Kapitel 17

No matter what we do
No matter what they say
We're the song inside the tune
Full of beautiful mistakes

And everywhere we go
The sun will always shine
And tomorrow we might wake up
on the other side

Cause we are beautiful no matter what they say
Yes, words won't bring us down
We are beautiful in every single way
Yes, words can't bring us down
So don't you bring me down today

Don’t you bring me down today

(Christina Aguilera – Beautiful)


Keylie verharrte mit geschlossenen Augen in der Aufnahmekabine des Studios, die Hände fest auf die Kopfhörer gepresst, in denen gerade eben die letzten sanften Töne des Klaviers verklangen. Drei Mal hatte sie jetzt schon dieses überwältigende Gefühl genossen einen Song fertig zustellen, die letzte Note einzusingen und damit zumindest die komplette Rohfassung vor sich zu haben. Fishie würde sich noch eine ganze Weile mit dem perfekten Arrangement aufhalten, das war schließlich sein Job, aber Keylie selbst hatte nun alles ihr mögliche getan.
Dementsprechend glücklich war sie also, als Larrys Stimme aus einem kleinen Lautsprecher an der Wand erschallte. „Das war überwältigend Amy. Ohne Mist.“
„Bist du dir sicher?“ hakte Keylie mit einem Lächeln nach. „Kein zweiter Take? Nicht hier und da noch einmal nachkorrigieren?“
„Nein, nein,“ setzte Larry an, als sich Fishie amüsiert in Keylies kleines Spiel einklinkte und jeden, von Larry in den vergangenen drei Wochen angebrachten Kommentar wiederholte.
„Nicht noch einmal am Ausdruck feilen?“ fragte er und man konnte sein Grinsen selbst auf Keylies Seite der Scheibe hören. „Vielleicht ist auch die Tonlage nicht ganz sicher.“
„Oder wir sollten Part vier noch einmal machen, weil man die Botschaft nicht so ganz erkennt,“ grinste Keylie.
„Wir könnten aber auch alles noch einmal umschmeißen, weil Larry ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache hat,“ warf Fishie glucksend ein.
„Haltet die Klappe ihr großen Kinder. Es ist gut so wie es ist, verdammt noch mal,“ beschwerte sich Larry und blies aufgebracht eine kräftige Rauchwolke gegen die schalldichte Kabinenscheibe.
Fishie lachte meckernd, während Keylie den Kopfhörer an eine Ecke des Notenständers hängte, mit einem breiten Grinsen durch die Kabinentür trat, einen kurzen Gang hinunter lief und gleich darauf die Tür in das eigentliche Studio öffnete.
„ ... wirklich nutzlos,“ beschwerte sich Larry gerade bei Fishie, was dieser allerdings komplett ignorierte. Von seiner anfänglichen Unsicherheit Larry gegenüber war nicht mehr viel übrig geblieben, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Band seines Cousins selbst in den Augen dieser matronenhaften Frau Zustimmung fand.
The Brainless Wankers wie sie sich selbst nannten, arbeiteten auf Abruf. Wenn ein Song auf dem Papier fertig gestellt war und Keylie die erste Rohfassung der Melodie auf dem Klavier oder der Gitarre eingespielt hatte, kamen sie vorbei und spielten wenn es sein musste eine ganze Nacht oder auch zwei, bis die „Dreifaltigkeit“, wie sie Fishie, Larry und Keylie nannten, zufrieden mit den Aufnahmen war.
Somit hatte Keylie in den letzten drei Wochen mehr Zeit im Studio als zu Hause verbracht und Alex hatte bereits gutmütig bemerkt, dass er sie jetzt wohl an die Musik verloren hatte.
Ihr selbst war es mehr als recht, dass sie erst einmal Gelegenheit bekommen hatte, sich außerhalb ihrer vier Wände als Amy Salinas zu beweisen. Sie fand es wesentlich einfacher Larrie und Fishie davon zu überzeugen, dass sie sich geändert hatte als ihren „Freund“, der immer noch jeden ihrer Schritte mit offensichtlichem Misstrauen verfolgte.
Doch für heute hatte sie sich vorgenommen ins kalte Wasser zu springen und Alex zu überraschen. Der dritte Song war fertig, Larry und Fishie wirkten schon seit zwei Tagen ausgepowert und als könnten sie eine Pause vertragen und sie selbst sehnte sich inzwischen ebenfalls nach einem netten, ruhigen Abend zu Hause.
„Das war es dann also?“ fragte sie noch einmal in die Runde.
„Jep, das war Song Nummer drei und wenn wir in diesem Schneckentempo weiter machen, wird das Album niemals fertig,“ schnaubte Larry.
„Schnell mal ein paar müllige Songs einsingen kann jeder,“ bemerkte Fishie.
„Es wird doch von Tag zu Tag besser,“ warf Keylie ein. „Wir haben eben ein bisschen Anlaufzeit gebraucht.“
„Anlaufzeit, ja, ja. Aber jetzt schon Schluß machen wollen. Damit fehlt uns wieder ein halber Tag, das ist dir hoffentlich klar,“ nörgelte Larry immer noch.
„Dafür stehen die nächsten beiden Songs schon mehr oder weniger fertig in den Starlöchern, also mach dir nicht ins Hemd,“ entgegnete Fishie mit gerunzelter Stirn.
„Fishie!“ lachte Keylie. „Pass nur auf. Am Ende weiß ich nicht mehr wer von euch beiden wer ist.“
„Die biestige ist die da drüben, der nette bin dann ich,“ scherzte Fishie und ignorierte dabei Larrys Gesichtsfarbe, die ganz allmählich von zartrosa zu dunkelrot wechselte und ein untrügliches Zeichen dafür war, dass man sich spätestens jetzt in Sicherheit bringen sollte, so lange man noch die Gelegenheit dazu hatte.
„Ich bin dann weg,“ verabschiedete Keylie sich also schnell, hängte sich ihre Tasche um die Schulter und entwischte durch die Tür, noch während Larry sich Fishie vorknöpfte.
„Hör mal zu du Zwerg. Was zu viel ist zu viel ... ,“
Dann schloss sich die schalldichte Tür hinter Keylie und mit einem grinsenden Kopfschüttelnd ging sie den dämmrigen Flur hinunter in die Empfangshalle.
Sie verabschiedete sich mit einem kurzen Winken bei Leyla vom Empfang, was diese inzwischen ebenfalls mit einem kurzen Gruß und einem Lächeln erwiderte und trat dann hinaus durch die Drehtür in einen strahlenden Sommertag. Während sie ihre Tasche auf den Beifahrersitz ihres Wagens warf und rückwärts aus der Parklücke setzte, dachte sie mit einem Lächeln daran, was für ein Glück sie doch gehabt hatte.
Ja, am Anfang war alles noch schwierig und sehr verwirrend gewesen. Aber nach diesem schicksalsschweren Tag, als sie sich selbst im Krankenhaus einen Besuch abgestattet hatte, hatte plötzlich alles ganz klar und deutlich vor ihr gelegen.
Vielleicht wäre es anders verlaufen, wenn ihre tägliche Aufgabe darin bestanden hätte Regale im Supermarkt aufzufüllen oder in irgendeinem Büro seitenlange Berichte zu tippen, doch stattdessen hatte sich ihr Kindheitstraum erfüllt. Und egal wie dieses Album am Markt ankommen würde, sie selbst war damit bisher mehr als zufrieden. Es enthielt eine gehörige Portion Keylie Constance, aber auch einen kleinen Anteil von Amy Salinas und je weiter die Zeit fortschritt, umso besser lernte Keylie diese beiden verschiedenen Persönlichkeiten miteinander zu verbinden.
Immer noch in sich hinein lächelnd lenkte sie den Wagen schließlich auf den Parkplatz eines Supermarkts. Sie wusste zwar nicht, ob Alex sich wundern würde, wenn sie ihm plötzlich ein ordentliches Abendessen kochte, aber auch er musste lernen, dass sich einige Dinge geändert hatten und da wollte sie lieber gleich mit etwas positivem anfangen.
Mit ihrem Einkaufswagen streifte sie durch die Regale, lud nötiges und unnötiges hinein und summte dabei den letzten fertigen Song vor sich hin, während sie überlegte, ob sie diesen vielleicht als erste Single wählen sollte.
Im Gang mit den Nudeln angekommen, hörte sie plötzlich ihren Namen und augenblicklich hielt sie wie erstarrt inne. Die Stimmen kamen von jenseits des Regals und sie schienen darum bemüht, möglichst leise zu sprechen. Doch da sich Keylie auf gleicher Höhe befand, blieb dies wirkungslos.
„ ... habe gerade Amy Salinas gesehen,“ hörte sie eine weibliche Stimme aufgeregt hervorstoßen.
„Salinas? Wer ist das?“ kam es von einer anderen Frauenstimme zurück.
„Das ist doch die, die mit einem von diesen Backstreet Boys Typen zusammen ist. AJ irgendwas. Sie hat letztes Jahr ein eigenes Album herausgebracht und das war so dermaßen schlecht, dass man es nur auf Anfrage unter dem Ladentisch bekommen hat.“
„Ach ja, jetzt wo du es sagst erinnere ich mich. Und die kauft hier ein?“
„Na, für den Delikatessenladen wird es nicht mehr reichen.“
Gehässiges Gekicher folgte.
„Tut diesen abgehobenen Hollywood Schnepfen auch mal ganz gut auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden, was?“
„Da sagst du was. Diese Salinas ist so was von arrogant kann ich dir sagen. Sie hat immer auf alle anderen herabgesehen und als das dann mit ihrem Album in die Binsen ging, hat sie sich ganz schnell verdrückt.“
„Hätte ich an ihrer Stelle auch getan. Was für ne Blamage!“
„Eben.“
„Ist sie denn mit dem Typen noch zusammen?“
„Ja, aber man munkelt, dass es da auch kriselt. Ich meine ... mal ehrlich, wenn er schlau ist lässt er sie ganz schnell sitzen. Mit so einer wollte ich doch nichts zu tun haben.“
„Ist es nicht unfair, dass die sich immer mit Leuten gleichen Schlags zusammen tun? An solchen Normalo-Frauen wie uns hätten die viel eher ihre Freude.“
„Oder sie sollten sich wenigstens jemandem vernünftigen heraus suchen. So wie dieser Timberlake. Der hat sich doch die Paltrow geschnappt und ...,“
„Nee, nee. Da verwechselst du jetzt was. Der war doch mit dieser „Verrückt nach Marry“ Tussi zusammen.“
„Eben, sag ich doch. Hieß die nicht Paltrow?“
„Nee, das war die ... ,“
Keylie hatte genug gehört. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend schob sie ihren Einkaufswagen direkt zur Kasse, bezahlte und schleppte dann ihre beiden randvollen Tüten zum Auto. Währenddessen hörte sie immer wieder die abfälligen Kommentare der beiden Frauen und fragte sich dabei unbehaglich, wie viel davon der Wahrheit entsprach. Munkelte man tatsächlich, dass es zwischen ihr und Alex kriselte?
Dass Amys letzte Album Schrott gewesen war, war ihr auch bewusst, aber dieser gehässige und abfällige Ton in den Stimmen dieser Hausfrauen, die in ihrem Leben wahrscheinlich noch nicht mehr als einen Schulabschluss und eine Hochzeit zustande gebracht hatten, machte sie unbestreitbar wütend.
Man konnte über Amy Salinas sehr viel sagen, aber sie hatte im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr bestes gegeben. Das sollten ihr diese Supermarkt-Schnepfen erst einmal nachmachen.
Ihre Wut war immer noch nicht ganz verraucht, als sie die Auffahrt zu ihrem zu Hause hinauf fuhr. Sie würde es allen zeigen, so viel war sicher. Wenigstens das war sie Amy Salinas schuldig.
Sie stutze, als sie vor dem Haus ankam und neben Alex’ Geländewagen einen kleinen, blauen Golf bemerkte. Hatte er Besuch? Und warum hatte er ihr nichts davon erzählt? Naja ... vielleicht hatte es in seinen Augen auch keinen Sinn gemacht, da sowieso nicht davon auszugehen war, dass sie so früh nach Hause kam. Andererseits fand sie es doch etwas seltsam.
Sie schämte sich ein bisschen dafür, dass sie erst einmal ihre Einkäufe im Auto ließ, so leise wie möglich den Schlüssel im Schloss drehte und sich dann lautlos ins Haus schob. Was erwartete sie denn vorzufinden? Alex und eine andere Frau? Das konnte sie sich eigentlich nicht vorstellen. Immerhin hatte er die ganze Zeit um sie gekämpft, ihr zugehört und hatte, trotz dem sie unausstehlich gewesen war, immer zu ihr gehalten.
Andererseits hatte ihn Amy mit ihrer Affäre auch ganz schön verletzte. Die Wunden waren noch nicht verheilt, das Vertrauen noch nicht wieder komplett hergestellt und wenn man schon in der Öffentlichkeit munkelte, dass ihre Beziehung auf wackligen Füßen stand, war vielleicht doch etwas wahres dran. Vielleicht hatte er sich also eine Ablenkung von seinem tristen Beziehungsalltag gesucht und diese Vorstellung schnürte Keylies Kehle zu und ließ ihr Herz ängstlich schneller klopfen.
Mit wenigen Schritten hatte sie den Flur durchquert und den Durchgang zum Wohnzimmer erreicht. Leise Musik drang zu ihr in den Gang, bevor sich Alex’ Stimme hinein mischte.
„Sie arbeitet praktisch Tag und Nacht an dem neuen Album.“
„Und? Meinst du, es wird wieder so eine Katastrophe wie das letzte Mal?“ antwortete eine Frauenstimme und Keylie wurde es mulmig.
„Nein, ganz und gar nicht. Ihr solltet es hören. Die Songs sind einfach atemberaubend.“
„Wie kommst du denn sonst so mit ihr zurecht?“ fragte eine weiter Frauenstimme und Keylie lehnte ihre erhitzte Wange an die kühle Wand.
„Im Moment sehen wir uns kaum,“ antwortete Alex ausweichend.
„Was ja auch schon ein deutliches Anzeichen sein kann,“ bemerkte Mädchen Nummer eins.
„Ein Anzeichen wofür?“ fragte Alex.
„Dafür, dass bei euch irgendetwas nicht so läuft, wie es sollte.“
„Ach komm schon Romi. Du weißt ganz genau, dass es bei uns nicht so läuft wie es sollte. Aber wir arbeiten daran.“
„Ist ein bisschen schwierig, wenn sie nie da ist, oder?“ gab Mädchen Nummer zwei zu bedenken.
„Das mag sein, aber im Moment steht ihr Album an oberster Stelle und das ist gut so. Bei mir läuft es doch auch nicht anders.“
„Tut mir leid, aber ich verstehe echt nicht, was du an ihr findest,“ sagte das mit Romi angesprochene Mädchen Nummer eins.
„Genau. Das eine Mal als wir sie kennen gelernt haben war sie so was von oben herab und arrogant,“ gab Mädchen Nummer zwei auch noch ihren Senf dazu.
„Sie ist halt manchmal etwas schwierig,“ gab Alex zu. „Aber sie bemüht sich. Wirklich. Ich habe das Gefühl, dass sie ... wie soll ich das sagen ... dass sie ein neuer Mensch geworden ist.“
„Ha, ha, guter Witz,“ lachte Romi freudlos.
„Im Ernst,“ verteidigte sich Alex. „Am Anfang hatte das schon beinahe schizophrene Züge.“
„Erzähl mir mehr,“ hörte Keylie Romi sagen und konnte förmlich vor sich sehen, wie sie sich in ihrem Sessel gespannt nach vorne beugte.
„Ich kann das schwer in Worte fassen. Sie ... ist zum Beispiel einmal nachts aufgewacht und wusste nicht mehr wer sie ist.“
„Wusste nicht mehr wer sie ist? Das klingt ja furchtbar,“ stieß Mädchen Nummer zwei entgeistert hervor.
„Im Ernst. Sie stand vor dem Spiegel und hat sich angestarrt wie ein Alien und dann hat sie mich gefragt, was passiert sei. Total strange.“
„Ach du meine Güte. Klingt, als sei sie vollkommen durchgedreht,“ bemerkte Romi.
„Das dachte ich am Anfang auch manchmal,“ gestand Alex und Keylie schluckte hart. Wo war sein Einfühlungsvermögen hin? Seine Sanftheit? Sein Verständnis? War das sonst nur Show? Aber was machte das alles dann für einen Sinn?
„Und jetzt?“ fragte Romi weiter und Keylie lauschte gespannt.
„Jetzt? Wenn ich das wüsste,“ gab Alex lediglich zurück und Keylies Herz sackte in ihre Kniekehlen.
„Liebst du sie noch?“ hakte Mädchen Nummer zwei nach.
„Ich weiß es nicht so genau. Ich meine ... doch schon irgendwie ... es ist nur alles ... etwas schwierig zur Zeit. Sie ist kaum zu Hause und wenn, dann benimmt sie sich oft total komisch. Ich meine ... manchmal sind die Veränderungen auch durchaus positiv. Sie scheint ruhiger geworden zu sein und nicht mehr so aufbrausend, aber dann gibt es wieder Momente in denen ich sie ansehe und mich frage, wo die alte Amy hingekommen ist. Es ist einfach seltsam ... ,“
Keylie hatte genug gehört. So lautlos wie sie gekommen war schlich sie zurück durch den Flur, öffnete die Haustür und zog sie gleich darauf lautlos wieder hinter sich zu. Dann ging sie zum Wagen, nahm die Einkaufstüten aus dem Kofferraum und ihre Tasche vom Beifahrersitz und lief wieder zurück zur Eingangstür.
Sie hatte weder eine Ahnung, wie sie sich jetzt verhalten sollte, noch, was sie von dem eben belauschten Gespräch halten sollte. So wie es aussah war sie in aller Leute Augen eine arrogante Versagerin und Alex war von dieser Meinung scheinbar auch nicht sehr weit entfernt.
„I am beautiful, no matter what they say,“ sang sie leise vor sich hin, während sie die Haustür aufschloss. „Words can’t bring me down. I am beautiful in every single way. Words can’t bring me down.“
Noch während sie die Eingangstür mit einem kräftigen Tritt hinter sich schloss, rief sie bereits in das Haus hinein.
„Halloho. Ich bin zu Hause.“
Alex erschien im Durchgang zum Wohnzimmer, gerade als sie voll beladen um die Ecke des Ganges bog.
„Hey, du bist schon da?“ fragte er überrascht und beeilte sich, ihr eine der Tüten abzunehmen.
Während sie nacheinander in die Küche marschierten, plapperte Keylie nervös drauf los. „Ja. Ich habe mir gedacht, ich mache heute mal etwas früher Schluß und verbringe den Abend mit einem netten Menschen anstatt mit diesen aufgescheuchten Hühnern im Studio.“
„Das ... ist ... schön,“ entgegnete Alex, offensichtlich immer noch verblüfft.
„Das hoffe ich doch,“ lächelte sie, stellte ihre Tüte auf der Arbeitsplatte ab und gab ihm dann einen schmatzenden Kuß.
„Wir haben übrigens Besuch,“ erklärte er dann, während er seine Tüte neben Keylies abstellte.
„Ich habe mich schon gewundert, wem der Golf da draußen gehört,“ nickte sie und folgte ihm dann nervös hinüber ins Wohnzimmer.
Wie bereits vermutet saßen gleich zwei junge Frauen auf dem Sofa.
„Erinnerst du dich an die beiden?“ fragte Alex, während die Frauen aufstanden.
Keylie konnte sich des Verdachts nicht erwehren, dass er ihr Erinnerungsvermögen mit dieser Frage testen wollte und dementsprechend siegessicher nickte sie.
„Ich glaube wir haben uns schon einmal gesehen. Romi, richtig?“ sagte sie, während sie der kleinen, dunkelhaarigen Frau die Hand schüttelte und hoffte, dass sie die richtige erwischt hatte. Ihr Pony war kerzengerade geschnitten, die langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und sie trug ein schulterfreies, gestreiftes Top, das den Blick auf einen großen, bunten Schmetterling freigab, der auf ihrer Schulter zu sitzen schien.
„Ja richtig,“ nickte Romi zu Keylies großer Erleichterung und schenkte ihr dabei auch noch ein breites, unschuldiges Lächeln. Sie konnte kaum glauben, dass sich gerade diese Frau eben noch so abfällig über sie geäußert hatte.
„Deinen Namen habe ich allerdings vergessen,“ gestand Keylie zerknirscht, als sie sich an das andere Mädchen wandte. Ihr Herz machte einen erschrockenen Satz, als sie den kugelrunden Babybauch der jungen Frau unter deren weißer Bluse erkannte und ein schmerzhaftes Ziehen machte sich augenblicklich in ihren Eingeweiden breit. Sie hoffte inständig, dass man ihr dies nicht all zu deutlich ansah.
„Das macht doch nichts. Ist ja auch schon ne Weile her. Ich bin Maria,“ sagte die blonde Schönheit mit dem Schmollmund und den wunderhübschen, tiefblauen Augen, bevor sie Keylies Hand kurz schüttelte und sich dann wieder in die Polster fallen ließ.
„Ich wollte heute Abend etwas kochen, möchtet ihr zum Essen bleiben?“ fragte Keylie höflich und hoffte, dass die beiden ablehnen würden.
„Vielen Dank, aber wir waren sowieso gerade am Gehen,“ informierte sie Maria.
„Schade,“ entgegnete Keylie und gratulierte sich innerlich zu ihrer grandiosen, schauspielerischen Leistung. „Ich werde dann mal ... ,“ sagte sie schließlich an Alex gewandt, schenkte ihm noch ein breites, warmes Lächeln und zog sich dann so schnell wie möglich aus dem Wohnzimmer zurück.
In der Küche angekommen ließ sie sich mit zitternden Knien auf einen Stuhl fallen und starrte für einen Moment regungslos vor sich hin. Wieso brachte sie nur der Anblick dieses schwangeren Bauches so sehr aus der Fassung? Ihr Baby war tot und nichts und niemand konnte es zurück bringen. Warum lernte sie das nicht endlich?

Kapitel 18