Kapitel 21
A.J. saß verschlafen am Frühstückstisch. Ungeduldig wartete er auf Kevin. Vor lauter Aufregung hatte er die halbe Nacht nicht schlafen können. Er war so gespannt zu erfahren, wer es nun wirklich gewesen war. Howie, Brian und Nick waren auch noch nicht aufgekreuzt. Ob sich Sarah bei einem von ihnen gemeldet hatte? Diese Frage beschäftigte ihn fast noch mehr, als die Frage nach dem möglichen Täter. Wenn sich seine Gedanken nicht gerade im Kreis gedreht hatten, hatte er das Telefon angestarrt und versucht, es durch hypnotisieren zum Klingeln zu bringen. Doch er hatte vergeblich gewartet. Endlich tauchten Howie und Jessy Hand in Hand in der Tür des Speisesaals auf. Sie sahen ekelerregend glücklich aus. Missmutig biss er in sein Brötchen. Ob er diese Turtelei heute ertragen konnte? Es führte ihm doch nur immerwieder vor Augen, wer gerade nicht bei ihm war und wieso. Mit einem freundlichen Guten Morgen setzten sie sich zu ihm. Er brummelte nur etwas Unverständliches und spülte die letzten Reste seines Frühstücks mit einem ordentlichen Schluck Kaffee hinunter. Du siehst nicht so aus, als hättest Du heute Nacht viel Schlaf bekommen, stellte Jessy mitfühlend fest. Stimmt, Du siehst echt zum Fürchten aus, meldete sich Nick zu Wort, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. A.J. versuchte einfach, ihn zu ignorieren. Nach und nach trudelte auch der Rest ein. Doch auf A.J.s Frage nach Sarahs Anruf schüttelten sie alle bedauernd den Kopf. Währe ja auch zu schön gewesen. Sie hatte schließlich auch ihren Stolz. Joe und Mandy setzten sich ebenfalls zu ihnen an den Tisch. Neidisch blickten sie auf die ineinander verschlungenen Hände von Jessy und Howie. Wer von ihnen hatte sich nicht im Geheimen vorgestellt, einmal mit einem der Backstreet Boys zusammen zu kommen? Von der Tänzerin zur Ehefrau. Das war doch der Traum schlechthin. Als Maria endlich auftauchte, rutschte Kevin ein Stück, um ihr Platz zu machen. Lächelnd setzte sie sich Guten Morgen Jungs, gut geschlafen? Oh, A.J. sieht allerdings nicht danach aus. Vielen Dank, entgegnete er sarkastisch und stand auf, um sich ein frisches Glas Orangensaft zu holen. Als er wieder an den Tisch zurück kam, stellte Kevin gerade die alles entscheidende Frage. A.J. versuchte dabei Joe, Mandy und Maria gleichzeitig im Auge zu behalten. In der vergangenen Nacht hatte er genug Zeit gehabt um darüber nachzudenken, wer noch im Bus gewesen war, als Brian ihnen die Gründung des Labes verkündet hatte. Ohne es zu wissen, war er zum gleichen Ergebnis wie Jessy und Howie gekommen. Auch Kevin schien sich Gedanken gemacht zu haben, denn als Maria ihn fragte, wofür er die Telefonnummer brauchte antwortete er schnell ich habe wohl meinen Lieblings-Rasierer dort liegen lassen. Du weißt ja, ich hänge an dem Teil. Ich möchte nur feststellen, ob sie ihn gefunden haben. Das kann ich doch auch für Dich tun, entgegnete sie und löffelte weiter ihr Müsli in sich hinein. Ach lass mal, das mache ich schon selbst. Ich brauche nur die Nummer. Wie Du meinst. Ich gebe sie Dir nachher, o.k.? O.k.. Hatte ihre Stimme besorgt geklungen? Hatte Joe erschreckt aufgesehen? Starrte Mandy absichtlich so unbeteiligt in ihre Kaffeetasse? A.J. konnte es nicht sagen. Irgendwie benahmen sie sich alle verdächtig und auch wieder nicht. Entnervt stand er auf. Er wurde noch verrückt bei dieser Geschichte. Ich gehe schonmal nach oben, wir sehen uns später und ohne eine Antwort abzuwarten drehte er sich um und verließ den Frühstücksraum.
Eine Stunde später hatten sich alle in seinem Zimmer versammelt. Seine Klamotten lagen auf einem großen Haufen in der Ecke des Zimmers, nachdem jeder einen Arm voll weg geräumt hatte um irgendwo Platz zu finden. Kevin hielt den Telefonhörer in der Hand und wählte die Nummer des Hotels in Frankfurt. Guten Tag, mein Name ist Kevin Richardson ... ja genau ... letzte Woche, richtig... nein, alles war in bester Ordnung ... ja,wirklich... sicher...ich habe nur eine kleine Frage ...ja... ich würde gerne wissen, wer von unserer Crew, in einem bestimmten Zimmer gewohnt hat ... genau, also das Zimmer muss am Ende des Flurs gelegen haben. Mein Zimmer hatte Nummer 245 also so etwa 240 oder 238 könnte es gewesen sein ... ja, ich warte, danke ... Fünf Augenpaare waren, aufs äußerste gespannt, auf ihn gerichtet. Aua, hörte man plötzlich Howie flüstern Jessy nicht so fest, Du zerquetscht meine Hand. Oh, tut mir leid, flüsterte sie und ein gemeinsames, lautes Schscht, lies sie auf der Stelle verstummen. Plötzlich hob Kevin den Kopf Ja?...aha...und da sind sie sich ganz sicher...ja...alles klar. Vielen Dank für ihre Hilfe....nein....nein, das wars schon. Vielen Dank nochmals...ja, auf wiedersehen. Er legte den Hörer auf und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Dann schüttelte er den Kopf, als könnte er noch nicht glauben, was er da gerade erfahren hatte. Jetzt sag schon, platzte Nick ungeduldig heraus. Das werdet ihr niemals glauben, entgegnete Kevin und wirkte dabei immernoch etwas abwesend. Wenn Du nicht sofort mit der Sprache heraus rückst, bringe ich Dich eigenhändig um, ich schwöre es, rief A.J. aufgebracht. Zimmer Nummer 238 hat Maria bewohnt. Jetzt war es heraus. Maria? Die liebe, hilfsbereite Maria? Die immer da war, wenn man irgendwelche Probleme mit Zimmern, Terminen oder dem Rest der Welt hatte? Maria, die jetzt schon das dritte Mal mit ihnen auf Tour war? Ungläubiges Schweigen legte sich über den kleinen Raum. Alle dachten sie das Selbe. Das konnte doch einfach nicht wahr sein. Brian fasste sich als erstes Was machen wir jetzt? Wir werden mit ihr reden, erwiderte Kevin aber diesmal stellen wir es etwas einfühlsamer an, o.k.? und bei diesen Worten warf er einen eindringlichen Blick in A.J.s Richtung. Ich kann nichts versprechen, entgegnete dieser und hob entschuldigend die Hände. Ich auch nicht, bekam er unerwartet von Nick Schützenhilfe. Dann versucht es wenigstens. war alles, was Kevin dazu sagen konnte. Dann griff er erneut zum Hörer und wählte Marias Zimmernummer. Wenige Minuten später klopfte es zaghaft an der Tür und auf Kevins Herein, trat Maria ins Zimmer. Ihr Blick huschte ängstlich von einem Gesicht zum Anderen. Sarah hat von Anfang an wie eine stolze Königin gewirkt, dachte A.J. niemals hätte sie so verschüchtert aus der Wäsche geschaut. Ich bin wirklich ein Vollidiot, doch sich dies zum tausendsten Mal zu sagen, machte es auch nicht besser. Maria, nahm Kevin die Sache in die Hand. In diesen Dingen war er einfach der Beste. Wir wissen jetzt, dass Du mit der Presse geredet hast. Wir möchten allerdings gerne wissen warum. Jetzt fängt sie bestimmt gleich an zu plärren, dachte A.J. und tatsächlich begannen bei Maria die Tränen zu fließen. Es tut mir so leid, schluchzte sie. Ich wollte Sarah wirklich nichts Böses, ich... Das hat Dich aber nicht davon abgehalten, sie einfach so gehen zu lassen, schrie sie A.J. aufgebracht an und war schon von seinem Platz auf dem Bett aufgesprungen. Brian packte ihn am Handgelenk und zog ihn wieder zurück auf seinen Platz. Lass sie wenigstens ausreden, sagte er Du weißt selbst, was beim letzten Mal dabei heraus gekommen ist. Wie sollte ich das wohl vergessen können, schoß es A.J. durch den Kopf, doch Brians Worte hatten gewirkt. Er hatte sich wieder einigermaßen unter Kontrolle. Also? hakte Kevin nach ich...ich brauchte das Geld, fuhr Maria kleinlaut fort. Das glaube ich einfach nicht, murmelte Nick ungläubig. A.J. sah, wie er die Finger in die Bettdecke krallte um nicht auszurasten. Meine Mum ist schwer krank und sie hat keine Krankenversicherung, Wie rührend, entgegnete A.J. sarkastisch und erntete dafür einen sanften Stoß in die Rippen von Brians Ellenbogen. Es ist die Wahrheit. verteidigte sie Maria. Du weißt genau, ergriff Kevin nun wieder das Wort das wir Dir alle sofort geholfen hätten, wenn Du nur einen Ton gesagt hättest. Ich habe mich nicht getraut. Ich...ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist. Es tut mir wirklich leid. Das kannst Du Dir sparen, verwundert blickte A.J. zu Kevin hinüber. Sollte der sonst so beherrschte Kev tatsächlich sauer werden, wenn ihm ein weinendes Mädchen gegenüber stand? Er entdeckte ganz neue Qualitäten an seinem Freund. Du bist gefeuert, sagte dieser nun kalt. Aber... Kein Aber. Pack Deine Sachen und verschwinde. Noch nie, ich wiederhole, noch nie in meinem Leben hat mich jemand so betrogen, wie Du es getan hast. Nicht genug, dass Brian geschäftlich Schwierigkeiten bekommen hat und das Du Amanda wissentlich durch den Dreck gezogen hast. Nein, wir haben durch Dich auch noch eine wirkliche Freundin verloren. Das ist nicht wieder gut zu machen. Also, Du kannst froh sein, dass wir Dir nicht noch unsere Anwälte auf den Hals schicken. Aber genug ist genug. Verschwinde. Sofort. Den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, das Gesicht nass vor Tränen drehte Maria sich um und verschwand aus dem Zimmer und aus ihrem Leben. A.J. schlug Kevin anerkennend auf die Schulter mein Held, sagte er grinsend. Das musste mal gesagt werden, brummte Kevin und blickte in die Gesichter um sich herum. Er suchte nach einem Anzeichen dafür, dass er vielleicht zu weit gegangen war, aber er fand keins.
Kapitel 22