Kapitel 55

Während Keylie hinter Larry wieder hinaus in den endlos langen Gang trat und sie diesen, an etlichen Türen vorbei, hinunter schritten, fühlte sie sich, als würde sie zum Schafott geführt. Ihre Angst erreichte ein nie gekanntes Ausmaß, sie hatte das Bedürfnis dringend auf die Toilette zu müssen und ihre Beine fühlten sich an, als würden sie gerade schmelzen und sie niemals bis an ihr Ziel tragen.
Was hatte sie sich eigentlich dabei gedacht, hier her zu kommen und mit Amy zu reden? Warum war sie in das Flugzeug gestiegen? Das ergab doch alles keinen Sinn. Selbst wenn Amy ihr glaubte, was sich Keylie nicht wirklich vorstellen konnte, änderte das doch nichts an ihrer Situation, oder? Sie wäre Alex immer noch keinen Schritt näher, ihr jetziges Leben würde sich nicht ein Bisschen verändern und es konnte sie auch nicht wirklich glücklicher machen. Und trotzdem ...
Irgendetwas in ihr, vielleicht der unbewusste Teil ihrer Seele, der immer noch an Amy Salinas Leben hing, hatte sie unmissverständlich dazu gedrängt hier her zu kommen. Es war wichtig. So wohl für Keylie als auch für Amy. Aber warum, konnte sie beim besten Willen nicht sagen.
„Da wären wir,“ holte sie Larrys Stimme schließlich in die Gegenwart zurück.
Sie hatte bereits eine Hand auf die Klinke einer Tür mit der Aufschrift Amy Salinas - Gardarobe – Keep out! gelegt und musterte Keylie aufmerksam.
„Bist du bereit?“ fragte Larry weiter.
„Nein. Ich glaube nicht. Allerdings befürchte ich, ich werde auch niemals wirklich bereit dafür sein, von daher ... ,“ Keylie zuckte mit den Schultern und versuchte ein möglichst gleichgültiges Gesicht zu machen, während sie eigentlich der Meinung war, vor Angst gleich sterben zu müssen.
„Nun gut,“ nickte Larry, klopfte kurz an und drückte dann, ohne eine Antwort abzuwarten, die Klinke herunter und die Tür auf.
Der Raum, der dahinter zum Vorschein kam, wirkte auf den ersten Blick riesig, hell und war angefüllt mit jeder Menge Menschen. Zwei deckenhohe Fenster gingen hinaus auf einen mit Bäumen bestandenen Innenhof, die Wände waren in hellem Gelb gestrichen, was in angenehmen Kontrast zu der schwarzen, tiefen Couchgarnitur stand und auf jedem freien Fleckchen saßen und standen ausnahmslos junge, hübsche Menschen.
Das laute Gemurmel und Gelächter rauschte wie eine Welle über Keylie hinweg und wurde auch keinen Deut leiser, während sie hinter Larry den Raum betrat. Hektisch suchten ihre Augen die Menge nach Amy ab und sie musste sich dabei noch nicht einmal wirklich anstrengen. Wie ein strahlend leuchtendes Licht saß sie lächelnd in Mitten der Gesellschaft und schien sämtliche Blicke und Aktivitäten auf sich zu ziehen. Sie trug Jeans und eine enge, rote Bluse, die ihre üppige Oberweite noch zusätzlich betonte.
Für einen Moment fühlte Keylie sich vollkommen orientierungslos, als sie in das hübsche Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den katzenhaften Augen starrte. Als hätte sie gerade einen Schritt aus ihrem Körper heraus getan und betrachte nun ihre eigene Gestalt von außen. Alles um Keylie herum schien zu verschwimmen und die Konturen zu verlieren, nur Amy wirkte klar und auf unglaubliche Weise präsent. Ihre Wahrnehmung verschob sich wie ein zähfließende Masse, der Raum dehnte sich aus und zog sich gleich darauf vor ihren Augen wieder zusammen und die Geräusche um sie herum verblassten zu einem kaum hörbaren, stetigen Rauschen.
Irgendwo in ihrem Kopf rastete etwas mit einem lauten, hörbaren Klick ein, so, als hätte ein verirrter Teil ihres Selbst endlich den Platz gefunden, an den er hin gehörte. Plötzlich war ihre Angst verschwunden, ihr Herzschlag verlangsamte sich spürbar und eine ungeheure Ruhe legte sich über sie. Sie hatte den Balsam gefunden, der sich über ihre brennende Seele und ihre schmerzenden Gedanken legte. Das erste Mal, seit sie aus dem Koma erwacht war, fühlte sie sich annähernd zufrieden und glücklich und sie fragte sich verwundert, warum sie Amy nicht schon viel früher aufgesucht hatte.
„Okay Leute,“ machte Larry in diesem Moment mit erhobener Stimme auf sich aufmerksam. „Alle, die nicht Amy Salinas heißen, verlassen jetzt auf der Stelle diesen Raum.“
Lauter Protest erhob sich augenblicklich von allen Seiten. Am lautesten war dabei Amy, die mit sich beinahe überschlagender Stimme rief „sag mal Larry, geht’s dir noch gut?“
„Mir geht es bestens,“ gab diese ungerührt zurück, während sie die ersten Gäste unmissverständlich am Arm packte und richtig Tür dirigierte.
„Das ist doch nicht nötig,“ flüsterte Keylie unbehaglich.
„Oh doch, das ist nötig,“ gab Larry lediglich zurück. „Anders bekommst du diese Leute niemals hier raus.“
„Larry!“ brüllte Amy, die sich in diesem Moment durch die murrende und maulende Menge schob. „Du wirst sofort damit aufhören, oder du kannst dir gleich einen neuen Job suchen.“
„Das würde ich mit Vergnügen tun Prinzessin,“ gab Larry grimmig zurück. „Aber erst wirst du mit diesem Mädchen hier reden.“ Dabei deutete sie in einer kurzen Geste zu Keylie hinüber.
Diese sah sich damit augenblicklich Amys gesamten Zorn gegenüber. Sie baute sich zu ihrer vollen Größe vor ihr auf, stemmte die Händen in die Hüften und funkelte sie wütend an.
„Wer sind sie verdammt noch mal?“
„Mein Name ist Keylie Constance,“ sagte Keylie ruhig. „Und ich bin hier, weil ich dringend mit ihnen reden muß.“
Amys Blick huschte zu Larry hinüber, die mittlerweile auch den letzten von Amys Verehrern aus dem Raum buxiert hatte. „Das ist nicht dein Ernst Larry, oder? Du schleppst diese Tussi wegen irgendeinem billigen Autogramm hier an und schmeißt dafür alle meine Freunde raus?“
„Erstens ist keiner dieser Aasgeier wirklich dein Freund,“ entgegnete Larry kalt „und zweitens geht es hier nicht um ein Autogramm.“
„Du bist ... ,“ setzte Amy erbost an, doch das Klingeln von Larrys Handy unterbrach sie.
„Hallo?“ meldete sie sich unwirsch, bevor ein warmes Lächeln auf ihrem Gesicht erstrahlte. „Gott, dich schickt der Himmel,“ seufzte sie. „Bleib einen Moment dran, ja?“
Sie drückte sich das Telefon an die Brust und wandte sich an Keylie.
„Meinst du, du kommst auch alleine klar?“
„Ich hoffe es,“ nickte diese.
„Gut.“ Damit wandte Larry sich Amy zu. „Ich bitte dich ... hör ihr einfach zu, okay? Danach kannst du mich feuern, foltern und zum Schluß vierteilen. Aber hör einmal in deinem Leben auf das, was dir ein anderer sagt.“
„Fick dich,“ stieß Amy aufgebracht hervor und wollte an Larry vorbei aus der Tür stürmen, doch diese war schneller. Mit einem schnellen Satz, den Keylie ihr nie im Leben zugetraut hätte, war sie durch die Tür und knallte diese direkt vor Amys Nase zu.
„Ich fasse es nicht!“ brüllte diese, griff nach der Türklinke und versuchte sie herunter zu drücken, doch scheinbar stand Larry auf der anderen Seite und stemmte sich mit ihrem gesamten Gewicht dagegen. Amy hatte keine Chance.
Sie benötigte allerdings eine ganze Weile, bis sie dies auch realisiert hatte, dann schien sie sich daran zu erinnern, wer für dieses ganze Chaos verantwortlich war und in einer einzigen, ruckartigen Bewegung fuhr sie zu Keylie herum.
„Du Miststück sagst mir jetzt auf der Stelle, was hier abgeht,“ zischte sie und kam Keylie dabei gefährlich nahe.
„Das würde ich sehr gerne, aber ich glaube, du solltest dich erst einmal ein bisschen beruhigen. Niemand will dir hier etwas Böses. Ich möchte mich einfach nur ein bisschen mit dir unterhalten.“
„Um was geht es denn diesmal?“ schnaubte Amy, während sie sich geschlagen von der Tür und Keylie abwandte und aufgebracht begann, im Zimmer auf und ab zu laufen. „Brauchst du Geld? Bestimmt. Gott, da seid ihr Mistmaden doch alle gleich. Wofür soll es denn diesmal sein? Geht es deiner Familie schlecht? Hast du ein Projekt, das unbedingt unterstützt werden muß?“ giftete sie.
„Nein. Dein Geld ist mir, ehrlich gesagt, total egal.“
„Ach?“ gab Amy sarkastisch und mit hochgezogenen Augenbrauen von sich. „Dann willst du sicherlich meine beste Freundin werden, was? Und das natürlich ganz selbstlos und ohne Hintergedanken.“
„Nein.“ Keylie schüttelte den Kopf, sah sich dann für einen Moment um und steuerte auf eines der Sofas zu. „Ich bin hier, weil ich mit dir darüber reden will, was in den vier Monaten passiert ist, an die du dich nicht mehr erinnern kannst.“
Amy verharrte mitten im Schritt und ihr ganzer Körper spannte sich augenblicklich an. Im Zeitlupentempo drehte sie sich zu Keylie herum, die mittlerweile in die tiefen Polster gesunken war.
„Was willst du damit sagen?“ fragte sie gefährlich leise und fixierte Keylie dabei mit zu Schlitzen verengten, funkelnden Augen. Das erste Mal, so schien es Keylie jedenfalls, nahm Amy sie dabei richtig wahr. Ihr Blick musterte sie von oben bis unten, tastete sie wie mit einem Scanner ab und blieb dann schließlich an ihren Augen hängen.
„Ich will damit sagen, dass ich weiß, was damals passiert ist ... oder sagen wir ... ich habe zumindest eine Ahnung davon,“ sagte Keylie sanft und hielt Amys bohrenden Blick stand.
„Was damals passiert ist?“ echote Amy, schluckte einmal heftig und verschränkte dann schützend die Arme vor der Brust.
„Ja. Ich weiß, dass du nach deinem Zusammenbruch auf der Bühne aufgewacht bist und keine Ahnung hattest, wie du da hinkamst. Für dich war es so, als seiest du eben ins Bett gegangen und an einem vollkommen anderen Ort wieder aufgewacht.“
Sämtliche Farbe wich aus Amys Wangen und ihre Hände tasteten haltsuchend nach der Rückenlehne des Sessels vor ihr.
„Das hat dir Larry erzählt, was?“ ächzte sie.
„Nein,“ Keylie schüttelte erneut den Kopf. „Ich weiß das, weil ... hm ... nun ja ... ich so etwas ähnliches erlebt habe.“
„Nein,“ gab Amy bestimmt zurück und schüttelte dabei auch noch den Kopf. „Du hast keine Ahnung davon und du hast sowas auch noch nie erlebt, das schwöre ich dir.“
„Oh doch,“ lächelte Keylie sanft. „Eines Nachts schreckte ich aus einem Albtraum auf. Ich war der Meinung zu Hause in meinem Bett zu liegen, doch leider war dem nicht so. Ich befand mich plötzlich an einem fremden Ort, im Bett eines fremden Mannes und im Leben einer fremden Person. Das ist vielleicht das, was uns voneinander unterscheidet, wobei ich mir da noch nicht so ganz sicher bin.“
Mittlerweile hatte Keylie Amys ungeteilte Aufmerksamkeit, das sah sie ganz deutlich. Trotzdem lag noch so viel Misstrauen in dem Blick der anderen Frau, dass es Keylie leise fröstelte.
„Warum setzt du dich nicht einfach zu mir?“ versuchte sie deshalb die Entfernung zwischen ihnen irgendwie zu überbrücken. „Ich will dir wirklich nichts tun. Ich möchte einfach ... ich möchte mich ... mit dir austauschen über das, was damals geschehen ist.“
Keylie sah, wie sich Amys Hände in die Lederpolster des Sessels krampften. Ihr Blick huschte unstet durch den Raum, als könne sie dort vielleicht eine Antwort auf die tausend Fragen finden, die ihr im Moment ganz bestimmt durch den Kopf schossen und zu einer Entscheidung gelangen, die wahrscheinlich eine der schwersten ihres Lebens war.
Keylie hatte keine Ahnung, woher sie das alles wusste, aber sie konnte Amys inneren Kampf förmlich mit Händen greifen. Zum ersten Mal ging ihr auf, dass es auch noch eine andere Möglichkeit gab, mit den Ereignissen von damals fertig zu werden. Das Schlüsselwort lautete „Verdrängung“ und Keylie hätte jede Summe darauf verwettet, dass Amy in den letzten Wochen kein einziges Mal daran gedacht hatte, was in diesen vier Monaten mit ihr geschehen war.
Geduldig wartete sie also darauf, bis sich Amy zu einer Entscheidung durchgerungen hatte und sie hoffte, dass diese zu ihren Gunsten ausfallen würde. Schließlich seufzte Amy abgrundtief und hob den Blick von der Sitzfläche des Sessels, die sie bis eben noch wie hypnotisiert angestarrt hatte. Ihre Augen trafen auf Keylies und sie konnte grenzenlose Angst und Verwirrung darin lesen.
„Es ist okay,“ sagte Keylie deshalb leise. „Du brauchst dich nicht zu fürchten.“
„Ich habe keine Angst,“ stieß Amy trotzig hervor, umrundete wie zur Bestätigung den Sessel und ließ sich gleich darauf in ihn fallen. Ihre Hände zitterten so offensichtlich, dass Keylie versucht war, ihr zu widersprechen, doch da dies zu nichts führen würde, schwieg sie lieber.
Amy schlug die Beine übereinander, faltete die Hände im Schoß und starrte Keylie dann herausfordernd an.
„Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wovon du sprichst,“ sagte sie kalt „und ich weiß auch nicht, warum Larry dich tatsächlich zu mir gelassen hat. Wahrscheinlich ist sie inzwischen genau so verrückt wie du.“
„Larry und ich sind nicht verrückt,“ gab Keylie zurück. „ Und du bist es im Übrigen auch nicht.“
„Das habe ich auch niemals angenommen,“ schnaubte Amy, doch das leichte Zittern ihrer Stimme verriet Keylie, dass sie wenig überzeugend log.
„Okay, wie du meinst,“ gab sie trotzdem nach. Sie machte eine kurze Pause, weil sie der Meinung war, dass Amy noch etwas sagen wollte, doch diese schwieg. Also holte sie tief Luft und näherte sich vorsichtig dem Kern ihres Anliegens. Und auch wenn sie keine Ahnung hatte, was sie im nächsten Moment sagen würde, so vertraute sie doch darauf, dass ihr im richtigen Moment schon die passenden Worte einfallen würden.
„Kannst du dich an den Abend erinnern, als du dich mit Alex wegen der Fotos gestritten hast?“ begann sie.
„Gott, geht es etwa darum? Hat Alex dich geschickt?“ fuhr Amy sofort auf, doch Keylie hob beschwichtigend die Hände.
„Nein, Alex hat damit nicht das geringste zu tun.“
Das war gleichzeitig die Wahrheit und eine ausgemacht Lüge, wie Keylie schmerzhaft bewusst wurde, doch darüber konnte sie mit Amy später noch diskutieren.
„Ich habe zwar immer noch keine Ahnung, was du von mir willst, aber wenn es dich glücklich macht ... ja, ich kann mich daran erinnern. Sogar ziemlich gut. Er hat mir mal wieder Vorhaltungen gemacht und mich hingestellt wie die letzte Idiotin.“
„Zu recht, oder etwa nicht? Immerhin hattest du tatsächlich ein Verhältnis mit Zack.“
„Okay, hiermit ist diese Unterhaltung beendet,“ entgegnete Amy aufgebracht und war bereits im Begriff, sich aus ihrem Sessel in die Höhe zu stemmen.
„Hey,“ bremste Keylie und konnte nicht verhindern, dass sich dabei ebenfalls ein gereizter Unterton in ihre Stimme schlich. „Hör endlich auf die Prinzessin auf der Erbse zu spielen. Was wir hier bereden, bleibt erstens unter uns und zweitens weiß ich ganz genau bescheid, was damals zwischen dir, Zack und Alex gelaufen ist, okay?“
„Was ... ?“
„Du warst drauf und dran deine Beziehung zu Alex zu zerstören und das nur, weil du der Meinung warst, mit Zack das große Los gezogen zu haben,“ fuhr Keylie aufgebracht fort. „Dabei hat er dich nur ausgenutzt. Genau so wie mich, wie ich bemerken möchte. Du wiederum hast ihn nur benutzt. Nein, eigentlich hast du beide benutzt. Alex sollte dir bei deiner Karriere helfen und Zack ... nun ja ... keine Ahnung was dabei in deinem Kopf vorgegangen ist. Vielleicht war er das Trostpflaster für eine Beziehung, in der du dich nicht sonderlich wohl gefühlt hast.“
„Du spinnst doch! Ich liebe Alex. Mit Zack ist nichts ... ,“
„Sag mal ... so dumm bist du doch nicht, oder?“ fuhr Keylie erbost auf. „Du hast doch inzwischen sicherlich die Bilder gesehen, die Zack an die Presse verkauft hat. Dein Leugnen bringt dir also gar nichts.“
Amy klappte den Mund auf und wieder zu und entschied sich dann wohl für diplomatisches Schweigen.
Keylie schloss für einen Moment die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Sie durfte sich nicht von ihrer Eifersucht und dem Schmerz leiten lassen, der bei dem Gedanken an Alex und Amy sofort durch ihren Körper geschossen war. Sie musste sich konzentrieren und endlich aufhören, sich von Amy aus der Reserve locken zu lassen.
Etwas ruhiger fuhr sie deshalb fort. „Hör zu. Ich will dir hier keine Vorhaltungen machen oder mich als Moralapostel aufspielen. Was du tust oder nicht tust, ist alleine deine Sache. Alles was ich möchte ist, dass du dich an diesen Abend zurück erinnerst und wie es war, als du nach eurem Streit ins Bett gegangen bist. Irgendwann in dieser Nacht ist nämlich etwas mit uns beiden passiert und ich versuche heraus zu finden, was das war.“
„Etwas passiert? Wie meinst du denn das jetzt bitteschön?“ grummelte Amy.
„Liegt das nicht auf der Hand? Als du das nächste Mal aufgewacht bist, waren ganze vier Monate vergangen! Fragst du dich nicht, was in dieser Zeit mit dir geschehen ist?“
Das erste Mal zeigten sich Risse in Amys wütender Fassade. Ihr Blick wurde unsicher, ihre Hände nestelten nervös am Saum ihrer Bluse und sie begann hektisch an ihrer Unterlippe zu kauen.
„In dieser Nacht hatte ich einen Unfall,“ fuhr Keylie leise fort. „Ein Truck rammte meinen Wagen. Kurze Zeit später bin ich aufgewacht und war der Meinung, ich hätte das alles nur geträumt. Bis zu dem Zeitpunkt, als Alex mich plötzlich angesprochen hat.“
Amys Atmung beschleunigte sich und Keylie schien es, als könne sie den hämmernden Herzschlag der anderen Frau beinahe körperlich spüren. Er fand ein Echo in ihrem eigenen Körper, ließ das Blut in ihren Adern im gleichen Takt pulsieren und machte sie ganz schwindelig.
„Ich kann dir leider nicht genau sagen, warum ich dieses Spiel mitgemacht habe. Ich hatte immer Angst, dass mich jemand in ne Zwangsjacke stecken und mich wegschließen könnte, wenn ich vor irgendjemandem zugegeben hätte, dass ich eigentlich nicht ... also ... dass ich Keylie bin und so plötzlich in einem fremden Bett aufgewacht bin.“
„Nur mal so am Rande,“ meldete sich Amy wieder zu Wort und schien ein gutes Stück ihres Selbstbewusstseins wieder gefunden zu haben. „Wovon reden wir hier bitte schön? Willst du mir ernsthaft erzählen, dass du nicht weißt, wie du in Alex’ Bett gekommen bist? Er muß doch ausgeflippt sein, als er dich da vorgefunden hat ... oder sagen wir so ... ,“ fügte sie nach einer kurzen Pause beißend hinzu „wahrscheinlich war er gekränkt, dass du dich an eure heiße Nacht nicht mehr erinnern konntest.“
„Nein,“ Keylie schüttelte den Kopf. „Das versuche ich dir doch die ganze Zeit zu erklären. Als ich in den Spiegel geguckt habe, war ich nicht mehr Keylie.“ Sie überlegte fieberhaft, wie sie die nächsten Worte möglichst schonend hervor bringen konnte, doch ihr fiel leider nichts anderes ein, als die ungeschminkte Wahrheit zu sagen. „Ich blickte in das Gesicht einer vollkommen Fremden. Ich habe dich gesehen, verstehst du? Mein Geist ist in deinem Körper aufgewacht.“
Amy starrte sie für einen Moment vollkommen verblüfft an, dann begann sie lauthals zu lachen und schüttelte dabei immer wieder den Kopf. „Gott, das ist gut,“ japste sie, bevor sie sich ganz langsam wieder beruhigt und sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischte. „Ich wünschte, es wäre jetzt jemand hier,“ seufzte sie grinsend. „Diese Story glaubt mir doch keiner. Mal ehrlich ... uhm ... Keylie, richtig? Ähm ... du bist verrückt. Es tut mir ja leid, dir das sagen zu müssen, aber du kannst unmöglich in meinem Körper gewesen sein. So etwas gibt es in der realen Welt nämlich nicht.“
„Gut. Dann sag du mir, was mit dir in den vier Monaten geschehen ist, in denen du geistig weg warst,“ gab Keylie ganz ruhig zurück.
„Ich weiß zwar nicht, woher du die Info hast, aber es ist tatsächlich wahr, dass ich mich an diese spezielle Zeit nicht erinnern kann. Aber das hat garantiert nichts mit dir zu tun, das gebe ich dir sogar schriftlich.“
„Hm ... ,“ machte Keylie und fixierte Amy mit einem langen, intensiven Blick. „Als du nach den vier Monaten aufgewacht bist,“ sagte sie schließlich eindringlich und spürte dabei, dass gerade der Teil von ihr die Führung übernommen hatte, der eigentlich nicht zu ihr gehörte, der Dinge wusste, deren sie sich nicht bewusst war und der immer noch eine Verbindung zu Amy hatte, die jetzt bei jedem von Keylies Worten immer blasser zu werden schien. „Du hast die Augen aufgeschlagen und lagst auf einem Sofa in einem Raum, den du noch nie vorher gesehen hattest. Du warst halb wahnsinnig vor Angst, hast aber versucht dir nichts anmerken zu lassen. Alex war da und Larry auch und noch ein paar andere Leute, die du nicht kanntest. Dein Kopf tat weh und die Orientierungslosigkeit hat dich beinahe wahnsinnig gemacht.
In den darauf folgenden Stunden haben sie dir unglaubliche Dinge erzählt. Von einem Album, das du angeblich aufgenommen hattest, von dem Erfolg deiner ersten Single, die du noch nie vorher gehört hattest, von einer Zeit, in der du Alex wieder näher gekommen warst, in der sich die Freundschaft zu Larry vertieft hatte und in der du Fishie als das Genie erkannt hast, das er eigentlich ist.
Du hast dich pausenlos gefragt, warum du dich in diesen vier Monaten, an die du dich nicht einmal bruchstückhaft erinnern kannst, so anders warst. Du hast dir Mirrors angehört und dich darin nicht wieder gefunden und du hast dir von einem Arzt bestätigen lassen, dass mit deinem Kopf alles in Ordnung ist, was dich leider nicht wirklich weiter gebracht hat.“
Keylie holte zitternd Luft und versuchte das laute Hämmern ihres Herzschlages irgendwie einzudämmen, leider mit sehr wenig Erfolg.
„Und jetzt sag mir,“ forderte sie „ob du irgendeine, auch nur annähernd plausible Erklärung dafür hast. Wenn dem so ist, stehe ich auf und gehe, wenn nicht, solltest du vielleicht in Betracht ziehen, dass weder du noch ich verrückt und komplett durchgeknallt sind, sondern dass es einfach Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht einmal ansatzweise fassen können.“
Schützend schlang sie nun die Arme um ihren Körper, drückte sich noch weiter in die angenehm kühlen Lederpolster und ließ Amy dabei keine Sekunde aus den Augen. Inzwischen wirkte sie wie versteinert, ihr Blick war auf einen Punkt irgendwo auf dem Fußboden gerichtet und somit konnte Keylie ihren Gesichtsausdruck nicht deuten.
Nach einiger Zeit, die Keylie wie eine Ewigkeit vorkam, hörte sie Amy ganz leise etwas murmeln.
„Wie bitte?“ fragte sie vorsichtig. „Ich kann dich so leider nicht verstehen Amy.“
Unter Aufbietung ihrer gesamten Kräfte, so schien es, hob Amy den Blick.
„Ich habe von dir geträumt,“ sagte sie leise, doch diesmal so, dass Keylie sie verstehen konnte. „Ich habe ... ,“ ihre Stimme begann gefährlich zu zittern und in ihren Augen sammelten sich ungeweinte Tränen. „Ich dachte ... ich ... verliere den Verstand.“
„Du hast von mir geträumt?“ flüsterte Keylie fassungslos.
Amy nickte zaghaft. „In der Nacht, als ich mich mit Alex gestritten hatte. Im Traum habe ich deinen Unfall gesehen, ich habe gehört, wie du geschrieen hast und ich weiß noch, dass ich unbedingt aufwachen wollte, weil ich so große Angst hatte.“
Keylie hatte das Gefühl, als werde der Sauerstoff in dem großen Raum knapp. Sie atmete flach und hektisch und ihr gesamter Körper schien unter Strom zu stehen.
„Was ist danach passiert?“ hauchte sie.
„Ich weiß nicht so genau,“ gab Amy zu und runzelte konzentriert die Stirn. „Ich glaube, ich hatte manchmal das Gefühl, kurz vor dem Aufwachen zu sein. Ich hörte Stimmen und ... und ... ich weiß auch nicht ... in diesen Momenten fühlte ich mich richtig gut und beinahe glücklich. Diese Augenblicke waren allerdings ziemlich selten. Ich meine, dass ich in dieser Zeit ... ich weiß auch nicht ... ich hörte manchmal Geräusche, die ich mir nicht erklären konnte. Ein seltsames Piepsen und ... manchmal ... wie jemand weint. Und dann ... haben diese Stimmen um mich herum seltsames Zeug erzählt. Über Menschen, die ich nicht kenne.“
„Zum Beispiel?“
„Da war etwas ... ,“ Amy vergrub ihr Gesicht in den Händen und zwischen ihren zitternden Fingern hörte Keylie ganz deutlich wie sie ein „mein Gott, was tue ich hier?“ hervor stieß.
„Versuch es,“ flüsterte Keylie.
„Ich versuche es ja,“ fuhr Amy auf und ließ dabei die Hände wieder in ihren Schoß sinken. „Aber ... das ist doch alles ... das kann nicht wahr sein.“
Keylie sagte nichts. Im Grunde wusste Amy bereits, was geschehen war, doch sie hatte dies alles bisher so gut und so tief vergraben, dass sich Keylie noch nicht einmal ansatzweise vorstellen konnte, wie es für Amy sein musste, sich nun dieser verschütteten und beängstigenden Gedanken zu nähern.
„Sie redeten dauernd von einem Michael oder Mike oder so ähnlich. Dass er sich verlobt hätte und bald heiraten würde und dass das niemand verstehen kann, weil seine Verlobte ... ich ... ich weiß leider nicht mehr ihren Namen ... ,“
„Kathrin,“ half Keylie ihr auf die Sprünge, während sie daran dachte, wie ihre Mutter ihr von der Hochzeit ihres Cousins erzählt hatte, die zwei Wochen vor Keylies Erwachen stattgefunden hatte.
„Ja, das könnte hinkommen,“ meinte Amy und warf Keylie dabei einen verständnislosen Blick zu. „Jedenfalls konnte sie wohl keiner so richtig leiden und ... ach, was weiß denn ich. So komisches Zeug eben.“
„Du hast meine Mom gehört,“ sagte Keylie leise und mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen.
Amy schüttelte sofort vehement den Kopf. „Nein, das kann ich einfach nicht glauben. Das war nur ein Traum, nichts weiter!“
„Ein Traum, der vier Monate angehalten hat?“
„Und wenn schon? Du kannst doch nicht wirklich ernsthaft in Erwägung ziehen, dass wir die Körper getauscht haben. Gott, alleine diesen Satz auszusprechen fühlt sich schon sowas von verrückt an.“
„Möchtest du wissen, wie es für mich war, du zu sein?“ fragte Keylie leise.
„NEIN! Verdammt noch mal, das ist ... Gott, ich muß ... das hier muß ein Albtraum sein.“ Wieder verbarg Amy ihr Gesicht in den Händen und krümmte sich auf ihrem Sessel zusammen.
Keylie wusste langsam nicht mehr, was sie sagen sollte. Wenn Amy weiterhin leugnen wollte, was damals tatsächlich passiert war, konnte sie nichts und niemand umstimmen.
Als das erste Schluchzen an Keylies Ohr drang, sah sie erschrocken zu Amy hinüber. Ihr gesamter Körper bebte und ihr Kopf ruhte mittlerweile auf ihren Knien.
Schnell stand Keylie auf und überwand die Distanz zwischen ihnen mit einigen schnellen Schritten.
„Hey,“ sagte sie sanft, ließ sich neben dem Sessel in die Hocke sinken und legte Amy eine Hand zwischen die zuckenden Schulterblätter.
Im selben Moment war ihr, als rase ein ungeheurer Stromstoß durch ihren gesamten Körper. Ein unglaublich helles Licht explodierte vor ihren Augen und sie hörte undeutlich, wie Amy aufschrie. Gleich darauf klammerte sich etwas mit ungeheurer Macht an ihre Schultern und gemeinsam stürzten die beiden Frauen in bodenlose Tiefen.
Keylie fühlte, wie ihre Eingeweide auf und nieder wogten, als befände sie sich auf einer rasanten Achterbahnfahrt. Ihr Magen kribbelte und ihr Herz hämmerte mit Nachdruck gegen ihre Rippen. Bilder wirbelten in unglaublicher Geschwindigkeit und nicht erkennbarer Reihenfolge an ihrem geistigen Auge vorbei: Ihr Mutter, deren Gesicht nass von Tränen war, das gleißende Licht, als der Truck auf sie zuschoss, Alex warmes Lächeln, seine Hände auf ihrem ... nein ... auf Amys Körper, Larrys verkniffenes Gesicht, Amys Spiegelbild in der Glasscheibe des Studios, Zacks vor Lust verzogenes Gesicht über ihr, ihr Vater in der Krankenhaus-Cafeteria, eine wogende und applaudierende Menge, die gleißenden Schweinwerfer, die die Bühnenbretter unter ihren Füßen erhellten und ganz zum Schluß blieb ein weißes Licht, das sie von allen Seiten einzuhüllen schien.
Amy trennte schließlich die Verbindung zwischen ihnen. Mit einem Ruck riss sie sich von Keylie los und von einem ungeheuren Schwindel erfasst, wirbelte Keylie herum und landete unsanft auf dem harten Linoliumboden.
Schwer atmend und orientierungslos blieb sie einen Moment mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegen, bis sich der Aufruhr um sie herum etwas beruhigt und das Gefüge der Welt mit einem sanften Ruck in ihrem Inneren wieder einrastete.
Blinzelnd hob sie die Augenlider, starrte einen Moment verwirrt an die weiße Decke des Raumes, bevor sie sich langsam und äußerst vorsichtig aufrichtete und ihren Blick auf Amy richtete, die sich inzwischen in eine Ecke des Sessels gekauert und die Arme fest um ihre angezogenen Knie geschlungen hatte.
„Hast ... ,“ krächzte Keylie, befeuchtete dann ihre ausgetrockneten Lippen mit der Zunge und setzte noch einmal neu an. „Hast ... du ... das ... auch gesehen?“
Amys Nicken kam zaghaft, ihre dunklen Augen waren weit aufgerissen und ihre Nasenflügel blähten sich unter ihren hektischen Atemzügen.
„Glaubst du mir jetzt?“ fragte Keylie leise weiter und schlug die Beine unter.
Wieder ein angedeutetes Nicken von Amy.
Augenblicklich durchflutete Keylie eine so große Erleichterung, dass sie sich beherrschen musste, um nicht auf der Stelle loszuheulen. Sie fühlte sich plötzlich leichter als Luft, gerade so, als habe bis eben ein Tonnengewicht auf ihren Schultern gelegen.
„Er liebt dich,“ waren die ersten Worte, die Amy von sich gab.
„Alex?“ hauchte Keylie.
„Ja. Er liebt dich so sehr ... er ... das ... ich wusste nicht ... ,“ sie verstummte und senkte den Blick.
„Es geht hier nicht um ihn,“ versuchte Keylie Amy von diesen Gedanken abzubringen, doch diese schüttelte daraufhin nur den Kopf.
„Es geht durchaus auch um ihn. Ich ... ich meine ... ich habe ihn noch nie ... so ... erlebt. Ich ... wie hast du ... das nur ... angestellt?“
„Was meinst du?“
„Er hat mich nie so angesehen. Ich hatte immer das Gefühl, dass er ... ich weiß auch nicht ... dass er nur glaubt mich zu lieben, verstehst du?“
„Ich weiß nicht,“ gestand Keylie.
„Du warst eine viel bessere Amy als ich,“ hauchte Amy schließlich und erneut sammelten sich Tränen in ihren Augen.
„Nein Amy. So etwas darfst du nicht einmal denken,“ stieß Keylie erschrocken hervor, stemmte sich unter einiger Anstrengung in die Höhe und überlegte dabei, ob sie Amy berühren konnte, ohne sofort wieder in diesen unheimlichen Strudel aus Bildern gesogen zu werden.
Vorsichtig setze sie sich zu Amy auf die Lehne des Sessels und tastete dann zaghaft nach ihren eiskalten Fingern. Innerlich spannte sich alles in Erwartung eines erneuten Stromstoßes an, doch nichts dergleichen passierte. Erleichtert fasste Keylie Amys Hand etwas fester.
„Ich glaube, dass du versucht hast etwas zu sein, was du nicht wirklich bist, verstehst du? Du wolltest Karriere machen und hast dabei nur auf andere gehört. Du warst mit Alex zusammen, weil du dachtest, er kann dich auf diesem Weg irgendwie weiter bringen und hast dich dadurch vielleicht in die falsche Richtung leiten lassen. Du kommst mit Larrys Art nicht klar, weil sie dir zu direkt ist, trotzdem suchst du weiterhin ihre Nähe. Das kann doch alles nicht gut gehen.“
„Und du?“ fragte Amy herausfordernd.
„Ich? Ich weiß nicht. Ich glaube, ich war auf einem ähnlich falschen Weg, allerdings war ich ... hm ... zu ängstlich oder zu ... keine Ahnung ... ich habe jedenfalls mein Leben nie richtig in die Hand genommen, verstehst du? Ich wollte schon immer Musik machen, habe aber stattdessen in einem Büro gehockt und mir einzureden versucht, dass irgendwann schon mein großer Moment kommen wird. Ich war auf der Suche nach der großen Liebe und habe mir stattdessen den nächstbesten Kerl an Land gezogen in der Hoffnung, dass sich daraus noch der Traumprinz entwickelt.“
„Warum ist dann diese verrückte Geschichte mit uns passiert? Wie kann so etwas überhaupt möglich sein?“ fragte Amy weiter und starrte Keylie dabei an, als hätte sie tatsächlich eine Antwort auf all diese Frage.
„Das kann ich dir leider auch nicht sagen,“ gestand Keylie. „Aber ich denke, wir sollten zusehen, dass wir unser Leben so in den Griff kriegen, das wir glücklich darin sein können.“
Amy schwieg eine ganze Weile, dann nickte sie schließlich und legte ihre freie Hand über Keylies, die immer noch Amys Finger umklammert hielt.
„Du hast recht. Ich meine ... ich befürchte, ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal wirklich rundum glücklich war. Vielleicht als ... ich langsam realisiert habe, dass mein Album tatsächlich ... ,“ sie stockte und blickte dann Keylie unsicher an. „Nun ja ... eigentlich dein Album.“
„Unser beider Album,“ verbesserte Keylie lächelnd.
„Uhm ... also gut ... als ich erkannt habe, dass Mirrors tatsächlich Erfolg hat. Da war ich für einen Moment richtig glücklich, allerdings nur so lange bis ich erkannt habe, dass das nicht mein Verdienst ist.“
„Weißt du ... irgendwie warst du beim Schreiben trotz allem anwesend. Davon bin ich fest überzeugt. Ein Teil der Songs spiegelt auch deine Persönlichkeit wieder.“
„Ich weiß nicht ... ,“ setzte Amy an, doch in diesem Moment schwang die Tür auf und Larry streckte ihren Kopf herein.
„Hallo meine Damen. Ich wollte nur mal sehen, ob ihr beide noch lebt.“
„Danke, uns geht es gut,“ lächelte Keylie, während Amy schwieg.
„Das ist gut. Ich habe nämlich eine Überraschung für euch.“
„Kein Bedarf,“ schnaubte Amy.
„Amy hat recht,“ grinste Keylie. „Eigentlich haben wir heute Überraschungen genug gehabt.“
„Tja, das sieht die Überraschung wohl etwas anders,“ entgegnete Larry schmunzelnd und zog sich aus der Türöffnung zurück.
Gleich darauf erschien ein paar schwarzer Tunrschuhe im Türrahmen und Keylie wurde es augenblicklich schwindlig. Alles, nur das nicht!

Kapitel 56