Kapitel 16

Keylie erwachte von den ersten Sonnestrahlen, die durch die Vorhänge blinzelten und sich wärmend auf ihr Gesicht legten. Für einen Moment verharrte sie noch mit geschlossenen Augen und versuchte sich ihr Umfeld vorzustellen: Das riesige Schlafzimmer, der wuchtige Kleiderschrank vor dem Bett, der dunkle Holzfußboden. Das alles war ihr mittlerweile beinahe vertraut. Was allerdings neu war, war das Gefühl eines Armes, der locker über ihrer Hüfte lag.
Nun spürte sie auch die Wärme von Alex’ Körper, der sich an ihren Rücken schmiegte, fühlte seine ruhigen Atemzüge in ihrem Haar und seine Hand, die unter der Bettdecke auf ihrer lag. Gestern noch hätte sie sich so schnell wie möglich aus seiner Umarmung befreit, doch heute blieb sie einfach still liegen und versuchte die Mischung aus Angst, Unbehagen und Freude nieder zu kämpfen, die ihr Herz höher schlagen ließ.
Um sich abzulenken dachte sie noch einmal an den vergangenen Abend. Sie konnte nicht mehr genau sagen, wie sei eigentlich nach Hause gekommen war. Sie musste wohl irgendwann zurück zu ihrem Wagen gelaufen sein und hatte ihn ganz automatisch hier her gelenkt. Schließlich fand sie sich in diesem Schlafzimmer wieder während Alex’ sanfte Stimme sie endgültig aus ihrer Lethargie riss.
Sie konnte nicht genau sagen wieso, aber in ihrem folgenden Gespräch hatte sie die Erkenntnisse und Entscheidungen, die sie an diesem endlosen Tag eher unbewusst getroffen hatte, das erste Mal in Worte gekleidet und dabei gefühlt, das diese richtig und notwendig waren.
Seit zwei Tagen quälte sie sich mit Fragen, auf die sie keine Antworten fand und hatte dabei vollkommen übersehen, welche Chance ihr mit diesem neuen, fremden Leben gegeben worden war. Sie hatte lamentiert, anstatt sich zu freuen, sie hatte sich gewehrt, anstatt das neue Leben anzunehmen und sie hatte verletzt, wo sie eigentlich hätte heilen können.
Sie wusste nicht, ob das Gespräch mit ihrem Vater der Auslöser gewesen war. Vielleicht war die Gewissheit, dass ihr Körper zwar immer noch existierte, ihr Baby aber nicht mehr lebte der Grund für ihren Sinneswandel. Vielleicht war es aber auch einfach nur an der Zeit gewesen sich von der Dunkelheit und der Verwirrung abzuwenden, bevor sie endgültig den Verstand verlor und gar nicht mehr wusste, was in ihr Amy und was Keylie war.
Es hatte sie erschreckt feststellen zu müssen, dass sie zwar darauf beharren konnte, dass lediglich Amys Körper an die frühere Frau erinnerte, ihr Verstand aber zu hundert Prozent Keylie Constance war, dies aber nicht ganz der Wahrheit entsprach. Ihre Umwelt nahm sie immer noch als Amy wahr und prägte damit auch Keylies Handeln. Immer wieder war sie gezwungen sich zu fragen, was Amy wohl in dieser Situation getan, wie sie reagiert und gehandelt hätte und die Erkenntnisse aus diesen Überlegungen vermischten sich auf seltsame Weise mit Keylies Geist.
Dieses Gefühl war unglaublich schwer zu beschreiben oder in Worte zu fassen. Es war nicht so, dass noch Reste von der alten Amy vorhanden waren, vielmehr passten sich Keylies Gedanken und Emotionen ihrer neuen Realität an. Und in dieser neuen Realität, war Amys Geist noch mehr als präsent.
Desweiteren war ihr auch klar, dass die Theorie von einem Neuanfang zwar gut klang, aber in der Praxis doch einige Probleme auf sie zukommen würden. Das größte Hindernis lag im Moment so nahe bei ihr, dass sie seine Präsenz mit jeder Faser ihres Körpers spüren konnte. Sie mochte Alex, sie mochte ihn sogar sehr, das war auf jeden Fall unbestreitbar, aber genügte das um mit ihm eine Beziehung zu führen, die er für wahr und echt hielt, sie aber im Moment mehr spielte als fühlte?
Mit der Entscheidung, hier bei ihm zu bleiben und mit ihm gemeinsam einen Neuanfang zu starten, hatte sie sich wahrscheinlich mehr Probleme aufgehalst, als sie im Endeffekt gelöst hatte. Es war schon verwirrend und anstrengend genug, sich in Amys Leben zurechtzufinden, auch ohne dass sie einen Mann an ihrer Seite hatte, der ebenfalls gewisse Erwartungen an sie stellte. Er war immer noch der Meinung, dass er seine Freundin vor sich hatte, auch wenn diese anscheinend im Moment ziemlich durchgeknallt und seltsam war. Er liebte diese Frau in deren Körper sie steckte und eine Hülle, so viel war klar, konnte nichts fühlen.
Und trotzdem ... als er sie gestern Abend küsste, hatte sich ein eigentümliches Kribbeln in ihrer Magengegend ausgebreitet und als er sich später zu ihr unter die Bettdecke schob und sie wie selbstverständlich an sich drückte, hatte sie sich nicht gewehrt. Zum Einen, weil sie ihn nicht schon wieder vor den Kopf schlagen wollte, zum Anderen aber auch, weil sie sich in seiner Umarmung wohl fühlte und weil sie meinte, dass er damit ihrer im Moment aus den Fugen geratenen Welt einen Halt gab. Augenblicklich hatte sich eine wohltuende Ruhe über sie gelegt. Eine angenehme, tröstende Ruhe, die sie schon eine ganze Weile nicht mehr gefühlt hatte. Sowohl in ihrem Leben als Keylie Constance und schon gar nicht im Leben der Amy Salinas.
Sie seufzte leise, bevor sich ein unerwartetes Lächeln auf ihre Lippen schlich. Die nächsten Wochen würden schwierig werden, so viel war klar, aber da sie keine andere Wahl hatte, musste sie da wohl oder übel durch. Und seltsamer Weise freute sie sich tatsächlich auf diese unbekannte Reise, von der sie im Moment noch nicht wusste, wo sie ankommen würde.
Also schlug sie die Bettdecke zurück, hob Alex Arm vorsichtig an und schob sich so leise wie möglich unter ihm hervor aus dem Bett. Auf nackten Sohlen schlich sie durch den Flur, goss sich in der Küche ein Glas eiskalte Milch ein und betrat gleich darauf das Musikzimmer. Da ihre Hand immer noch pochte und schmerzte konnte sie nicht wirklich Klavier spielen, aber es sollte reichen um den Worten, die sich seit gestern in ihrem Kopf auftürmten eine Melodie zu geben.
Sie stellte das Glas auf dem Fensterbrett ab, wühlte eine Weile in einem Stapel Papieren nach einem leeren Blatt und setzte sich dann mit diesem und einem Bleistift bewaffnet an das Piano. Die Beine unter ihren Körper zu ziehen stellte auf dem kleinen Hocker eine kleine Herausforderung dar, doch schlussendlich hatte sie es geschafft es sich einigermaßen bequem zu machen und die ersten Worte fanden wie von selbst ihren Weg auf das Papier.

I woke up this morning with a smile on my face
And nobody's gonna bring me down today
Been feeling like nothing's been going my way lately
But I decided right here and now, that my outlook's gonna change
That's why I'm gonna
Say goodbye to all the tears I've cried
Everytime somebody hurt my pride
Feelin' like they won't let me live life
Take the time to look at what is mine
(Christina Aguilera – Keep on singin’ my song)

Befriedigt schaute sie einen Moment auf die Buchstaben hinunter, die ein wenig krakelig geraten waren und wandte sich dann dem Piano zu. Mit dem Kopfhörer auf den Ohren begann sie mit einer Hand zu spielen. Sie summte vor sich hin, versuchte diese Töne mit den Tasten einzufangen und notierte immer wieder Akkorde über die entsprechenden Worte in ihrem Text. Nach und nach entstand so ein perfektes Bild in ihrem Kopf. Ein Bild aus sanften Klaviertönen, klaren Worten und Sonnenschein, der zwischen den einzelnen Zeilen hervorlugte.
Als die Tür hinter ihr aufging, war sie so sehr in die Musik versunken, dass sie Alex erst bemerkte, als er neben sie und damit in ihr Blickfeld trat. Etwas umständlich zog sie sich den Kopfhörer von den Ohren und blickte lächelnd zu ihm auf. Das erste Mal verursachte seine unerwartete Anwesenheit kein nervöses Kribbeln in ihr und sie wertete dies als gutes Zeichen.
„Guten Morgen,“ begrüßte sie ihn also.
„Ebenfalls guten Morgen,“ lächelte er verschlafen zurück. „Ich hatte schon Angst, du wärst über Nacht einfach verschwunden.“
„Nein,“ gab sie zurück und schüttelte dabei bekräftigend den Kopf.
„Das ist gut,“ entgegnete er, zerwuselte sich dann müde das Haar und ließ sich im Schneidersitz neben ihren Hocker auf dem Boden nieder. „Möchtest du mir vielleicht ein bißchen was vorspielen?“ fragte er mit einem kurzen Kopfnicken auf ihren Zettel.
„Ich weiß nicht,“ gab sie leicht befangen zurück. „Ich ... uhm ... habe gerade erst damit angefangen und es ist vielleicht noch nicht ... ähm ... ganz perfekt.“
„Das macht doch nichts. Ich würde es trotzdem gerne hören. Ich bin nämlich ziemlich neugierig, weißt du?“
„Tatsächlich?“ fragte sie grinsend und zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Jup. Jetzt ist es heraus. Mein großes Geheimnis,“ grinste er zurück und breitete die Arme aus.
„Na dann kann ich ja gar nicht anders, was?“
„Eben. Genau so sehe ich das auch.“
„Na gut,“ gab sie, immer noch etwas zögerlich nach.
Sie zog den Anschluß des Kopfhörers aus der Buchse, legte sich ihren Zettel so zurecht, dass sie gleichzeitig den Text und die Akkorde davon ablesen konnte und verharrte dann noch einen Moment mit ihren Fingern auf den Tasten.
„Bitte sei gnädig, ja?“ bat sie ihn.
„Das bin ich immer,“ gab er leise lächelnd zurück.
Sie schnaubte lediglich als Antwort, dann nahm sie ihren gesamten Mut zusammen und begann zu spielen.
Die ersten Töne durchfluteten den Raum und auch wenn sie durch die fehlende, zweite Hand eher eindimensional klangen, war ihnen doch bereits jetzt die Kraft anzuhören, die sie einmal ausstrahlen würden.
Nach dem kurzen Vorspiel setzte ihre Stimme ein. Sie bemühte sich so viel Ausdruck und Kraft hinein zu legen, wie ihr so früh am Morgen möglich war, denn sie wollte Alex ohne Frage beeindrucken. Wenn jemand etwas von Musik verstand, dann wohl er und das schlimmste was ihr passieren konnte war ein vernichtendes Urteil von seiner Seite.
Da ihr Song bisher nur aus einer einzigen, halbfertigen Strophe bestand, war ihre Vorstellung ziemlich schnell zu ende. Sie klimperte am Ende noch ein bißchen herum, damit der Schluß nicht zu plötzlich und abgehackt klang, dann verstummte das Klavier endgültig und mit klopfendem Herzen wartete sie auf Alex’ Urteil.
Er ließ sich Zeit, in der sie seine dunklen Augen auf ihrem Gesicht förmlich brennen spürten konnte.
„Und?“ fragte sie schließlich, weil sie diese Ungewissheit keine Sekunde länger mehr ertragen konnte.
„Ein viel versprechender Anfang,“ nickte er. „um nicht zu sagen ein großartiger Anfang,“ fügte er noch mit einem Grinsen hinzu.
„Puh,“ seufzte Keylie erleichtert und legte sich dabei theatralisch eine Hand aufs Herz.
„Im Ernst. Der Text ist wunderschön, die Melodie verspricht schon jetzt ein Ohrwurm zu werden und beides passt perfekt zusammen.“
„Aber?“ hakte sie nach, nachdem er unvermittelt verstummte.
„Aber ... hm ... eigentlich kein Aber. Es ist nur ... ,“ er stockte erneut, was Keylie dazu veranlasste sich zu ihm herum zu drehen und die Füße wieder auf den Boden zu stellen.
„Es ist nur ... ,“ versuchte sie ihm zum Weiterreden zu ermutigen.
„Wo kommt das auf einmal her? Ich meine ... ich kenne dich jetzt schon eine ganze Weile und ich habe nie ... du hast noch nie ... also ... zumindest nicht, dass ich wüßte ... ,“
„Vielleicht wollte ich nicht, dass du es hörst,“ sagte Keylie leise.
Und da war es wieder, dieses Verbundenheitsgefühl mit dieser fremden Frau, in deren Körper sie gelandet war. Noch nie hatte jemand Keylie beim Schreiben ihrer Songs über die Schulter gesehen und es gab nur sehr wenige Menschen, die ihre Lieder jemals zu hören bekommen hatten. Sie hatte sich immer eingeredet, dass es ihr eben an Möglichkeiten mangelte, aber im Grunde hatte sie sich selbst etwas vorgemacht. Sie wollte nicht, dass jemand ihre Songs beurteilte, weil sie der Meinung war, ein negatives Ergebnis nur schwer verkraften zu können.
„Wieso wolltest du nicht, dass ich sie höre?“ fragte Alex weiter.
„Ich weiß nicht ... ,“ entgegnete Keylie ausweichend und zog in einer unbewussten Geste die Schultern hoch.
„Hattest du Angst, ich würde sie nicht mögen?“ hakte er nach.
„Vielleicht.“
„Magst du sie denn?“
Sie nickte stumm.
„Dann sollte es dir egal sein, was andere Leute darüber denken,“ stellte er mit einem Lächeln fest.
„Ist es aber nicht,“ gab sie zu. „Ich meine ... ein Künstler lebt doch davon, was andere über seine Musik denken. Vielleicht ... beurteile ich mich ja ganz falsch.“
„Hm ... ich verstehe, was du meinst, aber ich kann dir definitiv bestätigen, dass du ein unglaubliches Talent hast. Du bist im Besitz einer Wahnsinns-Stimme, du hast das richtige Ohr für die passende Musik und auch noch die Begabung, das was in deinem Kopf vorgeht in die Realität umzusetzen. Glaub mir, diese Kombination gibt es nicht sehr oft im Musikbusiness.“
„Vielleicht bin ich noch nicht lange genug dabei um das beurteilen zu können,“ entgegnete sie mit einem schiefen Lächeln.
„Naja, daran arbeiten wir eben noch,“ grinste er.
„Guter Plan,“ nickte sie.
„Ich würde ja gerne noch länger hier mit dir sitzen, aber die Arbeit ruft,“ sagte er schließlich mit Bedauern in der Stimme und stand auf.
„Oh ja. Und ich befürchte, Larry wird nicht sehr gut auf mich zu sprechen sein,“ stimmte Keylie zu, schaltete das Piano aus und erhob sich ebenfalls.
„War sie sehr aufgebracht, als du sie gestern Abend angerufen hast?“ fragte Alex, während er vor ihr durch den Flur hinunter ins Schlafzimmer ging.
„Auf der nach oben offenen Larry-Skala wahrscheinlich eine fünf,“ gestand Keylie, der die laute, wütende Stimme ihrer Freundin noch ziemlich gut im Gedächtnis geblieben war.
„Sie soll sich nicht so anstellen. Jeder hat mal einen schlechten Tag,“ sagte Alex und man konnte ihm ganz deutlich den Abscheu für diese Frau anhören.
„Sei nicht so hart zu ihr,“ verteidigte Keylie ihre Freundin, während sie in dem begehbaren Kleiderschrank verschwand und hoffte, dass sie wenigstens heute etwas vernünftiges zum Anziehen fand und nicht schon wieder auf Alex’ Klamotten zurückgreifen musste.
„Ich weiß auch nicht,“ kam es gedämpft aus dem Schlafzimmer. „Sie ist mir einfach suspekt. Spätestens, als sie dich mit dem letzten Album ins offene Messer hat laufen lassen. Als Produzentin muss man doch wissen, was im Moment am Markt ankommt und was nicht.“
„Das sagt aber noch gar nichts über ihre Qualitäten als Freundin aus,“ gab Keylie zu bedenken, während sie halb in einem Regal mit Shirts verschwand.
„Darüber will ich lieber gar nicht nachdenken,“ hörte sie seine Stimme, diesmal allerdings um einiges näher.
„Wieso denn nicht? Sie ist ehrlich und ... ,“ setzte Keylie an, tauchte mit einem blasslila Hemd in der Hand wieder auf und hielt dann mitten in der Bewegung inne.
Er stand im Türrahmen und trug lediglich knappe Boxershorts, die mehr betonten als verhüllten. Keylie schluckte heftig. Die Anziehungskraft, die plötzlich von ihm ausging, ließ die Wände des engen Schrankes auf sie zu kriechen und sie wünschte sich beinahe verzweifelt ein Loch, in dem sie verschwinden konnte. Jedenfalls mussten ihm selbst auf die Entfernung und in dem spärlichen Licht ihre brennenden Wangen auffallen.
„Ehrlich? Also ich weiß nicht. Taktlos würde mir dazu am ehesten einfallen,“ sagte er gerade, dann fiel ihm wohl ihr entsetzter Gesichtsausdruck auf und ihr Blick, der wie festgeklebt an seiner breiten, männlichen Brust hing, und auf seinen Lippen erstrahlte ein breites Grinsen.
„Alles in Ordnung?“ fragte er mit süffisant in die Höhe gezogenen Augenbrauen.
„Hm, klar,“ nickte sie sofort und wandte sich wieder den Regalen zu.
„Ganz sicher?“ hakte er nach, während er einige Schritte auf sie zumachte und damit die Luft zum Atmen noch dünner machte.
„Ganz sicher,“ nickte sie und selbst in ihren Ohren klang ihre Stimme einige Nuancen zu hoch.
„Weißt du,“ fuhr er unbeeindruckt fort, schob sich nun endgültig an sie heran, legte ihr von hinten die Arme um die Taille und zog sie an sich. Augenblicklich fühlte sie seine Reaktion auf ihren Körper und unbehaglich trippelte sie von einem Bein auf das andere. „Es ist schon eine Ewigkeit her, seit wir ... ,“
„Ich weiß,“ unterbrach sie ihn schnell. „Aber erstens haben wir jetzt gar keine Zeit und zweitens ... möchte ich ... also ... hätte ich gerne ... ,“ sie verstummte, weil sie sich mit ihrem Gestammel ziemlich lächerlich vorkam.
Sie hörte ihn hinter sich seufzen, sein Atem kitzelte sie dabei im Nacken und sie schloss für einen Moment die Augen. Kopfloser Sex hatte sie das letzte Mal in ziemlich große Schwierigkeiten gebracht und sie war nicht so dumm, diesen Fehler ein zweites Mal zu machen. Also entwand sie sich vorsichtig aus seiner Umarmung und trat dann einen Schritt zurück, was sie mit dem Rücken an der Schrankwand ankommen ließ.
„Lass uns das verschieben, ja?“ sagte sie leise.
Er starrte sie eine Weile einfach nur an, dann entwich zischend die Luft die er die ganze Zeit angehalten hatte und mit einem Ruck drehte er sich herum.
„Sag mir bescheid, wenn du so weit bist. Ich gehe jetzt erstmal kalt duschen,“ hörte sie ihn sagen und konnte dabei nicht entscheiden, ob er nun beleidigt oder verletzt war, oder ihre Entscheidung uneingeschränkt akzeptierte.
Sie hatte es ja gewusst. Bei ihm zu bleiben warf nur Probleme auf, die sie im Moment überhaupt nicht gebrauchen konnte. Trotzdem spürte sie ihre weichen Knie, während sie fort fuhr, ihre Garderobe für den heutigen Tag zusammen zu stellen und trotzdem prickelte es immer noch in ihrem Nacken, wo sie sein heißer Atem gestreift hatte und ihre Lippen fühlten sich an, als seien sie vor lauter Sehnsucht nach seinen Berührungen auf die doppelte Größe angeschwollen. Was machte dieser Typ nur mit ihr?

Kapitel 17