Kapitel 17

Gespannt vorgelehnt hatte Sarah Eves Ausführungen gelauscht. Das Ganze kam ihr immer unwirklicher vor. Es war doch nicht möglich, das ihr das alles passiert war. Sie war doch ein ganz normales Mädchen und keine Figur aus einem Kriminalfilm. Eve wurde durch ein lautes Klopfen an der Tür unterbrochen. Ohne eine Antwort abzuwarten wurde sie aufgerissen und ein livrierter Mann mit sauertöpfischem Gesichtsausdruck betrat das Zimmer. „Miss Eve, sie werden von Mr. Carvellien erwartet,“ sagte er. Michaels Namen sprach er voller Ehrfurcht aus. „Noch fünf Minuten Perkins,“ entgegnete Eve bestimmt und mit einem Nicken zog er sich zurück. Sarah war sich sicher, das er mit einer Stoppuhr vor der Tür wartete und ihnen keine Sekunde länger zu gestehen würde. Hektisch wandte sich Eve ihr zu „hör zu, sag auf keinem Fall irgendjemandem wo die Diamanten sind oder was ich Dir gerade erzählt habe.“ „Der erste Punkt ist einfach zu erfüllen, ich weiß es selbst nicht,“ entgegnete Sarah ironisch. Eve runzelte die Stirn „das macht es nicht wirklich einfacher für uns,“ entgegnete sie und für einen Moment fragte sich Sarah, wen sie wohl mit „uns“ meinte. Doch schnell verwarf sie den Gedanken. Eve war ihre Schwester, ihr konnte sie trauen. „Ich werde Michael sagen, dass Du Dich noch an nichts erinnern kannst, aber Deine Erinnerungen langsam zurück kehren.“ „Das währe sogar fast nicht gelogen. An ein paar Kleinigkeiten kann ich mich erinnern.“ „In Ordnung. Ich versuche heute abend nochmal vorbei zu schauen. Ich muss jetzt erstmal Carvellien beruhigen und ihn dazu bringen, dass er uns noch ein bisschen Zeit gibt. Dann können wir überlegen, was wir als nächstes tun.“ Sarah nickte und Eve erhob sich. Sie lächelte Sarah nocheinmal aufmunternd zu, dann öffnete sie die Tür und wie Sarah erwartet hatte, stand Perkins davor und nahm Eve in Empfang. Die Tür wurde geschlossen und Sarah hörte, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Vorsichtig erhob sie sich und humpelte zum Fenster hinüber. Gleich darauf schnaubte sie enttäuscht. Das Fenster war mit dicken Eisengittern gesichert.

Kevin legte den Hörer auf. „Wir haben morgen früh einen Termin bei Carvellien höchstpersönlich,“ sagte er triumphierend und lies sich wieder zu den Anderen auf die Couch fallen. „Er lässt uns in sein Haus?“ fragte A.J. skeptisch. „Genau so ist es. Clarice meinte, es währe kein größeres Problem gewesen.“ „Das geht mir alles zu glatt,“ meinte A.J. nachdenklich „Mensch Bone,“ sagte Nick genervt, „jetzt seh doch nicht alles so negativ. Wir kommen ins Haus hinein, das ist doch jetzt erstmal das Wichtigste.“ „Und dann? Leute, wir können nicht einfach da rein spazieren und ihn fragen wo Sarah ist.“ „Wieso nicht?“ meldete sich Howie zu Wort. Die Anderen sahen ihn entgeistert an „ich mein ja bloß, ein Versuch ist es wert.“ „Quatsch,“ Nick schüttelte den Kopf „so dürfen wir das nicht anfangen, dann weiß er sofort, warum wir wirklich dort sind. Ich denke, einer von uns sollte sich für einen Moment entschuldigen und das Terrain sondieren.“ „Das Terrain sondieren?“ fragte Brian amüsiert „wo hast Du denn das her?“ Nick zuckte beleidigt mit den Schultern. „Ich denke,“ meldete sich Kevin zu Wort „wenn wir erstmal dort sind, wird uns schon das Richtige einfallen.“ „Improvisieren war noch nie Deine Stärke,“ erinnerte ihn A.J. skeptisch, doch er hatte im Moment auch keinen besseren Vorschlag an zu bieten. Stille senkte sich über den Raum und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Schließlich raffte sich Kristin auf „o.k. Jungs, wie sieht es aus. Soll ich die Gästezimmer herrichten oder fahrt ihr noch nach Hause?“ „Ich würde gerne hier bleiben,“ antwortete A.J., dem die Vorstellung in sein, nun leeres Apartment zurück zu kehren überhaupt nicht behagte. Der Rest schloss sich ihm an und verteilte sich auch wenig später auf die Zimmer. Keinem war noch nach reden zu Mute.
A.J. wälzte sich unruhig in seinem Bett hin und her. Immerwieder sah er Sarahs Gesicht mit dem liebevollen Lächeln vor sich und der Gedanke daran, was sie vielleicht gerade durchmachen musste, trieb ihn fast in den Wahnsinn. Nach einer Stunde stand er auf und schlich leise die Treppe hinunter. Für einen Moment sah er sehnsüchtig auf die Eingangstür. Er konnte immernoch in sein Auto steigen, zu Carvellien fahren und Sarah retten. „Denk nicht mal daran,“ erschrocken fuhr A.J. herum. Kevin lehnte lässig in der Küchentür und leckte gerade einen Löffel ab „Auch ein bisschen Eis? Das beruhigt die Nerven, sagt meine Frau.“ „Wenn mein Herz wieder einigermaßen im Takt ist, gerne,“ entgegnete A.J. und folgte Kevin in die Küche. Wenig später saßen sie einträchtig am Küchentisch, jeder mit einer Literpackung Vanilleeis vor sich. „Deine Frau muss scheinbar oft ihre Nerven beruhigen,“ sagte A.J. als er sich die beiden Packungen Eis besah. „Naja, sie hat es mit mir ja auch nicht gerade einfach,“ lächelte Kevin und schob sich einen weiteren Löffel Eis in den Mund. A.J. seufzte vernehmlich und mitleidig blickte Kevin zu ihm hinüber „wir finden sie. Ganz bestimmt. Mach Dir keine Sorgen.“ „Und was, wenn nicht?“

Kapitel 18