Kapitel 21
Ich erwachte spät am nächsten Morgen und als ich die Augen aufschlug, durchzuckte mich sofort der wundervolle Gedanke, dass ich heute tatsächlich Geburtstag hatte und mich riesig auf den bevorstehenden Abend freute.
Kurz dachte ich an die nächtliche Heimfahrt und die wirklich unglaublich liebe Aktion mit dem Kuchen, doch als ich A.J. vor mir sah, wie er mir sanft die Sahne von den Lippen wischte, zwang ich mich an etwas anderes zu denken. Im hellen Tageslicht hatte ich erst recht ein schlechtes Gewissen Tammy gegenüber. Ob man mir unterstellen konnte, ich hätte es darauf angelegt? Ich war mir nicht sicher.
Während ich noch so darüber nachgrübelte, klopfte es leise an der Tür und gleich darauf steckte A.J. seinen Kopf durch die Tür. Als er sah, dass ich wach war, stieß er die Tür ganz auf und kam mit einem voll beladenen Tablett zu mir herüber. Dabei sang er leise vor sich hin und am liebsten hätte ich mich wieder tief in die Kissen gekuschelt und einfach nur seiner unglaublichen Stimme gelauscht. Stattdessen richtete ich mich auf und stopfte mir ein Kissen in den Rücken. Ich beobachtete ihn, wie er das Tablett auf dem Boden abstellte und sich dann, immer noch singend, zu mir auf die Bettkante setzte.
I see trees that are green
and red roses too
i watch them blue
for me and you
and i think to myselfe
what a wonderfull day
i hear babys cry
i watch them grow
and they learn mutch more
that ill ever know
and i think to myself
what a wonderfull day
the colours of the rainbow
so pretty in the sky
are also on the faces
of the people passing by
i see friends shaking heands
saying how do you do
but they realy saying
i love you
Als er geendet hatte, klatschte ich leise kichernd Beifall und er deutete eine kleine Verbeugung an. Dann räusperte er sich und zog aus der Gesäßtasche seiner Jeans eine kleine, längliche Schachtel hervor. Sie war mit einer roten Schleife umwickelt, die allerdings auf dem Weg zu mir schon etwas gelitten hatte. Er zupfte ein wenig nervös daran herum.
Ich wünsche Dir alles Liebe zum Geburtstag, sagte er und überreichte mir dann die Schachtel.
Vorsichtig entfernte ich die Schleife und sah dabei immer wieder zu ihm auf. Er beobachtete gespannt mein Gesicht.
Als ich schließlich den Deckel abhob verschlug es mir die Sprache. Auf rotem Samt ruhte dort eine Halskette. An der filigranen, silbernen Kette hing eine schwarze Sonne, in der in der Mitte ein kleiner Onyx prangte. An der Sonne selbst hing noch einmal eine schmale Kette an deren Ende ein tropfenförmiger Onyx schimmerte. Ich schluckte ein paar Mal, bevor ich meine Sprache wieder fand.
A.J., die ist wirklich wunderschön...aber das hättest Du doch nicht...also ich meine...die war doch bestimmt..., ich wußte nicht was ich sagen sollte, ohne ihn zu verletzen. Ich fand das Geschenk überwältigend, aber schlicht weg zu teuer. So etwas hatte ich nicht verdient.
A.J. grinste schief und nahm die Kette von ihrem Samtpolster. Dann beugte er sich vor und legte sie mir um. Er fummelte einen Moment an dem Verschluss herum, dann lehnte er sich befriedigt zurück und musterte lächelnd das Ergebnis.
Sie ist wie für Dich gemacht und etwas anderes möchte ich von Dir nicht hören. Ich habe sie gesehen und wußte sofort, dass Du damit umwerfend aussehen würdest.
Ich blickte an mir herunter. Momentan lag diese wundervolle Sonne, die trotz ihrer dunklen Färbung zu strahlen schien, recht unpassend auf meinem Pyjamaoberteil.
Ich robbte aus dem Bett und tapste mit nackten Füßen zu meinem kleinen Spiegel, der zwischen unzähligen Familienfotos an der Wand hing. Ich knöpfte die oberen Knöpfe meines Pyjamas auf und sog die Luft ein, als das Metall kalt auf meiner Haut zu liegen kam. Mit den Fingern kämmte ich mein Haar behelfsmäßig glatt und nach vorne und bekam dann große Augen.
Das dunkle Rot meiner Haare schien sich in dem Onyx wieder zu spiegeln und es schien, als würden die Strahlen der Sonne in Flammen stehen.
A.J. war unbemerkt hinter mich getreten und blickte mir nun aus dem Spiegel entgegen.
Wow...damit hatte selbst ich nicht gerechnet, lachte er leise.
Ich weiß gar nicht wie ich Dir danken soll...das ist wirklich das unglaublichste Geschenk, dass ich jemals bekommen habe.
Ein unglaubliches Geschenk für eine unglaubliche Frau, sagte er leise und sofort schien die Luft um mich herum schwerer zu werden. Das Atmen viel mir schwer und seine nächsten Worte hörte ich wie durch Watte.
Ich muss leider noch mal weg...Lenny und ich haben noch ein paar Dinge zu erledigen. Ich hoffe, das ist o.k. für Dich.
Sicher, sagte ich und meine Stimme schien von weit her zu kommen.
Gut. Dann lass Dir Dein Frühstück schmecken und Lenny kommt Dich später abholen, ja?
Sicher, wiederholte ich.
A.J. strich mir sanft über die Oberarme, drehte sich dann abrupt herum und verlies fluchtartig mein Zimmer.
Ich hätte schwören könne, dass seine Augen für einen Moment richtig entsetzt geschaut hatten. Aber wahrscheinlich war ich einfach noch nicht richtig wach.
Ich konnte mich nicht erinnern, schon jemals den Tag so lange im Pyjama vertrödelt zu haben. Ich legte erst einmal Musik auf und verspeiste zu den Klängen von Norah Jones beruhigendem Klavierspiel das unglaubliche Frühstück, das A.J. mir gerichtet hatte. In einer kleinen Vase in der Mitte des Tabletts stand eine einzelne rote Rose. Nach dem Frühstück nahm ich sie vorsichtig heraus und hängte sie mit einer Schnur an meinen Spiegel kopfüber zum trocknen auf. Daneben hängte ich die Sonnenkette und betrachtete sie für eine Weile fasziniert.
Dann brachte ich das Tablett nach unten und stellte fest, dass dort noch mehr Blumen auf mich warteten. Überall standen Vasen oder kleine Gläser, in denen mal große, mal etwas kleiner Sträuße oder einzelne Blumen steckten. Daran hingen kleine Zettelchen mit netten Wünschen und Grüßen.
Alles Gute zum Geburtstag Einen wunderschönen guten Morgen Ja...die sind alle für Dich Hallo Schlafmütze, auch schon aufgestanden? usw..
Glücklich machte ich einen Rundgang durch das Haus und sammelte alle Zettelchen ein. Danach ging ich in die Küche und räumte dort ein wenig auf. Die Idee mit dem Frühstück war ja wirklich lieb gewesen, aber von dem Rührei und den Pfannkuchen standen noch die benutzten Pfannen auf dem Herd und überall lagen Krümel und Besteck herum. Doch selbst das machte mir heute nichts aus. Ich war rundum glücklich und eigentlich ganz froh, noch ein wenig Zeit für mich zu haben.
Als es schließlich drei Uhr nachmittags wurde und ich langsam begann mich zu langweilen, beschloss ich, mich für den heutigen Abend vor zu bereiten.
Als erstes nahm ich ein ausgiebiges Schaumbad. Danach saß ich in ein flauschiges Handtuch eingewickelt auf meinem Bett und lackierte mir die Nägel. Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal gemacht hatte, aber heute sollte alles perfekt sein...ICH wollte perfekt sein. Eine kleine, gemeine Stimme in meinem Kopf flüsterte, dass ich das alles nur für A.J. tat, aber ich widersprach ihr vehement...das tat ich für mich, ich wollte mich heute Abend so gut wie möglich fühlen.
Danach verbrachte ich fast eine Stunde damit, meine Haare in die Richtige Form zu bringen und war am Ende ausnahmsweise mit dem Ergebnis zufrieden. Heute schien einfach nichts schief gehen zu können.
Danach stand ich vor meinem Kleiderschrank. Eigentlich war schon seit vier Wochen klar, was ich heute anziehen würde und doch stand ich eine geschlagene viertel Stunde unentschlossen vor dem Schrank.
Als ich schließlich fix und fertig die Treppen ins Wohnzimmer hinunter ging, war ich rund um zufrieden und hoffte innständig, dass mich Lenny bald abholen kommen würde. Ich kannte mich. Wenn ich zu lange angespannt in der Wohnung hin und her lief verließ mich am Ende die Lust und Lenny würde ein völlig gefrustetes und müdes Geburtstagskind mit sich schleifen müssen.
Zur Aufheiterung legte ich Usher in den CD-Player und tanzte mit A.J.s Kette in der Hand zu dem großen Spiegel im Flur. Umständlich legte ich sie mir um und blieb, erneut fasziniert von der Ausstrahlung dieses eigentlich recht schlichten Schmuckstücks, reglos vor dem Spiegel stehen. Irgendwie kam ich mir fremd und sexy vor. War das tatsächlich ich, die mir da entgegen blickte? Ich hatte mich für dunkel braune Schlaghosen entschieden, an deren Außenseite sich feine, verschlungene Stickereien bis zur Hüfte hinauf zogen. Die hochhackigen Stiefel liesen mich größer erscheinen und taten meiner Haltung wohl auch ganz gut. Jedenfalls stand ich momentan kerzengerade, so dass mein Top mit den langen, ausgestellten Ärmeln nur ganz knapp an den Bund meiner Hose heran reichte. Der Rücken war frei, was ich an sich schon als einen Widerspruch empfang. Wozu lange Ärmel, wenn man doch an der Rückseite frieren musste? Doch der tiefe Ausschnitt hatte mich schlussendlich überzeugt, es zu kaufen. A.J.s Kette schien dafür wie geschaffen zu sein. Als ich schließlich mein Make Up überprüfte und mich wunderte, was man mit Kajal und Wimperntusche so alles machen konnte, ging plötzlich die Haustür auf und Lenny kam herein.
Wie vom Donner gerührt blieb er im Flur stehen und sah mich mit offenem Mund an.
Das ist nicht Dein Ernst, oder? fragte er schließlich.
Unsicher blickte ich an mir hinunter und wieder zu ihm.
Wieso? Stimmt etwas nicht?
Also...ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.., etwas verlegen rieb er sich den Nacken.
Versuch es einfach gerade heraus und kümmere Dich einfach nicht um den Herzinfarkt dem ich jetzt bestimmt gleich erliegen werde. Jetzt lachte er.
Nein...so meinte ich das gar nicht..., immer noch kichernd kam er auf mich zu, nahm meine Hand, trat einen Schritt zurück und musterte mich erneut von oben bis unten.
Du siehst einfach umwerfend aus...es ist nur..., wieder stockte er und ich hätte am liebsten die restlichen Worte aus ihm heraus geprügelt. Was wollte er eigentlich?
Ich habe den Eindruck, dass es A.J. sowieso schon schwer fällt, die Finger von Dir zu lassen und jetzt das...Du wirst ihm sämtliche Lichter ausschießen und ich werde den Abend nicht genießen können, weil ich mich ständig zwischen Euch drängeln muss.
Jetzt übertreibst Du aber, sagte ich verlegen, entwand ihm meine Hand und stakste zurück ins Wohnzimmer um die Musik aus zu machen.
Nein das tue ich nicht..., hörte ich ihn hinter mir sagen und dann, wie er scharf die Luft ein sog.
Ich werde wohl dafür sorgen müssen, dass Du Deine Jacke den ganzen Abend an behältst. Ist Dir bewusst, das die an Deiner Rückseite eine ganze Menge Stoff vergessen haben?
Das ist mir sehr wohl bewusst, kicherte ich, zog meine Jacke an und hakte mich dann bei ihm unter.
Von mir aus können wir gehen.
Gleich...ich wollte Dir nur noch schnell Dein Geschenk geben. Erst jetzt bemerkte ich das rechteckige Päckchen in seiner Hand.
Au ja, Geschenke...her damit, ich schnappte mir das Päckchen und Lenny lachte.
Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der so scharf auf Geschenke ist, dass er noch nicht einmal warten kann, bis man es ihm ordnungsgemäß übergibt.
Oh entschuldige...möchtest Du....? Ich streckte ihm das Päckchen entgegen und er nahm es mit einem breiten Grinsen wieder an sich. Dann schien er kurz zu überlegen und lies sich vor mir auf die Knie fallen.
Holde Robin, ich gratuliere Euch ganz herzlich zu Eurem Wiegenfeste und überreiche Euch hiermit demütig eine kleine Aufmerksamkeit aus dem Hause Simson. Möge Euch der Inhalt immer wieder Freude und Zerstreuung schenken.
Ich kicherte hinter vorgehaltener Hand und nahm mit einer ausladenden Geste das Geschenk entgegen.
Oh Ritter Lenny, die holde Robin dankt es Euch tausendfach und ist sich sicher, das sie noch niemals ein Geschenk von solch ausgesuchter Eleganz und Einfallsreichtum bekommen hat. Damit zog ich ihn auf die Füße und er drückte mir einen schmatzenden Kuss auf den Handrücken. Lächelnd beobachtete er mich dabei, wie ich ungeduldig das Geschenkpapier aufriss und wenig später sprachlos auf das Geschenk starrte.
Es war unverkennbar ein Comic...von ihm selbst gezeichnet. Auf der Titelseite prangte ich...besser gesagt, mein perfektes Ich, mit unendlich langen Beinen, in einem kurzen Lendenschurz. Meine Haare wallten flammend um meinen Kopf und meine Augen blickten mich kämpferisch aus dem Cover heraus an. Robin und der Stern von Dagobar prangte in geschwungenen Lettern darüber, am unteren rechten Rand hatte Lenny seine Inizialen winzig klein hin gemalt.
Lenny....das ist...fantastisch...ich glaube...ich habe noch nie..., weiter kam ich nicht, denn ich spürte, wie sich ein dicker Klos in meinem Hals bildete und sich die ersten Tränen in meinen Augenwinkeln sammelten. Das war einfach wunderschön.
Vorsichtig blätterte ich in den bunten Seiten. Überall blickte mich ein bekanntes Gesicht an. Tammy, Lenny....sogar Misses Schumaker hatte er verewigt. Es waren unbestreitbar die mir bestens bekannten Personen und doch war jede irgendwie anders. Auf einer Seite stieß ich auf ein paar braune Augen und für einen Moment konnte ich nichts anderes tun als fasziniert in ihnen zu versinken. Auch A.J. hatte also seine Rolle ab bekommen.
Pack es gut weg, damit es nicht jeder auf der Party angrabbelt und lass uns endlich gehen, sagte Lenny schließlich etwas ungeduldig und holte mich damit in die Wirklichkeit zurück.
J-Ja...vielen, vielen Dank, das ist wirklich fantastisch.
Ich wußte schon immer, dass ich gut bin...aber das Du das vorher nicht wußtes, überrascht mich dann doch, lacht er.
Ich brachte das Comicheft in mein Zimmer und wenig später verließen wir gemeinsam in bester Stimmung das Haus. Ich war unglaublich gespannt, was mich den restlichen Abend noch so erwartete. Ich war mir eigentlich sicher, das es kaum eine Steigerung geben konnte.
Noch nie in meinem Leben hatte ich so falsch gelegen!
Kapitel 22