Kapitel 14

Das Gespräch mit Molly hatte mich um einiges ruhiger gemacht. Es schien, als hätte mein Gedankenchaos nur auf ihre Weisheiten gewartet. Zu wissen, das ich mit meinen Gefühlen und Sehnsüchten nicht alleine war half mir irgendwie, sie leichter zu akzeptieren.
Ich begann wieder zu schreiben und als wäre irgendwo ein Damm gebrochen, schienen sich die Seiten wie von selbst zu füllen.
Ursprünglich hatte ich geplant, nach zwei Wochen langsam wieder an meine Rückkehr zu denken. Doch aus zwei Wochen wurden zwei Monate.
Ich half Molly am Vormittag bei der Vorbereitung des Frühstücks und beim Sauber machen der Zimmer. Einmal die Woche kochte ich für ihre Freundinnen, die jeden Donnerstag Abend zum Kartenspielen bei ihr vorbei schauten. Im Gegenzug lies mich Molly kostenlos in ihrem Hotel wohnen und ich konnte am Nachmittag in Ruhe an meinem Buch weiter schreiben.
Zwischendurch telefonierte ich ab und zu mit Tammy und Lenny um ihnen jedes Mal zu versichern, das es mir ausgesprochen gut ging und ich nicht vor hatte, in der nächsten Zeit nach Hause zu kommen.
Ich verriet ihnen nicht wo ich mich aufhielt, so wie ich die beiden kannte, währen sie sicherlich eines Tages vor der Tür gestanden und im Moment konnte ich ihre Anwesenheit einfach noch nicht gebrauchen.
A.J. rief nicht mehr an. Auf der einen Seite war ich mehr als froh darüber. Ich dachte immer noch viel an ihn und meine Träume drehten sich ausschließlich um ihn. Doch ich hatte das Gefühl, dass ich langsam so weit war, dass ich zumindest meinen Körper unter Kontrolle würde halten können, wenn ich ihn wieder sah.
Auf der anderen Seite sehnte ich mich auch weiterhin nach ihm. Seine Stimme zu hören schien mir an manchen Tagen lebenswichtig. In diesen Momenten hörte ich mir wieder und wieder seinen Anruf auf meiner Mailbox an. Ich wurde immer noch nicht schlau aus seinen Worten, doch sie trösteten mich trotzdem.
Schließlich setzte ich die beiden berühmten Worte The End unter meinen Roman und lies mich zufrieden zurück aufs Bett sinken. Ich hatte mir angewöhnt, im Schneidersitz auf dem Bett zu schreiben, da es mittlerweile am Strand einfach zu zugig und kalt war. Zufrieden blickte ich an die Zimmerdecke und das erste Mal seit ich hier war, erschien mir der Gedanke nach Hause zurück zu kehren nicht mehr unangenehm.
Zwei Tage später packte ich meine Sachen. Als ich wenig später voll bepackt aus dem Fahrstuhl stieg, stand Molly bereits hinter dem Empfangstresen und sah mir lächeln entgegen.
„Nun ist es also soweit, ja?“ fragte sie.
„Sieht so aus, ja. Ich habe Sehnsucht nach zu Hause...unglaublich wie lange ich hier war.“
„Das Herz braucht Zeit um zu heilen, das geht nicht von heute auf morgen.“
„Du hast recht...aber ich befürchte, es wird niemals ganz heilen.“
Daraufhin sagte sie nichts und lächelte mich einfach weiterhin an. Im Grunde gab es auch nichts mehr zu sagen. Außer Lebe Wohl.
Ich brachte meine Sachen hinaus und verstaute sie im Kofferraum meines Wagens. Ein letztes Mal lies ich meinen Blick über die inzwischen raue See gleiten und sog noch einmal wehmütig den Duft des Meeres ein. Dann wandte ich mich Molly zu.
„Ich kann Dir gar nicht genug für alles danken.“
„Das hast Du schon mehr als genug getan. Immerhin hatten meine alten Knochen in der letzten Zeit ein angenehmes Leben. Ich befürchte, das Dich meine Bridgerunde schmerzlich vermissen wird. Niemand hat bisher so gut für uns gekocht.“
„Trotzdem nochmals vielen Dank.“
„Ist schon gut...ich würde mich freuen, wenn Du mich eines Tages besuchen kommst. Ich würde gerne wissen, wie die Geschichte mit A.J. ausgeht.“
„Ich werde Dich auf jeden Fall auf dem Laufenden halten,“ versprach ich. Dann drückte ich sie etwas unbeholfen an mich und setzte mich dann hinter das Steuer meines Wagens.
Vorsichtig setzte ich den Wagen zurück, winkte ihr noch einmal zum Abschied zu und beeilte mich dann den kleinen Parkplatz zu verlassen. Sie sollte meine Tränen nicht sehen.
Ich stellte mir vor, wie sie mein Zimmer betrat, um das Bett ab zu ziehen, was ich selbstverständlich schon getan hatte und sie dann die Kopie meines Buches auf dem Kopfkissen finden würde.
Beim Schreiben hatte ich einfach nicht anders gekonnt, als sie als die gute Fee in die Story mit ein zu bauen. Ich hatte sie auch in meiner Widmung bedacht. Sie hatte mir die Kraft gegeben, dieses Werk zu vollenden. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wo ich heute ohne sie währe.

Kapitel 15