Kapitel 9

Als wir gut gelaunt vor unserem Haus ankamen, hatte ich ihn dreimal in Grund und Boden gespielt und seine Scherze über mein Können waren einem neckischen Bewundern gewichen. Schon von weitem sahen wir Tammys Auto in der Einfahrt stehen. Auf A.J.s Gesicht breitete sich ein strahlendes Leuchten aus und die letzten Meter flog er förmlich zu ihr. Ich folgte ihm wesentlich langsamer und bedauerte innerlich, das der „schöne Tag“ jetzt schon vorüber war. Die letzten Stunden mit ihm waren einfach so verflogen und es widerstrebte mir, unsere Zweisamkeit wieder auf zu geben. Doch ich hatte ja keine andere Wahl...die würde ich nie haben.
Als ich unser Haus betrat, standen die beiden eng umschlungen im Flur. Ich wagte kaum hin zu sehen und wollte mich schon klamm heimlich in mein Zimmer zurück ziehen, als Tammy mich entdeckte.
„Hallo Königin des Queue, ich habe gehört Du hast meinem Schatz gezeigt, zu was für Höchstleistungen wir Duncans im Stande sind?“
„Und wie, ich musste ihm zum Schluss tatsächlich ein Taschentuch reichen.“
„Gut gemacht. Dann ist er ja entsprechend für heute Abend motiviert. Beim Tanzen macht ihm nämlich so schnell keiner was vor.“
A.J. nickte, immer noch mit diesem dämlichen Anhänglichkeits-Grinsen im Gesicht. Leichte Übelkeit begann sich in meinem Magen aus zu breiten.
„Ich habe für uns drei bei Sally einen Tisch bestellt. Danach dachte ich, wir könnten ins Downtown fahren, da waren wir schon so lange nicht mehr.“
„Danke Tammy, aber ich werde hier bleiben. Ihr zwei könnt eine nervige Schwester sicherlich nicht gebrauchen.“
„So ein Unsinn,“ sie kam zu mir herüber und legte mir einen Arm um die Schulter „immerhin sollt ihr beiden Euch doch ein bisschen kennen lernen. Ich hätte gerne heute Abend meine beiden Lieblingsmenschen um mich herum.“
„Das mit dem Kennen lernen haben wir heute Mittag schon erledigt. Ich bin müde. Vielleicht rufe ich Lenny später an und wir essen was zusammen. Außerdem habe ich seit zwei Tagen nichts mehr an meiner Story getan.“
Ich wußte, das meine Worte nach lahmer Ausrede klangen, doch das wir im Moment herzlich egal. Ich wollte auf gar keinen Fall den Beiden einen Abend lang beim Schmusen zu sehen.
„Lass sie doch,“ schaltete sich A.J. unvermittelt ein „wir beiden werden einen wundervollen Abend verbringen, köstlich zu Abend essen und wie die Verrückten das Tanzbein schwingen. Natürlich wird sie sich hinterher ärgern...aber daran ist sie dann selbst schuld.“ Er grinste mich an und glaubte tatsächlich diese Masche, die man sonst nur bei kleinen Kindern anwandte, würde mich tatsächlich zum Mitgehen bewegen. Doch da hatte er sich geirrt.
„Fein, dann ist das ja geklärt,“ und schon rauschte ich an ihnen vorbei, die Treppe hinauf. Als ich meinen Zimmertür hinter mir zuzog, hörte ich Tammy unten am Treppenabsatz sagen
„habt ihr Euch etwa gestritten?“
„Nein, es war alles bestens. Wir hatten wirklich einen sehr lustigen Nachmittag. Wir haben sogar Misses Schumaker kennen gelernt.“
„Oh Gott...ich hoffe, Robin hat sich zurück gehalten....“
Leise schloss ich die Tür endgültig hinter mir und warf mich frustriert auf das Bett.

Etwa eine Stunde später klopfte es leise an die Tür und Tammy streckte den Kopf herein. Sie sah wunderschön aus in dem eng anliegenden Sommerkleid und den Locken, die in sanften Wellen ihr Gesicht umrahmten. Als sie die Tür hinter sich schloss und sich zu mir auf den Bettrand setzte, konnte ich den Duft von Cucci riechen. Spätestens jetzt sollte ich alle Illusionen in mir begraben. Gegen diese Elfengestalt hatte ich überhaupt keine Chance. Moment, was dachte ich da eigentlich? Welche Chance?
„Willst Du wirklich nicht mitkommen?“
„Nein Tammy...es ist wirklich lieb von Dir, aber ich würde mich doch nur wie das fünfte Rad am Wagen fühlen.“
„Aber das wärst Du doch gar nicht. A.J. hat erzählt, das ihr jede Menge Spaß hattet. Warum soll das denn jetzt anders werden?“
„Vielleicht weil er jetzt Dich dabei hat? Tammy, wenn Du ehrlich bist, bist Du doch gar nicht böse darum, das ich nicht mitgehe....“
„Sag doch sowas nicht, natürlich habe ich Dich gerne dabei.“
„So habe ich das auch nicht gemeint. Aber es ist doch klar, das Du mit Deinem Schatz lieber alleine sein möchtest. Alles andere währe unnormal.“
Ein Anflug von Unsicherheit huschte über ihr schönes Gesicht und ich wurde unruhig.
„Oder ist es etwas anderes?“
„Nun ja...ich weiß nicht...ich war noch nie wirklich in der Öffentlichkeit mit ihm unterwegs. Wir waren immer bei ihm zu Hause oder bei Freunden. Ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, wenn plötzlich ein Fan auf ihn zu kommt.“
„Tammy...Du hast doch Tag täglich mit irgendwelchen Stars zu tun und da willst Du mir erzählen, dass Du nicht weißt, wie Du mit einem mickrigen Fan fertig werden sollst?“
„So ähnlich, ja.“
„Ignorier ihn einfach...lächle und strahle Deine unübertroffene Freundlichkeit aus...und lass A.J. den Rest machen.“
„Glaubst Du, es ist so einfach?“
Auf diese Frage konnte ich nur mit den Schulter zucken. Ich hatte wohl noch weniger Erfahrung in solchen Dingen als sie. Wer war hier denn mit einem Popstar zusammen? Doch sie brauchte jetzt wohl Zuspruch.
„Du wirst sehen, das ist ganz easy. Du musst immer daran denken, das sie nichts von Dir sondern etwas von ihm wollen.“
„Vielleicht ist es gerade das. Es gibt so viele Frauen auf dieser Welt, die ihn haben wollen. Das ist gar nicht so einfach...,“
„Tammy, wird das jetzt eine Grundsatzdiskussion über das Leben mit einem Popstar?“
„Ich weiß es nicht...ich bin einfach unsicher.“
„Vielleicht solltest Du lieber mit A.J. darüber reden...“
„Er wird mich für kindisch halten...“
„Er wird sich ganz vernünftig mit Dir zusammen setzten und Dir sagen, das Du keinen Grund für diese Art von Angst haben musst. Du hättest das Leuchten in seinen Augen sehen sollen, als er Deinen Wagen in der Einfahrt gesehen hat. Er ist hin und weg von Dir...da können noch so viele Frauen bei ihm Schlange stehen.“ Im Geiste sah ich eine riesige Menschenschlange vor unserem Haus stehen und ich war mitten drin. Erschrocken schlug ich die Augen nieder. Tammy sollte besser nichts von meinen verwirrten Gedanken mit bekommen.
Sie seufzte vernehmlich, dann erhob sie sich.
„Du hast ja recht. Manchmal kann ich wohl echt nervig sein, was?“
„Nicht mehr als andere Menschen auch,“ grinste ich zurück. Sei beugte sich zu mir hinunter und küsste mich auf die Stirn.
„Danke Kleine. Mach Dir einen schönen Abend mit Lenny ja?“
„Mach ich. Jetzt aber los, bevor Dein Traumprinz ohne Dich fährt.“
„Bin schon weg.“
Das klang hier schwer nach einem De ja vu, doch bevor ich den Gedanken richtig zu ende führen konnte, hatte sie schon die Tür hinter sich geschlossen und ich war wieder allein. Allein mit mir und meinen wirren Gedanken, die sich ausschließlich um ein paar unglaubliche, braune Augen drehte.

Kapitel 10