Kapitel 25
Zwei Tage später verabschiedete sich Sarah von Jessy am Flughafen. Vielen Dank für alles, sagte Jessy es hat wirklich Spaß gemacht. Das müssen wir unbedingt mal wieder machen. Jederzeit, entgegnete Sarah grinsend und schloss Jessy in die Arme. Machs gut Jess. Wir telefonieren, o.k.? Abgemacht. Jessy löste sich aus Sarahs Armen und sah sie fragend an. Irgendetwas was ich den Jungs sagen kann? Sarah schüttelte den Kopf. Ich weiß wirklich nicht, ob ich zur Verleihung gehen soll. Es ist soviel passiert und ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich sie wiedersehen will. Aber nachdem Du A.J.s Brief gelesen hattest, dachte ich... Jessy, das haben wir doch jetzt schon so oft durchgekaut. Lass mir einfach etwas Zeit, o.k.? Das ist alles nicht so einfach. Diesmal war es Jessy die den Kopf schüttelte ich werde Dich nie verstehen. Aber meinetwegen, lass Dir Zeit, aber nicht zu lange, ja? In Ordnung. Jetzt mach aber, dass Du los kommst, sonst fliegen sie am Ende noch ohne Dich. Bin schon weg, grinste Jessy und umarmte ihre Freundin ein letztes mal, bevor sie sich zu ihrem Flugzeug begab. Sarah sah ihr nach, bis sie durch die Sicherheitskontrollen verschwunden war, dann drehte sie sich um und ging langsam zurück zu ihrem Auto. Dieser Brief. Wenn sie ehrlich war, hatte er mehr ausgelöst, als alle Argumente und Betteleien von Jessy. Sie hatte den Brief bestimmt schon zehnmal gelesen, immer heimlich, damit Jessy nicht merkte, wie wichtig er ihr wirklich war. Besonders A.J.s letzter Satz hatte sie zum Nachdenken gebracht. Er hatte ihr bewusst gemacht, wie oft sie tatsächlich an diesen Abend im Club dachte. Immer wieder schob sich unvermittelt diese Erinnerung in ihre Gedanken, ohne das sie etwas dagegen hätte tun können. Sie sah A.J., wie er sich geschmeidig durch die Menschenmassen kämpfte und sie dann wortlos in seine Arme zog. Dieses Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, das sie damals schon wahrgenommen, aber einfach ignoriert hatte, stellte sich jedes Mal wieder ein. Sie wußte, dass sie sich danach sehnte. Seit sie Dannys Bild an die Wand geworfen hatte, fühlte sie sich wie befreit. Sie hatte kein schlechtes Gewissen mehr, wenn sie an A.J. dachte. Andererseits war ihr nun bewusst geworden, wie sehr sie die Nähe eines anderen Menschen vermisste. Jessys Besuch hatte ihr nur zu deutlich bewusst gemacht, dass sie nur die Hand aus zu strecken brauchte um diese Nähe zu bekommen. Doch da war immer noch ihr verletzter Stolz. Würde es nicht schwach und unterwürfig aussehen, wenn sie jetzt wieder angekrochen kam? Gab es ihnen nicht die Gewissheit, dass sie mit ihr machen konnten, was sie wollten? Sarah schwirrte der Kopf. Seit Jessy aufgetaucht war, konnte sie an nichts anderes mehr denken. Da half es auch nicht viel, dass sie sich zwei Tage frei genommen und Jessy New York gezeigt hatte. Abends war sie mit ihr durch etliche Bars und Clubs gezogen und doch waren ihre Gedanken immer wieder abgeschweift. Jessys amüsante Geschichten über die Jungs und ihre letzten Schreckenstaten halfen da auch nicht wirklich weiter. Seufzend lies sie sich in die Polster ihres Wagens sinken und beschloss, noch für ein paar Stunden ins Büro zu fahren. Vielleicht konnte sie sich mit ein bisschen Arbeit ablenken. Dort angekommen, platze sofort Chandler in ihr Büro. Ich möchte, dass Du mit Logan zu dieser Verleihung gehst, sagte er ohne sie überhaupt begrüßt zu haben. Das geht nicht Chandler und Du weißt auch genau warum. Sarah, Sarah, er schüttelte mitfühlend den Kopf Du musst noch viel lernen. Selbstverständlich wirst Du dort hingehen. Ihr werdet Euch wiedersehen, sie werden Dich auf Knien um Verzeihung bitten und alles ist wieder gut. Garnichts wird wieder gut, weil ich nämlich nicht hingehen werde. Oh doch mein Schatz, das wirst Du. Und keine Wiederrede, sagte er schnell als er sah, dass sie den Mund öffnete um ihm eine giftige Bemerkung entgegen zu schleudern. Du weißt, ich habe noch etwas gut bei Dir und hiermit löse ich Dein Versprechen ein. Du wirst dort hingehen und Dich gefälligst amüsieren, basta. Sarah starrte ihn aus wütend funkelnden Augen an. Das konnte doch jetzt wohl nicht sein Ernst sein. Chandler, das ist nicht fair. Das ist das Leben nie. Also, Du weißt, was Du zu tun hast. Ach, und kauf Dir was nettes zum Anziehen. Schließlich sollst Du unseren Laden hier ja standesgemäß repräsentieren. Die Rechnung kannst Du ans Büro schicken lassen. Ich habe heute, glaube ich, einen guten Tag. Sarah konnte vor lauter Verblüffung nichts mehr sagen und als ihr eine passende Bemerkung eingefallen war, war Chandler schon aus ihrem Büro verschwunden. Geschockt blieb sie einen Moment regungslos sitzen. Jetzt war die Entscheidung also gefallen. Sie glaubte nicht, dass Chandler sie feuern würde, wenn sie tatsächlich nicht gehen würde, doch man wußte nie. Das währe ja dann wohl das Letzte, wenn sie diese Geschichte auch noch ihren Job kosten sollte. Also: ob sie wollte oder nicht, sie musste zu dieser Verleihung gehen und es war wohl auch unmöglich, ihnen dort aus dem Weg zu gehen.
Kapitel 26