Kapitel 6
Josh und Bo saßen in ihrem Wagen vor dem mehrstöckigen Gebäude, in dessen Penthouse sie A.J. und Sarah wußten. Josh trommelte nervös auf das Lenkrad. Das alles lief nicht wirklich gut. Ausgerechnet ein Popstar, sagte er zum wiederholtenmal und blickte finster hinüber zum gläsernen Eingangsportal des Hauses, hinter dem man schemenhaft einen Empfangstresen mit einem Wachmann dahinter erkennen konnte. Hätte sie sich nicht irgendeinen anderen Hirni aussuchen könne, der sie überfährt? Ein Popstar, in einer hilflosen Geste warf er die Hände in Luft. Bo schwieg. Er wußte, daß es keinen Sinn hatte, seinen Partner in dieser immer wiederkehrenden Litanai zu unterbrechen. Das bedeutet Schwierigkeiten ohne Ende. Wir dürfen keine Aufmerksamkeit erregen. Wenn ihr Verschwinden gleich morgen in der Zeitung steht, bekommen wir einen riesen Ärger. Ein Popstar! er spie das Wort aus, als sei es giftig und ungenießbar. Er wird Bodyguards haben und selbst wenn nicht, wir dürfen ihm kein Haar krümmen und in seine Wohnung hinein zu kommen, dürfte auch nicht gerade einfach sein. Verdammt! mit der Faust schlug er krachend auf das Lenkrad. Josh, beruhige Dich, versuchte es Bo nun doch wir müssen sie alleine erwischen, das schaffen wir schon. Wir werden es so aussehen lassen, als sei sie einfach wieder gegangen. Das dürfte für uns doch kein Problem sein, oder? Josh sah zu seinem Partner hinüber. Manchmal bewunderte er ihn wirklich für seine Geduld, die schon fast an Einfältigkeit grenzte. Carvallian wird uns die Hölle heiß machen, wenn wir nicht bald mit ihr auf der Matte stehen, das ist Dir hoffentlich klar. Natürlich, aber es bringt uns auch nicht weiter darüber zu grübeln, was alles schief gelaufen ist. Währen wir rechtzeitig am Krankenhaus gewesen, hätten wir sie vielleicht vor ihm schnappen könne, wenn er nicht ein Star währe, hätten wir es einfacher. Das alles bringt uns nicht weiter. Josh seufzte. Bo hatte ja recht, aber dieses ewige Warten machte ihn noch wahnsinnig. Normalerweise wurden sie auf eine Person angesetzt, sie machten sich auf den Weg, sie fanden sie und elliminierten sie. Sauber, schnell und effektiev. Aber dieser Auftrag weitete sich langsam zu einer mittleren Katastrophe aus. Seit zwei Jahren waren sie nun schon hinter ihr her. Jedesmal war sie ihnen, kurz bevor sie sie schnappen konnten, entwischt. Zufall oder Schicksal? Er konnte es nicht sagen. Doch jetzt standen sie so kurz vor dem Ziel, das es ihn rasend machte hier untätig herumzusitzen und Gefahr zu laufen, sie womöglich erneut aus den Augen zu verlieren. Auch noch einen Kaffe? fragte Bo in seine trüben Gedanken hinein. Josh nickte und sieh zu, daß Du irgendetwas zu essen auftreibst. Ich sterbe vor Hunger. Bo nickte und öffnete die Beifahrertür. Gleich darauf war er um die Straßenecke aus Joshs Blickfeld verschwunden. Er lies sich tiefer in die Polster sinken und zündete sich eine Zigarette an. Ich krieg Dich Süße und dann wird abgerechnet, flüsterte er bedrohlich und fuhr sich unbewußt mit den Fingern über eine kleine Narbe an der Stirn.
Sarah träumte und wußte gleichzeitig, daß es sich um ein Ereigniss handelte, daß sie schoneinmal erlebt hatte. Sie saß in einem kleinen, dunklen Raum. Als sie die Arme ausstreckte, konnte sie links und rechts rauhes Holz fühlen. Ein Schrank oder soetwas ähnliches. Duch die Lammellen vor ihr viel schwaches Licht. Sie konnte den kleinen Ausschnitt eines großen Raumes erkennen, dessen Wände von oben bis unten mit Büchern bedeckt waren. Das Zimmer war leer und doch pochte ihr Herz rasend schnell vor Angst. Eve hatte gesagt, sie solle hier drinn bleiben und nicht heraus kommen, egal was passierte. Egal was passierte? Sarah versuchte sich zu erinnern, wie sie eigentlich hier her gekommen war und warum sie hier drinnen saß und, was noch viel wichtiger war, warum sie nicht herauskommen sollte und warum sie so große Angst hatte. Doch ihr Gehirn war wie leergefegt. Da war nichts, das ihr erklären konnte, was sie hier eigentlich tat. Plötzlich zuckte sie zusammen, als die Zimmertür mit Schwung aufgerissen wurde. Die metallenen Kleiderbügel über ihr begannen leise zu klirren, als sie sie durch ihre unbedachte Bewegung leicht mit dem Haar berührte. Sie hielt die Luft an und wartete starr vor Schreck, bis die Bügel wieder ruhig auf ihrer Stange hängen blieben. Dann warf sie einen vorsichtigen Blick durch die schmalen Schlitze in das Zimmer und erneut schnürte ihr die Angst die Kehle zu. Sie erkannte Eve, die von zwei Männern links und rechts festgehalten wurde. Scheinbar hatte man sie hier im Schrank noch nicht bemerkt. Von ihrem heimlichen Beobachtungsposten aus konnte sie ihrer Schwester direkt in das blasse Gesicht blicken. Ein Auge war zugeschwollen und ihre Lippe war aufgeplatz. Ein feiner Faden roten Blutes lief ihren Mundwinkel hinab und das blonde Haar hing ihr wirr ins Gesicht. Und doch stand sie aufrecht und mit kämpferischer Miene zwischen den beiden Männern. Der eine war recht schmächtig und hatte kein einziges Haar mehr auf dem Kopf. Als irgendjemand außerhalb ihres schmalen Blickfeldes eine Lampe anknipste, glänzte seine Glatze in dem warmen Licht. Der Andere wirkte wie ein Bodybuilder, mit kantigem Gesicht und buschigen Augenbrauen. Ich will die Wahrheit von Dir wissen, hörte sie nun die Stimme eines dritten Mannes, den sie nicht sehen konnte. Wo hast Du sie versteckt? Ich verspreche Dir, daß Du keine Schmerzen mehr haben wirst, wenn Du brav bist und mir sagst, wo sie sind. Ich weiß überhaupt nicht, wovon Du eigentlich redest, entgegnete ihre Schwester ruhig und blickte auf einen Punkt rechts von Sarah. Mr. Body holte aus und klatschend traf seine flache Hand Eves Gesicht. Ihr Kopf wurde zurückgeschleudert, doch sie gab nicht den kleinsten Laut von sich. Mach es doch Dir und uns nicht so schwer Eve, hörte Sarah wieder die Stimme aus dem Hintergrund. Ich weiß, daß Du sie hast und langsam verliere ich die Geduld. Eve schwieg. Sarah wußte nicht, um was es hier ging, doch sie betete, daß ihre Schwester endlich mit der Sprache herausrücken und sie dieses furchtbare Haus verlassen konnten. Plötzlich hörte Sarah ein lautes Klicken und bestürzt stellte sie fest, daß es sich nach einer Waffe anhörte, an der der Hahn gespannt wurde. Keine Spielchen mehr Eve, hörte sie die Stimme und ein schlanker Mann trat in Sarahs Blickfeld. Er trug einen weißen Anzug und in seiner ausgestreckten Hand hielt er einen Revolver. Langsam ging er auf Eve zu und die Art wie er sich bewegte erinnerte Sarah an eine Raubkatze, die sich an ihre Beute heranschlich. Er drückte die Mündung an Eves Schläfe und knurrte gefährlich leise Ich will jetzt sofort wissen, wo die Diamanten sind, sonst... Sonst was? entgegnete Eve mit hochgezogenen Augenbrauen. Ihrem Gesicht war nun die Angst anzusehen. Erschießet Du mich? Das währe doch reichlich dumm. Sollte ich wirklich das haben, wonach Du suchst, werde ich es Dir danach nicht mehr sagen können. Der Mann legte für einen Moment den Kopf schräg und fixierte Eve mit druchdringendem Blick, der Sarah das ganze Blut aus dem Gesicht trieb. Ich denke, wir werden uns dann einfach an Deine kleine Schwester halten. Sie kann uns bestimmt auch weiter helfen. Sarah sah, wie Eve erstarrte und sich ihre Augen weiteten Du wirst Sarah kein Haar krümmen, hast Du verstanden Du Mistkerl, spie sie ihm ins Gesicht. Kommt ganz auf Dich drauf an, grinste ihr Gegenüber. Sarah sah, wie sich die wiedersprüchlichsten Gefühle auf Eves Gesicht wiederspiegelten. Angst um ihre Schwester, Angst vor diesem Mann, der ihr immernoch die Waffe an den Kopf hielt, aber auch Entschlossenheit ihm nicht das zu geben, was er haben wollte. Du weißt ganz genau, ereiferte sich Eve erneut das die Diamanten uns gehören. DU hast sie UNS gestohlen und nicht umgekehrt. Der Mann seufzte. Ich gebe Dir eine letzte Chance mir zu sagen, wo sie sind. Ich zähle bis drei. Eins...zwei..., Eve blickte ängstlich zu ihm auf, Sarah begann zu zittern drei. Ein lauter Knall erschütterte das Zimmer und Eve sackte in den Armen ihrer Bewacher zusammen. Sarah schrie neiiiiiiiiiin, und mit einem Ruck setzte sie sich im Bett auf. Eve, rief sie und Tränen strömten über ihr Gesicht. Die Tür wurde aufgerissen und sie glaubte, daß die Männer jetzt kamen um sie zu holen. Nein, laßt mich in Ruhe, schrie sie A.J. entgegen und versuchte auf dem Bett vor ihm davon zu krabbeln. Hey Sarah, ich bins blos, A.J., hey ganz ruhig. er knipste die Nachttischlampe an und blickte mit schreckgeweiteten Augen auf sie hinunter. Sarah zitterte am ganzen Körper, ihr Gesicht war weiß wie die Wand und ihre Augen waren dunkel vor Angst. Und noch etwas anderes war da, aber er konnte nicht sagen was. Trauer? Verzweiflung? Sarah, hey Baby, ganz ruhig, o.k.? versuchte er es noch einmal und als sie keine Anstalten machte erneut vor ihm zu flüchten setzte er sich vorsichtig auf die Bettkante. Er streckte ihr seine Hand entgegen komm her, es ist alles in Ordnung, sagte er sanft und unendlich langsam streckte sie ihren Arm aus und ergriff seine Hand. Er zog sie zu sich heran und schloß sie dann in die Arme. Sie klammerte sich an ihn, wie eine Ertrinkende und er spürte, wie ihr ganzer Körper unter ihren Schuchzern erbebte. Tröstend strich er ihr über den Rücken es war nur ein Traum, versuchter er sie zu beruhigen, was nur dazu führte, daß sie ihn wütend von sich stieß. N-nein...war...war e-es nicht, brachte sie zwischen zwei Schluchzern heraus. Meine Schwester ist tot und das war kein verdammter Traum, schrie sie verzweifelt. Verstört sah A.J. sie an. Tod? fragte er nach. Sarah nickte, während ihr weiterhin die Tränen über die Wangen strömten. Was ist passiert, fragte er sanft und rechnete eigentlich nicht mit einer Antwort. Sarah schien unter Schock zu stehen. Mit leerem Blick starrte sie vor sich hin. Doch plötzlich begann sie zu sprechen sie wurde erschossen und ich habe nichts getan, um es zu verhindern. Er hat sie einfach erschossen, während ich in diesem ... in diesem....in diesem Mistding von Schrank saß. Einfach erschossen, die letzten Worte kamen nur noch als ein kaum hörbares Flüstern über ihre Lippen. Bist Du Dir ganz sicher, daß das nicht doch ein Traum war? er griff wieder nach ihrer Hand. Entschieden schüttelte Sarah den Kopf. Nein, ich kann mich erinnern in diesem Zimmer gewesen zu sein. Ich weiß nicht wie ich da hin kam oder wie ich wieder heraus kam, aber ich weiß, daß ich dort war und ich weiß, daß auf meine Schwester geschossen wurde. Dann sollten wir das der Polizei melden, entgegnete A.J. fest und blickte ihr tief in die Augen. Er sah sofort Entsetzen darin auftauchen und sie rutschte schnell ein Stückchen näher an ihn heran nein, nein wir dürfen es nicht, ich meine...niemals....nicht der Polizei, sprudelte sie hervor ich weiß nicht warum, aber wir dürfen es nicht der Polizei sagen. Bitte, glaub mir, das ist nicht gut, das ist....gefährlich...ich...oh, verflucht, warum kann ich mich nicht erinnern, rief sie gequält und drückte die Handflächen gegen ihre Schläfen, als könnte sie so ihre Erinnerungen hervorpressen. Beruhige Dich, so langsam wurde A.J. die Sache unheimlich. Ich verspreche Dir, nicht zur Polizei zu gehen, aber komm bitte wieder runter. Du machst mir Angst. Ihr Kopf ruckte nach oben und Entschlossenheit lag in ihrem Blick. Ist schon gut, jetzt war sie es, die Ihn tröstete ich bin o.k.. Mach Dir keine Sorgen. Vielleicht ist es besser, wenn ich meine Sachen packe und morgen gehe. Ich meine...ich will Dich nicht..., Stop, A.J. hob die Hand Du wirst schön da bleiben wo Du bist. Ich werde Dich jetzt noch viel weniger auf die Straße lassen als vorher. Hatte er das tatsächlich gerade eben gesagt? Er hatte eine offensichtlich verwirrte und vielleicht auch druchgedrehte Spinnerin hier sitzen und er lies sie weiterhin in seiner Wohnung wohnen? Doch irgendetwas war mit ihr. Zu wissen, daß sie nebenan in seinem Bett schlief, hatte ein unheimlich beruhigendes Gefühl in ihm ausgelöst. Die Wohnung fühlte sich plötzlich nicht mehr so groß und leer, sondern wie ein richtiges zu Hause an. Er wollte sie einfach nicht gehen lassen, bevor er herausgefunden hatte, was hier eigentlich ablief. Für eine Weile sahen sie sich einfach stumm in die Augen. Dann seufzte Sarah und stand umständlich auf. Schwankend hielt sie sich an der kleinen Kommode fest. Ich glaube, ich könnte jetzt einen Kaffe vertragen, sagte sie und blickte auf A.J. hinunter. Dieser nickte an soetwas ähnliches habe ich auch gerade gedacht, dann ging er ihr voraus in die Küche.
Kapitel 7