Kapitel 41
...und das Du mir gut auf meine Prinzessin aufpasst, hörst Du?
Lenny, A.J. und ich standen am Flughafen und warteten auf den Flieger, der A.J. und mich nach Florida bringen sollte.
A.J. hatte seinen Arm um mich gelegt und spielte mit seiner Sonnenbrille in der anderen Hand. Ich hatte zwei große Reisetaschen mit meinen Kleidern, einen großen Koffer mit Erinnerungsstücken und meinen Laptop aus dem Haus geschmuggelt, als Tammy nicht da war und ich stand kurz davor, den besten Freund, den ich jemals im Leben gehabt hatte, für eine ganze Weile zu verlassen.
Entsprechend fühlte ich mich. Ich war traurig, ängstlich...ich wollte hier nicht weg und doch hatte ich keine andere Wahl.
Tammy hatte sich nicht beruhigt. Nach zwei Tagen, die A.J. und ich mehr oder weniger in Lennys Zimmer verbracht hatten, war uns das so langsam klar geworden. Lenny hatte sich rührend um Tammy gekümmert. Er war der Einzige, den sie in ihre Nähe lies, trotzdem hatte er sie nicht umstimmen könnnen. Sie hatte mich aus ihrem Leben verbannt und niemand wußte, ob sie sich das irgendwann anders überlegen würde.
Lenny und A.J. unterhielten sich leise, während ich geistesabwesend aus dem großen Fenster blickte, hinter dem man die einzelnen Maschinen starten und landen sah.
Schließlich kam dann doch der Aufruf für unseren Flug.
Wir müssen dann los, sagte A.J. und berührte mich dabei sanft am Arm, was mich endgültig aus meiner Erstarrung riss.
Ja...ähm...gehst Du schon mal vor? Ich würde mich gerne von Lenny alleine verabschieden...wenn es Dir nichts aus macht.
Kein Problem, er küsste mich sanft auf den Mund und wandte sich dann Lenny zu.
Machs gut Kumpel und danke für Alles. Wir sehen uns sicherlich bald wieder.
Das hoffe ich doch, entgegnete dieser und sie umarmten sich. A.J. nahm meinen Rucksack und wandte sich dann dem Eingang des Flugzeuges zu.
Machs gut Prinzessin, sagt Lenny und zog mich in seine Arme pass auf Dich auf und vergiss mich nicht, o.k.?
Wie könnte ich Dich vergessen, schluchzte ich leise ich vermisse Dich jetzt schon.
Ich Dich auch...aber hey, Du hast den tollsten Mann weit und breit an Deiner Seite...das wird schon.
Na wenn Du es sagst.
Wir standen noch eine Weile einfach so beisammen. Doch schließlich mußte ich gehen, wenn ich nicht wollte, dass A.J. ohne mich flog.
Pass auf Dich und Tammy auf, ja?
Mach ich...und jetzt geh schon, bevor ich hier los heule wie ein kleiner Junge.
Als ich in seine Augen aufsah, schimmerten dort bereits die Tränen, doch er lächelte tapfer.
Ich hab Dich lieb, flüsterte ich.
Ich Dich noch viel mehr, gab er zurück, dann drehte er mich um und gab mir einen kleine Schubs, der mich in Richtung Einstieg gehen lies.
Und bleib anständig, rief er mir noch hinterher, bevor mir die junge Stuardess mein Ticket zurück gab und ich ihm ein letztes Mal zu winkte. Dann verschluckte mich der lange Gang, der mich zum Flugzeug führte und Lenny verschwand aus meinem Blickfeld.
Für einen Moment war ich kurz davor um zu drehen und zu ihm zurück zu laufen. Ich konnte mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Er war mein Gewissen, mein, wie er es so schön formuliert hatte, Rettungsanker in dieser verrückten Welt. Unschlüssig stand ich in dem langen Schlauch und bemerkte aus den Augenwinkeln, wie die Stuardessen im Flugzeug langsam unruhig wurden.
Wie aus dem Nichts erschienen A.J.s warme, braune Augen vor meinem geistigen Auge. Was tat ich eigentlich hier? Ich sollte bei ihm sein...ich liebte ihn, ohne ihn war mein Leben gerade mal die Hälfte wert...wenn überhaupt. Wozu gab es denn Internet und Telefon?
Entschlossen bestieg ich endlich das Flugzeug und blickte mich suchend nach A.J. um. Ich entdeckte seinen, mittlerweile wieder dunklen, Haarschopf in einer der forderen Reihen der ersten Klasse.
Mit einem zaghaften Lächeln kämpfte ich mich zwischen den Reihen zu ihm durch und lies mich seufzend neben ihn in meinen Sitz fallen.
Alles in Ordnung? fragte er besorgt und umschloss meine Hand mit seinen warmen, zärtlichen Fingern.
Soweit das in dieser Situation möglich ist...ja.
Erinnerst Du Dich, was Du mir vor ein paar Tagen gesagt hast?
Was denn?
Zusammen könnten wir alle Probleme meistern...ich denke, Du hattest vollkommen recht. Nur zusammen sind wir ein Ganzes und wir werden auch das hier schaffen.
Ich hoffe, ich habe recht, lächelte ich kläglich. A.J. beugte sich zu mir hinüber und küsste mich sanft.
Ich bin noch nicht so ganz davon überzeugt, sagte ich und mein Lächeln wurde breiter.
Tatsächlich? A.J. hob in gespieltem Umglauben eine Augenbraue und beugte sich erneut zu mir hinüber. Diesmal war sein Kuß lang, zärtlich und...wie soll ich sagen...heilsam?
Es lag ein Versprechen darin. Das Versprechen, dass er auf mich aufpassen, immer für mich da sein würde, dass er an mich und uns glaubte und dass er mich liebte.
Deine Überzeugungskraft ist wirklich phänomenal, sagte ich schließlich atemlos und er lachte leise.
Es fällt mir nicht sehr schwer, Dich zu überzeugen...wenn ich es mir genau überlege, könnte ich den ganzen Tag nichts anderes tun, als Dich zu überzeugen.
Bevor ich noch etwas sagen konnte, starteten die Motoren und das Flugzeug rollte langsam auf die Startbahn hinaus.
Ich legte meinen Kopf auf A.J.s Schulter und schloß die Augen.
Ein neuer Abschnitt in meinem Leben begann...wer wußte schon, was noch so alles auf mich zukommen würde? Ich wußte nur, dass mir mit A.J. an meiner Seite nichts passieren konnte.
Manchmal nimmt das Leben seltsame Kurven und man wird von ihrer Wucht überrascht nach außen gerissen, doch nach einer Kurve kommt immer eine Gerade. Wir waren gerade dabei, auf unsere Gerade ein zu biegen und ich wartete gespannt darauf, die nächsten Kurven in Angriff zu nehmen.