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Kapitel 26
Während die Lichter der Nacht an ihm vorbei rauschten, sah A.J. immer wieder zu Sarah hinüber. Sie starrte gedankenverloren aus dem Fenster und er fragte sich, was in ihrem Kopf wohl gerade vor sich ging. Er konnte immer noch nicht glauben, das man ihr weh getan hatte und er wollte lieber garnicht versuchen, sich die Qualen vorzustellen, die sie erlitten hatte. Er fühlte wieder die altbekannte Wut in ihm hochsteigen. Andererseits, was hatte er denn auch erwartet? Das sie sie mit Samthandschuhen anfassen würden? Warum das alles? Das war wohl die wichtigste Frage im Moment und er hoffte inständig, das Sarah inzwischen eine Antwort darauf wußte. Nocheinmal warf er einen prüfenden Blick zu ihr hinüber. Sie hatte immernoch diesen abwesenden Blick. Mir ist das Ganze immer noch ein Rätsel, sagte er, um auf sich aufmerksam zu machen. Ihr Blick löste sich scheinbar widerwillig von der vorbei rasenden Landschaft und sie sah zu ihm hinüber. Wie immer hatten ihre großen Augen eine verwirrende Wirkung auf ihn und er hatte für einen Moment Mühe, sich wieder auf die Straße zu konzentrieren. Du wirst es nicht glauben, aber ich weiß mittlerweile, was dahinter steckt. Aber wirklich beruhigend ist das auch nicht. Mit einem Ruck fuhr sein Kopf zu ihr herum und für einen Moment begann der Wagen beunruhigend zu schlingern. Sarah kicherte neben ihm leise, während er hektisch das Fahrzeug wieder in die Spur brachte. Das hättest Du mir auch etwas schonender beibringen können, sagte er, doch dabei lag ein Lächeln auf seinen Lippen. Sie konnte sich erinnern! Jetzt wurde bestimmt alles gut. Erklärst Du es mir? fragte er vorsichtig. Sarah blickte abschätzend zu ihm hinüber, so als wolle sie prüfen, ob er mit der Wahrheit umgehen konnte. Für einen Moment schien sie mit sich zu kämpfen, doch dann nickte sie. Ich hoffe, wir haben Zeit, das kann nämlich etwas länger dauern. Wir brauchen noch mindestens zwei Stunden bis New York. Reicht das? Ich denke schon. Sarahs Blick wanderte aus der Windschutzscheibe hinaus und verlor sich im Nirgendwo, als sie anfing zu erzählen. Sie berichtete von Carvellien, wie er sie entdeckt und gefördert hatte, von dem schicksalshaften Tag, als sie ihm die Diamanten zeigte, von ihrem Geburtstag und der Waffe und zu guter letzt von dem Abend der Party. Carvellien hat Josh also erschossen? Jep und ich muss dafür seit zwei Jahren büßen. Er hat mir mein Leben, meine Identität geraubt und ich bin dabei, mir das zurück zu holen, was mir gehört, entgegnete sie und in ihrer Stimme schwang unterdrückte Wut mit. Das Beweismaterial. stellte A.J. fest. Ja, ich werde damit zur Polizei gehen und dann hat dieser Albtraum endlich ein Ende. A.J. schluckte die sarkastische Bemerkung über die sogenannten Ordnungshüter herunter. Es reichte, wenn er an der Kompetenz dieser Sesselfurzer zweifelte. Wie haben sie Dich denn nun überhaupt gefunden? Ich meine...Amerika ist groß. Warum ausgerechnet New York? Sarah runzelte die Stirn. Darüber hatte sie bisher noch garnicht nachgedacht. Ich habe, ehrlich gesagt, keinen blassen Schimmer. Eve sagt, Carvellien hat..., Eve?!? unterbrach sie A.J. überrascht sie lebt also? Oh Mann, das ist ja großartig. Sarah lächelte als sie an ihre Schwester dachte, die ihr überhaupt erst die Flucht und damit die Möglichkeit, ihr Leben zurück zu gewinnen, ermöglicht hatte. Ja, mein Traum war tatsächlich eine Erinnerung, aber mir fehlte da leider noch der entscheidende Teil. Das verstehe ich jetzt nicht, entgegnete A.J. irritiert. Das ist auch garnicht so einfach zu erklären. sagte Sarah und fuhr sich dabei mit den Händen über das Gesicht. Sie war so unglaublich müde. Du musst das jetzt nicht alles erzählen, meinte A.J. sanft und legte ihr eine Hand auf das Knie. Wir haben noch eine gute Stunde, ruh Dich lieber etwas aus. Den Rest können wir auch klären, wenn alles vorbei ist. Doch Sarah schüttelte den Kopf und legte ihre Hand auf seine. Nein, wenn wir jetzt schon dabei sind, erfährst Du auch noch den Rest. Außerdem fühle ich mich, glaube ich, wohler, wenn ich wach bleibe, bis das alles überstanden ist. Ist komisch, nur so ein Gefühl, aber mir ist es einfach lieber, wenn ich die Augen offen halte, ein schüchternes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Das eben Gesagte ergab nicht wirklich einen Sinn, aber sie konnte jetzt beim besten Willen nicht die Augen schließen. Wie Du willst, entgegnete A.J. und zog seine Hand zurück, um sie wieder auf das Lenkrad zu legen. Also, was war bzw. ist mit Eve? sagte er, um ihr den Anfang leichter zu machen. Als ich wieder zurück in New York war, wollte ich unbedingt wissen, was Carvellien so machte. Ob er inzwischen aufgeflogen war oder weiterhin unbehelligt in seiner Burg hauste. Ich habe mir also etwas Geld zusammen gebettelt und bin in ein Internetcaffee gegangen. Sah bestimmt interessant aus, meinte A.J. eine Pennerin vor einem Computerbildschirm. Sarah schmunzelte es war auch garnicht so einfach, in den Laden hinein zu kommen. Doch im Endeffekt haben sie vor meiner Hartnäckigkeit kapituliert. Das kann ich mir allerdings gut vorstellen, entgegnete er mit leisem Lachen. He, wie soll ich denn das verstehen, sagte Sarah in gespielter Entrüstung und gab ihm einen leichten Klaps auf den Arm und erntete dafür nur ein weiteres Lachen von A.J.. Wie auch immer, fuhr sie dann nach einer Weile fort ich erfuhr, das er immer noch glücklich und zufrieden am Leben war und als ich etwas weiter suchte, stieß ich auf eine Mitteilung, das er tatsächlich Eve in sein Label aufgenommen hatte. Du kannst Dir sicher vorstellen, wie entsetzt ich war. Ich meine...er ist ein Verbrecher, ein Krimineller, der auf die Gefühle seiner Mitmenschen keine Rücksicht nimmt und dafür sogar einen Mord begeht und nun hatte er meine Schwester in seiner Gewalt. Ich beschloss, das ich erst zu ihr musste, bevor ich mich um Carvellien kümmern konnte. Ich musste wissen, ob es ihr gut ging. Also bist Du zurück zu Carvellien? Ja, aber ich hatte noch niemals im Leben so viel Angst. Ich wußte ja nicht, was mich erwartete. Ob er eine Ahnung davon hatte, dass ich Kopien von Johns Beweismaterial hatte. Außerdem wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, das er mich seit zwei Jahren suchte. Wie bist Du ins Haus gekommen? Ich bin über den Zaun geklettert und um das Haus herum geschlichen. Die Fenster sind leider vergittert, da war also kein Durchkommen. Ausnahmsweise hatte ich aber riesiges Glück. Eve saß hinten im Garten am Pool und nachdem ich sie mit kleinen Kieselstein beinahe gesteinigt hatte, ist sie dann auch endlich auf mich aufmerksam geworden. Ihren Gesichtsausdruck, als sie mich sah, werde ich nie vergessen... Sarahs Blick schweifte erneut in die Ferne, als sie an den längst vergangenen Augenblick zurück dachte. Sie wirkte so...erleichtert...glücklich...ich weiß auch nicht. Sie schien in mir ihre Rettung zu sehen. Ist es nicht komisch, das sie überhaupt bei ihm war? fragte A.J. nachdenklich wie meinst Du das? Hm...sie sitzt bei dem Typen, der dafür verantwortlich ist, das die Schwester unauffindbar verschwunden ist. Musste sie das nicht auch stutzig machen? Ich weiß auch nicht, irgendwie fühlt sich das nicht richtig an. Ich weiß nicht worauf Du hinaus willst, entgegnete Sarah mit schneidender Stimme willst Du etwa andeuten, das Eve mit Carvellien gemeinsame Sache macht? A.J. hob beschwichtigend die Hände und legte sie gleich darauf wieder zurück auf das Lenkrad ich will garnichts andeuten. Ich finde es nur etwas merkwürdig, das ist alles. Wärst Du zu Carvellien gegangen, wenn Eve verschwunden gewesen währe? Sarah runzelte die Stirn ich weiß es nicht, aber ich weiß, das Eve meine Schwester ist. Sie würde mir niemals etwas böses wollen. In Ordnung. Du hast recht, tut mir leid. Erzähl weiter, ja? Für einen kurzen Moment überlegte Sarah, ob sie ihm diesen Gefallen tun sollte. Doch wenn nicht, würde sie wie ein beleidigtes Kleinkind wirken. Also holte sie tief Luft und berichtete ihm von dem Abend, als sie glaubte, Eve für immer verloren zu haben.
Kapitel 27 |
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