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Kapitel 19
Sarah saß blass in den Kissen. Carvellien hatte John also umgebracht. Ein erleichterter Seufzer entrang sich ihrer Kehle und sofort meldete sich ihr schlechtes Gewissen. Sie war im ersten Moment so froh gewesen, das sie ihn nicht getötet hatte, das sie für einen Moment vergessen hatte, wie schrecklich es war, das ein Mensch hatte sterben müssen. Ich bin schuld, das er tot ist, flüsterte sie erstickt. Eve legte ihr eine warme Hand auf den Arm Du kannst nichts dafür. John hat sich einfach mit jemandem eingelassen, der nicht in seiner Liga spielte. Früher oder später währe es sowieso so weit gekommen. Das es ausgerechnet an diesem Abend passieren musste ist eine Tragödie. Damit hat er Dich sozusagen Michael direkt ans Messer geliefert. Hat Carvellien zu dem Zeitpunkt schon gewusst, das ich da mit drin stecke? Das ich von seinen Drogengeschäften wußte? Nein, er war einfach davon überzeugt, das John die Diamanten gestohlen und ihn lange genug an der Nase herum geführt hatte. Es war einfach die perfekte Gelegenheit sich den Erpresser und die Besitzerin der Diamanten vom Hals zu schaffen. Während alle auf die Polizei warteten hat er Johns Zimmer auf den Kopf gestellt und das gründlich, das kannst Du mir glauben. Er hat allerdings nur das Beweismittel gefunden und nachdem Du nicht wieder aufgetaucht bist, hat er zwei und zwei zusammen gezählt. Weiß er, das ich Kopien von Johns Beweismaterial habe? Eve wiegte den Kopf hin und her ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, er befürchtet es eher, als das er es weiß. Ich glaube nicht, das er nur wegen den Diamanten so einen Aufstand gemacht hätte. Dich zu finden hat immerhin fast zwei Jahre gedauert. Sarah nickte Bleibt nur die Frage, warum ich das Beweismaterial noch nicht längst aus dem Schließfach geholt habe und damit zur Polizei gegangen bin. Jetzt war es an Eve zu nicken das ist tatsächlich eine interessante Frage. Ich hatte leider keine Gelegenheit, Dich danach zu fragen, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Wobei wir bei meiner nächsten Frage währen, lächelte Sarah wieso war ich nochmal hier bzw. woher wußte ich überhaupt, das Du hier warst und wieso hat man Dich erschossen und jetzt sitzt Du hier höchst lebendig auf meinem Bett. Das sind ja viele Fragen auf einmal, lachte Eve Als erstes: Ich..., setzte Eve an, als unvermittelt die Tür aufgerissen wurde und Josh ins Zimmer trat. Ohne ein Wort packte er Eve am Arm und zerrte sie auf die Füße. He Josh, nicht so grob, o.k.? Er antwortete nur mit einem Brummen und sein Blick wurde noch finsterer. O.k., o.k., ich kann alleine gehen, unerwarteter Weise lies Josh Eve tatsächlich los. Sie strich ihre Bluse glatt und sah zu dem bulligen Mann auf, der sie um mehr als einen Kopf überragte sieht nach Besuch aus, kann das sein? Josh nickte knapp und machte dann eine unmissverständliche Geste in Richtung Tür. Eve drehte sich noch einmal zu Sarah um, die sie mit offenem Mund fragend anstarrte wenn Besuch kommt, werde ich immer eingesperrt, erklärte Eve man gewöhnt sich irgendwann daran, setzte sie noch schulterzuckend hinzu und verließ, gefolgt von Josh das Zimmer. Bevor er die Tür schloss warf er Sarah noch einen finsteren Blick zu, der sie frösteln lies. Dann schloss sich die Tür und der unvermeidliche Schlüssel wurde im Schloss gedreht. Sarah ballte die Fäuste. Das musste hier schnell ein Ende haben. Sie wollte sich auf keinen Fall daran gewöhnen, das sie eingeschlossen wurde, wenn Besuch kam.
Als Sarah frisch geduscht aus dem Bad kam und begann, sich lustlos das Haar zu kämmen, hörte sie die Türklingel. Wobei Türklingel doch um einiges untertrieben war, dachte sie bei sich. Ein tiefer, ehrwürdiger Gongschlag hallte durch das Haus und wenn sie sich anstrengte, konnte sie ihn nach 30 Sekunden immernoch hören. Wie elektrisiert hatte sie die Haarbürste beiseite gelegt und war zur Tür geeilt. Spaßeshalber probierte sie die Türklinke aus und war nicht überrascht, das sich die Tür keinen Millimeter bewegte. Währe ja auch zu schön gewesen, wenn ein netter Hausgeist den Schlüssel im Schloss gedreht hätte, brummte sie und legte dann erneut ihr Ohr an die Tür. Sie hörte Stimmengemurmel und Schritte auf dem Marmorboden der Eingangshalle. Dann war es wieder still. Enttäuscht hämmerte sie gegen die Tür Hilfe! schrie sie hört mich jemand? Hallo. Hilfe, ich bin hier oben eingesperrt...Hiiiiiilfe, die Tür wurde unvermittelt aufgerissen und knallte ihr gegen den Kopf. Benommen taumelte sie zurück und landete mit dem Hintern unsanft auf dem kalten Holzboden. Dann hörte sie auch schon das reißende Geräusch von Klebeband und bevor sie auch nur noch einmal Luft holen konnte um ihre Hilferufe fortzusetzen, hatte ihr Josh einen Streifen davon über den Mund geklebt. Sie wurde von Bo unsanft in die Höhe gerissen und ihre Hände wurden auf dem Rücken zusammen gebunden. Das alles geschah in wenigen Sekunden und so schnell wie sie gekommen waren, hatten sie sie auch schon zurück auf das Bett gestoßen und hatten das Zimmer wieder verlassen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rollte sich Sarah auf die Seite, bis sie nicht mehr auf ihren Armen liegen musste. Schwer durch die Nase atmend blieb sie schließlich liegen, Tränen sammelten sich in ihren Augen und sie spürte sofort, wie ihre Nasenlöcher anfingen zu verstopfen. Panik stieg in ihr auf. Was wenn sie hier und jetzt ersticken musste?
Die Backstreet Boys folgten Perkins durch die riesige Eingangshalle. Als er eine Tür öffnete und sie bat, für einen Moment auf Mr. Carvellien zu warten, wandte Howie unvermittelt den Kopf ich glaube, ich habe da eben etwas gehört, meinte er und richtete seinen fragenden Blick auf Perkins. Etwas? fragte dieser pikiert mit hochgezogenen Augenbrauen naja, ein Klopfen oder sowas. Oh, Perkins Gesichtsausdruck entspannte sich sichtlich wir haben die Handwerker im Haus. Kein Grund zur Beunruhigung, und mit diesen Worten machte er eine kleine Verbeugung, die Nick hinter vorgehaltener Hand breit grinsen lies und als er hinter sich die Tür geschlossen hatte, prustete er los. Oh Mann, habt ihr das gesehen? kicherte er wie aus einem schlechten Hitchcock oder so. Ihr wisst ja, der Butler war immer der Mörder. Für diese unpassende Bemerkung bekam er rechts und links einen Rippenstoß von Brian und Howie und von Kevin noch eine Kopfnuss oben drauf. Aua, verärgert rieb er sich den Hinterkopf ich wollte nur einen Scherz machen, ihr seid wirklich gemein. Ooch, entgegnete Kevin spitz hat das Baby etwa was abbekommen? Reiß Dich ein wenig zusammen, fügte Brian hinzu wir sind hier nicht zum Spaß, o.k.? Wir müssen Sarah helfen. Also, Konzentration, ja? In Ordnung, erwiderte Nick, dem langsam aufging, das sein Scherz voll nach hinten los gegangen war. Gleichzeitig drehten sie sich zu A.J. um, der bisher schweigend in der Mitte der riesigen Bibliothek gestanden hatte. Mit ernstem Blick musterte er die Regale an den Wänden und trat schließlich an einen Wandschrank heran. Mit den Fingern strich er über die weißen Holzlamellen und blickte dann von dem Schrank wieder zurück in den Raum. Hier muss es passiert sein, sagte er mehr zu sich selbst. Was? fragte Howie und ging ein paar Schritte auf A.J. zu hier wurde Sarahs Schwester ermordet, erklärte A.J. und sah wieder vom Schrank zur Mitte des Raumes. Sie muss hier drin gesessen haben, er öffnete den Schrank. Darin befand sich nichts, außer ein paar metallener Kleiderbügel, die an einer Stange hingen. Wer? Sarahs Schwester? fragte Nick und warf einen interessierten Blick in das dunkle Schrankinnere. A.J. musterte ihn mit einem mitleidigen Blick Nick, manchmal glaube ich wirklich, das Deine Eltern bei Deiner Zeugung irgendwas falsch gemacht haben. Schau Dir Deinen Bruder Aaron an. Der ist wirklich nicht auf den Kopf gefallen, aber bei Dir bezweifle ich das wirklich stark. Hinter Nick versuchten die anderen, eine ernste Miene zu bewahren, was ihnen mehr schlecht als recht gelang. Tut mir leid, entgegnete Nick verlegen muss wohl der Stress sein. Also Sarah saß hier in diesem Schrank und dann? versuchte er abzulenken. A.J. seufzte und warf wieder einen Blick in die Zimmermitte. Nick folgte ihm mit den Augen. Genau dort? hauchte er und ging ein paar Schritte auf die Stelle zu. Hm, stimmte ihm A.J. zu und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. Er erinnerte sich nur zu gut daran, wie aufgewühlt und verstört Sarah nach diesem Traum gewesen war. Er hoffte immernoch, das sich diese Ereignisse als bloße Einbildung heraus stellen würden. Die andere Möglichkeit war einfach zu furchtbar. Kevin trat an ihn heran und legte ihm wortlos einen Arm um die Schulter. Für einen Moment sahen sie sich schweigend an, schließlich nickte A.J.. Er kam schon klar. Unvermittelt wurde die Tür geöffnet und Kevin trat unauffällig einen Schritt zur Seite. Der Mann, der nun mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen das Zimmer betrat, war noch ein paar Zentimeter größer als Kevin. Seine geschmeidigen Bewegungen und die gerade Haltung vermittelten den Eindruck, als sei dieser Mensch immer Herr der Lage und es gewohnt, seinen Willen zu bekommen. Es kostete A.J. einige Überwindung, eine freundliche Miene aufzusetzen. Immerhin stand er endlich dem Mann gegenüber, der ihm Sarah weggenommen hatte. Doch er riss sich zusammen und mit einem nichtssagenden Lächeln schüttelte er ihm die Hand Mr. Carvellien, freut mich, sie kennenzulernen. Ganz meinerseits Mr. McLean, aber nennen sich mich doch Michael. Gerne, ich bin A.J.. Nachdem das allgemeine Händeschütteln und Vorstellen beendet war, führte Carvellien sie durch eine Schiebetür in den angrenzenden Raum. Er unterschied sich so grundlegend von der Bibliothek, das A.J. für einen Moment inne hielt und sich fragte, ob er immernoch im selben Gebäude war. War die Bibliothek gemütlich und warm mit Antiquitäten und gemütlichen Polstern eingerichtet gewesen, so war dieser Raum absolut steril und funktional. Ein runder Glastisch mit Metallfüßen thronte in der Mitte, darum waren unbequem aussehende Stühle, ebenfalls aus Metall, gruppiert. Als die Jungs sich setzten stellten sie schnell fest, das die Stühle nicht nur so aussahen, sondern auch mehr als unbequem waren. Für einen Moment rutschten sie darauf hin und her, doch als sie feststellten, das es einfach keine Position gab, bei der ihnen die Rückenlehne nicht unangenehm ins Kreuz stach, gaben sie es auf. Carvellien nahm zwischen ihnen auf einem riesigen Ledersessel Platz und sofort beneideten sie ihnen für dieses bequeme Polster. A.J. überlegte kurz, ob das wohl zu Carvelliens Verhandlungstaktiken gehörte. Den Gegner schnell zu einem Abschluss bewegen, damit er wieder aufstehen konnte. Doch er verwarf den Gedanken wieder. Kein normaler Mensch würde auf diesen Stühlen verhandeln, sondern sofort wieder aufstehen und gehen. Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten? fragte Carvellien zuvorkommend und blickte in die Runde. Allgemeines Nicken antworte ihm und er erhob sich und verließ den Raum, vermutlich auf der Suche nach Perkins. Ob das ein Test ist? fragte Nick sofort, als Carvellien außer Hörweite war wenn wir es länger als fünf Minuten auf den Stühlen aushalten, wollen wir mehr von ihm, als wir zugeben? Brian lachte leise den Gedanken finde ich noch garnicht mal so abwegig, entgegnete Howie und blickte unsicher zu Kevin hinüber ich fühle mich gerade absolut unwohl in meiner Haut. Was ist, wenn er uns schon längst durchschaut hat. Ich meine...er hat schonmal jemanden umgebracht, oder? Kevin schüttelte den Kopf er wird auf jeden Fall die Möglichkeit in Betracht ziehen, das wir tatsächlich wechseln wollen, sonst hätte er uns nicht hierher eingeladen. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, das ihn jemand mit einer kritischen Bemerkung über seine Sitzgelegenheiten verärgern wollte. Wir schaffen das schon. Also, reißt Euch zusammen. Denkt an was Schönes, das hilft vielleicht. In diesem Moment kam Carvellien zurück. Perkins folgte ihm, vor sich her schob er einen Servierwagen, auf dem sich verschiedene Getränke befanden. Dankbar für einen Vorwand, wenigstens für einen Moment den Folterbänken zu entkommen, standen die Jungs auf und scharten sich um den Wagen. Aber meine Herren, sagte Carvellien mit leisem Tadel in der Stimme Perkins wird in gerne das Getränk ihrer Wahl reichen. Die fünf unterdrückten einen gequälten Seufzer und setzten sich wieder. Das konnte ein langer Vormittag werden.
Kapitel 20 |
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