Kapitel 25
Am nächsten Morgen erwachte ich durch laute Stimmen, die sich im Wohnzimmer anbrüllten. Ich lag ganz still im Bett, mit weit aufgerissenen Augen und musste mich nicht wirklich anstrengen, um jedes Wort zwischen A.J. und Tammy zu verstehen.
Ich weiß überhaupt nicht was Du von mir willst, hörte ich einen unglaublich aufgebrachten A.J. .
Was ich von Dir will? Hast Du es immer noch nicht kapiert? Ich will, dass Du mir das Gefühl gibst, die einzige wichtige Person in Deinem Leben zu sein. Aber wahrscheinlich verlange ich da zu viel..., A.J. unterbrach sie aber Du BIST die wichtigste Person in meinem Leben.
Ja klar, gleich nach Deinen Kumpels aus der Band, Deiner Familie und Millionen von Fans, die Dich anhimmeln.
Tam bitte nicht schon wieder. Haben wir das nicht schon ein für alle mal geklärt?
Nein haben wir nicht, ich konnte Tammy direkt vor mir sehen...kämpferisch das Kinn vor geschoben, die Hände in die Hüften gestemmt und eine Eiseskälte in den Augen.
Also dann nochmal...., er wurde leiser und ich verstand kein Wort mehr. Lediglich ein unverständliches Gemurmel erreichte mein Ohr. Leise stand ich auf und öffnete die Tür einen Spalt weit.
...eben mein Job. Ohne unsere Fans währen wir nicht da, wo wir jetzt sind, aber das hat doch mit uns nichts zu tun. Es gibt eben einen A.J., der der Öffentlichkeit gehört und einen privaten A.J., der nur Augen für Dich hat.
Ich fragte mich, ob er im Moment an gestern Abend dachte und ob ihm bewusst war, dass er Tammy eigentlich belog.
Aber diese Frauen die sich auf Dich stürzen und meinen, sie könnten Dich für sich haben, die Beschimpfungen, die ich mir manchmal anhören muss von diesen...diesen...,
Du solltest jetzt besser nicht weiter sprechen, sagte A.J. gefährlich ruhig nochmal...das gehört zu meinem JOB. Natürlich finde ich es auch nicht toll, dass Dich jemand beschimpft und wenn dies in meiner Gegenwart geschieht, sage ich denjenigen schon, was ich davon halte, aber so ist eben das Business. Gerade Du solltest doch wissen, wie es da zu geht.
Das Business?!? Tammy wurde wieder lauter das beschissene Business kann mich mal. Mich von irgendwelchen Weibern als Schlampe bezeichnen zu lassen hat in meinen Augen nicht wirklich etwas mit dem Business zu tun.
Tammy...bitte...ich weiß doch, dass das nicht einfach für Dich ist und wenn ich es könnte, würde ich es sofort ändern. Aber das geht eben nicht. Ich liebe Dich...mach es bitte nicht kaputt.
ICH???...Ich mache es kaputt???...Du solltest Dich mal hören...so selbstgefällig und arrogant... Jetzt reichte es aber gleich...wer war hier denn selbstgefällig und arrogant? Am liebsten währe ich zu ihr hinunter gerannt und hätte ihr meine Meinung ins Gesicht geschrien.
Ich glaube nicht, dass das hier noch irgendetwas bringt, hörte ich A.J. resignierend sagen und erschrocken schloss ich die Tür, als ich ihn die Treppen hinauf kommen hörte.
Alexander James McLean, bleib gefälligst hier, schrie sie ihm hinter her. Es passte ihr wohl ganz und gar nicht, dass er sie jetzt einfach stehen gelassen hatte. Obwohl ich das schon wieder fast verstehen konnte. Eine Diskussion führte man bis zum bitteren Ende und lief nicht einfach vor ihr davon. Naja, manchmal war es vielleicht auch gesünder für eine Beziehung, wenn man rechtzeitig die Notbremse zog.
Ich hörte, wie Tammy hinter A.J. die Treppe hinauf hastete und ich verkroch mich wieder in meinem Bett. Mittlerweile stritten sie in ihrem Zimmer weiter.
Warum sollte ich mich noch weiter mit Dir streiten? hörte ich A.J. im Nebenzimmer.
Vielleicht, weil Dir etwas an mir liegt?
Tammy, Du bist und bleibst die einzige Frau für mich...was soll ich denn noch tun, damit Du das endlich einsiehst?
Genau so schnell wie Tammys Wut aufflammte, verrauchte sie meist auch wieder. Ich hörte sie noch sagen mich für den Anfang in den Arm nehmen, dann wurde die Tür geschlossen und es senkte sich wieder Stille über das Haus.
Für einen Moment blieb ich noch in meinem Bett liegen, dann entstanden in meinem Kopf wieder ungewollt Bilder von den beiden und ich beschloss, so schnell wie möglich das Haus zu verlassen.
Wenig später betrat ich die Poolhall. Ich war in der Nacht nicht mehr hierher zurück gekehrt und ich schämte mich ein wenig dafür. Immerhin war das meine Party gewesen und ich hatte es nicht einmal für nötige befunden, mich von meinen Gästen zu verabschieden.
Doch nachdem Molly in ihrem Taxi verschwunden war, verspürte ich keinerlei Lust, mich wieder ins Getümmel zu stürzen. Die Gedanken an A.J. und Tammy quälten mich und mein Bett erschien mir einfach um einiges verlockender.
Als ich mich jetzt umsah, musste ich leider feststellen, dass das Meiste schon weg geräumt war. Der Sternenhimmel war verschwunden und hatte den dunklen Holzpaneelen Platz gemacht. Auf den Tischen lagen wieder die rot-weiß karierten Tischdecken und aus dem Nebenraum hörte ich auch schon wieder die Billardkugeln über die Tische rollen. Freddy und Lenny waren gerade dabei, die unzähligen Kerzen in eine Kiste zu verpacken, als sie mich bemerkten.
Hey Prinzessin, was machst Du denn schon hier? Ich dachte Du liegst noch süß träumend im Bett? Lenny lächelte mich an und Freddy verschwand hinter der Theke, um mir gleich darauf eine Tasse Kaffee zu reichen.
Leider wurde ich heute morgen unsanft geweckt. Tammy hat wohl wieder eine ihrer ich-bin-böse-Phasen und ich hatte keine Lust mehr, mir das länger an zu hören.
Oh, oh, dicke Luft bei den Turteltauben? fragte Lenny mit hochgezogenen Augenbrauen und ich nickte.
Ich möchte mich übrigens noch für meinen schnellen Abgang von gestern Abend entschuldigen, sagte ich um das Thema zu wechseln.
Warst Du weg? Ich habe gar nichts mit gekriegt, lachte Lenny und stellte die Kiste mit den Kerzen von der Theke auf den Boden.
Ich war mit Molly spazieren und danach war ich irgendwie zu müde...,
Ist schon o.k.. Es ging auch nicht mehr lange. Als hätten die Mitchels zum Aufbruch geblasen sind alle recht schnell verschwunden.
Es war eine tolle Party, nicht wahr? schaltete sich Freddy ein und begann mit Hingabe Gläser ab zu trocknen. Ich gesellte mich zu ihm und schnappte mir ein Handtuch.
Ja...es war einfach fantastisch. Unglaublich was für Arbeit ihr Euch gemacht habt.
Da kannst Du Dich bei A.J. bedanken, erwiderte Lenny er hat sich wirklich richtig rein gehängt. Das meiste hat er von zu Hause organisiert. Ewig viel herum telefoniert, den DJ bestellt, eine Konferenzschaltung zu Freddy aufgebaut und die Dekoration mit ihm besprochen...ich durfte mich immerhin ums Essen kümmern, lachte Lenny und bückte sich, um die Kiste mit den Kerzen ins Lager zu tragen.
Wirklich ein netter Mensch der Freund deiner Schwester, bemerkte Freddy und prüfte den Glanz eines Glases gegen das Licht.
Hmmm, murmelte ich ausweichend und beeilte mich, die trockenen Gläser hinter uns in die Regale ein zu räumen.
Aber das Beste hast Du tatsächlich ausgelassen, grinste Lenny, der inzwischen mit einer anderen Kiste zurück gekommen war. Er hievte sie auf die Theke und schob sie ein wenig in meine Richtung Deine Geschenke hast Du tatsächlich den ganzen Abend unberührt in der Ecke stehen lassen. Sollte ich mir jetzt Sorgen machen?
Noch mehr Geschenke? fragte ich irritiert und warf einen Blick über den Kistenrand. Ich sah nur jede Menge Geschenkpapier und Folie.
Ja meinst Du, Deine Gäste sind ohne etwas in der Hand hier her gekommen?
Ich...also...ich habe darüber gar nicht nach gedacht. Ich war so vollkommen geplättet von dem Rest..., neugierig begann ich die Kiste aus zu packen und verbrachte die nächste halbe Stunde selig wie ein Kleinkind an Weihnachten.
Kapitel 26