Kapitel 22

Howie hielt vor dem nächstbesten Polizeirevier an und nervös stiegen die Fünf aus. Alles hing jetzt davon ab, das ihnen die Polizei zuhörte und ihnen vorallendingen glaubte. Wie gewohnt übernahm Kevin das Kommando. Als sie die kleine Wache betraten, sah ein uniformierter Polizist hinter seinem Schreibtisch auf und musterte sie mit einem freundlichen Lächeln. Er erhob sich und kam nach vorne zu der Theke, der die Amtstube von den Besuchern trennte. „Guten Tag meine Herren, was kann ich für sie tun?“ fragte er immer noch freundlich und blickte interessiert von einem zum anderen. „Wir möchten eine Anzeige machen,“ entgegnete Kevin ruhig „wir haben den Verdacht, das eine gute Freundin von uns in dem Haus von Michael Carvellien gefangen gehalten wird.“ Das freundliche Lächeln auf dem Gesicht des Polizisten verschwand und machte einem misstrauischen Stirnrunzeln platz. „Sie meinen den Plattenboss Carvellien?“ fragte er nach. Kevin nickte „genau den.“ Nun schüttelte der Polizist den Kopf „hören sie, hier kann es sich nur um ein Missverständnis handeln. Mr. Carvellien...,“ „Wir wissen, wer Mr. Carvellien ist und wie hoch er hier angesehen wird,“ unterbrach A.J. ihn ungeduldig. Es beunruhigte ihn zutiefst, das die bloße Erwähnung von Carvelliens Namen hier so einen Eindruck machte. Immerhin waren sie doch auch jemand, oder etwa nicht? „Doch sie wissen sicher auch, wer wir sind,“ fügte er deshalb hinzu „und das wir uns solche Sachen nicht aus den Fingern saugen.“ Der Polizist sah verwirrt in die Runde „wer sie sind? Ähm...müßte ich...also tut mir leid...,“ A.J. hatte ihn aus dem Konzept gebracht und nun ärgerte A.J. sich, das er es überhaupt erwähnt hatte. Hier stießen sie auf taube Ohren. Kevin schien das Selbe zu denken, denn er schaltete sich mit fester Stimme ein „können wir bitte mit ihrem Vorgesetzten sprechen?“ Der Polizist entspannte sich sichtlich. „Mein Vorgesetzter sitz in New Haven. Wir sind hier nur ein kleiner Außenstelle,wissen Sie?“ Kevin rechnete im Kopf schnell nach. Nach New Haven brauchten sie ungefähr eine halbe Stunde. Schließlich nickte er „in Ordnung, dann werden wir uns dahin wenden. Vielen Dank erstmal.“ Wenig später standen sie wieder auf der Straße. Völlig frustriert trat A.J. nach dem Vorderreifen des Vans. „Wie kann man nur so...nur so...ein Idiot sein,“ ereiferte er sich. Howie legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Ganz ruhig Bone, wir fahren jetzt nach New Haven und da ist bestimmt jemand der uns zuhört. Vielleicht schicken sie auch gleich einen Streifenwagen zu Carvelliens Haus.“ A.J. sah ihn mittleidig an „Du glaubst auch noch an den Weihnachtsmann D., oder?“ Bevor Howie etwas erwidern konnte, schaltete Kevin sich ein „es bringt uns nicht weiter, wenn wir uns jetzt auch noch gegenseitig fertig machen. Sehen wir zu, das wir nach New Haven kommen.“ Mit einem letzten finsteren Blick stieg A.J. ein und lehnte den Kopf an die Fensterscheibe. Die ganze Sache lief aus dem Ruder und er konnte nichts dagegen tun. Verzweifelt schloss er die Augen. Was wohl Sarah gerade machte?

Eve hatte Sarah losgebunden und das Klebeband von ihrem Mund entfernt. Dabei war sie etwas grober vorgegangen, als es sich Sarah gewünscht hätte. Ein wenig sah sie jetzt aus, als währe ihr der Lippenstift rund um den Mund ausgerutscht. Sehr deutlich konnte man die roten Flecken erkennen, die das Klebeband zurück gelassen hatte. Danach hatte Eve Sarahs Wunden notdürftig versorgt und stellte befriedigt fest, das durch Joshs Schlag die alte Wunde an der Stirn wieder aufgeplatzt war. Sie hatte sie gesäubert und mit etwas Jod, das sie aus ihrer Hosentasche zog, desinfiziert. Danach hatte sie ein Pflaster darüber geklebt und mitleidig gesagt „mehr kann ich im Moment leider nicht für Dich tun. Ich befürchte, das Du eine ganz schöne Narbe zurück behalten wirst.“ „Diese bescheuerte Narbe ist mir jetzt erstmal vollkommen egal,“ war das erste, was Sarah sagen konnte. Sie hatte während der ganzen Prozedur tapfer die Zähne zusammen gebissen, aber jetzt kochte die Wut in ihr hoch. Was bildeten sich diese Typen eigentlich ein? Eindringlich faste sie nach Eves Hand. „Du musst mich hier heraus bringen Eve. Bitte!“ „Wo willst Du denn hin?“ fragte Eve und versuchte sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Zur Central Station und dem Ganzen ein für alle mal ein Ende bereiten,“ entgegnete Sarah entschieden. „Aber...Du kannst Dich erinnern?“ fragte Eve aufgeregt, als ihr schließlich aufging, was passiert sein musste. Sarah nickte mit einem grimmigen Lächeln. „Ich werde das tun, was ich schon längst hätte tun sollen. Nämlich diesem Schwein den Garaus machen und Dich aus seinen Klauen befreien.“ Eve verbarg ihren triumphierenden Blick, in dem sie die Schüssel mit Wasser beiseite stellte. Als sie wieder zu Sarah hinüber sah, war sie wieder vollkommen gefasst. „Es wird nicht so einfach sein, Dich hier heraus zu bekommen,“ sagte sie „Carvellien und Josh passen auf wie die Schießhunde.“ „Dir muss etwas einfallen. Es ist wichtig.“ Eve nickte. Sie tat, also ob sie angestrengt nachdachte. „Hm...wenn, muss es nachts passieren. Carvellien und Perkins schlafen dann. Das große Problem wird Josh sein. Bisher hat er jede Nacht vor Deiner Tür verbracht.“ „Mix ihm ein Schlafmittel in den Kaffe oder so, aber um Gottes Willen hol mich hier raus,“ mit jeder Minute die verstrich, fühlte sich Sarah eingeengter und bedrohter. Sie musste von hier verschwinden und mit ihrem Wissen zur Polizei gehen. Eve nickte „Mach Dir keine Gedanken. Irgendwie bekomme ich das hin. Aber Sarah...ähm...verrätst Du mir, warum Du das nicht schon längst getan hast? Mit dem Beweismaterial zur Polizei gehen, meine ich.“ Sarah seufzte. „Es war ziemlich blöd. Gleich nachdem ich von hier abgehauen war, bin ich per Anhalter nach New York getrampt und bin in die Central Station runter gegangen...,“

Kapitel 23