie sind.“ „Ich weiß überhaupt nicht, wovon Du eigentlich redest,“ entgegnete ihre Schwester ruhig und blickte auf einen Punkt links von Sarah. Josh holte aus und klatschend traf seine flache Hand Eves Gesicht. Ihr Kopf wurde zurückgeschleudert, doch sie gab nicht den kleinsten Laut von sich. „Mach es doch Dir und uns nicht so schwer Eve,“ hörte Sarah wieder die Stimme aus dem Hintergrund. „Ich weiß, dass Du sie hast und langsam verliere ich die Geduld.“ Eve schwieg. Plötzlich hörte Sarah ein lautes Klicken und bestürzt stellte sie fest, dass es sich nach einer Waffe anhörte, an der der Hahn gespannt wurde. Die selbe Waffe, mit der John ermordet wurde? Wohl kaum. Höchstwahrscheinlich lag diese in der Asservaten Kammer der Polizei. „Keine Spielchen mehr Eve,“ hörte sie Carvellien und mit diesen Worten trat er in Sarahs Blickfeld. Er trug einen weißen Anzug und in seiner ausgestreckten Hand hielt er einen Revolver. Langsam ging er auf Eve zu und die Art wie er sich bewegte erinnerte Sarah an eine Raubkatze, die sich an ihre Beute heranschlich. Er drückte die Mündung an Eves Schläfe und knurrte gefährlich leise „Ich will jetzt sofort wissen, wo die Diamanten sind, sonst...“ „Sonst was?“ entgegnete Eve mit hochgezogenen Augenbrauen. Ihrem Gesicht war nun die Angst anzusehen. „Erschießt Du mich? Das währe doch reichlich dumm. Sollte ich wirklich das haben, wonach Du suchst, werde ich es Dir danach nicht mehr sagen können.“ Carvellien legte für einen Moment den Kopf schräg und fixierte Eve mit durchdringendem Blick, der Sarah das ganze Blut aus dem Gesicht trieb. „Ich denke, wir werden uns dann einfach an Deine kleine Schwester halten. Sie kann uns bestimmt auch weiter helfen.“ Sarah sah, wie Eve erstarrte und sich ihre Augen weiteten „Du wirst Sarah kein Haar krümmen, hast Du verstanden Du Mistkerl,“ spie sie ihm ins Gesicht. „Kommt ganz auf Dich drauf an,“ grinste ihr Gegenüber. Sarah sah, wie sich die widersprüchlichsten Gefühle auf Eves Gesicht widerspiegelten. Angst um ihre Schwester, Angst vor diesem Mann, der ihr immer noch die Waffe an den Kopf hielt, aber auch Entschlossenheit ihm nicht das zu geben, was er haben wollte. „Du weißt ganz genau,“ ereiferte sich Eve erneut „das die Diamanten uns gehören. DU hast sie UNS gestohlen und nicht umgekehrt.“ Der Mann seufzte. „Ich gebe Dir eine letzte Chance mir zu sagen, wo sie sind. Ich zähle bis drei. Eins...zwei...,“ Eve blickte ängstlich zu ihm auf, Sarah begann zu zittern „drei.“ Ein lauter Knall erschütterte das Zimmer und Eve sackte in den Armen ihrer Bewacher zusammen.
„Neiiiiiiin,“ schrie Sarah, riss ohne zu überlegen die Schranktür auf und stürzte aus ihrem Versteck. Sie sah ihre Schwester immer noch reglos am Boden liegen und irgendetwas schien in diesem Moment in ihr zu zerbrechen. Carvellien, Josh und Bo fuhren im selben Moment zu ihr herum. Zusammenhanglos musste sie an Synchronschwimmerinnen denken und ein hysterisches Kichern krabbelte ihre Kehle hinauf. Sie schluckte es im letzten Moment hinunter und eiskalte Wut breitete sich stattdessen langsam in ihrem Körper aus. „Na, wen haben wir denn da,“ sagte Carvellien und ein triumphierendes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Langsam hob er erneut die Waffe und zielte damit auf ihre Brust. Sarah war gerade dabei, zu ihrer Schwester zu stürzen, doch die Bewegung von Carvelliens Hand lies sie mitten im Schritt inne halten. „Was hast Du getan, Bastard?“ schleuderte sie ihm aufgebracht entgegen und sie ärgerte sich über das Zittern in ihrer Stimme. „Sieh Dir Eve genau an,“ entgegnete er statt einer Antwort „das Gleiche werde ich gleich mit Dir machen, wenn Du mir nicht sagst, wo die Diamanten sind. Außerdem hast Du noch Etwas, das mir gehört...also entscheide Dich. Leben oder Tod?“ Carvellien wirkte äußerst ruhig und gefasst und gerade diese kaltblütigkeit macht Sarah am meisten Angst. Sie glaubte ihm jedes Wort. Immerhin hatte er ihr gerade eindringlich bewiesen, das er durchaus dazu fähig war, sie genau wie Eve ohne mit der Wimper zu zucken zu erschießen. Trotzdem war sie nicht bereit, seinen Forderungen nach zu geben.
Fieberhaft suchte sie nach einem Ausweg. Von links bewegte sich Josh auf sie zu und schob sich somit zwischen sie und den rettenden Ausgang. Ihre Hände wanderten hinter ihrem Rücken am Bücherregal entlang. „Ich zähle bis drei...Du kennst das ja,“ sagte Carvellien mit leisem Spott in der Stimme und spannte erneut den Hahn der Waffe. „Eins,“ Sarahs Hand schloss sich um einen schweren, länglichen Gegenstand „Zwei,“ mit unglaublicher Kraftanstrengung hob sie ihn hoch über den Kopf und lies dann ihre Hand mit der Grammy-Auszeichnung auf Joshs Kopf hinunter sausen. Dann schien alles in Zeitlupe abzulaufen, obwohl in Wirklichkeit nur Bruchteile von Sekunden verstrichen.
Josh sackte, von dem harten Schlag getroffen, zur Seite und erwischte Carvelliens Arm, dessen verblüfftes „Drei,“ in dem lauten Knall der Waffe unterging. Sarah spürte einen Luftzug an der Wange und hörte ein hohes Sirren und gleich darauf das Splittern von Holz. Josh war über Carvellien zusammengebrochen und hatte ihn dabei zu Boden gerissen, aus einer klaffenden Wunde an Joshs Stirn rann Blut. Bo stand wie versteinert daneben, scheinbar zu überrascht um einzugreifen. Ohne weiter darüber nachzudenken sprintete Sarah zur offen stehenden Tür, den Gang hinunter und erst als sie die Tür zur Küche erreicht hatte, hörte sie hinter sich Schritte und Carvelliens Stimme, die sich vor Wut beinahe überschlug „Bleib stehen Du Miststück,“ kreischte er und eine weitere Kugel schlug knapp neben ihrem Gesicht in den Türrahmen ein.
Doch schon hatte Sarah mit wenigen Schritten die Küche durchquert und die Hintertür aufgerissen. Nach wenigen Metern hatte sie die Dunkelheit verschluckt und als nach einer halben Ewigkeit die Außenbeleuchtung aufflammte, hatte sie längst den Schutz der Bäume erreicht. Keuchend kletterte sie über den Zaun und rannte so schnell sie ihre Beine tragen konnten die menschenleere Straße hinunter.

Kapitel 28