Kapitel 9

Alex war bereits zu Hause, als er einen Wagen vor dem Haus vorfahren hörte. Er vermutete zu Recht, dass Larry Amy nach Hause gebracht hatte und obwohl es ihn ärgerte war er gespannt darauf, wie ihr erster Studiotag verlaufen war. Immer noch hatte er Amys samtige, klare Stimme von heute Morgen im Kopf. Der Wild-Horses-Song wollte ebenfalls nicht aus seinen Hirnwindungen verschwinden und überrascht stellte er fest, dass er schon lange nicht mehr so viel Interesse an Amys Musik gezeigt hatte.
Als sie damals mit dem Rohmaterial ihres ersten Albums nach Hause gekommen war, hatte er so diplomatisch wie möglich versucht darauf hinzuweisen, dass die Songs alles andere als markttauglich waren, doch sie hatte wie so oft nicht auf ihn gehört. Sie bestand darauf, dass Larry schließlich wußte was sie tat und dass sie selbst die Songs geradezu genial fand. Ab da hatte er sich mit seinem Urteil weitgehend zurück gehalten.
Ihr Feedback zu seinen Songs hatte sich meistens auf ein „toll“ oder „klingt gut“ beschränkt und da er nicht so recht gewußt hatte, ob sie das nun ernst meinte oder nur so dahin sagte um ihre Ruhe zu haben, hatte er irgendwann diesen Bereich seines Lebens für sich behalten. Er hatte damals vermutet, dass Amy durchaus wußte, wie groß die qualitativen Unterschiede ihrer Arbeiten waren und dass sie deshalb eher zurückhaltend auf die Songs seiner Band reagiert hatte. Es hatte ihr sicher weh getan zu sehen, was man alles mit viel Geld und guten Produzenten ausrichten konnte. Heute war er sich allerdings nicht mehr ganz sicher, ob dies wirklich der Wahrheit entsprach. Hatte Amy eigentlich jemals etwas anderes als sich selbst gesehen?
Er schüttelte den Kopf. Amy war kein Monster. Verwirrt, das ganz sicher, manchmal auch rücksichtslos und bis zu einem gewissen Grad gemein, aber das alles lag in ihrem unsicheren Wesen begründet. Er hatte gesehen wie sehr sie unter dem ausbleibenden Erfolg litt, er wußte, dass sie sich Sicherheit und Geborgenheit wünschte aber zu stolz war, um seine offensichtlichen Bemühungen in diese Richtung anzunehmen. Doch reichte dies alles als Entschuldigung für den Schmerz, den sie ihm im Moment zufügte?
Als sich der Schlüssel in der Haustür drehte, hatte er immer noch keine Antwort darauf gefunden und er fühlte, wie sich alles in ihm anspannte, als er Amys schnelle Schritte auf den Steinfliesen im Flur hörte. Gleich darauf streckte sie den Kopf ins Wohnzimmer und sein Magen zog sich zusammen, als er das strahlende Leuchten auf ihrem Gesicht erblickte.
„Hey,“ begrüßte sie ihn.
„Hallo,“ nickte er und war sich dabei bewußt, wie abweisend er klang.
„Frag mich, wie mein Tag gewesen ist,“ bat sie grinsend, während sie sich in den Türrahmen lehnte und ihn mit einem koketten Augenaufschlag bedachte.
„Wie war dein Tag?“ fragte er also lahm.
„Gran-di-os!“ lachte sie.
Es war beinahe unmöglich sich gegen diesen Ausbund an guter Laune zur Wehr zu setzen und so konnte er auch das Lächeln nicht aufhalten, das sich bei ihren Worten auf sein Gesicht stahl.
„Tatsächlich? Erzähl mir mehr.“
„Gleich. Erst brauche ich eine Dusche. Ein Tag mit Larry und ich fühle mich, als würde ich täglich drei Schachtel Zigaretten rauchen,“ grinste sie und zog sich gleich darauf in den Flur zurück.
Er lauschte ihren sich entfernenden Schritten, während sich sein Lächeln verflüchtigte und einem nachdenklichen Stirnrunzeln Platz machte. Dass Larry Kette rauchte war ihm bewußt, aber bisher hatte Amy ihr dabei kaum nachgestanden. Hatte sie jetzt auch noch vergessen, dass sie bisher ebenfalls mindestens eine Schachtel am Tag weggeraucht hatte?
Wie oft hatte er sie ermahnt ein bißchen langsam zu machen und damit mehr Rücksicht auf ihre Stimme zu nehmen? Doch sie hatte nie auf ihn gehört. Ganz im Gegenteil. Je öfter er ihren hohen Zigarettenkonsum zur Sprache brachte, um so bockiger war sie geworden. Ja, er rauchte auch nicht gerade wenig, aber er hatte trotzdem immer noch so etwas wie Verantwortungsgefühl und er wußte auch, wann es genug war. Und wenn er, wie im Moment, mitten in den Aufnahmen für ein neues Album steckte versuchte er sowieso seinen Konsum einzuschränken. Jeden Glimmstengel, zumindest redete er sich das ein, konnte man auf der neuen Platte hören und somit hatte er sich selbst ein Pensum von maximal sieben Zigaretten pro Tag verordnet. Doch von Amy konnte er eine solche Selbstdisziplin natürlich nicht erwarten.
Neugierig geworden erhob er sich schließlich, durchquerte den langen Flur und schob gleich darauf die Tür zum Schlafzimmer auf. Das Rauschen der Dusche empfing ihn, zusammen mit dem Duft nach ihrem Lieblingsduschgel, das so sehr zu ihr gehörte, dass er manchmal, wenn er sie besonders stark vermisste, einfach nur an der Flasche riechen mußte um das Gefühl zu haben, sie stehe direkt neben ihm.
Er zuckte leicht erschrocken zusammen, als plötzlich ihre klare, kräftige Stimme zu ihm drang. Die Töne prallten von den gefliesten Wänden ab und klangen dadurch seltsam verzerrt, trotzdem konnte er jedes Wort verstehen.

Don't be scared to fly alone, find a path that is your own.
Love will open every door, it's in your hands, the world is yours.
Don't hold back and always know, all the answers will unfold.
What are you waiting for, spread your wings and soar.

Wie gebannt blieb er an der nur angelehnten Badezimmertür stehen und lauschte Amys Stimme. Er wußte wie gut sie war, hatte es schon immer gewußt, noch bevor Amy selbst an sich geglaubt hatte, doch dieser Song toppte alles, was er bisher von ihr gehört hatte. Das war nicht nur gut, das war sogar großartig und er konnte kaum glauben, dass Larry so viel Talent und Weitsicht bewiesen hatte.
Das Wasser wurde unvermittelt abgestellt und Amys Stimme klang für einen Moment gedämpft, als sie scheinbar ihr Gesicht abtrocknete. Doch gleich darauf schallte ihm ihre Stimme wieder klar und deutlich entgegen.

In the mirror is where she comes face to face with her fears.
Her own reflection, now foreign to her after all these years.
All of her life she has tried to be something besides herself.
Now time has passed and she's ended up someone else with regret

Er schluckte, weil ihm überdeutlich die Szene der vergangenen Nacht vor Augen stand. Amys Bestürzung, als sie sich im Spiegel betrachtete, ihre totale Verwirrung, als sie sich ihm gegenüber sah und der Drang sie zu beschützen, der augenblicklich wie flüssige Lava durch seine Blutbahnen geschossen war. Wie konnte dieses verletzliche Wesen und das eiskalte Biest ein und dieselbe Frau sein?
Amys Stimme verstummte und mit einem dicken Kloß im Hals schob er schließlich die Badezimmertür auf. Sie stand bewegungslos und wie zur Salzsäule erstarrt vor dem großen Spiegel und starrte sich an. Sie blinzelte nicht, kein Muskel zuckte in ihrem Gesicht und ihre Augen wirkten leer und glanzlos. Erneut fragte er sich, was sie wohl gerade sah und war gleichzeitig froh darüber, dass er keine Ahnung davon hatte.
„Amy?“ machte er vorsichtig auf sich aufmerksam.
Erschrocken zuckte sie zusammen und fuhr zu ihm herum, während ihre Hände das Badelaken vor ihrer Brust fest zusammen hielten.
„Ja?“ fragte sie atemlos.
„Alles klar bei dir?“
„Sicher,“ nickte sie sofort, doch das Lächeln, das dieses Wort begleitete, erreichte nicht ihre Augen.
„Ich dachte nur ... ,“ er verstummte, weil er nicht wußte, was er sagen sollte. Dass sie ihr Spiegelbild gerade wie eine göttliche Erscheinung angestarrt hatte, war ihr wohl selbst bewußt. Hoffte er zumindest.
Noch während er unentschlossen im Türrahmen stand, registrierte er die feuchten Strähnen ihres Haars, die unter dem Handtuch auf ihrem Kopf hervorlugten und an ihrem langen, grazilen Hals klebten. Ohne sein Zutun wanderten seine Augen weiter, liebkosten stumm die sanften Rundungen ihrer Schultern und verharrten dann einen Moment am Ansatz ihrer Brüste, der nur notdürftig von dem flauschigen Badelaken verdeckt wurde. Gott, es war eindeutig viel zu lange her, dass er eben diese Stellen ihres Körpers mit seinen Händen berührt hatte und augenblicklich erwachte das Verlangen in seinen Lenden mit einer Macht, die ihm beinahe Angst machte.
„Es ist also gut gelaufen heute?“ fragte er, nur um sich abzulenken, hatte allerdings wenig Erfolg damit.
„Es war großartig,“ nickte Amy, die augenscheinlich immer nervöser unter seinen Blicken wurde. „Larry, Fishie und ich haben richtig gut zusammen gearbeitet. Fishie hat einen Beat aus dem Hut gezaubert, das mir ganz anders wurde und den Text haben wir so schnell zusammen geschrieben, dass es schon fast unheimlich war,“ plapperte sie, während sie das Badelaken noch enger um ihren Körper zog, was nur zu Folge hatte, dass nun die geschwungene Kurve ihres Hinterteils noch besser zur Geltung kam.
Alex schluckte trocken und löste sich dabei langsam vom Türrahmen.
„Und Larry hat sich das gefallen lassen?“ fragte er abwesend, während er sich langsam auf Amy zu bewegte und dabei den Blick nicht von ihrem sich hektisch hebenden Brustkorb wenden konnte.
„Sie hat sich ein bißchen geziert, aber schlußendlich hat sie ...“
Amy verstummte augenblicklich, als er sie erreicht hatte.
„Schlußendlich hat sie?“ hakte er nach, während er die Arme ausstreckte und seine Hände vorsichtig auf das feuchte Handtuch legte, das sich über ihren Hüften spannte.
„I-Ich ... also ... uhm ... ,“ stotterte sie, doch er bekam dies nur am Rande mit. Seine Atmung ging stoßweise, er konnte ihre warme, weiche Haut riechen, die diese verwirrende Mischung aus Vanille-Duschgel und Amy-Duft verströmte und ohne dass er etwas dagegen tun konnte drückte er seine Lippen auf die verführerische Kuhle zwischen ihrer Schulter und ihrem geschwungenen Hals.
„Alex, ich weiß nicht ... ,“ hörte er ihre Stimme erneut, doch er verstand nicht wirklich, was sie eigentlich von ihm wollte.
„Hm?“ murmelte er, während seine Zunge aufreizend langsam über ihr Schlüsselbein leckte und seine Hände ihren Körper ganz nahe zu sich heran zogen. Er fühlte ihre Hüften, die sich dabei gegen seine pochende Männlichkeit drückten und er unterdrückte ein leises Stöhnen. Meine Güte. Wie hatte er nur so lange jede Nacht neben ihr liegen können, ohne sie dabei anzufassen?
„Alex bitte. Ich ... ich bin ... müde,“ hörte er sie sagen, bevor sich ihre Hände auf seine Brust legten und ihn von sich schoben.
„Das glaube ich nicht,“ hörte er sich sagen, immer noch vollkommen in seinem Nebel aus Erregung und Gier gefangen.
Sein Körper drängte sie gegen das Waschbecken, seine Hände wanderten an ihren Hüften hinunter und umschlossen gleich darauf ihr wohlgeformtes Hinterteil und seine Lippen suchten hungrig nach ihrem Mund.
„Nein!“
Der feste, nachdrückliche Klang in ihrer Stimme ließ ihn endlich aufsehen. Augenblicklich erstarrte er, als er den Ausdruck von Angst in ihren Augen las.
„Bitte,“ sagte sie beinahe flüsternd. „Lass uns das verschieben, ja?“
„Verschieben?“ fragte er mit rauher Stimme zurück, während er krampfhaft in seinem umnebelten Hirn nach der Bedeutung dieses Wortes suchte.
„Ja, verschieben,“ nickte sie, während ihre Hände immer fester gegen seinen Brustkorb drückten und ihn so nach und nach von der verlockenden Wärme ihres Körpers trennten.
„Verschieben,“ echote er erneut wie ein Papagei.
„Es tut mir leid,“ sagte sie leise.
„Ich schätze, deinen neuen Lover hättest du nicht so einfach abserviert, was?“ stieß er hervor und trat ruckartig einen Schritt zurück.
Er war wütend. Und am meisten auf sich selbst. Wie hatte er sich auch nur eine Sekunde von ihr einwickeln lassen können?
„Bitte Alex. Ich ... da war nichts. Ich bin einfach ... noch nicht so weit.“
„Noch nicht so weit? Scheiß Amy, was soll das denn jetzt heißen? Zufällig weiß ich ganz genau, was sich darunter verbirgt!“ Mit diesen Worten griff er nach ihrem Handtuch und zog es mit einem Ruck von ihrem Körper. Ihre Arme zuckten sofort in die Höhe und versuchten ihre Brüste und ihren Schoß so gut es ging zu bedecken.
„Kannst du mir mal sagen ... ,“ setzte er an, doch da hatte sie sich bereits an ihm vorbei gedrückt und war ins angrenzende Schlafzimmer geflüchtet. Wie ein Idiot stand er nun da, mit nichts in den Händen als ihrem feuchten Badehandtuch.
„Na warte ... ,“ murmelte er und folgte ihr aufgebracht.
Sie streifte sich gerade in unübersehbarer Hektik eines seiner T-Shirts über den Kopf, während sie in dem begehbaren Kleiderschrank verschwand und dort beinahe panisch nach ihrer Unterwäsche kramte.
„Amy verdammt noch mal. Kannst du mir bitte schön mal verraten, was das Ganze hier soll? Du tust ja gerade so als sei ich ein Vergewaltiger oder so etwas in der Art,“ fuhr er sie an, während er sich mit beiden Armen im Türrahmen abstützte und ihr damit jede Möglichkeit zur Flucht nahm.
„Bitte,“ flehte sie und zog sich immer weiter vor ihm zurück. „Mir ist heute einfach nicht danach, okay? Ich hatte ... so einen schönen Tag und ... ,“ sie verstummte und wurde blass als ihr scheinbar aufging, was sie da gerade eben gesagt hatte.
„Aber du willst dir den Abend nicht von mir kaputt machen lassen, was?“ schnaubte er und fühlte, wie sein Herz dabei in tausend Teile zersprang.
„So habe ich das doch nicht gemeint,“ versuchte sie sich zu verteidigen, doch er hörte ihr schon gar nicht mehr zu. Aufgebracht fuhr er herum, stürmte aus dem Schlafzimmer und knallte gleich darauf mehr als aufgebracht die Tür zum Musikzimmer hinter sich zu.
Vollkommen außer sich tigerte er auf und ab, während sich seine Hände in stetigem Rhythmus öffneten und schlossen. Er war ja wirklich viel von Amy gewohnt, aber das hier setzte dem Ganzen die Krone auf. Was war er denn für sie? Nur ein billiges Schoßhündchen, dem man ab und zu mal ein paar Brocken vorwarf nur um ihm gleich darauf einen Fußtritt zu verpassen? Hatte sie heute Morgen tatsächlich noch etwas von einem Neuanfang gefaselt? Lächerlich! Als ob sich Amy Salinas jemals ändern könnte.
Als sich die Tür vorsichtig öffnete, brüllte er, noch bevor sich Amy überhaupt im Türspalt gezeigt hatte „lass mich bloß in Ruhe Amy. Ich schwöre, ich kann im Moment für nichts garantieren.“
„Ich muß aber mit dir reden,“ hörte er sie sagen und schon stand sie mitten im Raum.
„Verpiss dich, verdammt noch mal!“ brüllte er und trat drohend zwei Schritte auf sie zu. „Und am besten packst du auch gleich deine Sachen kommst nie wieder. Ich hab die Schnauze nämlich so was von voll.“
„Darf ich jetzt vielleicht auch mal was sagen?“ fuhr sie ihn an, was ihn nur noch weiter an den Rand eines vollständigen Kontrollverlusts drängte.
„Amy ganz im Ernst. Wenn du nicht augenblicklich diesen Raum verläßt ...,“
„Warum gibt es für euch Männer eigentlich nichts wichtigeres als Sex?“ fuhr sie fort, als hätte sie ihn gar nicht gehört. „Ist dir eigentlich klar, dass diese Beziehung, die wir im Moment führen, gar nicht mehr wirklich existiert?“
„Ohoooo,“ stieß er sarkastisch hervor. „Willkommen in meiner Welt Amy.“
„Und trotzdem gehst du einfach so davon aus, dass ich mit dir schlafe? Glaubst du, das ändert irgend etwas an unseren Problemen?“
„Nein. Aber es verschlechtert sie ganz sicher auch nicht.“
„Klar, wie man gerade eben deutlich sieht,“ gab sie ironisch zurück.
„Was willst du verdammt noch mal von mir, hä? Du hast doch schon alles zerstört. Reicht dir das noch nicht? Mußt du jetzt auch noch den kümmerlichen Rest meines Egos in die Tonne treten?“
„Nein,“ sie schüttelte den Kopf und war dabei unglaublich ruhig. „Ich möchte, dass wir uns neu kennen lernen. Ich möchte ... mich mit dir darüber unterhalten, wie dein Tag gelaufen ist. Ich möchte mich mit dir über unsere Musik austauschen. Ich will dir davon erzählen, wie ich mit Larry an diesem Song gebastelt habe und was für ein wundervolles Gefühl es war, endlich etwas ... eigenes ... zu schaffen. Ich möchte ... ,“ sie verstummte und er sah zu seiner Verwunderung Tränen in ihren Augenwinkeln glitzern. „Ich möchte ... ,“ fügte sie mit zitternder Stimme hinzu „mich so unglaublich gerne sicher fühlen. Und das kann ich nicht, wenn ich Angst davor haben muß, dass du jeden Moment über mich herfällst. Gib mir und dir ein bißchen Zeit. Mehr verlange ich gar nicht.“
„Wie kann ich das, wenn ich jedesmal diesen schmierigen Typen vor mir habe, wenn ich dich ansehe,“ gab er kaum hörbar zurück.
„Das kann ich dir leider auch nicht sagen,“ entgegnete sie mit Bedauern in der Stimme. „Aber ich bin jetzt hier,“ fügte sie hinzu und breitete die Arme aus „und ich ... ich möchte so gerne ... ein paar Dinge wieder ins Lot bringen. Vielleicht ... kannst du mir dabei helfen.“
„Ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch will,“ gestand er und fühlte, wie ganz langsam die Anspannung von ihm wich.
„Ich weiß,“ nickte sie. „Und ich verstehe auch, dass ich mir dein Vertrauen erst wieder neu erarbeiten muß. Alles um was ich dich bitten möchte, ist eine zweite Chance.“
Alex schüttelte den Kopf, mehr aus Hilflosigkeit als direkte Antwort auf ihre Frage. Wie schaffte sie es nur immer wieder ihn von einem Extrem ins nächste zu führen?
„Paß auf ... ich ... werde jetzt in die Küche gehen und versuche, irgend etwas zu kochen. Ich habe nämlich einen riesigen Hunger. Und ich würde mich freuen, wenn du mir dabei Gesellschaft leisten würdest. Wenn nicht ... auch gut.“
Sie warf ihm noch einen langen, beinahe flehenden Blick zu, dann drehte sie sich herum und zog gleich darauf die Tür hinter sich zu.
Stöhnend verbarg er sein Gesicht in den Händen. Was machte diese Frau nur mit ihm? Und warum warf er sie nicht einfach hinaus?
So viele Fragen, auf die er niemals eine Antwort finden würde. So viel war sicher.

Kapitel 10