Kapitel 54
Die Music Farm war eine überraschend kleine Halle mitten in der City. Keylie schätzte, dass etwa 3.000 Leute dort hinein passten und das war eine sehr geringe Anzahl für jemanden, der ein Album in den Top 5 der US-Charts vorzuweisen hatte.
Wenigstens war es damit für Keylie einfacher den gut bewachten Hintereingang zu finden. Schon als sie um die Ecke des Gebäudes bog, sah sie von weitem den breiten Rücken der Security, der den schmalen Durchgang zwischen zwei Absperrgittern bewachte. Sie betete inständig, dass Larry ihr Versprechen gehalten hatte und er über ihr Kommen bereits unterrichtet war.
Ihre zitternden Hände umklammerten den Riemen ihrer Umhängetasche ganz fest, während sie schnurstracks auf ihn zuhielt und ein freundliches Lächeln aufsetzte.
Hi, begrüßte sie den Mann ich möchte zu Larry.
Verraten sie mir ihren Namen? lächelte er freundlich und zog aus seiner Brusttasche einige gefaltete und leicht mitgenommen wirkende Seiten Papier hervor.
Keylie Constance, entgegnete sie, während ihr Herzschlag unangenehm in ihren Ohren dröhnte und ihr ganz schwindelig vor lauter Angst wurde.
Constance ... Constance ... , murmelte der Mann, während er mit dem Finger die lange Liste entlang fuhr.
Als er auf die nächste Seite blätterte, ohne ihren Namen gefunden zu haben, war Keylie bereits der Meinung gleich tot umfallen zu müssen. Sie musste einfach in das Gebäude hinein und mit Amy sprechen. Dieser Gedanke hatte sich so dermaßen in ihrem Gehirn festgesetzt, dass sie wahrscheinlich ohne Rücksicht auf Verluste auf den Hünen losgehen würde, wenn er ihren Namen nicht auf der Liste fand.
Doch Gott sei Dank erstrahlte in diesem Moment ein breites Lächeln auf seinem Gesicht.
Da haben wir es ja. Keylie Constance, freut mich, dass sie hier sind.
Danke, nickte Keylie und hätte vor Erleichterung beinahe angefangen zu weinen wie ein kleines Kind.
Bitte, er bedeutete ihr mit einer kurzen Geste die Absperrung zu passieren. Gehen sie da hinten durch die Tür und warten sie dort. Ich schicke jemanden, der sie abholt.
Vielen Dank, nickte Keylie erneut, beeilte sich durch das Gitter zu schlüpfen und hastete dann so schnell sie konnte der Tür entgegen. Sie hatte Angst, dass es sich der Riese im letzten Moment noch anders überlegen könnte, oder er die Anweisung erhielt, dass Larry sie nun doch nicht sehen wollte und sie zurückholte.
Doch nichts dergleichen passierte. Ohne weitere Zwischenfälle erreichte sie den Hintereingang des Clubs, zog die Tür auf und schob sich gleich darauf in einen hell erleuchteten Flur, der sich endlos vor ihr auszustrecken schien.
Es herrschte hektische Betriebsamkeit. Eine ganze Menge Leute hastete ohne erkennbares Ziel an ihr vorbei und sie stellte leicht enttäuscht fest, dass sie kein einziges der vielen Gesichter kannte. Im Prinzip hatte sie ja nun auch nichts anderes erwartet und trotzdem versetzte es ihr einen kleinen Stich, dass sich die Welt um Amy Salinas einfach so weitergedreht hatte, ohne auf Keylies Fehlen Rücksicht zu nehmen.
Als ein ganzes Stück den Gang hinunter schließlich eine Tür aufging und die massige Gestalt von Larry in den Flur hinaus trat, wurden Keylies Knie weich. Wie versteinert blieb sie direkt hinter der Tür stehen, krampfte ihre Hände noch fester um den Gurt ihrer Tasche und starrte Larry entgegen. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass sie sich das letzte Mal gegenüber gestanden hatten und gleichzeitig hatte sie das Gefühl, als sei keine Zeit vergangen.
Keylie Constance? fragte Larry, als sie sie schließlich erreicht hatte.
Keylie konnte nur nicken, weil ihr Hals wie ausgetrocknet war und sie ihrer Stimme nicht mehr traute. Sie fühlte den stechenden Blick von Larrys grauen Augen beinahe körperlich, als sie diese von oben bis unten aufmerksam musterte und sich dabei ihre Stirn in misstrauische Falten legte.
Ich kenne sie nicht, stellte Larry gleich darauf fest.
Ich weiß, nickte Keylie.
Und trotzdem scheinen sie bestens über mich und Amy informiert zu sein, fuhr Larry fort.
Könnten wir das ... irgendwo besprechen wo ... nun ja ... nicht ganz so viele Menschen sind? fragte Keylie vorsichtig und wappnete sich innerlich gegen Larrys Protest.
Doch dieser blieb aus. Stattdessen nickte sie, drehte sich ohne ein weiters Wort herum und marschierte den Gang wieder hinunter. Keylie folgte ihr mit zitternden Beinen und hämmerndem Herzschlag. Sie war ihrem Ziel so nahe - eigentlich hatte sie es sogar schon erreicht - und trotzdem wartete sie darauf, dass jeden Moment jemand auftauchen würde, mit dem Finger auf sie zeigte und sie eine Lügnerin, Betrügerin oder ähnliches schimpfte.
Als sich schließlich die Tür hinter Larry und Keylie schloss, waren sie tatsächlich alleine in einem kleinen Raum, der außer einem alten, leicht ramponiert wirkenden Sofa und einem ebenfalls in die Jahre gekommenen Couchtisch nichts zu bieten hatte. Selbst ein Fenster suchte Keylie vergeblich.
Nehmen sie Platz, sagte Larry, deutete dabei auf die Couch hinunter und lehnte sich dann mit verschränkten Armen an die gegenüberliegende Wand. Am liebsten wäre Keylie auch stehen geblieben, doch in Anbetracht der angespannten Situation hielt sie es dann doch für besser, Larrys Anweisung folge zu leisten.
Nachdem sich Keylie also in die unangenehm weichen Polster hatte sinken lassen, die Handtasche auf ihrem Schoß fest umklammerte und dann nicht wusste, wo sie hinsehen sollte, legte sich ein angespanntes Schweigen über den kleinen Raum. Scheinbar schien Larry nicht die Absicht zu haben zu erste zu sprechen, also holte Keylie tief Luft und sagte dann das erstbeste, das ihr einfiel.
Es ist wirklich schön dich wieder zu sehen.
Verdammter Mist. Falsch. Ganz falsch.
Das kann ich nicht behaupten, schnaubte Larry, kramte in ihrer Hosentasche nach den Zigaretten und blies gleich darauf die unvermeidliche Rauchwolke in die Luft.
Tut mir leid ... es ist nur ... so ... seltsam hier zu sein und zu wissen, dass du nicht mehr weißt, wer ich bin.
Kindchen, sie sind gerade dabei sich ohne Umschweife wieder hinaus vor die Tür zu manövrieren. Also würde ich vorschlagen, sie hören auf hier dummes Zeug zu quatschen und erklären mir stattdessen, was sie hier eigentlich von mir und Amy wollen.
In Ordnung, nickte Keylie schnell, sammelte für einen Moment ihre Gedanken und begann dann Larry die ganze Geschichte ein zweites Mal an diesem Tag zu erzählen.
Während sie sprach, beobachtete sie jede von Larrys Reaktionen. Sie versuchte ganz offensichtlich ernst und unnahbar zu erscheinen, doch Keylie bemerkte sehr wohl das Staunen, den Unglauben und das Misstrauen in ihrem Blick. Die Qualmwolken stoben immer heftiger gen Zimmerdecke, bis Larry sich schließlich angespannt aufrichtete und in dem winzigen Raum auf und ab zu schreiten begann.
Sie wollen mir also allen Ernstes erzählen, sie hätten sich für vier Monate in Amys Körper befunden? fragte Larry schließlich aufgebracht, als Keylie geendet hatte.
Keylie nickte lediglich und betete im Stillen, dass Larry ihr glauben würde.
Ihnen ist schon klar, wie abgefahren sich das anhört, oder?
Wieder nickte Keylie.
Und warum? Ich meine ... welchen Sinn soll das alles ihrer Meinung nach gehabt haben?
Ich weiß es nicht, gab Keylie ehrlich zu. Glaub mir, diese ganze Geschichte ist mir auch mehr als unheimlich, aber es ist genau so passiert. Ich schwöre es! Woher sollte ich denn sonst all diese Details kennen?
Und Amy? Was war mit ihr in diesen vier Monaten?
Auch das kann ich dir nicht sagen. Alex meinte, sie kann sich an nichts aus dieser Zeit erinnern. Vielleicht ... war sie ... in meinem Körper und hat ... im Koma gelegen. Ich weiß es wirklich nicht.
Larry schnaubte freudlos, schüttelte zum wiederholten Male den Kopf und durchmaß erneut den Raum mit langen, bedächtigen Schritten.
Ist dir denn gar nichts aufgefallen? fragte Keylie schließlich leise. Die Veränderungen, die mit Amy vorgegangen sind ... ihre seltsame Art, ihr plötzlich aufgeflammtes Talent, das Liebenswerte in ihrem Wesen? Woher kam das deiner Meinung nach?
Larry verharrte mit dem Rücken zu ihr und schien eine gefühlte Ewigkeit die Wand anzustarren.
Ich habe keine Ahnung, kam es schließlich leise von ihr. Aber ... , langsam drehte sie sich zu Keylie herum und bedachte sie erneut mit einem intensiven Blick. ... ich kann einfach nicht glauben, dass das etwas mit Seelenwanderung zu tun gehabt haben soll.
Aber es würde so einiges erklären, oder nicht? hakte Keylie nach.
Ja, das würde es ... leider, nickte Larry.
Keylie senkte den Blick hinunter in ihren Schoß. Ich weiß, dass es schwer zu glauben ist ... ich meine ... manchmal zweifle ich ja selbst an meinem Verstand. Aber es gibt einfach keine andere Möglichkeit. Diese vier Monate sind in meinem Gedächtnis genau so klar als Erinnerung gespeichert, wie die Ereignisse vor meinem Unfall. Ich habe das alles als Amy erlebt und war mir in dieser Zeit durchaus bewusst, dass ich eigentlich Keylie Constance bin.
Das muß die Hölle gewesen sein, kam es leise und unerwartet sanft von Larry zurück.
Ja, das war es ... zumindest am Anfang, nickte Keylie. Ich war so ... verwirrt und ... gleichzeitig ... fühlte ich mich ziemlich wohl in diesem Leben. Mit Alex und mit .. mit Fishie und mit dir.
Vorsichtig hob Keylie den Kopf und blickte zu ihrer Freundin hinüber. Sie hatte ihre Zigarette mittlerweile ausgedrückt und stand ihr nun mit hängenden Schultern und abwesendem Blick gegenüber.
Alex hatte immer Probleme mit dir, fuhr Keylie leise fort. Was ich überhaupt nicht verstehen konnte. Ich meine ... klar, du bist nicht immer der einfachste Charakter, aber du warst und bist immer ehrlich zu mir gewesen. Das habe ich an dir bewundert und auch sehr gemocht. Du fehlst mir, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um das zu erkennen.
Larry seufzte, schüttelte erneut den Kopf und trat dann ganz langsam auf Keylie zu. Die Sprungfedern protestierten leise quitschend, als sie sich neben sie auf das Sofa sinken ließ, dann wurde es wieder totenstill im Raum.
Du fehlst mir auch, hörte sie Larry plötzlich kaum hörbar murmeln und zitternd entwich die Luft, die Keylie bis eben beinahe krampfhaft angehalten hatte.
Weißt du, dass du die erste und einzige bist, die diese ganze Gesichte kennt? flüsterte Keylie. Ich meine ... es gibt niemanden, dem ich das bisher alles so erzählt habe. Meine Eltern hätten mir ganz sicher nicht geglaubt. Nicht einmal Alex weiß davon.
Warum nicht? fragte Larry nach und richtete den Blick ihrer stechenden Augen wieder auf sie.
Ich weiß nicht so genau, gab Keylie schulterzuckend zu. Irgendwie möchte ich nicht, dass er in mir eine andere Version von Amy sieht. Ich fand es damals schon ziemlich schwierig daran zu glauben, dass er wirklich mich, Keylie Constance, liebt und nicht Amy Salinas, die plötzlich und unverhofft so anders war.
Und warum dann ich? fragte Larry weiter.
Du bist meine einzige Möglichkeit.
Die einzige Möglichkeit wofür?
Um Amy zu treffen und um ... ehrlich und offen über das zu reden, was damals passiert ist. Und wohl auch, weil ich dich nicht einfach so neu kennen lernen konnte.
So wie Alex?
So wie Alex, bestätigte Keylie.
Läuft da was zwischen euch beiden?
Wäre es schlimm, wenn es so wäre?
Ich weiß nicht, entgegnete Larry und wiegte dabei bedächtig den Kopf hin und her. Wenn er Amy betrügt ist er ein Schwein. Aber ich könnte es auch irgendwie verstehen. Sie ist ... , Larry verstummte und senkte den Blick hinunter auf ihre im Schoß gefalteten Hände.
... nicht sehr einfach, vollendete Keylie den Satz.
Und das ist noch untertrieben, nickte Larry. Sie war damals einfach ganz anders ...
Keylie bemerkte, wie Larry kaum merklich zusammen zuckte und dann zu ihr hinüber sah. Ein bisschen mehr wie du, hauchte sie dann.
Ich weiß, nickte Keylie.
Larry schwieg eine Weile, während Keylie förmlich dabei zusehen konnte, wie sie innerlich mit sich rang.
Nehmen wir für den Moment an, ich glaube dir, sagte sie schließlich in ihrem gewohnt festen Larry-Tonfall. Du hattest einen Unfall, bist plötzlich in Amys Körper aufgewacht und hast vier Monate in dieser Verkleidung gelebt. Warum bist du dann heute hier? Denkst du, du kannst wieder zurück in ihren Körper?
Nein, entgegnete Keylie sofort. Und selbst wenn ich das könnte, würde ich es nicht wollen. Es ist unglaublich anstrengend die Menschen jeden Tag aufs Neue zu täuschen. Abgesehen davon, dass das komplett meiner Natur widerspricht.
Ich habe es gehasst dich, Alex und Fishie immer wieder zu belügen, meine offensichtlichen Gedächtnislücken zu überspielen und so zu tun, als sei ich tatsächlich Amy.
Wenn es das nicht ist, was ist es dann? hakte Larry nach.
Ich weiß es nicht Larry, das ist ja das Verrückte. Ich bin hier, weil ich der Meinung bin, dass es mich irgendwie weiter bringt, wenn ich auch keine Ahnung habe in welche Richtung. Irgendwie denke ich, dass ich diese ganze verfahrene Geschichte heute und hier zum Abschluss bringen kann, wie auch immer das aussehen mag. Und ich finde, dass ich das mir und Amy schuldig bin.
Hm, machte Larry und schüttelte den Kopf. Ich kann nicht behaupten, dass sich das logisch anhört. Aber irgendwie ... ergibt es trotzdem einen Sinn.
Willkommen in meiner Welt, grinste Keylie.
Larry schüttelte immer noch den Kopf, dann vernahm Keylie etwas, das nach einem Hustenanfall klang, bis sie bemerkte, dass Larry leise vor sich hin lachte.
Was? fragte Keylie, während sie spürte, wie sich ebenfalls das erste Kribbeln eines Kicherns in ihrer Kehle sammelte.
Nichts, wehrte Larry ab, deren ganzer Körper inzwischen vor einem unterdrückten Lachanfall bebte.
Was ist so komisch Larry, forderte Keylie, die mittlerweile ebenfalls lachen musste.
Nichts. Das ist es ja gerade, keuchte Larry. Das ist so was von abgefahren. Wahrscheinlich verliere ich gerade den Verstand.
Dann sind wir schon zu zweit, entgegnete Keylie und damit gab es für beide kein Halten mehr.
Sie lachten, bis ihnen die Tränen über die Wangen liefen und ihre Bäuche schmerzten. Sie benötigten gute fünf Minuten, um sich einigermaßen wieder einzukriegen, dann reichte Keylie Larry ein Taschentuch und nach einer weiteren Minute erinnerten nur noch ihre verräterisch glitzernden Augen und die geröteten Wangen an das gerade erlebte Schauspiel.
Wie bist du denn so in deinem Leben als Keylie Constance? fragte Larry schließlich.
Wie ich bin? Ohje ... vom Wesen her genau so, wie du mich kennen gelernt hast, würde ich mal sagen. Ich spiele drei Mal die Woche in einer Bar in L.A.. Das ist natürlich etwas ganz anderes, als auf einer riesigen Bühne zu stehen, aber irgendwie gefällt mir das sogar besser.
Wirklich? Ich kann mir das kaum vorstellen. Du bist so unglaublich talentiert und hast eine Ausstrahlung auf der Bühne, dass ich immer ganz feuchte Augen hatte.
Ehrlich? fragte Keylie gerührt.
Hm, nickte Larry. Gott, ich kann gar nicht glaube, dass wir dieses Gespräch hier führen. Wann habe ich eigentlich angefangen deine haarsträubenden Ammenmärchen zu glauben?
Als du dich zu mir gesetzt hast, lächelte Keylie.
Das denkst du, schnaubte Larry. Ich war bis eben der Meinung, dass du dir einen absolut schlechten und geschmacklosen Scherz mit mir erlaubst.
Was meinst du, wie Amy reagieren wird? fragte Keylie.
Keine Ahnung. Ehrlich gesagt will ich das auch lieber gar nicht wissen. Du ... , sie stockte und hektisch fuhr ihr Kopf in einer abgehakten Bewegung zu Keylie herum. Du kennst sie gar nicht, oder?
Nein, bestätigte diese. Wobei ... na ja ... ich kenne ihre Anatomie ziemlich genau, falls das zählt.
Nein. Das zählt definitiv nicht. Dürfte interessant werden euch beide zusammen zu beobachten. Sie wird dich platt machen, so viel ist sicher.
Wie meinst du das? fragte Keylie unbehaglich.
Amy darfst du nicht mit so einem Mist wie Seelenwanderung kommen. Das geht über ihren kaum vorhandenen Verstand.
Ich erinnere dich nur ungern daran, dass du mir auch nicht geglaubt hast.
Das ist etwas anderes. Mit Amy kannst du nur reden, wenn es um sie geht. Alles andere blendet sie aus ihrer Welt aus.
Klingt nicht sehr nett.
Ist es auch nicht. Wie oft habe ich mich gefragt, warum sie nicht mehr so sein kann wie damals. Selbst ihr Publikum spürt diese Veränderung. Die Hallen werden immer kleiner, während sich das Album verkauft wie geschnitten Brot. Sie hat einfach nicht ... deine ... Persönlichkeit.
Du solltest ihr nicht zum Vorwurf machen, dass sie anders ist als ich, gab Keylie zu bedenken. Ich habe ihr ein Album geschrieben, dass ihre Persönlichkeit nicht wirklich widerspiegelt. Wie soll sie sich darin denn wieder erkennen, hm?
Ach, das hat doch mit dem Album gar nichts zu tun. Aber ich denke, das wirst du gleich selbst herausfinden.
Du bringst mich zu ihr? Keylies Magen verknotete sich augenblicklich und ihre Hände begannen erneut zu zittern.
Das ist doch das was du wolltest, oder? Und wenn du das vor ihrem Auftritt noch machen willst, wird es langsam Zeit.
Sicher, nickte Keylie schnell, auch wenn sie sich alles andere als sicher fühlte.
Na dann ... Gott, das wird ein Spaß, grinste Larry freudlos und stapfte Keylie voraus zur Tür.
Dort angekommen hielt sie noch einmal inne.
Was auch immer das hier für eine abgefahrene Geschichte ist ... ich bin auf jeden Fall froh, dass du hergekommen bist, sagte sie mit einem ihrer seltenen, warmen Lächeln.
Ich auch, nickte Keylie und schluckte schwer.
Gut. Nur nicht sentimental werden Fräulein, klar?
Klar, nickte Keylie sofort und schaffte es tatsächlich die aufkommenden Tränen zurückzudrängen.
Was auch immer jetzt noch auf sie zukommen mochte, sie hatte es tatsächlich geschafft einen Menschen auf diesem Planeten davon zu überzeugen, dass sie eine Zeit lang das Leben einer anderen geführt hatte und das war bereits jede Meile und jede Träne wert gewesen.