Kapitel 56
Bereits als Larry am anderen Ende der Leitung Gott, dich schickt der Himmel, in den Hörer seufzte, hatte Alex gewußt, dass etwas nicht stimmte. Und ihr Ausspruch gleich darauf na, da hat Amy heute aber einiges zu verkraften, machte es nicht wirklich besser. Er war auf dem Weg vom Flughafen zur Halle gewesen und sie hatte sich standhaft geweigert, ihm am Telefon zu erzählen, was eigentlich los war. Als er ihr dann allerdings in dem langen Gang der Music Farm gegenüber stand, hatte sie ihn mit ihrer Eröffnung Keylie Constance ist hier aufgetaucht, vollkommen aus den Socken gehauen.
Was, verdammt noch mal, tat Keylie hier? Hatte er ihr nicht ausreichend klar gemacht, dass Amy seine Sache war und sie sich in seine Beziehung nicht einzumischen hatte, so lange er selbst nicht wusste, was er tun sollte? Und jetzt war sie hier. Bei Amy. Und er wollte sich lieber gar nicht vorstellen, was sie seiner Freundin bereits erzählt hatte. Wenn Amy erfuhr, dass er sie betrogen hatte, würde sie ihm die Hölle heiß machen und das zu Recht.
Sein Herz hatte ängstlich angefangen schneller zu schlagen, als Larry die Tür zu Amys Garderobe öffnete und den beiden Frauen dahinter irgendetwas von einer Überraschung erzählte. Eigentlich war er hier her gekommen, um Amy von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten und sich damit die letzte Bestätigung zu holen, dass ihre Beziehung keinen Sinn mehr machte, oder, was er sich aber eigentlich nicht wirklich vorstellen konnte, festzustellen, dass er sie immer noch liebte und das mit Keylie lediglich ein Ausrutscher gewesen war.
Doch jetzt war dies alles auf den Kopf gestellt. Keylie hatte ihm vorgegriffen und er konnte kaum sagen, wie sehr er sich darüber ärgerte. Gerade ihr hätte er so etwas nie im Leben zugetraut. Diese Spielchen schienen so gar nicht zu ihr zu passen, doch in diesem Punkt musste er sich wohl eingestehen, dass er sie vollkommen falsch eingeschätzt hatte.
Demnach betrat er mit einer Mischung aus Wut und Angst die Garderobe. Sein Magen hob sich augenblicklich, als er Keylie neben Amy auf der Lehne des Sessels sitzen sah. Außerdem registriert er, noch während er einige Schritte in den Raum hinein machte, dass die beiden Frauen sich an den Händen hielten, was ihn zusätzlich verwirrte. Hatten die beiden sich jetzt auch noch gemeinsam gegen ihn verschworen? Na, das konnte ja heiter werden.
Alex! rief Amy in diesem Moment erfreut, sprang aus ihrem Sessel und hing gleich darauf an seinem Hals.
Vielleicht hätte er sich sogar über ihre so offensichtliche Begeisterung gefreut, wenn er nicht über ihre Schulter hinweg das Gesicht von Keylie hätte sehen können, das wie versteinert und viel zu blass wirkte.
Hey Baby, murmelte er, während seine Hände von ganz alleine über ihren Rücken wanderten und sie dann noch etwas fester an sich drückten.
Das ist aber eine tolle Überraschung, hörte er Amy sagen und fragte sich gleichzeitig, warum sie plötzlich so nett zu ihm war, wenn doch Keylie ihr bestimmt erzählt hatte, was sie letzte Nacht getan hatten. Gott, war das tatsächlich erst 24 Stunden her?
Ich habe es einfach nicht mehr ohne dich ausgehalten, murmelte er in ihr Haar und versuchte dabei krampfhaft, nicht zu Keylie hinüber zu sehen.
Hm, das hört sich gut an, schnurrtte Amy, hob den Kopf und drückte ihm dann ohne Umschweife ihre Lippen auf den Mund.
Alex wartete auf das wohlige Kribbeln, das ihre Küsse immer in ihm ausgelöst hatten, aber im Moment war er wohl zu angespannt dafür. Alles was er fühlte war der starre Blick von Keylies braunen Augen und eine Art Schuldgefühl, das sich gleichzeitig auf beide Frauen bezog. Gott, selten hatte er sich in einer so brenzlichen Situation befunden.
Uhm ... Amy? meldete sich Keylie in diesem Moment zu Wort. Sie war aufgestanden und hatte die Arme fest um ihren schmalen Körper geschlungen.
Oh, entschuldige, sagte diese sofort, schob ihn ein Stück von sich und drehte sich zu Keylie herum. Das ist Alex ... ähm ... na, das weißt du ja schon, kicherte sie. Alex, das ist Keylie und du wirst nicht glauben, was für eine abgefahrene Geschichte sie dir erzählen wird.
Tatsächlich? fragte er mit rauer Stimme zurück und traute sich dabei nicht, weder Amy noch Keylie anzusehen.
Ich glaube, das macht ihr mal besser unter euch aus, hörte er Keylie sagen. Ich werde zurück ins Hotel fahren, und ... ,
Kommt gar nicht in Frage, unterbrach sie Amy und am liebsten hätte er ihr den Mund zu gehalten. Keylie sollte verschwinden. Je eher desto besser.
Aber ... , protestierte Keylie auch sofort.
Kein aber. Wenn du schon mal hier bist, wirst du dir gefälligst auch die Show ansehen.
Ich weiß nicht Amy, ich glaube nicht ... ,
Keine Widerrede. Larry steht bestimmt noch draußen vor der Tür. Sie soll dir nen Pass ausstellen.
Er hörte wie Keylie geschlagen seufzte und blitzschnell riskierte er einen Blick zu ihr hinüber. Keine gute Idee.
Seine braunen Augen trafen auf ihre dunklen und der Schmerz, den er darin lesen konnte, krampfte sein Herz zusammen und machte seine Beine weich wie Pudding.
Also gut, nickte Keylie schließlich und sein Herz machte einen erschrockenen Satz, als sie unvermittelt auf ihn zutrat.
Sie würde doch nicht ... hier vor Amy ... und ...
Doch sie drückte sich lediglich an ihm vorbei, nahm ihre Tasche vom Sofa, hob noch einmal kurz die Hand und verschwand dann ohne ein weiteres Wort hinaus in den Flur. Als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, erschien ihm der Raum plötzlich viel dunkler und trostloser. Er versuchte dieses Gefühl so schnell wie möglich abzuschütteln, doch so ganz gelang ihm das nicht.
Also konzentrierte er sich wieder auf Amy und versuchte dabei zu ergründen, in welcher Stimmung sie war. Irgendwie wirkte sie gar nicht so, als hätte ihr Keylie tatsächlich von ihrer gemeinsamen Nacht erzählt. Im Gegenteil. Sie schien aufgekratzt und tatsächlich glücklich ihn zu sehen. Seltsam.
Wie geht es dir? fragte er also, während er hinüber zum Sofa ging und sich darauf fallen ließ.
Seltsamer Weise ... , lächelte Amy, kam zu ihm herüber und kuschelte sich gleich darauf auf seinen Schoß ... geht es mir blendend.
Das kann ja wohl nur an mir liegen, oder? grinste er und fühlte, wie sein Herzschlag erneut drauf los hämmerte.
Sie wirkte so verändert. Konnte es sein, dass sie zu der alten, liebevollen Amy zurückgefunden hatte? Sein Mund wurde bei diesem Gedanken ganz trocken und seine Magenwände beganngen aufgeregt zu kribbeln.
Natürlich hat das auch etwas mit dir zu tun, strahlte sie, dann beugte sie sich zu ihm hinunter und küsste ihn. Ihre Lippen strichen erst zärtlich über seine, doch als ihre Hand sanft über seinen Nacken streichelte und sich gleichzeitig ihre Zunge in seinen Mund schob, konnte er nicht verhindern, dass sich seine Hände vor Erregung an sie klammerten.
Hm, murmelte er schließlich mit geschlossenen Augen das hat mir gefehlt.
Mir auch, gestand sie leise und er wagte sein Glück kaum zu fassen.
Woher kommt dieser Sinneswandel? fragte er leise und öffnete dabei die Augen.
Wie meinst du das? fragte sie mit gerunzelter Stirn.
Verdammter Mist. Manchmal war es doch eindeutig besser den Mund zu halten. Warum zerstörte er gerade jetzt die Vertrautheit zwischen ihnen, in dem er ihr wieder Vorhaltungen über ihr Verhalten in der letzten Zeit machte? Aber gesagt war nun einmal gesagt und jetzt einen Rückzieher zu machen, brachte er irgendwie auch nicht fertig.
Na ja ... ich hatte in den vergangenen Wochen nicht gerade den Eindruck, dass du mich sehr vermisst.
Amy seufzte und er spürte, wie sie sich in seinen Armen anspannte.
Sagen wir ... es haben sich heute ein paar Dinge ergeben, die mir ... hm ... vielleicht ... die Augen geöffnet haben.
Dinge? hakte er nach und sein Magen wurde dabei hart wie Stein. Hatte Keylie vielleicht doch ... ?
Keylie ... sie hat ... ,
Seine Angst steigerte sich ins Unermessliche. Nicht auszudenken, wenn Keylie ihr irgendetwas gesagt hatte, gerade in dem Moment, in dem sich Amy wieder auf ihre Beziehung besann.
Sie hat mir ein paar Sachen erzählt. Über dich ... und mich ... und über sie. Irgendwie ... ich glaube, ich habe meinen Weg in der letzten Zeit etwas aus den Augen verloren, verstehst du?
Nicht so ganz, gestand er.
Amy senkte den Blick und begann mit einem seiner Ringe zu spielen. Jedes Mal, wenn ihre Fingerspitzen dabei seine Haut streiften, durchrieselte ihn ein angenehmes Prickeln von Kopf bis Fuß. Er kam sich vor wie in einem Traum. Das, was er sich schon so lange wünschte, schien plötzlich zum Greifen nahe. Er würde seine Beziehung mit Amy wieder in den Griff kriegen, sie würden sich aussprechen und danach glücklich bis an ihr Lebensende miteinander leben.
Sie hat mir erzählt, was in den vier Monaten passiert ist, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, sagte Amy gerade leise und er glaubte, sich verhört zu haben.
Was? stieß er hervor.
Ja. Sie ... hat mir gesagt, dass ... Gott, ich kann das gar nicht aussprechen, stieß sie kopfschüttelnd hervor und wenn er es nicht besser wüsste, hätte er angenommen, dass sie peinlich berührt war.
Nun sag es schon, bevor ich hier vor deinen Augen platze, sagte er sanft und mit einem angestrengten Grinsen auf den Lippen.
Sie sagt, wir hätten in dieser Zeit ... also ... die Körper getauscht.
Ihr Blick bohrte sich in seinen und er versuchte eine ganze Weile krampfhaft, irgendeinen Sinn in ihren Worten zu entdecken.
Die Körper getauscht? hakte er schließlich noch einmal nach.
Amy nickte. Ich weiß, das hört sich total verrückt an, aber ... sie hatte einen Unfall, weißt du? Und ... danach ist sie ... sozusagen ... in unserem Bett und in meinem Körper aufgewacht. Sie war vier Monate lang Amy, kannst du dir das vorstellen?
Nein, gab er wie aus der Pistole geschossen zurück und fühlte sich dabei, als würde er ganz langsam den Kontakt zur Realität verlieren.
Ich weiß, das hört sich total verrückt an. Aber ... , Amy schüttelte erneut den Kopf. Als sie mich vorhin berührt hat ... irgendwie ... danach war alles klar, verstehst du? Es hat sich angefühlt als ... würden die beiden Teile eines Ganzen wieder zusammengefügt und an den richtigen Platz geschoben. Ich weiß, das hört sich total idiotisch an, sagte sie schnell, weil sie seinen entsetzten und verwirrten Gesichtsausdruck bemerkte. Aber ich schwöre dir, dass das die volle Wahrheit ist. Ich glaube, ich war in dieser Zeit in ihrem Körper. Im Krankenhaus, verstehst du? Ich ... also eigentlich sie ... lag im Koma. Ich konnte ihre Mom hören und das Piepsen von irgendwelchen Geräten und ... Gott, ist das krank oder was? lachte sie schließlich verlegen.
Ich weiß es noch nicht so genau, gab er zu, während ein kleiner Teil von ihm bereits wusste, dass sie die Wahrheit sprach.
Er hatte es die ganze Zeit unbewusst gefühlt.
Wenn er Amy ansah oder mit ihr am Telefon sprach, als er Keylie kennen lernte, die Nacht mit ihr, die Gefühle, die dabei in ihm wieder zum Vorschein gekommen waren ... irgendwo in ihm hatte ein Teil seines Verstandes es die ganze Zeit geahnt, was nicht hieß, dass er das alles im Moment wirklich glauben konnte.
Eine weitere Erkenntnis schoss ihm in diesem Moment durch den Kopf, die ihn so dermaßen erschreckte, dass Amy beinahe von seinem Schoß herunter fiel, als er abrupt in die Höhe schnellte.
Himmel Herr Gott, was soll das denn jetzt? fauchte sie augenblicklich und rappelte sich auf dem Sofa mühsam in eine aufrechte Position.
Ich ... wenn ... wenn du nicht du warst ... also ... in dieser Zeit ... , stammelte er und wagte dann nicht den Satz zuende zu sprechen.
Wenn Amy nicht Amy gewesen war, sondern Keylie in ihrem Körper gesteckt hatte, dann hatte er auch nicht Amy geliebt sondern ... Keylie!
Seine Augen huschten verwirrt zu Amy hinunter, die auf dem Sofa saß, die Ellenbogen auf die Knie gestützt hatte und ihn aufmerksam musterte.
Ich habe mich schon gefragt, wann du auf den Trichter kommst, sagte sie und er erschrack vor der Kälte in ihren Augen.
Ich ... ,
Nein, wehrte sie ab. Keine Ausreden oder Entschuldigungen. Ich habe es gesehen. Die Blicke, mit denen du sie förmlich verschlungen hast. So hast du mich nie angesehen.
Irritiert fragte er sich, wovon sie gerade sprach. Hatte er sich etwa verraten, als er herein gekommen war? Aber das konnte eigentlich nicht sein. Zu diesem Zeitpunkt war er nämlich ziemlich wütend auf Keylie gewesen.
Weißt du noch, ich habe dir mal vorgeworfen, dass ich das Gefühl habe, du hättest mich in diesen vier Monaten mit einer anderen Frau betrogen?
Er nickte ganz automatisch.
Nun, das war Keylie. Ich meine ... eigentlich kann man dir keinen Vorwurf machen, weil sie ja schließlich in meinem Körper gesteckt hat, aber ... nun ja ... das ändert natürlich alles, findest du nicht?
Ich weiß es nicht so genau, gab er mit rauer Stimme zu.
Amy lachte freudlos. Alex, du bist so leicht zu durchschauen. Du bist ihr doch noch einmal begegnet. Danach. Habe ich recht?
Ja, flüsterte er kaum hörbar.
Hm, dachte ich mir. Dein entsetzter Blick, als du sie hier gesehen hast sprach Bände. Und? Hast du sie gevögelt?
Er schluckte hart und nickte dann langsam.
Amy gab ein Schnauben von sich und schüttelte dann den Kopf. Ich hätte es wissen sollen.
Es tut mir leid, sagte er leise, machte einen Schritt auf sie zu und ging dann vor ihr in die Hocke. Ganz ehrlich. Das hätte nicht passieren dürfen.
Tja, nun sind wir wohl quitt, was? gab sie zurück, während sie den Blick von ihm abwandte und ihre Hände fest ineinander krampfte.
Amy, ich ... , seine Finger fuhren sanft über ihr ... vielleicht gibt es doch noch eine Chance für uns, meinst du nicht? Nach dem ganzen Hin und Her und dieser unglaublichen Geschichte vonwegen Seelenwanderung und dem ganzen Mist. Lass uns das alles vergessen und von vorne anfangen.
Amy schüttelte den Kopf, so als könne sie nicht glauben, was er da gerade eben gesagt hatte, wandte ihm dann wieder ihr Gesicht zu und die Tränen, die in ihren Augenwinkeln glitzerten, schnitten ihm mitten ins Herz. Sie konnte ihm noch so oft sagen, dass er diese unglaublichen vier Monate eigentlich mit Keylie verbracht hatte, aber wenn er sie ansah, konnte er ihr dies nicht glauben.
Das bringt doch nichts Alex. Wenn wir ehrlich sind, lief es doch von Anfang an nicht so, wie es sein sollte.
Er wollte widersprechen, doch sie kam ihm zuvor.
Denk jetzt nicht an diese vier Monate, okay? Versuch sie auszuklammern, denn das war nicht ich, auch wenn ich es gerne gewesen wäre.
Aufmerksam musterte er ihr Gesicht. Er versuchte sich daran zurück erinnern, wie es damals gewesen war, als sie sich kennen lernten, wie sie das erste Jahr verbracht hatten und musste leider feststellen, dass diese Zeit zu lange zurück lag um die Gefühle von damals noch einmal heraufzubeschwören.
Liebst du mich noch? hörte er sich fragen und hätte die Worte am liebsten wieder zurück genommen. So etwas Dämliches fragte man einfach nicht.
Amy seufzte leise, hob dann die Hand und fuhr ihm sanft mit der Handfläche über die Wange.
Ich befürchte, nicht mehr so wirklich.
Er starrte sie aus großen Augen an und wartete eigentlich auf das Gefühl des Schmerzes, darauf, dass sich in ihm alles zusammen zog und ihm die Tränen in die Augen schossen, weil es ab hier keinen Weg zurück in ihre Beziehung mehr gab. Doch das alles wollte sich einfach nicht einstellen.
Und du mich auch nicht mehr, fügte sie mit einen feinen Lächeln hinzu, während sie ihm tief in die Augen sah. Und das weißt du schon sehr, sehr lange.
Er wollte aus einem Reflex heraus den Kopf schütteln, doch dann hielt er inne, dachte einen Moment über ihre Worte nach und nickte dann ganz langsam. Vielleicht hast du recht.
Nicht nur vielleicht, beharrte sie.
Er seufzte, stemmte sich in die Höhe, fuhr sich mit beiden Händen durch das Haar und starrte dann einen Moment bewegungslos aus dem Fenster. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass alles viel zu schnell passierte. Eigentlich war er doch hier her gekommen um zu sehen, ob ihre Beziehung noch zu retten war und hatte nicht gleich eine Entscheidung treffen wollen, die unumkehrbar war.
Du gewöhnst dich schon daran, hörte er Amy sagen.
Woran? fragte er zurück.
Dass wir nicht mehr zusammen sind.
Dir scheint das ja nicht sonderlich schwer zu fallen, gab er zurück und ärgerte sich sofort über sich selbst. Warum wollte er sie jetzt noch verletzten, wo sie doch das erste Mal nach Jahren tatsächlich eine Vernunft und Ehrlichkeit an den Tag legte, die ihm gerade heute komplett abging? Tut mir leid, entschuldigte er sich also sofort zerknirscht.
Ist schon okay, entgegnete Amy großmütig und stand ebenfalls auf.
Darf ich dich noch etwas fragen? sagte Alex und fühlte sich seltsam, weil er sie plötzlich nicht mehr einfach in den Arm nehmen konnte um sie zu küssen.
Klar, nickte Amy.
Warum bist du vorhin so auf mich zugestürzt, wenn du doch da schon gewusst haben musst, worauf das hier hinaus laufen wird? Ich meine ... du wolltest mit mir Schluß machen und schienst trotzdem total glücklich mich zu sehen?
Mit welchem Vorsatz bist du denn hierher gekommen? fragte sie statt einer Antwort zurück.
Ich denke, ich wollte sehen, ob es für uns beide noch irgendeinen Weg gibt, entgegnete er ehrlich.
Siehst du, ein ähnliches Gefühl hatte ich auch, als du hier herein gekommen bist, nickte sie. Aber dann habe ich dich geküsst und dabei vor Augen gehabt, wie du Keylie ... also ... die Keylie in ihrem Amy Kostüm ... damals angesehen hast und irgendwie ... in diesem Moment habe ich entschieden, dass wir nicht länger Zeit vergeuden sollten, die uns nicht wirklich weiter bringt.
Verwundert schüttelte er den Kopf. Du bist irgendwie anders, stellte er fest. Und ich frage mich, ob es mir Sorgen machen sollte, dass du ausgerechnet bei mir damit anfängst, dich so radikal zu verändern. Das letzte Mal als das passiert ist, habe ich mich nämlich unsterblich in dich verliebt.
Du vergisst immer noch, dass du dich nicht wirklich in mich verliebt hast, korrigierte ihn Amy und ihr Gesichtsausdruck wirkte dabei seltsam angestrengt.
Bist du dir wirklich sicher, dass wir hier das richtige tun? fragte er zur Sicherheit noch einmal nach, obwohl er sich tief in seinem Herzen bereits entschieden hatte. Es war vorbei. Und das war gut so.
Ganz sicher, nickte sie. Was nicht bedeutete, dass es nicht doch irgendwie ein bisschen weh tut.
Ja, nickte er und verstand genau, was sie damit sagen wollte.
Ein zaghaftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
Wie sieht es aus? Nimmst du mich noch einmal in den Arm? Einfach um der guten Zeiten willen?
Natürlich, lächelte er zurück, trat einen Schritt auf sie zu und legte seine Arme um sie.
Es war seltsam die vertrauten Konturen ihres Körpers an seinem zu spüren, dabei aber ein anderes Gefühl in seinem Herzen für sie zu haben. Ein wenig beängstigend und so endgültig, dass er sein Gesicht in ihrem Haar vergrub und die Augen fest zusammen kniff.
Er hasste einfach Abschiede. Schon immer. Und er würde sich wohl auch nie daran gewöhnen können.