Kapitel 3
Perkins öffnete ihnen die Tür und nahm ihnen die dunklen Mäntel ab. Dabei gehörte sein mürrisch angeekelter Gesichtsausdruck genaus so zu ihm wie die tadellose Livree und die messerscharfen Bügelfalten in seiner schwarzen Hose. Mr. Carvellien erwartet sie schon, sagte er hochnäsig und ging ihnen voran durch die riesige Eingangshalle hinüber zur Bibliothek. Er öffnete die dicke Eichentür und lies sie eintreten. Lautlos schloss er sie wieder hinter ihnen und sie standen ihrem Boss gegenüber. Michael Carvellien saß in einem Ledersessel mit hoher Lehne und hatte die Hände unter dem Kinn gefaltet. Er war von unzähligen Büchern umgeben, die bis hinauf unter die hohe Decke reichten. Auf den ersten Blick wirkte er wie ein durchschnittlicher Trottel, der nichteinmal seinen eigenen Namen buchstabieren konnte, doch wenn er sich zu seiner beeindruckenden Größe von 1,94 m aufrichtete und seine Muskeln anspannte, kam das Raubtier in ihm durch. Spätestens seine funkelnden, fast schwarzen Augen verrieten seinem Gegenüber, dass er es hier mit einem durchaus ernstzunehmenden Gegner zu tun hatte. Was habt ihr herausgefunden? fragte Carvellien nun mit einer tiefen Bassstimme anstatt einer Begrüßung. Josh Furgeson zog ein kleines Notizbuch hervor und mit einem kurzen Seitenblick auf seinen Partner Bo McNish begann er Bericht zu erstatten wir haben sie noch nicht gefunden, er sah wie sich die Augenbrauen seines gegenüber unmerklich anhoben und fuhr deshalb schnell fort sie ist in keines der umliegenden Krankenhäuser eingeliefert worden und auch sonst haben wir niemanden gefunden, der sie kennt. Der Typ der sie angefahren hat, heißt Alexander James McLean und ist Mitglied in irgend so einer Boygroup, den Backstreet Boys, fügte er mit einem Blick auf seine Notizen hinzu er lebt allein und scheint in Geld zu schwimmen. Es war nicht so einfach seine Adresse herauszubekommen, aber jetzt haben wir zwei Männer abgestellt, die ihn rund um die Uhr überwachen. Bisher hat er uns allerdings noch nicht zu ihr geführt. Josh klappte das Notizbuch zu und sah gespannt zu seinem Boss hinüber. Er konnte sich lebhaft vorstellen, dass ihm das eben Gehörte nicht gefiel. Gedankenverloren starrte Carvellien vor sich hin ich will sie haben, wenn möglich unversehrt. Es ist mir egal was oder wen es kostet, aber bringt die Kleine gefälligst hier her. Habe ich mich deutlich ausgedrückt? Josh und Bo nickten Also, was steht ihr noch hier herum? fuhr er sie an. Die beiden zuckten zusammen und drehten sich hastig um. Ohne ein weiteres Wort verliesen sie die Bibliothek. Perkins wartete schon mit ihren Mänteln an der Eingangstür. Gleich darauf standen sie wieder im kalten Spätherbstnebel. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen, sagte Bo und zog den Mantel enger um seine schmalen Schultern. Was hattest Du erwartet? entgegnete Josh und zündete sich eine Zigarette an. Der Alte kocht doch schon seit Tagen vor Wut. Die Kleine hat ihm ordentlich zugesetzt und jetzt ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Bo nickte und lies dabei seinen Blick über das weitläufige Anwesen mit der geharkten Kiesauffahrt schweifen. Ich hoffe dieser McLean führt uns zu ihr, sonst bin ich mit meinem Latein auch am Ende. Das wird er schon, entgegnete Josh zuversichtlich und schnippte dann seine Zigarette in hohem Bogen in den Kies. Mit einem befriedigten Gesichtsausdruck stieg er dann in den dunkelblauen BMW ein. Als sie die Auffahrt hinunter brausten, klingelte Bos Handy. Eine Weile hörte er schweigend zu, dann erschien ein strahlendes Grinsen auf seinem Gesicht. Gut. Lasst sie nicht aus den Augen, aber wartet auf uns. Unternehmt nichts bis wir da sind, ist das klar? Er steckte das Telefon zurück in seine Manteltasche und sagte dann triumphierend McLean hat gerade das St. Marie Hospital betreten. Wir haben sie. Ein wölfisches Lächeln erschien auf Joshs Gesicht und er trat das Gaspedal durch.
Kapitel 4