Kapitel 6

Keylie stand in dem begehbaren Kleiderschrank zwischen Bergen von Klamotten und fühlte, wie ganz langsam so etwas wie Panik von ihr Besitz ergriff. So lange sie sich der Musik hingegeben hatte, hatte sie beinahe vergessen können was mit ihr geschehen war. Sie hatte alle Sorgen, alle Gedanken und alle Ängste hinter sich gelassen und sich auf eine andere, tiefere Reise begeben.
Aber als ihr schließlich das eigentümliche Prickeln zwischen ihren Schulterblättern verriet, dass sie nicht mehr alleine im Zimmer war, hatte sie all das wieder eingeholt. Sie hatte diesen fremden Mann angesehen, der zwar unbestreitbar attraktiv war, aber auf sie in gewisser Weise mehr als bedrohlich wirkte und hatte augenblicklich das Gefühl, dass er sie mit seinen dunklen Augen durchbohren konnte und dabei ihre geheimsten Gedanken laß.
Wieder und wieder drehten seine Worte Kreise in ihrem Kopf. Weil heute dein erster Studiotag ist.
Sie hatte es nicht fassen können, konnte es eigentlich immer noch nicht. Ausgerechnet das, was sie sich schon so lange sie denken konnte wünschte, wurde heute Wirklichkeit. Sie würde ein Aufnahmestudio von innen sehen, sie konnte ihre Musik aufnehmen, sie hatte einen Plattenvertrag und brauchte sich über die Finanzierung ihres ersten, eigenen Albums keinerlei Gedanken machen. Wirklich unglaublich!
Den Gedanken, dass sie das alles nicht in ihrem eigenen Leben verwirklichen konnte, sondern sich dafür in das einer Anderen hatte schleichen müssen, verdrängte sie so gut es ging. Sie hatte diese einmalige Chance auf dem Silbertablett serviert bekommen und sie würde jetzt nicht darüber nachdenken, ob das alles fair, normal oder auch nur ansatzweise real war.
Und hatte ihr nicht sogar Alex genau das geraten? Ab heute alles hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen? Natürlich hatte er das in einem ganz anderen Zusammenhang gemeint, wenn sie auch nicht genau wußte in welchem, und trotzdem hatte sie augenblicklich das angenehme Gefühl durchflutet, dass er tatsächlich zu ihr – Kelyie – sprach und nicht zu seiner Freundin Amy.
Unter Aufbietung ihrer gesamten Konzentration schob sie schließlich nach und nach das Gefühl der Beklemmung und der Orientierungslosigkeit in den hintersten Winkel ihres Gehirns und versuchte sich auf den praktischen Aspekt ihrer derzeitigen Situation einzustellen. Sie mußte zu diesem Studio, ob sie wollte oder nicht – und sie wollte ganz eindeutig - und ihr Nachthemd war für diesen Ausflug ganz sicher nicht geeignet.
Demnach stellte im Moment die unübersichtliche Kleiderauswahl um sie herum ein größeres Problem dar. Sie hatte immerhin schon Unterwäsche, Socken und eine Jeans gefunden, aber der Rest war eine einzige Katastrophe. Sie war noch nie der Typ gewesen, der in knappen Tops, hauchdünnen Blusen oder tief ausgeschnittenen Shirts herum lief. Sie mochte es sportlich und bequem, zumindest wenn es wie heute darum ging, sich in ihrer eigenen Haut möglichst wohl zu fühlen um dem ersten Tag in ihrem neuen Leben wenigstens einigermaßen sicher entgegen treten zu können.
Wieder durchstreifte sie die deckenhohen Regale, fand aber auf die Schnelle und in der Hektik nichts, was ihr zusagte. Entschlossen drehte sie sich schließlich auf dem Absatz herum, durchquerte das Schlafzimmer und riß die Türen des schweren Möbelstücks auf, das gegenüber dem Bett stand und zu ihrer Erleichterung eine Vielzahl an bunten und sauber gestapelten T-Shirts enthielt.
Mit dem Kleiderbündel im Arm näherte sie sich schließlich zögerlich und mit einem flauen Gefühl im Magen der Badezimmertür.
„Ich werde einfach nicht hinsehen,“ murmelte sie, während sie vorsichtig die Tür öffnete, sich durch den schmalen Spalt drückte und dann mit geschlossenen Augen einen Moment dahinter verharrte.
„Amy? Wie weit bist du? Ich muß dann los,“ hörte sie Alex aus dem Flur rufen.
„Gib mir noch zehn Minuten,“ rief sie laut zurück.
„Dann fahre ich schon mal, ich habe nämlich ... ,“
„Nein!“ quitschte sie erschrocken, ließ die Kleider fallen und hastete hinaus in den Flur.
Er stand fertig angezogen mitten im Gang und musterte sie stirnrunzelnd.
„Tut mir leid, aber könntest du mich heute zum Studio fahren? Ich bin wohl zu nervös dazu und ... ,“ sie stockte, weil ihr in diesem Moment aufging, dass Alex offensichtlich nicht besonders gut auf Amy zu sprechen war und dass es ihm bestimmt seltsam vorkommen mußte, wenn sie ihn jetzt um diesen Gefallen bat.
Aber was hätte sie sonst tun sollen? Sie hatte keine Ahnung wo dieses Studio lag, sie wußte ja noch nicht einmal, wo genau sie sich befand. Zumindest heute war sie also auf ihn angewiesen und sie hoffte, dass er ihr ihre Bitte nicht abschlagen würde.
Er seufzte verhalten, dann schob er seine Hände in die Hosentaschen seiner Jeans und lehnte sich neben der Küchetür an die Wand.
„Aber dann beeil dich. Ich hätte schon vor fünf Minuten in der Stadt sein müssen,“ sagte er zu ihrer großen Erleichterung und mit einem dankbaren Lächeln in seine Richtung fuhr sie herum und rannte zurück ins Schlafzimmer.
Ohne darüber nachzudenken betrat sie das Bad, zog sich das Hemd über den Kopf und starrte dann für eine ganze Weile regungslos in den Spiegel. Immer noch versetzte ihr der Anblick dieser fremden Frau, dieser Hülle in der sich ihr eigenes Ich im Moment befand, einen Schock. Sie suchte in den Augen dieser Fremden nach Anzeichen dafür, dass sich irgendwo unter diesen Haut-, Fleisch- und Muskelschichten noch etwas von Keylie Constance befand, dass ihr Verstand noch existierte und sie sich nicht vollkommen in diesem fremden Körper aufgelöst hatte. Doch so wirklichen Erfolg hatte sie damit nicht.
Ihr Blick wanderte schließlich weiter über ihren Körper und hielten dann mißtrauisch inne. Diese Brüste konnten doch unmöglich echt sein.
Vorsichtig betastete sie die ungewohnten Rundungen, suchte akribisch nach verräterischen Narben und kam sich dabei beinahe wie ein Perversling vor. Als würde sie an einem fremden Körper herum grabschen. Nun ja ... streng genommen war es ja auch genau so.
Sie fand keine einzige Narbe, dafür aber ein kleines Schmetterlingstattoo in ihrer Leistengegend und einen sorgsam von jedem störenden Haar befreiten, makellosen Körper.
Alex erneuter Ruf, sie solle sich endlich beeilen, mahnte sie schließlich zur Eile. Ohne dabei zu genau in den Spiegel zu sehen putzte sie dieser immer noch fremden und auch äußerst beängstigenden Frau das Gesicht und die Zähne, schlüpfte dann in ihre Kleider, bürstete nachlässig ihr Haar und band es zu einem unordentlichen Knoten im Nacken zusammen.
Nun gut ... nicht perfekt aber durchaus annehmbar.
„Wünsch mir Glück,“ bat sie die Fremde im Spiegel und antwortete sich selbst, während sie aus dem Bad wieder hinaus ins Schlafzimmer trat „viel Glück.“

Los Angeles! Eine ungeheure Erleichterung durchflutete Keylie augenblicklich als Alex die lange Auffahrt vom Haus hinunter fuhr und sie die großen Buchstaben HOLLYWOOD in den Hügeln erkannte. Sie befand sich also zumindest noch in ihrer Heimatstadt und dieser Umstand wirkte in dem ganzen Chaos, in dem sie sich so unvermittelt wieder gefunden hatte, wie Balsam für ihre ängstliche, verwirrte Seele.
Während die vertrauten Straßenzüge an der Seitenscheibe vorbei rauschten, konnte sie sich ein Lächeln nicht verkneifen. Für einen Moment vergaß sie all die Schwierigkeiten und die albtraumhaften Umstände. Sie war zu Hause und auf dem Weg in ein Tonstudio. In ihrem alten Leben hätte sie niemals diese Chance erhalten. In ihrem alten Leben hatte sie sich mit einem unzuverlässigen Lover, mit oberflächlichen Freunden und einer ungewissen Zukunftsperspektive arrangieren müssen und hatte es gehaßt.
Jetzt bot sich ihr unvermittelt die Möglichkeit ihre Träume wahr werden zu lassen. Sie konnte Musik machen, ein Album aufnehmen, den Menschen durch ihre Melodien und Texte mitteilen, was in ihrem Inneren vor sich ging und noch dazu wurde sie dabei von einem Mann begleitet, der sie anscheinend darin unterstützen wollte. Welchen Grund gab es also noch für sie, wieder zurück in ihr altes, graues und muffiges Leben zurück zu wollen?
Eben. Gar keinen.
Alex hielt schließlich vor einem niedrigen Gebäude, das sich mitten in einer gut besuchten Einkaufspassage befand. Auf den Bürgersteigen hasteten die Menschen in strahlendem Sonnenschein vorbei, neben dem Studio schloß sich ein Gemüsehändler an, der seine Waren in großen Kisten vor dem Laden aufgebaut hatte und das Aroma von frischen Pfirsichen wehte durch das geöffnete Fenster zu Keylie herein.
Inzwischen doch mehr als nervös starrte sie zu der gläsernen Drehtür hinüber, die in das dunkle Innere des Studios führte.
„Nervös?“ hörte sie Alex fragen, der den Motor abgestellt und sich in den Polstern zurück gelehnt hatte.
„Ziemlich,“ gestand Keylie nickend und konnte ihren Blick nicht von der Eingangstür lösen.
„Würde es dir helfen wenn ich dir sage, dass sich das ganz bestimmt innerhalb von zehn Minuten legen wird?“
Beinahe widerwillig löste sie sich von der Hausfassade und blickte zu ihm hinüber.
„Zehn Minuten?“ hakte sie nach.
„Hm,“ nickte er. „Das ist bei uns auch immer so. Wenn es los geht, haben wir alle ganz schön Schiß über die Schwelle zu treten, aber kaum bist du drin, hast es dir gemütlich gemacht und hörst die ersten Töne der neuen Songs, ist das alles wie weggeblasen.“
Mit neu erwachter Neugier starrte sie zu ihm hinüber. Er war auch Musiker? Kannte sie ihn vielleicht? Waren das vielleicht seine Sachen zu Hause in dem roten Zimmer? Das Piano? Die Notenblätter? Die Gitarren? Um ehrlich zu sein hatte sie sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht.
„Du mußt also auch ins Studio?“ fragte sie vorsichtig, was ihm verständnislose Falten auf die Stirn zauberte.
„Ja. Was hast du denn gedacht? Wir stecken mittendrin, aber das schon seit Wochen. Echt Amy, manchmal frage ich mich, auf welchem Planeten du eigentlich lebst. Gibt es denn in deiner Welt nichts anderes mehr außer dir selbst?“
„Doch ... ich meine ...,“ sie schluckte und überlegte fieberhaft, wie sie ihn besänftigen konnte. Sie brauchte ihn. Er war das einzige in ihrem neuen Leben, das ihr vertraut war. Nun ja ... vertraut war vielleicht zu viel gesagt, aber er war da und die einzige Hilfe, die sie im Moment hatte. Auch wenn ihm das nicht bewußt war.
„Können wir nicht einfach ... ich meine ... neu anfangen? Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit wohl ... nun ja ... etwas schwierig gewesen bin ... ,“
„Etwas?“ schnaubte Alex.
Keylie senkte den Blick hinunter auf ihre Hände. „War ich so schlimm?“ fragte sie leise und hatte gleichzeitig Angst vor der Antwort.
„Schlimm? Nein Amy. Nicht zum aushalten trifft es eher,“ gab er grimmig zurück.
„Warum sind wir dann noch zusammen?“ fragte sie weiter und sah ihn dabei wieder an.
Er hatte sich mittlerweile so weit wie möglich von ihr zurück gezogen. Mit dem Rücken lehnte er an der Fahrertür, die Schulter fest gegen seinen Sitz gepresst, seine Hände lagen in seinem Schoß und hatten sich ineinander gekrampft und seine Augen wirkten unglaublich dunkel und schienen sie wütend an zu funkeln.
„Tja, das kann ich dir leider auch nicht sagen,“ gab er grimmig zurück.
„Aber irgendeinen Grund muß es doch haben, oder?“ fragte sie zaghaft. „Ich kann doch nicht vollkommen unmöglich sein.“
Alex schnaubte freudlos und schüttelte dann den Kopf. „Ich weiß es nicht Amy. In den letzten Wochen ging so ziemlich alles kaputt, was einmal zwischen uns gewesen ist. Und mal ehrlich, wenn du so glücklich in unserer Beziehung gewesen wärst, hättest du nicht ... ,“ er stockte kurz und sie sah wie er schluckte „ ... dieses Arschloch geküßt. Und das auch noch in einem Club, von dem du wußtest, dass da immer ein paar Paparazzis rumhängen.“
„Ich ... ,“
„Nein,“ fuhr er auf, inzwischen augenscheinlich richtig wütend. Er setzte sich auf, stützte die Ellenbogen auf sein Knie, das quer auf dem Sitz lag und funkelte sie böse an. „Ich kann wirklich viel ertragen und ich habe immer zu dir gehalten. Und ob du es glaubst oder nicht, es hat auch mich getroffen, dass das mit deinem Album nicht so gut gelaufen ist. Aber ich bin daran nicht schuld, verstehst du? Du mußt mich nicht bestrafen für etwas, das du ganz alleine verbockt hast.“
„Ich verstehe,“ nickte sie, weil ihr nichts besseres einfiel.
Er schnaubte erneut freudlos und lehnte sich mit dem Rücken wieder an die Tür. „Das glaube ich dir nicht,“ sagte er gerade heraus.
„Warum bin ich dann hier? Warum bist du noch hier?“ fragte sie weiter, weil sie es langsam satt hatte für die Vergehen einer Anderen büßen zu müssen.
Er musterte sie lange bewegungslos, dann schien er sich einen Ruck zu geben und sagte leise „weil es tatsächlich manchmal Momente wie heute morgen gibt. Momente in denen ich dich ansehe und feststelle, dass noch nicht alle Gefühle für dich in mir gestorben sind.“
Es fühlte sich seltsam an diese Worte aus seinem Mund zu hören und zu wissen, dass er nicht sie damit meinte. Peinlich berührt senkte sie den Blick wieder hinunter in ihren Schoß und überlegte, was sie darauf jetzt sagen sollte. Wenn sie sich anstrengte könnte sie vielleicht eine einigermaßen überzeugende Liebeserklärung über ihre Lippen zwingen und ihn damit besänftigen, aber sie befürchtete, dass er sie durchschaut hätte, noch bevor sie überhaupt zu Ende gesprochen hatte.
„Wie auch immer,“ hörte sie ihn schließlich seufzen. „Das hier ist nicht die richtige Zeit und der passende Ort, um das alles zu besprechen. Ich bin schon Ewigkeiten zu spät und Larry wartet da drinnen auch schon ne halbe Stunde auf dich.“
„Er wird es verkraften können,“ murmelte Keylie geistesabwesend, weil sie immer noch dabei war, das eben gehörte in der richtigen Schublade in ihrem Kopf unterzubringen.
„Sie,“ hörte sie Alex sagen.
„Was?“ verständnislos blickte sie zu ihm hinüber und stellte fest, dass wieder dieser mißtrauische Ausdruck auf seinem Gesicht erschienen war.
„Deine Freundin Laura. Larry. Sie ist kein Er.“
„Oh.“ Vor Schreck wich Keylie sämtliches Blut aus dem Gesicht und ihr Herz hämmerte hektisch in ihrer Brust. Schon wieder ein Fehler, der sie vielleicht ihren Traum kosten konnte.
Die Lederpolster knirschten als er sich aufrichtete und sich ein Stück in ihre Richtung beugte. „Amy, ganz ehrlich, du machst mir Angst wenn du so bist.“
„Tut mir leid. Ich war vollkommen in Gedanken. Ich weiß doch wer Larry ist,“ versuchte sie sich heraus zu reden und zwang dabei ein, wie sie hoffte, entschuldigendes Lächeln auf ihr Gesicht.
„Und warum werde ich das Gefühl nicht los, dass du es eben nicht gewußt hast bis ich es dir gesagt habe?“ fragte er weiter.
„Das kann ich dir auch nicht sagen,“ sagte sie leichthin und entschied sich dann für eine schnelle Flucht. „Also wir sehen uns dann heute ... ,“
„Warte,“ unterbrach er sie, während er nach ihrem Arm griff, der bereits Richtung Türverriegelung gezuckt war.
Ängstlich sah sie zu ihm hinüber. Was kam jetzt.
„Hör zu,“ sagte er eindringlich. „Wenn irgend etwas nicht stimmen sollte, dann sag es mir. Bitte. Vielleicht kann ich dir helfen.“
„Mir geht es prima,“ gab sie zurück.
„Klar. So prima, dass du ausgerechnet mein T-Shirt anziehst, das du sonst auf den Tod nicht ausstehen kannst,“ sagte er grimmig und mit einem kurzen Kopfnicken auf das blaue Shirt mit der weißen Silhouette einer nackten Frau darauf. „So prima, dass du vergißt wer ich bin oder dass Larry ne Frau ist. So prima, dass du heute das erste Mal seit ich dich kenne ungeschminkt aus dem Haus gehst. Und das sind alles nur die Dinge, die sofort ins Auge springen.“
„Ich ... ich ... ,“ stotterte sie. Hatte sie wirklich geglaubt, sie könnte ihm etwas vor machen? Sie war nun mal nicht Amy und wenn er dies nicht merkte, wer dann? „Es ist ... ich dachte ... vielleicht ist es Zeit für einen Neuanfang. Ich gebe zu, dass ich ein bißchen zerstreut und nervös bin, aber immerhin geht es hier um sehr viel. Das Album. Unsere Beziehung. Ich versuche nur, alles richtig zu machen und ... ,“
„Genau das meine ich,“ unterbrach sie Alex kopfschüttelnd. „Bisher war dir das alles vollkommen egal.“
„Vielleicht können sich Menschen ändern?“ gab sie leicht bissig zurück.
Regungslos Stille senkte sich augenblicklich über das Innere des Wagens, während Keylie ihm unnachgiebig in die Augen starrte und sich dabei seiner Hand überdeutlich bewußt war, die immer noch fest und warm auf ihrem Arm lag.
„Vielleicht,“ räumte er ein, klang dabei aber nicht so, als glaube er auch nur eine Silbe davon.
„Na also. Ich werde dann jetzt wohl besser gehen. Larry wartet schließlich auf mich.“
„Hm,“ nickte Alex, machte aber keine Anstalten sie loszulassen.
Also entwand sie ihm vorsichtig ihren Arm, wodurch seine Hand auf ihrem Oberschenkel landete und öffnete die Tür.
„Hey,“ hörte sie erneut seine Stimme, was sie dazu veranlaßte, noch einmal zu ihm hinüber zu blicken. „Kriege ich denn keinen Abschiedskuß?“
Keylie hoffte, dass man ihr ihr Entsetzen nicht all zu deutlich ansah, während sie ein schnelles „doch, natürlich,“ hervorquetschte.
Mit klopfendem Herzen beugte sie sich zu ihm hinüber, doch anstatt dass er ihr lediglich einen kurzen Schmatz auf den Mund drückte, spürte sie plötzlich seine Hand in ihrem Haar, die sie noch näher zu sich heran zog und gleich darauf seine Lippen, die sich besitzergreifend und fest auf ihren Mund drückten.
Ganz automatisch erwiderte sie seinen Kuß, schmeckte das wilde Aroma seines Mundes und spürte das Kitzeln seines Bartes an ihrem Kinn.
Schließlich löste sie sich von ihm, schenkte ihm noch ein warmes Lächeln, griff nach ihrer Handtasche zu ihren Füßen und schob sich dann endgültig aus dem Wagen. Als sie die Tür hinter sich zuschlug fühlte sie immer noch seine Lippen auf ihren und ihren Herzschlag, der wild in ihrer Brust hämmerte. Meine Güte, der Mann wußte aber wirklich wie man küsste!

Kapitel 7