Kapitel 14

Beschwingt schwang Sarah die Beine über den Bettrand und streckte sich. Geburtstag! Konnte es einen schöneren Tag geben? Verträumt lächelnd blieb sie noch einen Moment auf der Bettkante sitzen. Sie war so glücklich, dass sie die ganze Welt hätte umarmen können. Die Arbeiten an ihrem ersten, eigenen Album waren abgeschlossen und das Ergebnis hatte selbst ihre hochgesteckten Erwartungen übertroffen. In zwei Wochen sollte die erste Single veröffentlich werden und Sarah konnte noch immer nicht ganz glauben, dass sie tatsächlich auf dem Weg war, ein Popstar zu werden. Michael hatte ihr eine riesige Party versprochen, zu der sie alle ihre Freunde und Verwandten einladen durfte. Der Abend sollte perfekt werden. Und heute war ihr Geburtstag und Michael hatte von einer ganz besonderen Überraschung für sie gesprochen. Leise vor sich hin summend ging sie ins Bad und duschte ausgiebig. Nachdem sie sich angezogen hatte, hüpfte sie leichtfüßig die geschwungene Treppe hinunter und rauschte mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen in den Frühstücksraum. Wie immer war der lange Mahagonitisch sorgfältig mit dem filigranen französischen Porzellan gedeckt. Michael, Josh und sein Bruder John saßen bereits kauend am Tisch und unterhielten sich angeregt über das letzte Spiel der Redskins. Als Sarah nun den Raum betrat hielten sie in der Unterhaltung inne und Michael kam mit weit ausgreifenden Schritten um den Tisch herum auf sie zu und schloss sie in die Arme. „Guten Morgen mein Supertalent,“ tönte er „herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“ Die Anderen schlossen sich seinen Glückwünschen an und bald saßen sie gemeinsam scherzend und lachend um den Tisch herum. Perkins, Michaels Butler, brachte immerwieder Kaffe und frische, noch warme Brötchen. Nachdem sie ihr ausgiebiges Frühstück beendet hatten, nahm Michael sie beiseite „ich möchte Dir gerne Dein Geburtstagsgeschenk überreichen,“ sagte er vertraulich grinsend „kommst Du mit?“ „Worauf Du Dich verlassen kannst,“ entgegnete sie lachend und folgte ihm durch die Tür hinaus in die große Eingangshalle. Er wandte sich nach rechts und betrat gleich darauf die riesige Bibliothek. Auf dem kleinen Tisch zwischen zwei braunen Ohrensesseln stand ein kleines, helles Holzkästchen, dass mit einer roten Schleife umwickelt war. Vorsichtig nahm Michael es hoch und reichte es ihr „nochmals Happy Birthday,“ sagte er und beobachtete aufmerksam, wie Sarah sich in einen der Sessel setzte, das Kästchen auf den Knien und vorsichtig die Schleife abstreifte. Als sie den Deckel hob, verwandelte sich ihre Miene von angespannter Neugier zu überraschter Abscheu. Doch schnell hatte sie sich wieder in der Gewalt. „Die ist ja wirklich toll,“ brachte sie heraus und Carvallien stellte befriedigt fest, das ein leiser Unterton von Ekel in ihrer Stimme mitschwang. Genau so hatte er sich das vorgestellt. „Ich dachte,“ sagte er „ dass Du jetzt, wo Du bald ein Superstar bist, etwas zu Deinem Schutz gebrauchen könntest.“ Sarah nickte nur und starrte immer noch missmutig auf die glänzende Waffe auf rotem Samt auf ihrem Schoß. Das sollte die große Überraschung sein, von der Michael gesprochen hatte? Er wußte doch genau, dass sie mit Waffen nichts zu tun haben wollte, oder? Doch gleich rief sie sich innerlich zur Ordnung. Er hatte es sicherlich nur gut gemeint. Also setzte sie ein dankbares Lächeln auf und klappte den Deckel zu. „Das ist wirklich ein wunderschönes Geschenk. Allerdings hoffe ich doch, dass ich es niemals brauchen werde.“ Carvallien trat einen Schritt auf sie zu und öffnete das Kästchen erneut. „Nimm sie wenigstens mal in die Hand,“ drängte er „ich weiß, dass Du für Waffen eigentlich nichts übrig hast,“ sagte er mit einem schiefen, um Entschuldigung bittendes Lächeln „aber mir ist einfach wohler wenn ich weiß, dass Du Dich im Notfall selbst schützen kannst.“ Sarah überlegt kurz. Warum sollte sie ihm diesen Gefallen nicht tun? Sie würde die Waffe später in den Tiefen ihres Kleiderschranks verstecken und einfach vergessen. Langsam schloss sie also die Hand um das kalte Metall und hob die Waffe an. Sie lag schwer und irgendwie unpassend in ihrer Hand. Vorsichtig drehte sie sie von einer Seite zur Anderen. Nein, mit soetwas würde sie sich nie anfreunden können. „Du musst den Finger um den Abzug legen,“ sagte Michael und Sarah tat wie ihr geheißen. Doch auch jetzt fühlte sie sich nicht wohl in ihrer Haut. „Das ist wirklich lieb gemeint,“ sagte sie dann entschlossen und legte die Waffe zurück in das Kästchen „doch ich glaube nicht, dass ich damit etwas anfangen kann. Tut mir leid.“ Michael blickte für einen Moment zu Boden und Sarah hoffte, dass sie ihn nicht zu sehr gekränkt hatte. Doch als er wieder aufsah, sah sie Verständnis in seinem Blick. Er seufzte „mit tut es leid. Ich hätte wissen müssen, dass ich Dir damit keine Freude mache.“ Und mit einem schnellen Griff hatte er das Kästchen an sich genommen und stellte es zurück auf das kleine Tischchen. Dann kramte er in der Innentasche seines Jackets nach etwas und förderte schließlich eine kleine, viereckige Schachtel zu Tage. „Für den Notfall habe ich natürlich vorgesorgt,“ sagte er mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht und drückte ihr das Kästchen in die Hand. Als Sarah den Deckel abhob, lag darin ein silbernes Medaillon an einer langen, dünnen Kette. „Das ist wunderschön,“ hauchte Sarah, sprang von ihrem Sessel auf und viel Michael um den Hals. „Vielen Dank und bitte nicht böse sein wegen der Pistole, ja?“ „Schon vergessen,“ entgegnete Michael und etwas in seinem Grinsen lies sie frösteln. Doch schnell schob sie den Gedanken beiseite. Michael war der liebenswerteste und großzügigste Mensch, den sie jemals kennen gelernt hatte, er würde ihr doch nichts Böses wollen.

Kapitel 15