Kapitel 51
Als das Taxi Keylie vor ihrer Wohnungstür absetzte, hatte sie ihre Tränenflut zumindest teilweise eingedämmt. Sie fühlte sich leer und müde und sie zitterte vor Kälte, die ganz eindeutig aus ihrem Inneren kam.
Wie hatte sie sich nur so gehen lassen können? Warum hatte sie ihn gebeten sie zu küssen? Sie wusste doch, dass er mit Amy zusammen war und dass es, selbst wenn er sich jetzt auf sie einließ, keine Zukunft für sie beide gab.
Sie kannte doch Alex. Egal was man über ihn sagen mochte, aber er hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Niemals würde er Amy einfach so betrügen, egal wie sie ihn behandelte. Das passte nicht zu ihm. Und dass sie ihn jetzt mehr oder weniger zu diesem Kuß überredet hatte, verursachte ihr ein mehr als schlechtes Gewissen.
Sie hätte einfach nicht mit ihm ausgehen dürfen. Punkt.
Ihre Beine schienen eine Tonne zu wiegen, während sie langsam die Stufen im Treppenhaus hinauf zu ihrem Apartment stieg und dabei in ihrer Handtasche nach dem Wohnungsschlüssel kramte. Gott, Alex würde sie jetzt sicherlich für eine Heulsuse oder eine dieser Dramaqueens halten, weil sie so einfach abgehauen war. Aber sie hatte seine Nähe und das Schuldbewusstsein in seinem Blick nicht mehr ertragen können. Abgesehen davon, dass er ihr mit seinen wenigen Worten direkt das Herz aus der Brust gerissen hatte.
Seufzend hielt sie vor ihrer Wohnungstür inne und kramte immer noch in ihrer Handtasche. Wo war nur der verflixte Schlüssel hingekommen? Sie wollte nur noch ins Bett, sich die Decke über den Kopf ziehen und mit sich selbst und dem Leben hadern.
Als ihre Finger endlich das kalte Metall des Schlüssels in ihrer Tasche berührten, hörte sie, wie unten die Haustür aufgedrückt wurde und gleich darauf schnelle Schritte, die die Treppe hinauf hasteten. Scheinbar ein Nachbar, der es auch eilig hatte ins Bett zu kommen. Ihre Bewegungen wurden augenblicklich hektischer. Sie wollte nicht, dass sie in dieser Nacht vielleicht noch von irgendjemandem auf ihr verweintes Gesicht angesprochen wurde. Das ging niemanden etwas an.
Gerade als sie den Schlüssel ins Schloss schob und mit einem leisen Klicken den Schließmechanismus entriegelte, hatte der Fremde ihren Treppenabsatz erreicht und noch bevor sie die Tür öffnen und sich in die beruhigende, dunkle Sicherheit ihrer Wohnung schieben konnte, berührte sie etwas am Arm.
Keylie? hörte sie eine männliche, raue Stimme in ihrem Rücken.
Mit einem kleinen Schreckenslaut zuckte sie zusammen und fuhr in der selben Bewegung zu Alex herum. Wieso war er hier? Warum war er ihr gefolgt? Was tat er hier mit der Hand auf ihrem Arm, verdammt noch mal?
Sie war nicht fähig zu sprechen, ihr Blick huschte unstet hin und her, damit sie ihn nicht ansehen und das Bedauern in seinen Augen lesen musste und wünschte sich dabei verzweifelt, dass er sich einfach in Luft auflösen und ihnen damit diesen peinlichen Moment ersparen würde.
Es tut mir leid, hörte sie ihn leise sagen.
Du musst dich doch nicht entschuldigen, gab sie mit vom Weinen rauer Stimme zurück. Ich hätte ... das ... nicht tun sollen ... also ... ,
Nein, unterbrach er ihr Gestammel und der Griff um ihren Arm wurde fester. Du verstehst mich nicht. Ich ... es ... ich meine ... ,
In diesem Moment ging mit einem leisen, letzten Summen das Licht im Flur aus und Alex und Keylie versanken in tiefschwarzer Dunkelheit.
Dieser Kuß, hörte sie ihn flüstern und sein Tonfall sandte ihr einen prickelnden Schauer über den Rücken war ... einfach ... umwerfend.
Aber Amy ... , setzte sie an und fragte sich gleichzeitig, warum sie nicht einfach ihre Klappe halten konnte.
Lass uns heute Nacht einfach nicht an sie denken, ja? flehte er beinahe.
Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit, durch die großen Fenster im Treppenhaus sickerte ein Rest Licht von der Straße herein und sie konnte sein Gesicht als undeutlichen Schemen über ihr ausmachen. Leider reichte dies nicht, um seinen Gesichtsausdruck zu erkennen. Was wollte er von ihr?
Ich befürchte, ich verstehe immer noch nicht so ganz, warum du hier bist, hörte sie sich unsicher sagen.
Er seufzte leise, dann schlossen sich unvermittelt seine Hände um ihr Gesicht und das nächste was sie fühlte, waren seine warmen, weichen Lippen auf ihren.
Eine Welle aus den verschiedensten Empfindungen überschwemmte augenblicklich ihr klares Denken. Sie war verwirrt über seinen Sinneswandel, gleichzeitig genoss sie das prickelnde Gefühl, das seine Lippen in ihr auslösten, da war Schuld wegen Amy, Glück, weil sie Alex in diesem Moment ganz für sich hatte und auch Angst, weil sie nicht wusste, ob er sie im nächsten Moment wieder von sich schieben würde.
Alex? murmelte sie leise, nahe an seinen Lippen.
Hm? fragte er zurück, während sich seine Hände um ihre Taille legten und sie näher zu sich heran zogen.
Wirst du jetzt gleich wieder aufhören und mich alleine lassen?
Nein.
Ganz sicher?
Ganz sicher.
Eine Hand löste sich von ihrer Taille und schob ihre Wohnungstür auf, gleich darauf wurde sie in ihren dunklen Flur dirigiert. Die Tür schloss sich hinter ihnen mit einem leisen Rums und damit, so kam es Keylie wenigstens vor, wurde auch die Realität für diese Nacht ausgesperrt. Ehe sie es sich versah, wurde sie von Alex angespannten Körper gegen die Wand des Flurs gedrückt, seine Hände schienen gleichzeitig überall zu sein und ihr Herzschlag galoppierte unaufhaltsam davon.
Stolpernd und küssend durchquerten sie den Flur und legten dabei eine Kleiderspur von der Eingangstür, durch das Wohnzimmer bis hinein in Keylies Schlafzimmer. Als Alex sie schließlich auf das Bett hinunter drückte, trug sie nicht mehr als ihren Slip, während er sich die verbliebene Jeans und die Shorts abstreifte und dann zu ihr gekrabbelt kam.
Seine Hände tasteten über ihren Körper, seine Lippen versuchten jeden Quadratmillimeter ihrer Haut gleichzeitig einzufangen, während er ihr mit fahrigen, hektischen Bewegungen das Höschen auszog und Keylie spürte, wie sich das Gefühl von Lust und Verlangen ganz langsam in ihr zurück zog. Sie wollte nicht, dass er sie einfach nur für diese eine Nacht nahm, weil er gerade Lust auf Sex hatte. Sie wollte, dass er sich bewusst machte, wer hier bei ihm lag und sie wünschte sich, dass er nicht ganz so grob und emotionslos zu Werke ging.
Alex warte, stieß sie deshalb hervor und legte ihm eine Hand auf die Brust, die unter seinen hektischen Atemzügen zu vibrieren schien.
Was? fragte er irritiert und sie sah, wie er ein paar Mal verwirrt blinzelte.
Sie schüttelte mit einem zärtlichen Lächeln den Kopf, stemmte sich dann in die Höhe und drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück auf das Bett. Schließlich lag er auf dem Rücken unter ihr und starrte in ihre Augen auf. Den Ausdruck darin konnte sie nicht so recht deuten, aber er schien ganz eindeutig mit etwas unangenehmen zu rechnen.
Vorsichtig schob sie sich ein Stückchen in die Höhe, bis ihr Gesicht mit seinem auf gleicher Höhe war, dann schloss sie die Augen, legte ihm zärtlich eine Hand an die Wange und senkte ihre Lippen auf seine hinunter. Federleicht begann sie ihn zu küssen, arbeitete sich von seinem rechten Mundwinkeln, über seine volle Unterlippe zu seinem linken Mundwinkel hinüber, rieb ihre Nase an seiner Wange und nahm dann mit aller Zärtlichkeit, die sie für diesen Mann empfand, seinen gesamten Mund in Besitz.
Er schmeckte so wundervoll vertraut, als sei sie nach einer langen Reise endlich nach Hause zurückgekehrt. Seine Lippen erwiderten beinahe schüchtern ihre Liebkosungen, während seine Hände unbeweglich auf der Bettdecke lagen. Sanft schob sie sich etwas tiefer, küsste zärtlich seinen Hals und sein Brustbein, während sie fühlte, wie er sich seufzend unter ihr zu regen begann.
Vorsichtig legte sie eine Hand auf sein Schlüsselbein und beschrieb einen sanften Bogen von dort über seine breite Brust bis hinunter zu seinem Bauchnabel, den sie einmal sanft umkreiste, bevor sie ihre Finger wieder über seinen Körper hinauf zu seinem Hals wandern ließ.
Seine Hände legten sich nun auf ihren Po, versuchten sie noch näher zu sich heran zu ziehen, während sie spürte, wie er sich schon wieder unter ihr anspannte. Also griff sie nach seinen Händen, führte sie über seinen Kopf und drückte sie dort in die Kissen.
Schließ die Augen, hauchte sie.
Ich ..., setzte er an, doch sie verschloss seinen Mund sofort mit einem heißen, tiefen Kuß.
Als sie sich wieder von ihm löste, hatte er die Lider tatsächlich geschlossen und seine Hände lagen immer noch locker über seinem Kopf.
Ihr wurde in diesem Moment schmerzhaft bewusst, wie lange es her war, dass sie ihn auf diese Art und Weise berühren konnte, dass er ihr so nahe gewesen war und sich vertrauensvoll in ihre Hände begeben hatte. Für sie war es die Ewigkeit, für ihn hatte diese Zeit allerdings nie existiert.
Ihre Lippen senkten sich nun hinunter auf seine Brust, ihre Zunge umspielte seine Brustwarze, was ihm ein leises Stöhnen entlockte, bevor sie spielerisch ihre Zähne in sein warmes, weiches Fleisch grub. Sämtliche Muskeln in seinem Körper schienen sich in diesem Moment anzuspannen, doch diesmal offensichtlich nicht vor Hektik, sondern aus reiner Lust. Ein Lächeln erstrahlte auf Keylies Gesicht, während sie fort fuhr seinen gesamten Körper neu zu erkunden. Ihre Hände fuhren die weichen Konturen seiner Brust, seiner Beine, seiner Arme und seines Gesichtes nach, ihr Mund drückte sich auf die empfindlichen Punkte, von denen sie genau wusste, wo sie lagen, weil sie ihn in- und auswendig kannte und sie registrierte dabei befriedigt, wie sich seine Hände über seinem Kopf in die Kissen krampften.
Keylie, hörte sie sein raues Flüstern, was die pulsierende Wärme in ihrem Schoß sofort um ein vielfaches steigerte.
Sie wusste genau was er wollte, wonach er verlangte und wonach sich jede Faser seines Körpers sehnte. Also schob sie ihre Hand wieder hinunter über seinen Bauch, streichelte für einen Moment mit ihren Fingerspitzen die empfindliche Haut an seinen Lenden und strich dann federleicht über seine erregte Männlichkeit, die sich unter ihren Berührungen hektisch aufbäumte.
Ein gequälter Laut drang über seine Lippen, eine seiner Hände löste sich von den Kissen und umklammerte gleich darauf ihr Handgelenk.
Nicht aufhören, stieß er hervor, als hätte er wirklich Angst, sie könne im nächsten Moment aufstehen und ihn hier einfach in lodernden Flammen zurück lassen.
Doch nichts lag ihr ferner. Während sie sich wieder über ihn beugte und ihre Lippen hungrig an seinen saugten, schlossen sich ihre Finger fest und heiß um sein Glied. Sein Becken hob sich augenblicklich vom Bett und drängte sich ihr entgegen, während er nun auch die andere Hand aus den zerdrückten Kissen löste und gleich darauf seinen Arm fest um sie schlang.
Sie fuhr fort ihn auf jede erdenkliche Art zu reizen, bis er vollkommen besinnungslos und bebend unter ihr lag. Seine Haut glühte, sein Atem ging so hektisch und stoßweise, dass Keylie sich wunderte, dass er überhaupt genug Luft in seine Lungen bekam und in ihr selbst hatte sich ein loderndes Feuer ausgebreitet, das schreiend danach verlangte, endlich gestillt zu werden.
Mit einer fließenden Bewegung schwang sie ein Bein über sein Becken, stemmte sich über ihm in die Höhe und spürte gleich darauf, wie er wie selbstverständlich und ohne Widerstand in sie eindrang.
Gott, stieß Alex hervor, während er den Kopf nach hinten bog und ihre Taille mit seinen Händen fest umklammerte.
Ich glaube, der hat recht wenig hiermit zu tun, kicherte sie leise, während sie sich zu ihm hinab beugte und ihr Gesicht in seine Halsbeuge schmiegte.
Da bin ich mir nicht so sicher, presste er angespannt hervor.
Langsam begann sie sich auf ihm zu bewegen, während sich seine Arme um sie schlangen und sie fest an seinen Oberkörper drückten. Der Rhythmus, in dem sie sich nun nach und nach verloren, war so alt wie die Welt, heiß wie das Feuer und gesteuert von Urinstinkten, die sie zu einer perfekten Einheit zusammen schweißte. Sämtliche Bedenken, Vorbehalte und Befürchtungen, selbst das klare Denken zog sich für diesen Moment zurück und trug sie gemeinsam auf dem strahlenden, von bunten Farben beleuchteten Weg in die Höhe. Als die Anspannung in Keylie beinahe zu viel für ihren schmalen Körper wurde, fühlte sie, wie Alex ein letztes Mal tief und hart in sie stieß. Ihre Finger krampften sich neben seinem Kopf in die Laken und ihr heiseres Stöhnen wurde von seiner Halsbeuge gedämpft, in der sie immer noch ihr Gesicht vergraben hatte.
Sie wurden beide davon gespült, wirbelten eine Weile ziellos durch die Gezeiten und kehrten dann langsam auf einer sanften, weichen Wolke zurück in das Hier und Jetzt. Irgendwann fühlte Keylie wieder die verschwitzen und zerwühlten Laken unter ihren Knien, Alex bebenden Körper unter sich und seine Hände, die nicht aufhörten zärtliche ihren Rücken zu streicheln.
Schließlich erfüllte seine leise Stimme wieder ihr Denken und ein eisiger Schreck durchfuhr ihre Glieder. Wo bist du nur so lange gewesen? hauchte er und drückte sie dabei so fest an seine Brust, die sich immer noch in schnellem Rhythmus hob und senkte, dass es beinahe wehtat.
Wie ... , setzte sie an, leckte sich dann noch einmal nervös über die Lippen und setzte noch einmal neu an. Wie meinst du das?
Ich weiß es nicht, hörte sie ihn schläfrig murmeln. Ich weiß nur, dass ich so etwas schon ... schon ... lange nicht mehr ... , er verstummte und rieb stattdessen sein Gesicht in ihrem Haar.
Ich bin jetzt hier. Ist das nicht alles was zählt? hörte sie sich sagen, während sie beruhigend sanft über seine Brust streichelte und sie spürte, wie er sich langsam und unaufhaltsam aus ihr zurückzog.
Hm, murmelte er zustimmend, bevor er ihr Ohr küsste und dann ganz ruhig und entspannt unter ihr liegen blieb.
Mit einem Gefühl, das beinahe an Verzweiflung grenzte, schmiegte Keylie sich an seine Brust. Fühlte er wirklich ihre Verbindung, die einmal da gewesen war? Oder hatte ihn der Sex einfach nur zu dieser seltsamen Aussage verleitet? Beinahe hätte sie ihm von damals erzählt. Aber nur beinahe. Im letzten Moment schloss sie die Augen und hielt den Mund. Der Anfang war gemacht und ob dies alles hier tatsächlich eine Zukunft hatte, würde sich zeigen.
Im Moment wollte sie einfach nur das Gefühl genießen, ihm so nahe zu sein, sich seiner Umarmung so deutlich bewusst zu sein und seine erhitzte Haut unter ihren Fingern zu spüren. So wie damals. Nur ein wenig anders.