Kapitel 24
Die nächsten Wochen vergingen für Sarah wie im Flug. Sie hatte ein neues Projekt übernommen und stürzte sich mit Feuereifer in die Arbeit. Bloß nicht nachdenken müssen. Doch sie konnte nicht verhindern, dass ihre Gedanken vor dem Einschlafen zurück zu den Jungs wanderten. Immer öfter kam es vor, dass das Letzte was sie vor sich sah, bevor sie einschlief, A.J.s Gesicht war. Vielleicht lag es daran, dass er immernoch zwei mal die Woche im Büro anrief. Zu Hause hatte er es mittlerweile aufgegeben. Doch hier lies er sich scheinbar nicht so schnell entmutigen. Die ersten Male hatte sie wortlos aufgelegt, dann war sie dazu übergegangen, Annie ihre Anrufe entgegen nehmen zu lassen. Mittlerweile hörte sie schon an Annies Gekicher, dass er am Telefon war. Die beiden schienen sich prächtig zu verstehen. Logan meldete sich auch hin und wieder. Unbewusst gierte sie nach jeder Kleinigkeit, die er von den Fünfen zu erzählen hatte. So erfuhr sie, dass alles seinen gewohnten Gang ging. Die Shows waren nach wie vor ausverkauft und es herrschte der altbekannte Stress. So richtig zufrieden war sie mit dieser Situation nicht. Eigentlich hatte sie sich gewünscht, dass es mehr auffallen würde, dass sie nicht mehr da war, doch das war wohl einfach nur Tagträumerei. Logan hatte sich mittlerweile sehr gut eingelebt. Er dachte manchmal, dass ihm eigentlich nichts besseres hätte passieren können, als hierher versetzt zu werden. Er verstand nun, dass Sarah so begeistert gewesen war. Die Jungs waren wirklich nett und sie hatten diese besondere Art von Humor, über die er sich königlich amüsieren konnte. Nur mit diesem A.J. kam er irgendwie nicht klar. Doch das schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Wenn irgend möglich gingen sie sich aus dem Weg. Außerdem konnte er die Sache mit Sarah jetzt wesentlich gelassener betrachten. Sicher, sie fehlte ihm und er dachte oft an sie, doch er lief ihr eben nicht mehr ständig über den Weg und irgendwann wurde der Schmerz in seinem Herzen etwas erträglicher. Er vermied es, Sarah davon zu erzählen, dass fast bei jedem Gespräch, dass die Jungs untereinander führten, irgendwann ihr Name fiel. Obwohl inzwischen so viel Zeit vergangen war, vermissten sie sie. Doch aus Gründen, die er selbst nicht benennen konnte, wollte er nicht, das Sarah etwas davon erfuhr. Es war gut so, wie es momentan war. Doch dann geschah etwas unerwartetes und Logan wußte nicht so recht, wie er damit umgehen sollte. Sie saßen gerade bei der allmorgendlichen Besprechung als Kimberly, die Neubesetzung für Marias Stelle, in das Zimmer geplatzt kam. In der Hand schwenkte sie freudestrahlend einen Bogen Papier und ihr Gesicht glühte vor Aufregung. Ich weiß was, was ihr nicht wisst, lächelte sie vergnügt und wedelte immernoch mit dem Stück Papier in ihrer Hand. Wirst Du es uns freiwillig erzählen, entgegnete Brian grinsend oder müssen wir unsere Foltermethoden anwenden? Keine Sorge, ich platze sowieso gleich, wenn ich es nicht sofort los werde. Also, ratet, wer für sage und schreibe vier MTV Awards nominiert ist. Das ist doch nicht möglich, riefen alle durcheinander. Endlich hatten sie die Bestätigung dafür, dass sich die Arbeit an ihrem Album gelohnt hatte. Ist es auch nicht, entgegnete Kimberly diabolisch grinsend das sind nämlich NSync, eisiges Schweigen antwortete ihr wir sind nämlich für fünf nominiert, platzte sie lachend heraus und sofort stürzten sie sich auf sie. Kevin riss ihr den Zettel aus der Hand und Brian und Nick rangen sie zu Boden und kitzelten sie zur Strafe bis sie laut schreiend um Gnade bettelte. Als wieder einigermaßen Ruhe eingekehrt war, las Kevin laut vor Nominiert für best Pop-Group, allgemeines Gejohle antwortete ihm best Album, die Rufe wurden lauter best Dance-Act, die anwesenden Tänzer, inklusive Jessy, brüllten sich die Seele aus dem Leib best Single, alles klatschte und schrie wild durcheinander best Webside, Stille. Alle sahen sich betreten an. Wieder einmal plagte sie das schlechte Gewissen und A.J. verkroch sich noch tiefer in seinen Sessel. Das ist doch spitze, versuchte Kevin es positiv zu sehen. Vielleicht werden sie Sarah auf die Verleihung schicken. Endlich eine Möglichkeit, mit ihr zu reden, ohne dass sie den Hörer auflegen kann. Sie wird nie im Leben kommen, brummte A.J. aus seiner Ecke des Zimmers und sprach damit nur aus, was alle dachten. Logan hatte sich diskret zurückgezogen und das Ganze aus einiger Entfernung mit angesehen. Seine Gefühle waren komplett in Aufruhr. Einerseits platze er fast vor Stolz, dass sie tatsächlich für ihre Arbeit mit einer Nominierung belohnt worden waren, andererseits musste er A.J. recht geben. Sarah währe viel zu stolz, um den Jungs nochmal unter die Augen zu treten. Allerdings kam sie somit auch nicht dazu, für ihre hervorragenden Arbeit geehrt zu werden. Immerhin war das hier ihr Konzept, ihr Herzblut. Das was er hier tat waren mehr oder weniger nur kleinere administrative Tätigkeiten. Das hätte jeder vier jährige auch gekonnt. Sie wird kommen, sagte nun Jessy bestimmt, schnappte sich das Fax aus Kevins Händen und war damit schon auf dem Weg zur Tür, als Howie sie zurückhielt. Was hast Du vor? Ich werde mit ihr reden. Auge in Auge, diesmal wird sie nicht mehr davon laufen, sagte sie bestimmt. Du fliegst zu ihr? fragte Logan. Oh ja, und wehe ich bekomme wieder eine Abfuhr. So langsam wird es Zeit, dass sie vernünftig wird. So kann das doch nicht weiter gehen. Du hast wirklich Mut, bemerkte Nick und erntete einen unsanften Seitenhieb von Brian. Sie macht das schon. Jessy hat recht. Es kann doch nicht sein, dass wir uns dauernd Gedanken um sie machen und sie uns einfach so links liegen lässt. Wir müssen das klären, bevor wir uns eventuell über den Weg laufen. Ich mein ja bloß, entgegnete Nick beleidigt und massierte sich dabei den Oberarm, wo Brian ihn getroffen hatte bisher hat sie doch auch immer alles abgeblockt. Ich kann mich noch gut an das Gespräch erinnern. Sie war so wütend. Warum sollte es jetzt anders sein, wenn sie nach wie vor A.J.s Anrufe abblockt? Lass das mal meine Sorge sein, entgegnete Jessy leichthin. Ich werde jetzt schnell ein paar Sachen packen. Kim, kannst Du mir einen Flug nach New York buchen? Ist so gut wie erledigt, mit dem Handy am Ohr verließ Kimberly das Zimmer. Howie, kommst Du mit rüber und hilfst mir beim Packen? Na klar, er erhob sich und folgte Jessy in ihr Zimmer. Logan beobachtete A.J. mit zusammengekniffenen Augen. Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd und lief aufgeregt im Zimmer auf und ab. Das ist es, murmelte er immerwieder vor sich hin dort kann sie uns nicht aus dem Weg gehen. Jetzt wird alles gut. Logan gefiel nicht, was er da sah. Was, wenn Sarah sich tatsächlich dazu überreden lies, zu dieser Verleihung zu kommen? Wenn sie diesen Jungs und vorallendingen A.J. wieder über den Weg lief? Er sah seine letzten Chancen, vielleicht doch noch ihr Herz für sich zu gewinnen, schwinden. Was hatte er schon einem Superstar entgegen zu setzen? Garnichts, beantwortete er sich gleich selbst seine Frage. Er musste unter allen Umständen verhindern, dass Sarah bei dieser Verleihung aufkreuzte. Doch wie sollte er das anstellen? Erstmal abwarten, was Jessy erreicht, dachte er danach kann ich mir immernoch etwas überlegen.
In windeseile hatte Jessy einige Sachen zusammengepackt. Sie hatte mit Mandy gesprochen und diese hatte sich bereit erklärt, sie bei den Shows zu vertreten, bis Jessy wieder da war. Jetzt stand sie mit Brian, Kevin, Nick, A.J., Howie und Logan in der Lobby um sich zu verabschieden. Kevin drückte sie herzlich Viel Glück und halte uns auf dem Laufenden, o.k.? Na klar, mach Dir keine Sorgen. Brian trat auf sie zu Machs gut, ich drück Dir die Daumen. Danke. Nick hob sie hoch, als er sie an sich drückte und gab ihr einen lauten Schmatzer auf die Wange komm heil und gesund wieder, ja? Nick! kicherte Jessy keine Sorge, sie wird mir schon nicht den Kopf abreißen. Ich freue mich schon darauf mit ihr um die Häuser zu ziehen. Als Nick sie vorsichtig wieder abgesetzt hatte, trat A.J. mit ernster Miene auf sie zu. In den Händen drehte er einen kleinen, weißen Umschlag. Gibst Du ihr das bitte von mir? fragte er. Natürlich, sie nahm den Umschlag entgegen und verstaute ihn in ihrer Tasche. Mach Dir keine Gedanken. Sie wird kommen, ich verspreche es Dir und dann wird alles gut. Dein Wort in Gottes Ohr, entgegnete er und lächelte schwach. Er drückte sie kurz und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange, bevor er mit gesenktem Kopf zurücktrat um Logan platz zu machen. Bestell ihr liebe Grüße von mir, ja? Sicher, mach ich. Ungeschickt umarmten sie sich und dann war nur noch Howie übrig, von dem sie sich verabschieden musste. Sie schluckte die aufkommenden Tränen herunter. Es war ja nur für ein paar Tage. Trotzdem vermisste sie ihn jetzt schon schrecklich. Er drückte sie fest an sich und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar Du fehlst mir jetzt schon, murmelte er und Jessy stellte wiedereinmal überrascht fest, wie ähnlich sie sich doch waren. Mach Dir keine Sorgen mein Schatz, versuchte sie ihn und wohl auch sich selbst zu trösten es sind ja nur ein paar Tage. Ich bin bald wieder da und dann kann uns nichts mehr trennen, o.k.? Sie spürte wie er nickte. Dann gab es nichts mehr zu sagen und sie küssten sich lange und zärtlich. Mach schnell, ja? Und pass auf Dich auf. New York soll ein heißes Pflaster sein. Sie musste über seine Besorgnis lächeln. Nocheinmal strich sie ihm durch das Haar, dann drehte sie sich entschlossen um und strebte dem Ausgang zu, wo das Taxi schon auf sie wartete. Kurz bevor sie durch die großen Schiebetüren nach draußen trat, blickte sie sich noch ein letztes Mal um. Die sechs Männer winkten ihr zum Abschied zu und sie winkte zurück. Wenig später war sie auch schon auf dem Weg zum Flughafen, fest entschlossen, sich diesmal nicht so einfach abwimmeln zu lassen.
Sarah saß konzentriert über ihren Schreibtisch gebeugt und starrte auf den Bildschirm. Irgendetwas war noch nicht richtig, aber sie kam nicht darauf, was es war. Als es an der Tür klopfte, sah sie nichteinmal auf. Herein. Jessy trat ein und sah ihre Freundin mit gerunzelter Stirn auf den Computer starren. Das war so typisch für Sarah das sie leise lachen musste. Sarahs Kopf fuhr in die Höhe und ein strahlendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ich glaubs ja nicht, rief sie aus, stand von ihrem Stuhl auf und war mit zwei schnellen Schritten um ihren Schreibtisch herum. Sie schloss Jessy in die Arme Gott, ich freu mich ja so, Dich zu sehen, sagte sie und schob sie gleich darauf ein Stück von sich. Ist irgendetwas passiert? fragte sie misstrauisch. Jessy lachte immer noch die Alte, was? Gleich eine Katastrophe hinter allem vermuten. Sarah grinste man weiß nie. Wie konntest Du Dich denn von diesen Sklaventreibern losreißen? Jessy runzelte die Stirn immernoch nicht gnädiger gestimmt? Ich dachte eigentlich, von dem Trip seist Du langsam runter. Sarah seufzte und lies Jessy los. Bist Du gekommen um mich umzustimmen? Auch, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Ich wollte Dich einfach wieder sehen. Ist das so schlimm? Nicht, wenn Du die Geschichte mit dem Umstimmen beiseite lässt. Jessy schüttelte den Kopf wie kann man so verbohrt sein? Die Jungs machen sich immernoch Vorwürfe und denken andauernd an Dich. Sie haben sich tatsächlich eine Chance verdient. Sarah gefiel die Richtung, die dieses Gespräch nahm ganz und garnicht. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah Jessy durchdringend an ich denke, das hatten wir alles schon einmal, oder? Mag sein, aber die Dinge haben sich etwas geändert. Wie meinst Du das? Jessy seufzte. Wie währe es, wenn Du ersteinmal freundlich Hallo sagst und wir dann irgendwo etwas essen gehen, ich habe nämlich einen tierischen Hunger. Sarah musste gegen ihren Willen lächeln. Hallo, und ja, ich könnte auch etwas zu essen vertragen. Sie schnappte sich ihre Handtasche und hakte sich bei Jessy unter. Gemeinsam verließen sie das Büro und fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten. Wo gehen wir hin? fragte Jessy. Ich kenne hier in der Nähe einen kleinen Italiener, der ist wirklich lecker, und gleich darauf steuerten sie auf das kleine Lokal zu. Sarah wurde schmerzlich bewusst, dass ihr damals Kevin das Restaurant gezeigt hatte. Das alles schien vor millionen von Jahren gewesen zu sein. Als sie sich an einen Tisch im hinteren Teil des gutbesuchten Lokales gesetzt und ihre Bestellung aufgegeben hatten, kam Jessy wieder auf den eigentlichen Grund ihres Besuches zu sprechen. Hör zu, besser gesagt, grinste sie ich höre zu. Ich möchte gerne verstehen, was in dir vorgeht, dass Du alle Versuche, sich bei Dir zu entschuldigen, abblockst. Sarah stutzte. Von der Seite hatte es bisher noch keiner versucht. Keiner hatte sich für ihre Gefühle interessiert. Alle hatten ihr immer nur zu verstehen gegeben, dass sie nicht so stur sein und endlich auf A.J.s Anrufe reagieren solle. Das Bedürfnis, all das los zu werden, was in ihrem Kopf so herumschwirrte, wurde auf der Stelle übermächtig und ohne groß darüber nachzudenken fing sie an zu erzählen. Weißt Du, bevor ich zu Euch kam, war ich nicht besonders ... wie soll ich sagen...nicht ganz bei mir eben. Ich hatte meinen Ehemann vor einem Jahr bei einem Motorradunfall verloren und irgendwie schien die ganze Welt um mich herum still zu stehen, während ich mich immer weiter von ihr weg bewegte. Ich habe mich voll und ganz in meine Arbeit gestürzt. Nicht viel Zeit zum Nachdenken oder Trauern. Dann kam Jive und hat mich wieder zurück in die Wirklichkeit beordert. Ich kann Dir sagen, das war zuerst ein riesen Schock für mich. Soviele Menschen um mich herum, die sich plötzlich für mich interessierten. Jessy nickte, bis hierher hatte sie sich so etwas ähnliches schon gedacht. Aber mit der Zeit...es hat mir plötzlich wieder Spaß gemacht. Was hat Dir Spaß gemacht? Das Leben, die netten Menschen um mich herum, die anderen Aspekte meiner Arbeit, einfach alles. Ich hatte wieder entdeckt, wie schön es sein kann, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist, denen man vertrauern kann. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Und dann erscheint dieser Artikel und in null komma nichts hatten sie mich abgeschoben. Zurück in mein kleines, trostloses Universum. Ich habe erkannt, dass man niemandem vertrauen darf, am Ende enttäuschen sie Dich doch bloß wieder. Da bleibe ich doch lieber alleine. Dann kann mir auch niemand jemals wieder so weh tun. Aber Du wirst auch nie wieder dieses schöne Gefühl von Geborgenheit haben, entgegnete Jessy sanft. Sarah winkte ab Geborgenheit, das ist doch nur eine Illusion. Solange alles nach Plan läuft, mag das noch funktionieren, aber kaum tauchen irgendwo Probleme auf, löst sich dieses Gefühl in Wohlgefallen auf und zurück bleibt nur ein schaler Nachgeschmack von dem, was einmal gewesen ist. Siehst Du das nicht ein bisschen zu schwarz? Ich kann verstehen, dass Du enttäuscht bist und das es Dir schwer fällt, etwas zu riskieren. Aber glaub mir, sie sind es wert. Sarah schüttelte entschieden den Kopf. Nein, sie haben ein schlechtes Gewissen, weil sich herausgestellt hat, dass ich damit tatsächlich nichts zu tun habe. Es sind rein egoistische Motive, die sie dazu bringt, Dich hierher zu schicken. Oh, jetzt lass mich aber mal schön aus Deinem Szenario heraus. Ich bin aus freien Stücken hier. Niemand hat mich dazu gezwungen oder auch nur darum gebeten. Ich mache mir einfach Sorgen um Dich und die Jungs. Sie haben Dich gerne, auch wenn Du das wahrscheinlich nicht hören willst. Da hast Du allerdings recht, entgegnete Sarah bissig trotzdem wirst Du Dir jetzt auch anhören müssen, was ich zu sagen habe. Sarah blickte auf. Musste sie das wirklich? Aber scheinbar hatte sie ja keine andere Wahl, denn Jessy redete schon weiter. Sie vermissen Dich und wie ich Dir schon gesagt habe, haben sie es schon bereut und waren von Deiner Unschuld überzeugt, bevor sie wussten, dass es Maria gewesen ist. Ich kann durchaus Deine Vorbehalte nachvollziehen, aber vielleicht solltest Du Dir auch mal überlegen, was Du Dir selbst mit Deiner Sturheit antust. Sie hob schnell die Hand, als sie merkte, dass Sarah sie unterbrechen wollte Lass mich ausreden. Bitte. Es ist wichtig. Sarah nickte unbehaglich. Du verbaust Dir die große Chance auf Freunde auf Lebenszeit, mal ganz davon abgesehen, dass A.J. ein nicht unwesentlicher Faktor darstellt. A.J.? Wieso auf einmal er? Sarah, sag mir jetzt bitte nicht, dass Du so blind und gefühllos bist. Warum denkst Du, ruft er Dich immernoch an? Wieso glaubst Du spricht er immer eine viertel Stunde mit Deiner Sekretärin über Dich? Er will wissen wie es Dir geht, was Du so machst. Du bist ihm sehr wichtig und dabei weiß er das selbst noch nicht mal, bei dem Gedanken an A.J. musste Jessy lächeln. Er benahm sich tatsächlich wie ein liebeskranker Teenager, aber wenn man ihn darauf ansprach, wiegelte er immer nur ab oder ergriff sofort die Flucht. Sarah, ich flehe Dich an, überleg Dir das Ganze nochmal. Ich habe sogar die Möglichkeit in der Tasche, dass ihr Euch auf neutralem Boden wieder sehen könnt. Sarah runzelte irritiert die Stirn was heißt das nun wieder? Jessy holte ein Blatt Papier und einen kleine, weißen Umschlag aus ihrer Tasche. Sie schob das Fax zu Sarah über den Tisch. Diese überflog den Inhalt kurz und bekam dann große Augen. Habe ich mir doch gedacht, dass Dich das freuen wird. Ich glaube es nicht. Die Webside ist tatsächlich nominiert? Ganz genau. Komm zu der Verleihung, eindringlich beugte Jessy sich über den Tisch und nahm Sarahs Hand Ihr könntet Euch endlich wieder sehen und erstmal in aller Ruhe beschnuppern. Danach wird bestimmt alles viel einfacher sein. Sarah entzog Jessy ihre Hand und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Nein Jessy, sagte sie entschieden das kann ich nicht. Das Thema ist für mich ein für alle mal gestorben. Logan wird sicherlich gerne hingehen. So wie ich ihn kenne, wird das schon immer sein Traum gewesen sein. Enttäuscht sah Jessy zu Sarah hinüber. Sie hatte wirklich geglaubt, das sie Sarah umstimmen konnte. Doch mit soviel Sturheit hatte selbst sie nicht gerechnet. Tja, dann bleibt mir wohl nur noch, Dir das hier zu geben. Sie schob jetzt den Umschlag zu Sarah hinüber. Und was ist das? Mach es auf, dann weißt Du es. Jessy, keine Spielchen. Also, was ist da drin? Ein Brief von A.J., entgegnete Jessy schlicht. Sarah verschränkte die Hände im Schoß. Auch das noch. Sie blickte den Umschlag misstrauisch an, als könne er ihr jeden Moment ins Gesicht springen. Ich werde ihn nicht lesen, sagte sie fest, den Blick immernoch auf den Umschlag geheftet. Warum? Hast Du Angst, er könnte Dich doch noch umstimmen? Hoppla, da hatte sie wohl voll ins Schwarze getroffen. Sarah sah richtig bestürzt aus und ihre Augen wurden ganz groß. Gut, dann werde ich das eben für Dich übernehmen. Ohne ein weiteres Wort, schnappte sich Jessy den Umschlag, riss ihn auf und zog einen Bogen Papier hervor. Sie faltete ihn auseinander und begann laut zu lesen Liebe Sarah, ich hoffe, dass..., weiter kam sie nicht. Sarah riss ihr das Papier aus den Händen. A.J.s Worte mit Jessys Stimme zu hören, das passte irgendwie nicht. Mit klopfendem Herzen und feuchten Händen begann sie den Brief zu lesen. Jessy beobachtete sie dabei aufmerksam. Liebe Sarah, sofort hatte sie seine warme, raue Stimme im Ohr. Bestürzt stellte sie fest, wie sehr sie ihn vermisste ich hoffe, dass Du diesen Brief liest und ihn nicht gleich zerreißt. Ich will Dir soviel sagen, aber die liebe Annie stellt mich einfach nicht zu Dir durch und Du kannst mir glauben, dass ich meinen ganzen Charme eingesetzt habe. Zuerst einmal: ich vermisse Dich wahnsinnig. Mir fehlen unsere stundenlangen Gespräche und Dein Lächeln, ganz besonders Dein Lächeln. Ich weiß, dass ich an dieser Geschichte ganz alleine schuld bin. Ich habe einfach nicht nachgedacht bzw. vielleicht habe ich auch zuviel nachgedacht und nicht auf mein Herz gehört. Wie auch immer, wenn ich einen Fehler gemacht habe, gebe ich ihn zu und das was hier passiert ist, war sicherlich einer der größten Fehler meines Lebens. Es tut mir schrecklich leid und ich möchte das irgendwie wieder gut machen. Doch dazu müsstest Du mir ersteinmal eine Gelegenheit geben. Ich hoffe, das Jessy Erfolg hat und wir uns bald alle wiedersehen. Ich kann machen was ich will, aber Du gehst mir einfach nicht aus dem Kopf. Also bitte, bitte, bitte, erhöre mich und gib uns noch eine Chance. Du fehlst uns. Also, hoffentlich bis bald.
God bless you. Peace.
A.J. xxx
PS: Denkst Du auch so oft an unseren ersten Abend im Club?
Langsam faltete Sarah den Bogen zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Jessy beobachtete sie immer noch aufmerksam. Während sie den Brief gelesen hatte, waren Sarahs Gesichtszüge immer weicher geworden. Jessy glaubte sogar einige verstohlene Tränen in Sarahs Augenwinkeln glitzern gesehen zu haben. Doch bei dem schummrigen Licht hier drinnen, könnte sie sich da auch getäuscht haben. Auf jeden Fall lies Sarah dieser Brief nicht kalt. Gut so, vielleicht kam diese verfahrene Situation ja doch noch zu einem guten Ende. Ich muss darüber nachdenken, brach Sarah schließlich das Schweigen. Das ist mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte, sagte Jessy grinsend. Sarah sah auf und erwiderte ihr Lächeln. Ich weiß. Ihr habt das alles äußerst geschickt eingefädelt. Hauptsache, Du kommst zu der Verleihung, mehr wollen wir ja erstmal garnicht. Sarah nickte gedankenverloren und verstaute dann den Brief sicher in ihrer Handtasche. Als sie wieder aufsah, schien sie sich wieder gefangen zu haben. Ein listiges Lächeln spielte um ihre Lippen und sie sagte jetzt erzähl mir doch mal ausführlich, wie Du das mit Howie hinbekommen hast. Ich bin ja absolut stolz auf Dich, habe ich das schon erwähnt? Bei dem Klang seines Namens erschien ein seliges Grinsen auf Jessys Gesicht und Sarah musste schmunzeln. Es war schön, ihre Freundin so glücklich zu sehen.
Kapitel 25