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Kapitel 16
Sarah, Sie sind die Musikerin der Zukunft! Danke Mr. Brown, ihr Wort in Gottes Ohr, Sarah lächelte freundlich und verabschiedete sich dann von dem netten älteren Herrn, der laut Michael einen Großteil der Kosten für ihr Album übernommen hatte. Sie konnte es immer noch nicht glauben. Ihre erste Single hatte eingeschlagen wie eine Bombe. Schon jetzt war sie auf Platz 20 der US-Charts eingestiegen, das war mehr, als sie in ihren kühnsten Träumen zu hoffen gewagt hätte. Sie warf einen suchenden Blick durch den Raum, der voller Menschen war. Die Hälfte davon kannte sie nicht, doch das war ihr so ziemlich egal. Sie waren alle wegen ihr hier und jeder versuchte, wenigstens ein paar Worte mit ihr zu wechseln. So langsam verstand sie was es für einen Künstler bedeutete, wenn er sagen konnte, er war auf dem Teppich geblieben. Diese ganzen Schmeichler, Heuchler und möchtegern Stars, die sich an ihrer Seite hielten um ein wenig von ihrem Ruhm abzubekommen, gaben ihr das Gefühl, als sei sie unbesiegbar. Der Mensch auf Gottes weiter Welt, auf den es im Moment am meisten ankam. Sie schüttelte den Kopf. Sie war Sarah Parker, ein junges Mädchen vom Lande, die zufällig singen und Songs schreiben konnte, nicht dieses hochgezüchtete Talent, das die Meisten in ihr sehen wollten. Ihr Kopf schwirrte von den vielen Glückwünschen und Bewunderungen und sie suchte in der Menschenmasse nach ein bisschen Ruhe und Normalität. In einer der hinteren Ecken erblickte sie ihre Familie und mit einem Glas Champagner in der Hand steuerte sie auf sie zu. Sie hatte sie schon fast erreicht, als sie jemand am Arm packte und festhielt. Der Champagner schwappte über den Glasrand und über ihre Hand. Als sie wütend aufblickte, sah sie direkt in Johns vom Alkohol vernebelte Augen und er wirkte bereits etwas unsicher auf den Beinen. John, was soll das? fragte sie mit einem missbilligenden Stirnrunzeln. Sein Griff war unangenehm fest und sie versuchte unauffällig, sich aus ihm zu befreien. Ich muss mit Dir reden, lallte er aber nicht jetzt und hier, entgegnete Sarah leise mit einem vorsichtigen Blick in die Runde. Die Umstehenden schienen noch nichts bemerkt zu haben. Oh doch, genau jetzt und hier, sagte John ärgerlich mit erhobener Stimme und jetzt hatten sie die ungeteilte Aufmerksamkeit zumindest der unmittelbar neben ihnen stehenden Leute. Als erstes wirst Du mich los lassen und dann verschwindest Du hier, ist das klar? versuchte sie es noch einmal und wandt ihren Arm in seinem festen Griff, doch ohne Erfolg. Ich werde nicht eher gehen, bis Du mir zu gehört hast, brüllte er jetzt noch etwas lauter. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Josh sich durch die Menschenmenge drängte und in ihre Richtung steuerte. Es ist genug, sagte sie fest, doch er schien sie garnicht zu hören lass Dich doch nicht von so einem Mistkerl benutzen, schrie John und sofort wurde es totenstill in dem großen Raum. John, ich weiß nicht wovon Du redest. Du solltest ersteinmal Deinen Rausch ausschlafen. Sarah war verwirrt, so kannte sie den sonst so ruhigen und beherrschten John garnicht. Verdammt, hast Du mir nicht zugehört? Au, John Du tust mir weh, fuhr Sarah ihn jetzt ihrerseits an, als er begann seinen Worten Nachdruck zu verleihen in dem er sie unsanft schüttelte. Er ist nicht gut für Dich, brüllte John unbeirrt weiter er nutzt Dich nur aus, das musst Du doch sehen! endlich hatte Josh sie erreicht. Sarah war noch nie so froh gewesen, sein breites Bulldoggen Gesicht zu sehen. John, es reicht jetzt, sagte er bestimmt und packte seinen Bruder am Arm. Oh nein, hektisch schüttelte John den Kopf es reicht noch lange nicht. Sarah muss wissen auf wen sie sich da einlässt. Lass mich endlich los Du Dummkopf, rief Sarah und versuchte sich mit einem Ruck aus seinem Griff zu entziehen. Unerwartet lies er sie tatsächlich los, so das sie von ihrem eigenen Schwung getragen zurück stolperte und von einem ihrer Gäste aufgefangen wurde. Ihr Glas zerschellte klirrend auf dem Boden. Josh hatte inzwischen den sich heftig wehrenden John aus dem Zimmer buxiert und ungläubig starrte Sarah ihnen hinterher. Was sollte das denn eben gewesen sein? Was war bloß in John gefahren, dass er so auf sie losging? Schätzchen, ist alles in Ordnung, hörte sie die besorgte Stimme ihrer Mutter neben sich. Ja, alles in Ordnung Mum. John hat wohl nur ein wenig zu viel getrunken. Hinter ihrer Mutter erblickte sie Eve, die genervt mit den Augen rollte. Immernoch schienen sich die anderen Gäste nicht vom Platz bewegt zu haben und starrten sie unverhohlen an. Plötzlich hörte sie Michaels Stimme wie aus dem Nichts Freunde, sind wir hier zum Feiern oder Trübsalblasen? rief er mit seinem bekannten Partylauneton in der Stimme und als ob alle nur auf dieses Kommando gewartet hätten, stieg sofort der Geräuschpegel wieder auf ein normales Level an und die Gäste wandten sich wieder ihrer gerade unterbrochenen Unterhaltung zu. Gleich darauf legte sich eine schwere Hand auf Sarahs Schulter und Michael flüsterte ihr ins Ohr ist wirklich alles in Ordnung. Sicher, sie drehte sich um und blickte direkt in sein besorgtes Gesicht. Was wollte er bloß von mir? Michael zuckte mit den Achseln wer weiß schon, was in so einem benebelten Gehirn vor sich geht. Am Besten, Du vergisst das alles ganz schnell und widmest Dich wieder Deinen Gästen, ein strahlendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht immerhin sind sie alle wegen Dir hier. Schon vergessen? Sarah erlaubte sich ein vorsichtiges Zucken mit den Mundwinkeln. Das sieht ja schon fast perfekt aus, meinte Michael mit einer skeptischen Miene und Sarah lachte leise. In Ordnung, überredet, sagte sie und wandte sich wieder ihren Eltern zu. Mum, Dad, wie sieht es aus, noch ein Glas Champagner?
Eine viertel Stunde später hatte sie ihre Eltern so weit beruhigt, dass sie sie wieder alleine lassen konnte und zusammen mit Eve schlenderte sie zwischen ihren Gästen hindurch und fand sich gleich darauf an der Tür wieder. Ich glaube, ich gehe mal nach John sehen, sagte Sarah an Eve gewandt hältst Du für mich die Stellung? Das mache ich gerne, aber meinst Du nicht, es währe besser, erst morgen mit ihm zu reden? Er machte mir nicht gerade den Eindruck, als könnte man heute noch etwas mit ihm anfangen. Sarah schüttelte nachdenklich den Kopf nein. Ich muss wissen, was er eigentlich von mir wollte. Es ist normalerweise nicht seine Art, sich so aufzuführen. Irgendetwas muss passiert sein und ich will wissen was. Eve zuckte mit den Schultern dann tu, was Du nicht lassen kannst. Wir sehen uns nachher, ja? In Ordnung, bis gleich, und schon war Sarah durch die Tür verschwunden und auf dem Weg hinauf in den ersten Stock zu Johns Zimmer.
Vor seiner Zimmertür hielt sie für einen Moment inne. Laut und deutlich hörte sie Joshs Stimme wie konntest Du das Sarah nur antun? Ich muss mit ihr reden. Jetzt. Sofort. Es ist wichtig, hörte sie John und er klang schon etwas nüchterner. Entschlossen stieß Sarah die Tür auf und trat ein nun, dann rede, hier bin ich. Die beiden Männer fuhren erschrocken zu ihr herum. Sarah, Gott sei Dank, rief John und machte ein paar tapsige Schritte auf sie zu, bevor er von Josh gestoppt wurde. He, ich glaube, das reicht für heute, meinst Du nicht? Entschlossen schüttelt John Joshs Hand ab ich habe doch schon gesagt... Es ist in Ordnung, unterbrach Sarah die beiden Streithähne und ging zu John hinüber. Setz Dich, sagte sie und drückte ihn mit sanfter Gewalt auf einen Stuhl. Dann sah sie zu Josh hinüber ich glaube es ist besser, wenn Du uns für einen Moment alleine lässt. Josh blickte skeptisch von ihr zu John er ist Dein Bruder, also wirst Du auch wissen, das er mir nichts tun wird. Josh seufzte resigniert und verließ mit einem letzten eindringlichen Blick auf John das Zimmer. Sarah zog sich eine Stuhl heran und setzte sich John gegenüber Also, was ist so wichtig, das Du mich gerade vor der versammelten Mannschaft blamieren musstest? Das tut mir wirklich leid, entgegnete John und faste nach ihren Händen aber Du musst unbedingt wissen, was er für ein Mensch ist. Von wem in Gottes Namen redest Du? Von Carvellien natürlich, sagte er verblüfft. Erschrocken zog Sarah ihre Hände zurück Michael? Was soll denn das heißen? Das versuche ich Dir doch die ganze Zeit zu erklären, sagte er, als redete er mit einer Fünfjährigen er ist ein mieser Schweinehund und Du darfst Dich nicht von ihm ausnutzen lassen. Moment, moment, Sarah hob abwehrend die Hände jetzt mal ganz langsam. Was ist mit Michael? Er...er..., ängstlich sah John zur Tür, dann beugte er sich ein Stückchen auf seinem Stuhl vor und flüsterte er ist ein böser Mensch. Verständnislos runzelte Sarah die Stirn ich verstehe immernoch nicht, was Du von mir willst. John seufzte und fuhr sich fahrig durch die Haare also gut, nochmal von vorne, sagte er und richtete seine rot unterlaufenen Augen wieder auf Sarah ich habe gewisse Dinge über den ach so netten Michael Carvellien herausgefunden. Er ist ein Drogendealer, er nutzt Dich nur aus und Deine Diamanten will er auch haben. Sarah lachte auf John, das ist doch jetzt wohl nicht Dein Ernst. Michael ist der netteste und hilfsbereiteste Mensch auf der Welt. Du bringst da sicherlich etwas durcheinander, Nein, wieder griff John nach ihren Händen. Eindringlich fuhr er fort ich habe Beweise. Gefälschte Bücher, Fotos, was Du willst. Er ist ein Krimineller, der das Plattenlabel nur als Tarnung benutzt. Sarah bitte, Du musst mir glauben. Sie schüttelte den Kopf. Das klang zu fantastisch, als das es wahr sein konnte. John, sagte sie sanft das kann nicht stimmen. Mit einem Ruck stand er auf und torkelte hinüber zu seinem Schreibtisch, der in einer Ecke des Zimmers stand. Mit einiger Mühe öffnete er die unterste Schublade und zog einen großen, braunen Umschlag hervor. Damit kam er zu Sarah zurück und lies ihn in ihren Schoß fallen. Wortlos setzte er sich wieder ihr gegenüber und wartete. Zaghaft öffnete Sarah den Umschlag und zog einige Papiere und Fotos hervor. Obenauf lag die Kopie eines Schriftstücks. Darauf prangte in großen Lettern das Wort Schuldschein. Aus dem Text ging hervor, dass Michael einem gewissen Marcello De Winter 200.000 Dollar schuldete. Sarah sog hörbar die Luft ein. Das war eine Menge Geld. Sie besah sich die anderen Papiere, Finanzunterlagen, mit denen sie im Moment wenig anfangen konnte. Dann kam sie zu den Fotos. Auf den meisten war Michael mit ein und dem selben Mann zu sehen. Wer ist das? fragte Sarah, als sie nach und nach die Fotos durchblätterte. Das ist Phillipe Moya, ein kubanischer Drogenlieferant. Siehst Du hier, er deutete auf die Vergrößerung eines Bildausschnittes in diesem Koffer befinden sich zwei Millionen Dollar. Michael wickelt seine Geschäft gerne bar ab. John, das glaubst Du doch... sie hatte das nächste Bild in die Hand genommen und die Worte blieben ihr im Halse stecken. Der Koffer stand nun aufgeklappt auf der Motorhaube einer schwarzen Limousine und Michael und dieser Moya sahen interessiert hinein. Der Inhalt war überdeutlich zu erkennen. Fein säuberlich stapelten sich unzählige Bündel mit Geldscheinen darin. Glaubst Du mir jetzt? fragte John triumphierend. Sarah blieb für einen Moment die Luft weg. Erschrocken hatte sie eine Hand auf den Mund gelegt. Das konnte doch nicht wahr sein. Michael ein Drogendealer? Schau Dir die anderen Bilder an, drängte John und nahm ihr den bereits gesichteten Teil der Unterlagen aus der Hand. Auf dem nächsten Bild war ein großer LKW zu sehen. Mehrere Männer luden große Kisten aus. Michael stand daneben und schien die ganze Sache zu beaufsichtigen. Eines der nächsten Bilder zeigte eine Nahaufnahme der Kisten. Ein Deckel war heruntergenommen und rechts und links quoll Füllmaterial heraus. In der Kiste selbst lagen etwa 20 klein Päckchen, die ein weißes Pulver enthielten. Der sauberste Stoff, der mir jemals untergekommen ist, flüsterte John ehrfürchtig. Woher hast Du das alles? fragte Sarah tonlos. Sagen wir ich kenne ein paar Leute mit guten Kameras, die mir noch einen Gefallen schuldeten, sagte er ausweichend als ich die Unterlagen gesehen habe, konnte ich eins und eins zusammen zählen. Doch der Papierkram alleine reichte als Beweismittel nicht aus. Ich brauchte etwas schlagkräftigeres. Und voila, hier ist es. Ungläubig schüttelte Sarah den Kopf, während sie weiterhin wie hypnotisiert auf die Bilder starrte. Mein Gott, flüsterte sie, als sie langsam begriff. Ihr Mentor, der in der kurzen Zeit ein wirklicher Freund geworden war, war ein Krimineller. Ein Drogendealer, der das Leben von unschuldigen Menschen auf dem Gewissen hatte. In ihr schien eine Welt zusammen zu brechen. Unschlüssig starrte sie weiter vor sich hin. Dann hob sie entschlossen den Kopf John, das muss unbedingt zur Polizei. Doch er schüttelte den Kopf. Nein. Ich werde mir endlich holen, was mir zusteht. Der alte Sack soll bluten und dann, vielleicht, werde ich das ganze Zeug hier der Polizei übergeben, mit dem Kopf deutete er auf die Fotos in Sarahs Schoß. Sie erschrak Du willst Dich doch nicht etwa mit ihm anlegen. John, das ist gefährlich und dumm. Schon passiert, grinste er deshalb weiß ich auch, dass er an Deine Diamanten will. Sarah wurde blass, als sie das Ausmaß des gerade eben gehörten begriff. Michael ein Drogendealer mit Schulden, dem ihre Diamanten gerade recht kamen und John, der gerade dabei war, den größten Fehler seines Lebens zu begehen. John, sagte sie eindringlich noch ist es nicht zu spät. Ich fahr Dich. Wir gehen auf der Stelle zur Polizei. Nein, nein, nein, John schob wie ein störrisches Kind das Kinn vor das ist meine Sache. Ich habe Dir nur davon erzählt, damit Du weißt, wie ernst die Situation ist. Hey, ich mag Dich und diese Klunker sind Dir sehr wichtig, das weiß ich. Also, ich habe einen Plan... John... versuchte sie es noch einmal Hör auf damit Sarah, die Sache ist schon in vollem Gange. Bald bekomme ich mein Geld und dann ist alles in Ordnung. Stell Dich nicht gegen mich, das währe nicht klug, ein bedrohlicher Unterton hatte sich in seine Stimme geschlichen und Sarah zweifelte keine Sekunde daran, das er diese unausgesprochene Drohung auch wahr machen würde. Sie konnte den fanatischen Glanz in seinen Augen sehen. Die Sucht nach Geld war in ihm größer als die Rücksicht auf sie. Entschlossen nahm er ihr die restlichen Fotos aus der Hand und verstaute sie wieder in dem Umschlag. Ist es nicht leichtsinnig, die Beweise hier im Haus aufzubewahren? fragte sie, nur um etwas zu sagen. In ihrem Kopf arbeitete es. Sie musste an ihre Diamanten und dann so weit wie möglich von Michael weg kommen. Ich habe noch ein Exemplar in einem sicheren Schließfach deponiert, sagte er und dann tat er etwas, mit dem sie überhaupt nicht gerechnet hatte. Er zog einen kleinen Schlüssel an einem Lederband unter seinem Hemd hervor und streifte es über seinen Kopf. Einen Moment betrachtete er den Schlüssel andächtig, dann reichte er ihn ihr. Falls mir etwas passiert, musst Du dafür sorgen, dass das Zeug zur Polizei kommt, versprichst Du mir das? Mit weit aufgerissenen Augen blickte sie auf den winzigen Schlüssel in seiner Hand John...ich glaube nicht, das ich... Doch, Du musst. Hey, er wird Dir nichts tun. Er weiß ja noch nichtmal, das Du bescheid weißt. Bitte, ich vertraue Dir. Du musst mir helfen. Immernoch starrte Sarah auf den Schlüssel warum nicht Josh. Ich meine, er ist Dein Bruder er... wieder unterbrach er sie nein, Josh würde mich wahrscheinlich k.o. schlagen und sofort zur Polizei rennen. Das kann ich nicht riskieren. Bitte. Er hielt ihr seine geöffnete Hand noch ein Stückchen weiter unter die Nase. Wenn Du das für mich tust, werde ich Dir auch die Kombination von Carvelliens Safe verraten, mit einem breiten Grinsen hatte er seinen letzten Trumpf ausgespielt. Für einen Augenblick starrte sie ihn noch ungläubig an, dann senkte den Blick. Er hatte gewonnen. Sie brauchte die Diamanten und er hatte den Code dazu. Mit zitternden Fingern griff sie nach dem Schlüssel und hängte ihn sich um den Hals. Ihre Finger streiften dabei die feine, silberne Kette, an der das Medaillon hing, das ihr Michael vor zwei Wochen zu ihrem Geburtstag geschenkt hatte. Sie seufzte, damals war die Welt noch in Ordnung gewesen. Sorgfältig verstaute sie den Schlüssel unter ihrem Shirt. Das Metall lag kalt und glatt auf ihrer Brust und obwohl der Schlüssel so winzig war, fühlte er sich schwer wie Blei an. Sie schluckte und sah wieder zu John auf. Dieser zog einen kleinen Zettel aus der Hosentasche und reichte ihn ihr. Die Kombination für den Safe war feinsäuberlich darauf notiert. Sie verstaute auch diesen vorsichtig in der Hosentasche ihrer Jeans. Pass auf, ich habe einen Plan. Du packst schnell ein paar Sachen zusammen und holst die Diamanten aus dem Safe. Ich lenke Carvellien so lange ab. Verschwinde dann so schnell Du kannst. Wenn er erst bemerkt, dass die Steine weg sind, wird er fuchsteufels wild werden. Die Übergabe ist morgen und es wird ihn ganz schöne Mühen kosten, aus dem Schlamassel wieder heraus zu kommen. Bis dahin wirst Du über alle Berge sein. Über alle Berge? Erst jetzt begriff sie, was das hier eigentlich alles für sie bedeutete. Ihre Karriere, alle ihre Träume, alles hatte sich in einer Nacht erfüllt und wurde auch gleichzeit in dieser Nacht zu nichte gemacht. Tränen stiegen ihr in die Augen. Das war nicht fair! Doch sie hatte keine andere Wahl. Aber sie hatte noch den Schlüssel. Der Gedanke schoss ihr durch den Kopf und tröstete sie etwas. Sie hielt sozusagen den Schlüssel zu ihrer Freiheit in der Hand oder besser gesagt hing er um ihren Hals. Was hinderte sie daran, nicht doch zur Polizei zu gehen und dem Ganzen ein Ende zu setzten? Wenn sie erstmal hier heraus war, konnte sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Mit neuem Mut stand sie auf. Wo ist das Schließfach? Central Station, Nummer steht auf dem Schlüssel. Sarah nickte. Sie hatte alles, was sie wissen musste. Ohne ein weiters Wort drehte sie sich um und verließ den Raum. Alles Gute, rief ihr John hinterher, doch sie antwortete nicht. Sie ging in ihr Zimmer und zog den großen Rucksack hervor, den Michael ihr zu ihrer ersten Trackingtour geschenkt hatte. Schnell packte sie einige Sachen zusammen. Zum Schluss sah sie sich ein letztes Mal in diesem hellen Raum um, der für einige Zeit ihr zu Hause gewesen war. Auf dem Nachttisch entdeckte sie die kleine Spieluhr, die sie von Granny geschenkt bekommen hatte, als sie gerade mal fünf Jahre alt gewesen war. Entschlossen nahm sie sie an sich, wickelte sie in einen Bogen Zeitungspapier und steckte sie vorsichtig in die Seitentasche des Rucksackes. Sie verstaute ihn in ihrem Schrank und wandte sich um. Jetzt fehlten nur noch die Diamanten.
Kapitel 17 |
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