Kapitel 22

Keylie war unglaublich aufgeregt, als sie den Wagen auf dem Parkplatz neben dem Riders Club abstellten. Die ganze Woche hatte sie nicht gewusst, ob sie sich auf diesen Abend nun freuen oder ihn aus Angst lieber absagen sollte. Wäre sie nur mit Alex ausgegangen, wäre die ganze Sache vielleicht nur halb so schlimm gewesen, aber sich gleich Romina und Maria gegenüber zu sehen, machte sie unbestreitbar nervös. Noch dazu hatte ihr Alex im Wagen erzählt, dass auch noch ein paar andere Leute dabei sein würden, was sie nicht gerade ruhiger werden ließ.
Zu Hause war noch alles in Ordnung gewesen. Nachdem sie die gesamte vergangene Woche Amys Kleiderschrank aussortiert und aufgeräumt hatte, was nach ihrer überstürzten Suche nach einem Bikini sowieso nötig gewesen war, und sie dieses unglaubliche, schwarze Kleid entdeckte, hatte sie sich beinahe auf den Abend gefreut. An dem Kleid hing sogar noch das Preisschild und abgesehen davon, dass der exorbitante Preis sie heftig schlucken ließ, war die Vorstellung, dass Amy dieses Kleid tatsächlich noch nie getragen hatte ein unerwartet befreiender Gedanke.
Sie hatte ganze zwei Stunden im Bad darauf verwendet, sich fertig zu machen. Jeder Zentimeter ihres Körpers war heute bestens gepflegt, sie hatte sich besonders viel Mühe mit ihren Haaren gegeben und ihr Herz schlug dabei aufgeregt während sie sich vorstellte, wie Alex wohl auf sie reagieren würde. Beinahe kam ihr der heutige Abend wie eine Art Date vor. Das erste Mal, dass sie gemeinsam ausgingen, das erste Mal, dass sie sich unter anderen Menschen so offensichtlich zusammen zeigten und das erste Mal, das Alex’ Freunde die neue Amy zu sehen bekamen.
Und genau das bereitete Keylie am meistes Magenschmerzen. Sie wusste inzwischen ziemlich gut, welches Bild von ihr in den Köpfen anderer herrschte und dieses hässliche Zerrbild zu widerlegen, war so unglaublich mühsam und anstrengend.
Doch die erste Schwierigkeit wartete bereits vor dem Eingang des Clubs auf sie. Als Alex sie an der wartenden Schlange von Clubbesuchern vorbei führte, trat plötzlich ein Mann mit einer Kamera in ihren Weg und noch ehe irgendeiner von ihnen reagieren konnte, begann er wild drauf los zu knipsen. Und als sei dies der Startschuss gewesen, tauchten plötzlich immer mehr Paparazzi auf.
„Amy hier rüber sehen,“ wurde sie lautstark aufgefordert.
„Alex, rücken sie doch näher an ihre Freundin heran.“
„Kommen sie schon Amy. Schenken sie uns eines ihrer bezaubernden Lächeln.“
Schließlich bahnte sich Alex mit Nachdruck einen Weg durch die aufgeregte Menge und Keylie fühlte sich erst wieder sicher, nachdem sie den Club betreten hatten und das Blitzlichtgewitter damit hinter sich aussperrten.
„Alles in Ordnung?“ hörte sie Alex leise fragen, während er ihr den Mantel abnahm und ihn gleich darauf an der Garderobe abgab.
„Geht schon,“ nickte Keylie, auch wenn sie sich nicht wirklich „in Ordnung“ fühlte.
Diese ganze Szene hatte, ungeachtet der eher freundlichen Aufforderungen, etwas von einer Hetzjagt gehabt und sie fühlte sich irgendwie immer noch wie ein wildes Tier, das man begaffen und ablichten musste.
„Sie werden bestimmt so etwas schreiben wie der bezaubernde Frosch und ihr angebeteter Prinz betraten am vergangenen Abend ...,“ scherzte er und brachte sie damit zum Lächeln.
„Na bitte, geht doch,“ stellte er sanft fest und küsste sie dann zärtlich auf die Wange. „Und jetzt auf ins Getümmel.“
Seine Hand umschloss ihre kalten Finger und ohne zu zögern führte er sie hinein in eine ausgelassene Menschenmenge.
Der Club war riesig, laute Musik dröhnte aus den Boxen und in dem stetig zuckenden Licht fiel es Keylie schwer, sich zu orientieren. Vereinzelt tauchten lachende Gesichter aus der pulsierenden Dunkelheit auf und sie fühlte sich seltsam schwerelos, während sie sich hinter Alex durch die zusammenstehenden Clubbesucher schob. Die Musik durchdrang dabei nach und nach jede einzelne ihrer Zellen, sie fühlte, wie ihre Hüften sich von ganz alleine zu dem hämmernden Beat bewegten und ihr Herz im selben, schnellen Rhythmus zu schlagen begann.
Sie durchquerten den Tanzsaal, vorbei an einer endlos erscheinenden Theke und kleineren Nischen mit schmalen Bänken, und bogen schließlich nach rechts in einen kurzen, sanft beleuchteten Flur ab. Am Ende erwartete sie ein junger Mann in schwarzem Anzug und Fliege, der mit einem Lächeln das Ende eines samtig bezogenen Seils aushakte und „Mr. McLean und Miss Salinas“ einen schönen Abend wünschte.
„Wow, der kannte mich,“ murmelte Keylie in Alex’ Ohr. „Wahrscheinlich ist er der einzige, der meine Platte damals gekauft hat.“
„Ich befürchte, das liegt einfach an seinem Job,“ schmunzelte Alex. „Wenn wir schon ein Separè gebucht haben, sollte er auch wissen, wer da vor ihm steht.“
„Mach doch meine letzten Hoffnungen nicht zunichte,“ schnaubte Keylie gutmütig und erntete von Alex dafür ein belustigtes Kichern.
Gleich darauf betraten sie durch einen roten Samtvorhang das angekündigte Separè. Der Raum war nicht sonderlich groß. In der Mitte stand ein rechteckiger, niedriger Tisch, der von tiefen, roten, plüschigen Sofas umstanden wurde. Die Musik war hier nicht ganz so laut, wurde aber von unauffällig in der Decke platzierten Boxen direkt in de Raum übertragen. Kerzen brannten auf dem Tisch in riesigen, gläsernen Windlichtern und wurden von dem indirekten Licht an der Wand unterstützt.
Die dunkel getäfelten Wände und die ebenfalls dunkle, niedrige Decke vermittelte Keylie das Gefühl in einer Art Höhle gelandet zu sein und sie fühlte sich hier auf Anhieb unglaublich wohl.
Etwa zehn Leute saßen bereits um den Tisch herum und Keylie erkannte auf Anhieb Romina und Maria, die sich am entgegen gesetzten Ende des Raumes befanden und freudig lächelnd winkten.
Keylie hätte niemals für möglich gehalten, dass sie sich über die Anwesenheit der beiden einmal freuen könnte, doch da ihr die restlichen Gesichter vollkommen unbekannt waren, waren sie in dieser ganzen, unbekannten Umgebung wenigstens etwas vertrautes.
Gemeinsam mit Alex wurde sie lautstark begrüßt, dabei schien es so, als würden alle Anwesenden sie gut kennen, zumindest stellte sich ihr kein einziger mit Namen vor. Sie wurde gedrückt, auf die Wange geküsst, beiläufig gefragt wie es ihr ging und was das neue Album machte und sie antwortete höflich und als würde sie alle diese Menschen bereits gut kennen.
Schließlich hatten sie sich bis zu Romina und Maria durchgekämpft. Auch hier wurde sie umarmt und auf die Wange geküsst, doch als Alex Romina an sich drückte, fühlte Keylie einen Anflug von Eifersucht in sich aufsteigen. Sie kämpfte ihn sofort erfolgreich nieder, wenn sie auch zugeben musste, dass es sie beruhigte, dass Alex schließlich zwischen ihr und Maria Platz nahm und sich Romina auf das nächste Sofa fallen ließ.
Ein Kellner nahm ihre Bestellung auf und brachte wenig später das Gewünschte, während sich die Gespräche um sie herum um die letzten Erlebnisse der Anwesenden, das allgemeine Leben in L.A. und vergangene Ereignisse und Anekdoten drehte, die sie allesamt zum ersten Mal hörte, auch wenn in diesem Zusammenhang des öfteren ihr Name fiel.
Keylie verfolgte schweigend und mit einem angespannten Lächeln auf den Lippen das Geschehen, während sie das beruhigende Gefühl von Alex Hand auf ihrem Knie genoss.
„Amy weißt du noch, wie wir diese Bar auseinander genommen haben?“ tönte es plötzlich von rechts und Keylie sah sich augenblicklich der gesamten Aufmerksamkeit des Tisches gegenüber.
„Ja, klar,“ nickte sie und nippte an ihrem Drink, um ihre Unsicherheit zu überspielen.
„Wie hieß dieser Kleine noch mal? Der irgendwann nackt auf dem Tisch getanzt hat?“
„Oh Gott, keine Ahnung,“ gab sie zu und fand es beinahe lustig, dass dies keine Lüge war.
„Rodney?“ versuchte es eine junge Frau mit langem, blondem Haar.
„Nee, irgendwas mit T. Titus oder Thadeus oder ... ,“ versuchte es ein Mann mit feuerrotem Haar und quitschgelbem T-Shirt.
„Thomas?“ warf Romina ein.
„Thomas könnte hinkommen,“ nickte Keylie, auch wenn sie keine Ahnung hatte. Inzwischen fand sie beinahe Gefallen an dem Spiel. Wie eine Gratwanderung, bei der sie drohte, jeden Moment abzustürzen.
„Ja, ich glaube auch ... Thomas könnte stimmen,“ nickte der Typ im gelben T-Shirt.
„Und er hat sich wirklich ausgezogen?“ erkundigte sich Maria grinsend.
„Bis auf die Unterhose,“ bestätigte Keylie ohne darüber nachzudenken.
„Nee, die hat er doch angelassen,“ widersprach der gelbe T-Shirt Mann.
„Sicher?“ hakte sie nach. „Mir ist so, als hätte ich sein bestes Stück gesehen, das im Gegensatz zu ihm doch recht groß war.“
Allgemeines Gelächter und Geschrei brandete auf und Keylie fiel mit ein. Was war nur mit ihr los? Sie benahm sich, als hätte sie tatsächlich eine Ahnung, von was hier gesprochen wurde.
Vielleicht, so schoss ihr durch den Kopf, suchte sie einfach nach dem Gefühl, so etwas wie eine Vergangenheit zu haben und diese mit anderen zu teilen. Auch wenn sie nur in ihrer Fantasie existierte.
Die Gespräche wandten sich anderen Themen zu und so nippte Keylie schweigend und lauschend an ihrem Wasser.
„Hey,“ hörte sie es plötzlich nahe an ihrem Ohr und sie genoss das Gefühl von Alex’ heißem Atem, der sie dabei an der Wange streifte. „Du bist so still. Alles in Ordnung?“
„Alles bestens,“ nickte sie. „Ich finde es nur sehr interessant mir das alles anzuhören.“
„Na ja ... dafür, das wir das alles jedes Mal wieder durchkauen ... ,“ entgegnete er grinsend. „Also ich kann dir die Geschichten schon im Schlaf aufsagen.“
„Na und? Das ist doch das schöne daran, oder?“ lächelte sie.
„Hm,“ nickte er, während er sie ausgiebig musterte und sie das Gefühl nicht loswurde, dass sie schon wieder etwas falsches gesagt hatte. Doch er schwieg, ließ seine Hand stattdessen federleicht über ihren nackten Rücken wandern, bevor sie in ihrem Haar verschwand und zärtlich ihren Nacken liebkoste.
„Und Amy? Was macht das neue Album?“ fragte Romina in diesem Moment und lächelte sie von der anderen Seite des Tisches an.
„Es läuft hervorragend,“ gab Amy bereitwillig Auskunft. „Die neuen Songs schreiben sich wie von selbst und Fishie ist wirklich ein Meister im Beats produzieren.“
„Hast du nicht mal gesagt, er wäre ein kleines, mieses Etwas ohne Talent?“ hakte der Mann im gelben T-Shirt nach, während es plötzlich beunruhigend still um sie herum wurde.
Keylie schluckte nervös. „Das ist ja nun auch schon ne Weile her,“ versuchte sie sich heraus zu reden. „Inzwischen klappt unsere Zusammenarbeit ziemlich gut.“
„Und Larry? Ist sie immer noch so unmöglich?“ fragte ein weiters Mädchen am anderen Ende des Tisches.
„Was heißt schon unmöglich. Wir ergänzen uns beim Schreiben ziemlich gut,“ gab Keylie schulterzuckend zurück, während ihr die bezeichnenden Blicke zwischen den Anwesenden nicht entging.
„Meine Süße schlägt eben ganz neue Wege ein,“ sagte Alex in diesem Moment und sie konnte sich des Verdachts nicht erwehren, dass er absichtlich zu ihrer Verteidigung einsprang, was sie seltsamer Weise ärgerte.
„Larry ist nicht wirklich verkehrt,“ verteidigte Keylie ihre Freundin, die sie inzwischen wirklich schätzen gelernt hatte. Larry war vielleicht ziemlich laut, anstrengend und launisch, aber sie sagte immer das was sie gerade dachte. Von den Anwesenden in diesem Raum konnte sie dies jedenfalls nicht behaupten, zumindest sprachen im Moment ihre Blicke lauter als ihre Stimmen.
„Wie auch immer,“ beendete Mr. T-Shirt die Diskussion. „Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt auf dein neustes Machwerk.“
Das Mädchen, das eben noch so harmlos nach Larry gefragt hatte, kicherte und versuchte dies damit zu kaschieren, indem sie sich ihr Glas vor den Mund hielt, doch das verschwörerische Grinsen, das sie mit ihrer Sitznachbarin austauschte, ließ Keylie frösteln. Keine Frage, hier ging unterschwellig etwas ganz schräges ab und diese unausgesprochenen Witze gingen ganz eindeutig auf ihre Kosten.
„Mehr Kopien als das letzte Mal zu verkaufen dürfte ja auch kein Problem sein,“ hörte sie das Mädchen gehässig flüstern.
„Das sehe ich genau so,“ entgegnete Keylie laut und in ihre Richtung und erschrocken zuckte die Angesprochene zusammen.
Keylie lächelte zuckersüß und erhob sich dann.
„Ich werde mal die Toiletten aufsuchen,“ erklärte sie auf Alex’ fragenden und auch leicht beunruhigt wirkenden Blick hin, woraufhin er sich sichtlich entspannte.
Sie schob sich dem Ausgang entgegen und trat gleich darauf erleichtert aufatmend durch den Vorhang in den Flur hinaus. Meine Güte. Unter einem netten Beisammensein verstand sie aber etwas anderes.
Der Mann im dunklen Anzug hatte bereits das Seil aus seiner Verankerung gehakt, doch Keylie zögerte. Wollte sie wirklich wissen, was hinter ihrem Rücken über sie gesprochen wurde? Ja, ganz eindeutig.
Leise schlich sie die paar Schritte bis an den Vorhang zurück und schob ihn mit zwei Fingern ein Stückchen auseinander.
„ ... ist schon komisch, oder?“ hörte sie die Stimme des unverschämten Mädchens gerade sagen.
„Ich finde sie netter als sonst,“ antwortete Mr. T-Shirt.
„Lasst sie bitte in Ruhe,“ sagte Alex.
„Ach komm schon. Die Geschichte mit dem auf dem Tisch tanzenden Zwerg hat sie uns sooooo oft erzählt,“ hörte sie Romina. „Und er hieß schon immer Raul. Sie hat sich doch immer über den Namen lustig gemacht, weil er so gar nicht zu dem Typen passen wollte.“
„Und seine Unterhose hat er auch bisher immer anbehalten, weil er, wie Amy gerne betont hat, nichts zum Vorzeigen da drin hatte,“ ergänzte eine andere Stimme.
„Und an Larry und Fishie hat sie bisher auch kein gutes Haar gelassen,“ mischte sich eine weitere Stimme in das Gespräch ein.
„Ja, sie ist ein bisschen vergesslich in letzter Zeit, und?“ hörte sie Alex erneut.
„Ganz ehrlich AJ, macht dir das keine Angst?“ fragte Mr. T-Shirt.
„Es ist ein bisschen seltsam, ja. Aber ich liebe sie. Sie hat sich vorgenommen einen Neuanfang zu starten und alles was ich will ist, dass ihr das respektiert und sie so nehmt, wie sie ist. Ist das so schwer?“
„Nein, ist es nicht,“ entgegnete Romina unerwarteter Weise. „Aber es ist trotzdem unheimlich. Wie eine Story aus der Twilight Zone.“
„Ja, wahrscheinlich hat sich ein Alien Amys Körper bemächtigt,“ lachte eine andere Stimme und die anderen stimmten mit ein.
„Na hoffentlich kann dieses Alien besser singen,“ trieb es eine weitere auf die Spitze und Keylie beschloss, dass es nun genug sei.
Mit klopfendem Herzen und weichen Knien hastete sie den Gang hinunter, direkt hinein in ein Gewühl aus Menschen, die weiterhin ausgelassen zu der lauten Musik feierten.
Sie benötigte eine Weile um die Toiletten zu finden und als sie endlich in den hell erleuchteten, mit roten und weißen Fliesen ausgelegten Raum trat, verschanzte sie sich augenblicklich in einer der Kabinen.
Warum hatte sie sich auf dieses verdammte Spiel nur eingelassen? Warum hatte sie nicht einfach ihre Klappe gehalten?
„Das wäre genau so verdächtig gewesen,“ murmelte sie und ließ sich schwer auf den Toilettendeckel sinken.
Wie sie es auch drehte und wendete, sie hatte kaum eine Chance den anderen weiß zu machen, dass sie sich an irgendetwas aus ihrer Vergangenheit erinnerte. Damit war sie nun als seltsam, verwirrt und komplett durchgedreht abgestempelt und ihr war augenblicklich zum Heulen zumute.
Die Tür zum Toilettenraum ging in diesem Moment auf und die Musik hämmerte augenblicklich dröhnend in ihrem Kopf. Als sie wieder verstummte und nur noch das Wummern der Bässe zurück ließ, hörte sie eine Frauenstimme sagen: „Weißt du, wer heute das Separè gebucht hat? Irgendjemand großes, an den man sich heranschmeißen sollte?“
„Dieser Backstreet Boys Typ und seine Freundin,“ kam es von einem anderen Mädchen zurück.
„Howie, Nick oder AJ?“ fragte die erste zurück.
„AJ so viel ich weiß.“
„Hm, der ist lecker. Aber seine Freundin ... na ja.“
„So ne arrogante Zicke. Ich hab gesehen, wie sie mit ihm rein gekommen ist. Erst ein Bad in der Paparazzi Menge und dann ohne einen Blick auf das normale Fußvolk nach hinten durch.“
„Ich habe gehört, sie hätte ein Rollenangebot von Spielberg gehabt, das wurde allerdings zurückgezogen, nachdem sie sich mit ihrem Album so blamier hat.“
„Na, wen wunderst. Ihre Musik war doch eh nur Schrott.“
„Zudem ist sie noch nicht einmal hübsch, oder?“
„Nee, ganz bestimmt nicht.“
„Hast du ihr Kleid gesehen. Meine Güte, da hat meine Oma aufreizendere Klamotten im Schrank hängen.“
„Och, ich fand das eigentlich ganz okay. Von hinten ist es umwerfend.“
„Ja, wenn man ihre Visage nicht sehen muss,“ kicherte die eine und die andere stimmte mit ein.
Keylie biss sich mittlerweile auf die Lippe, um die Tränen zurück zu halten. Was hatte sie sich mit diesem Abend nur angetan?
„Ich glaube, ich werde meine Chancen bei diesem AJ mal testen.“
„Wahrscheinlich hast du sogar keine schlechten Aussichten. So wie ich gehört habe, sind die beiden so gut wie auseinander.“
„War da nicht was mit Fotos, die sie mit einem anderen gezeigt haben?“
„Ja. Sie hat in nem Club mit so nem Typen rumgeknutscht. Echt, so ne Schlampe.“
„Da fragt man sich doch ... ,“
Die Tür schwang auf und die Stimmen entfernten sich und Keylie blieb verzweifelt und hektisch atmend in ihrer Kabine zurück. Plötzlich wollte sie nicht mehr Amy Salinas sein. Egal wie sehr sie sich bemühte, sie würde in aller Augen immer die Schlampe und die Versagerin bleiben. Und das nicht nur in den Augen der Öffentlichkeit sondern auch bei den Menschen, die zumindest Alex als ihre Freunde betitelte.

Kapitel 23