Kapitel 53
Nachdem Alex gegangen war, war für Keylie an Schlaf nicht mehr zu denken. Sie wälzte sich noch eine Weile in ihrem bedrückend leeren Bett hin und her und stand dann schließlich seufzend auf. Mit einer dampfenden Tasse Kaffee in den kalten Händen stand sie nun auf ihrem Balkon und starrte geistesabwesend in die Ferne. Es hatte angefangen zu regnen. Erst leise nieselnd und kaum spürbar, doch inzwischen rauschten die dicken Regentropfen wie ein Vorhang in die Tiefe. Doch so wirklich nahm sie dies nicht wahr.
Ihre Gedanken waren bei Alex und ihrem Gespräch. Sie fragte sich, ob es klug gewesen war, ihm die Sache mit dem Frosch zu erzählen. Sie wusste noch nicht einmal mehr, wie sie überhaupt darauf gekommen war, aber in diesem Moment hatte es sich ganz vernünftig und normal angefühlt. Doch als sie sein entsetztes Gesicht gesehen hatte, meldeten sich die ersten Zweifel.
Er konnte es nicht verstehen. Wie auch? In seiner Erinnerung hatte er diese Zeit mit Amy verbracht. Er hatte sie geliebt, sein Leben mit ihr geteilt und tat es noch. Für ihn hatte sich also lediglich ihr Verhalten geändert und nicht die eigentliche Person.
Für Keylie allerdings war diese Zeit nach wie vor so real wie der Regen, der unaufhörlich in der Regenrinne gluckerte. Die vergangene Nacht mit ihm hatte ihr diese Erinnerung nur umso plastischer vor Augen geführt. Die vielen Zärtlichkeiten, die sie damals miteinander geteilt hatten, die Nähe, die sie so schmerzlich vermisste und das Vertrauen und instinktive Verstehen, das von Anfang an da gewesen war.
Leise seufzend schüttelte sie den Kopf. Wie konnte sie ihm nur begreiflich machen, dass das, was er so sehr vermisste, genau vor seiner Nase lag? Dass er nur zugreifen musste um wieder glücklich zu sein?
Auch wenn sie ihm diese kleine Episode ihrer früheren Beziehung unter die Nase gerieben hatte, war sie eigentlich nicht bereit ihn mit weiteren Details zu überzeugen. Zum einen hatte sie ja wohl heute Morgen gesehen, was derartige Informationen in ihm auslösten: Angst, Zweifel und einen Fluchtreflex, der seinesgleichen suchte.
Zum anderen sträubte sich alles in ihr weiterhin dagegen, ihn durch die Vergangenheit an sich zu binden. Sie wünschte sich nach wie vor, dass er sie als eigenständiges Wesen liebte und nicht, weil sie eine gewisse Zeit im Körper seiner Freundin verbracht hatte. Wer gab ihr denn die Garantie, dass er sich nicht nur an die schönen Erinnerungen klammerte und damit die Gegenwart gar nicht richtig wahr nahm?
Vielleicht war sie im Herzen noch die Selbe, aber rein äußerlich hatte sich so vieles verändert. Dass sie anders aussah als Amy war dabei eher zweitrangig. Sie war in ihrem jetzigen Leben weder reich noch berühmt. Sie spielte in einer kleinen Bar anstatt auf den großen Bühnen der Welt Konzerte zu geben. Ihre Songs konnte man nirgendwo kaufen, sie lebte in einer kleinen Wohnung, hatte wenig Freunde und war auch ansonsten nicht unbedingt das was man einen Volltreffer nannte.
Sie selbst war mit ihrem Leben zufrieden, nachdem sie in diesen vier Monaten erlebt hatte, wie es sich anfühlte im Rampenlicht zu stehen, doch ob dies Alex ausreichen würde, konnte sie nicht so recht einschätzen.
Blieb also die Frage, wie sie es anstellen sollte, dass ihm bewusst wurde, dass er sie einmal geliebt hatte, ohne in ihr immer wieder Amy zu sehen. War dies überhaupt möglich?
Ihr Kopf begann zu schmerzen und leise stöhnend rieb sie sich die Schläfe. Immer wieder die gleichen Gedanken zu haben und immer noch keinen Ausweg zu finden, tat ihr nicht gut. Manchmal meinte sie, dass diese Endlosschleife aus Gedanken ihr Gehirn angriff. Es fraß sich in ihre Nervenbahnen, nistete sich in ihren überreizten Synapsen ein und machte irgendwann mit einem lauten Hämmern und Klopfen auf sich aufmerksam.
Um sich irgendwie abzulenken, nahm sie schließlich einen Schluck von ihrem inzwischen lauwarmen Kaffee und richtete ihren Blick hinunter auf die Straße. Sie beobachtet die Autos, die vorbei fuhren und überlegte sich dabei, wohin so wohl unterwegs waren. Ins Büro? Nach Hause zu Frau und Kindern nach einer anstrengenden Nachtschicht? Zum Einkaufen? Zu einem Stelldichein mit der Geliebten?
Bei diesem Gedanken angekommen, sah sie schon wieder Alex nackten Körper vor sich, hörte sein heiseres Stöhnen und wie er mit rauer Stimme ihren Namen flüsterte. Gott, es musste endlich genug sein! Sie führte ein eigenes Leben und wenn er nicht erkannte, wie gut sie für ihn war, dann hatte er eben Pech gehabt!
Ob Amy wohl wusste, wie viel Glück sie eigentlich hatte? Sie hatte eine Karriere, Menschen um sich herum, denen sie etwas bedeutete und einen Mann, der ihr die Welt zu Füßen legen würde, wenn sie ihn nur ließ. Zum wiederholten Male schüttelte sie den Kopf. Amy hatte keine Ahnung, sonst würde sie ihr Glück nicht so mit Füßen treten und ...
Die Erleuchtung kam so plötzlich und in geballter Form, dass sie einen Teil ihres Kaffees verschüttete und einige Schritte vom Balkongeländer zurück taumelte. Warum hatte sie noch nicht früher daran gedacht? War sie zu verbohrt, zu egoistisch, zu konzentriert auf andere Dinge gewesen, um das Naheliegende zu erkennen?
Hastig fuhr sie auf dem Absatz herum, eilte zu ihrem Computer und schaltete ihn ein. Sie brauchte ein Flugticket, wenn sie auch noch nicht genau wusste wohin, ein Hotelzimmer und einen Mietwagen. Und das am besten schon gestern.
Die Kaffeetasse blieb verlassen zurück auf ihrem Balkon, während weiterhin die Wassermassen vom Himmel strömten und die Welt in einem eintönigen Grau versinken ließen.
Charlston, South Carolina, war heiß und stickig. Obwohl die Stadt am Meer lag, schien die Hitze jede von Keylies Bewegungen zur Tortur werden zu lassen. Als sie das Flughafengebäude verließ, fühlte es sich an, als liefe sie gegen eine undurchdringliche Wand aus kochender Luftfeuchtigkeit. Der kurze Fußweg auf den Parkplatz des Mietwagenverleihs brachte sie ins Schwitzen und als sie schließlich den Regler der Klimaanlage des Ford Explorers auf die höchste Stufe stellte, seufzte sie erleichtert.
Die erste Hürde war geschafft, was noch lange nicht hieß, dass sie ihr Ziel auch wirklich erreichen würde. Als sie zu Hause vor ihrem Computer gesessen hatte und ihre Schritte plante, war sie noch Feuer und Flamme für ihre Idee gewesen. Es fühlte sich alles richtig und gut an, wenn auch der Ausgang ungewiss war.
Jetzt, während sie mit laufendem Motor immer noch auf dem Parkplatz stand und die Straßenkarte auf dem Lenkrad ausbreitete, war sie sich plötzlich nicht mehr sicher. Eigentlich, so musste sie zugeben, war diese Aktion hier vollkommen hirnverbrannt. Einfach mal so durch das halbe Land zu fliegen, ohne zu wissen, was sie erwartete, sich in die Situation zu begeben ihrer Vergangenheit gegenüber zu treten und dabei auch noch zu hoffen, dass sich alles wie von selbst regelte, grenzte schon an totalen Schwachsinn.
Und trotzdem ...
Sie war es leid, immer zu warten, zu hoffen und dabei die Hände in den Schoß zu legen. Sie musste endlich etwas tun, selbst die Initiative ergreifen um das, was ihre Gedanken und ihr Handeln beherrschte, ein für alle Mal in den Griff zu bekommen. Vielleicht würde sich dadurch die Zukunft nicht ändern, aber es würde ihr bestimmt helfen, die Vergangenheit zu verstehen.
Entschlossen starrte sie also noch eine Weile auf die Karte in ihrem Schoß, verglich die Straßennamen mit der Buchungsbestätigung des Hotels und fand schließlich ihr Ziel. Ohne noch einmal darüber nachzudenken faltete sie die Karte zusammen, legte sie griffbereit auf den Beifahrersitz und stellte den Hebel der Automatik auf Drive.
Vorbei an alten, leuchtend weißen Südstaaten-Villen, palmengesäumten Alleen und entlang der Küstenstraße, von der aus sie in der Ferne ein altes Segelschiff mit aufgeblähten, weißen Segeln beobachtete, erreichte sie schließlich nach einigem Suchen ihr Hotel im Herzen der pulsierenden Stadt.
Das Gebäude war klein und unscheinbar. Neben der Eingangstür führte ein dunkler Tunnel hinunter in die Tiefgarage, deren Schranke sich mit einem Pin-Code öffnen ließ, den ihr das Hotel bereits gemailt hatte.
Sie fuhr vorsichtig die schmale Zufahrt hinunter, stellte den Wagen in der Nähe des Fahrstuhls ab und nahm ihre Tasche von der Rücksitzbank. Ihr Gepäck bestand lediglich aus einer kleinen, schwarzen Reisetasche, die Kleider für drei Tage enthielt. Mehr würde sie nicht brauchen.
Von der Kühle der Tiefgarage fuhr sie hinauf in eine angenehm klimatisierte Lobby. Sie meldete sich an der Rezeption, nahm ihren Zimmerschlüssel entgegen und war heilfroh, als sie endlich erschöpft und immer noch verschwitzt die Zimmertür hinter sich schließen konnte.
Wenig später war sie der Meinung, noch nie etwas annähernd Gutes gefühlt zu haben wie den kühlen Wasserstrahl, unter den sie sich in der Dusche stellte. Es war viertel nach sechs, nicht mehr viel Zeit um ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Noch in das riesige, flauschige Badehandtuch gehüllt, mit nassen Haaren und klopfendem Herzen ließ sie sich schließlich auf den Bettrand sinken, verharrte noch einen Moment mit dem Handy in der Hand und wählte schließlich energisch die ihr vertraute Nummer. Jetzt kam es darauf an. Wenn am anderen Ende der Leitung niemand abnahm, hatte sie die gesamte Reise umsonst gemacht.
Es klingelte ganze sieben Mal, bevor sich eine barsche Stimme meldete.
Ja?
Larry?
Wer spricht da?
Keylie schluckte hart, als sie die Stimme ihrer Freundin hörte. Bis eben war ihr nicht bewusst gewesen, wie sehr sie Larrys raue Art und ihre unerschütterliche Natur vermisst hatte.
Mein Name ist Keylie Constance, beeilte Keylie sich also zu sagen. Sie kennen mich nicht. Aber ich kenne sie. Ich möchte mich gerne mit ihnen treffen.
Für solchen Schwachsinn habe ich keine ... ,
Warten sie! rief Keylie, die plötzlich Angst hatte, dass Larry einfach auflegen würde. Erinnern sie sich an ihren ersten Studiotag mit Amy Salinas? Als sie auftauchte und wie ausgewechselt war? Ich kann ihnen vielleicht sagen, was damals passiert ist.
Am anderen Ende blieb es für einen Moment totenstill und Keylie befürchtete bereits, dass Larry einfach aufgelegt hatte.
Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden, schnaubte Larry schließlich und mich mit durchgeknallten Verrückten abzugeben, liegt mir ebenfalls nicht.
Ich bin nicht verrückt, entgegnete Keylie sofort. Ich weiß einfach ein paar Dinge. Als Amy damals im Studio auftauchte, wunderten sie sich darüber, warum sie auf einmal so ruhig und ausgeglichen ist. Sie kam herein, war nett und freundlich, hat sich weder über Fishie noch über die unfähige Leyla am Empfang aufgeregt und sie haben sie erst einmal mit in die Küche geschleift, um mit ihr zu reden.
Woher ... ? setzte Larry an und das Misstrauen war ihr ganz deutlich anzuhören.
Das kann ich ihnen am Telefon nicht erklären.
Ach ja? Tut mir leid, dann ist dieses Gespräch hiermit wohl beendet, gab Larry fest zurück.
Nein! Bitte. Ich brauche ihre Hilfe.
Meine Hilfe? Wobei?
Keylie zögerte kurz. Sollte sie Larry tatsächlich erzählen, worauf sie es eigentlich abgesehen hatte? Doch im Grunde hatte sie keine andere Wahl. Ich muß mit Amy reden.
Mit Amy. Soso. Sie glauben auch, ich bin total zurückgeblieben, oder? giftete Larry in den Hörer. Wer sind sie? Presse? Durchgeknallter Fan? Eine von diesen wir hassen Amy Salinas und machen sie fertig Tussis?
Nein. Ich bin Keylie Constance und meine Geschichte ist einfach viel zu verrückt, als dass ich sie ihnen am Telefon erzählen könnte. Sie würden auflegen, noch bevor ich zu Ende gesprochen habe.
Wissen sie was? Das ist eine gute Idee, sagte Larry grimmig.
Bitte, geben sie mir doch eine Chance. Ich verspreche ihnen, dass ich nichts tun werde, was ihnen oder Amy schadet. Ich möchte mich lediglich fünf Minuten mit ihnen unterhalten um ihnen klar zu machen, wer ich bin und was wir ... ich meine ... was ich ... erlebt habe. Danach können sie entscheiden, ob sie mich mit Amy reden lassen.
Lady, sie sind sogar noch verrückter, als ich am Anfang dachte. Was reden sie da für einen Schwachsinn? Suchen sie sich einen anständigen Therapeuten und belästigen sie nicht ... ,
Ich weiß, wie ihre Version von Soar ursprünglich gelautet hat, stieß Keylie hektisch hervor, weil sie spüren konnte, dass Larry bereits den Finger auf dem Symbol mit dem roten Hörer hatte. Sie würde auflegen, wenn Keylie sie nicht endlich davon überzeugen konnte, dass sie mehr wusste, als Larry sich jemals vorstellen konnte.
Ihre Freundin schwieg, also fuhr Keylie fort, in dem sie Larrys Text aus dem Gedächtnis zitierte.
Be ready to fly, find a path that is your own. The world is lying in your hands, what are you waiting for? Spread your wings and fly away.
Keylie verstummte und lauschte angestrengt in den Hörer. Sie konnte hören, wie Larry den Rauch ihrer Zigarette ausstieß, ansonsten blieb sie jedoch weiterhin stumm.
Wir haben uns zusammengesetzt und den Text etwas verändert. Fishie hatte den perfekten Beat dazu und in nicht einmal vier Stunden stand der erste Song, redete Keylie einfach weiter, sich nicht bewusst, dass sie plötzlich aus Amys Sichtweise sprach. Du hast dich pausenlos über mich gewundert, weil ich so anders war, doch irgendwie ... schien dir das zu gefallen.
Nach dem Abend, als ich mit Alex und seinen Freunden aus war, kam ich ins Studio und du und Fishie ihr habt über dem Laptop gesessen und den ersten Online-Artikel darüber gelesen, wie Alex Zack verprügelt hat.
Du warst der Meinung, dass das das Ende meiner Karriere sei, aber stattdessen hat genau in diesem Moment dieser Typ von der Award-Verleihung angerufen und mich gebucht. Erinnerst du dich?
Keylie hielt den Atem an. Wenn sie Larry immer noch nicht davon überzeugt hatte, sich mit ihr zu treffen, war es egal, was sie noch sagte. Larry wollte oder konnte ihr nicht glauben und Keylie konnte ihr das noch nicht einmal wirklich verübeln.
Sie sind verrückt, krächzte Larry zum wiederholten Mal, doch inzwischen schwang Unsicherheit in ihrer Stimme mit.
Nein, ich bin nicht verrückt. Aber ich gebe zu, dass sich das alles unglaublich verrückt anhört.
Wer. Sind. Sie. Kam es erneut, doch für Larrys Verhältnisse ziemlich leise, aus dem Hörer.
Keylie seufzte. Treffen sie sich mit mir, dann erkläre ich ihnen alles.
Bevor ich nicht weiß, was hier gespielt wird, werde ich mich mit niemandem treffen, schnauzte Larry. Sie reden, als hätten wir uns schon einmal getroffen ... nein, das ist nicht richtig ... , korrigierte sie sich gleich darauf aufgebracht. Sie reden, als seien sie Amy, was, wie ich ihnen versichern kann, nicht so ist. Sie sind verrückt. Vollkommen verrückt. Und mit Geisteskranken gebe ich mich grundsätzlich nicht ab.
Keylie schüttelte in ihrem Hotelzimmer den Kopf und stützte ihre Stirn in die freie, leicht zitternde Hand. Sollte sie Larry tatsächlich am Telefon erklären, was damals passiert war? Sie fürchtete, wenn ihre Freundin dabei nicht ihr Gesicht sehen konnte, wenn sie nicht in ihren Augen lesen würde, dass sie die Wahrheit sprach, dann würde sie ihr niemals glauben schenken. Wahrscheinlich würde sie Keylie dies auch nicht.
Aber wenn sie Larry nichts sagte, würde diese auflegen und sie würde niemals die Chance erhalten mit Amy zu reden. Sie musste ihr einfach gegenübertreten, weil sie hoffte, damit zwei Teile wieder zusammen zu fügen, die sich im Moment in ihrem Gehirn Tag für Tag um die Vorherrschaft stritten und sie damit langsam aber sicher zermürbten.
Ich hatte vor einigen Monaten einen Unfall, hörte Keylie sich sagen und wunderte sich über die Tonlosigkeit in ihrer Stimme. Ein Truck raste in meinen Kleinwagen und schoss mir sämtliche Lichter aus. Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich in an einem fremden Ort, neben einem fremden Mann, in einem fremden Körper wieder. In Amys Körper.
Ich habe ... , Keylie schluckte und kniff die Augen fest zusammen, während ein Kloß aus Tränen und Verzweiflung ihre Kehle zuschnürte. Ich habe versucht mich in diesem neuen Leben zurecht zu finden, fuhr sie gepresst fort. Ich bin ins Studio gefahren, ich habe mit dir und Fishie an Mirrors gearbeitet, ich kam Alex näher und wir verliebten uns.
Vier Monate danach bin ich auf der Bühne bei meiner eigenen Release-Party zusammen gebrochen und als ich wieder aufwachte, lag ich in einem Krankenhausbett, an Schläuche angeschlossen und frisch aus dem Koma erwacht. Ich war wieder Keylie, Keylie Constance die mit einem Schlag alles verloren hatte, was ihr als Amy Salinas wichtig gewesen war.
Ich vermisse Alex wie wahnsinnig, denn ich liebe ihn noch immer. Ich vermisse dich, weil wir in diesen vier Monaten tatsächlich so etwas wie Freundinnen geworden sind und so vieles gemeinsam erlebt haben, und ich vermisse die Musik, die ein großer Teil von mir und auch dir war.
Keylie holte zitternd Luft und fuhr dann fort. Jetzt war es sowieso schon egal.
Ich will Amys Leben nicht zurück, auch wenn sich das vielleicht so anhört. Ich möchte Keylie sein und mein eigenes Leben leben und meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich möchte nicht mehr so präsent in der Öffentlichkeit stehen, dass ich einen Bodyguard wie Jack brauche oder nicht mehr einkaufen gehen kann, ohne dabei die geringe Meinung über mich von irgendwelchen Hausfrauen hören zu müssen.
Aber ich möchte gerne das Gute aus diesen vier Monaten in Amys Leben in mein eigenes herüber holen. Ich möchte, dass Alex mich ansieht und mich wieder liebt, ich möchte gerne in deiner Nähe sein, weil ich dich wirklich gern habe und ich möchte Amy sagen, was damals passiert ist, damit sie einige Dinge vielleicht besser verstehen kann.
So, jetzt war es heraus. Und so verrückt sich das alles anhörte, so hoffte sie doch, dass Larry die Wahrheit in ihren Worten erkennen konnte. So eine abgefahrene Geschichte würde sich doch niemand einfach so ausdenken, oder?
Larry schwieg immer noch am anderen Ende der Leitung und Keylie konnte sich nicht entscheiden, ob dies nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war.
Wo sind sie jetzt? meldete sich Larry schließlich wieder zu Wort.
In einem Hotel in Charlston, antwortete Keylie wahrheitsgemäß.
Wie schnell können sie an der Music Farm sein?
Gib mir eine halbe Stunde, stieß Keylie atemlos hervor.
Ich werde der Security bescheid geben. Und ich schwöre ihnen, wenn das alles ein abgefahrener Trick sein sollte und sie damit irgendjemandem schaden, werden sie mich von meiner ungemütlichen Seite kennen lernen, haben wir uns verstanden?
Ja, haben wir, nickte Keylie und legte eine Hand auf ihr wie rasend pochendes Herz.
Gut. Wir sehen uns.
Und damit hatte Larry aufgelegt.
Wie versteinert saß Keylie noch fünf Minuten auf der Bettkante, starrte ihr Telefon an und konnte es nicht fassen, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, mit Larry ein Treffen zu vereinbaren.
Ihr wurde mulmig bei dem Gedanken, dass sie ihr tatsächlich bald gegenüber treten würde und damit einen Schritt in die Vergangenheit machte, die ihr Leben so radikal und mit einem Schlag verändert hatte. Welche Auswirkungen würde das wohl diesmal haben?