Kapitel 17
Müde und erschöpft kam Sarah einige Stunden später auf dem Newark Flughafen in New York an. Sie hievte ihren Koffer auf einen Rollwagen und machte sich auf dem Weg zum Ausgang. Als sich die großen Schiebetüren vor ihr öffneten erblickte sie Logan, der in einer der hinteren Reihen stand und ihr zuwinkte. Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht und sie beschleunigte ihre Schritte. Kaum hatte sie ihn erreicht, lies sie sich schon in seine Arme sinken und das beruhigende Gefühlt zu Hause zu sein breitete sich in ihr aus. Du hast mir gefehlt, murmelte Logan dicht an ihrem Ohr. Und Du mir erst, antwortete Sarah und löste sich aus seiner Umarmung. Wie fühlst Du Dich? Müde, erschöpft, verletzt, traurig, gedemütigt, such Dir was aus. Mitfühlend legte er einen Arm um ihre Schulter und dirigierte sie in Richtung Ausgang. Wir kriegen das schon hin, sagte er zuversichtlich. Nein, das kriegen wir nicht wieder hin, widersprach Sarah und schüttelte zur Bekräftigung den Kopf die können mich mal. Wenn sie so ihre Freunde behandeln, will ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Logan schwieg. Er wußte, es hatte jetzt keinen Sinn, weiter auf sie einzureden. Schweigend erreichten sie seinen Wagen und sie hatten immer noch kein Wort miteinander gesprochen, als sie Sarahs Wohnung erreichten. Kommst Du noch mit rauf? brach Sarah schließlich das Schweigen. Kommt darauf an, ob Du Lust auf Gesellschaft hast. Würde ich sonst fragen? O.k., überredet. Wahrscheinlich brauchst Du auch nur einen Kofferträger, der Dir Dein Gepäck hinterher trägt, versuchte er zu scherzen, doch er entlockte Sarah damit nicht einmal die Andeutung eines Lächelns. Gemeinsam betraten sie Sarahs Wohnung. Ihr erster Blick viel auf den Anrufbeantworter, an dem ein kleines Lämpchen hektisch blinkte. Sie stellte ihre Tasche ab, ging zu ihm hinüber und löschte die Nachrichten. War das klug? fragte Logan. Klug? Was ist schon klug. Wenn es etwas Wichtiges war, wird derjenige sich wieder melden. Ich habe keine Lust darauf, dass ich womöglich hoffe, sie haben sich gemeldet und es dann doch nicht getan haben. Also wartest Du doch auf eine Entschuldigung? Pfh, Sarah machte eine abfällige Handbewegung nur um sie ihnen gleich um die Ohren zu hauen und ihnen zu sagen, was sie mich mal können. Sie ging in die Küche und streifte dabei ihr Turnschuhe von den Füßen. Sie öffnete den Kühlschrank und nach einem kurzen Blick verkündete sie Eine Flasche Wein und Tiefkühllasagne, wie klingt das? Fantastisch, erwiderte Logan und machte es sich auf Sarahs Sofa bequem. Wenig später kam sie mit zwei Gläsern und der geöffneten Flasche Wein zu ihm. Sie setzte sich auf die Couch, viel zu nahe wie er fand, und goss ihnen beiden ein. Dann reichte sie ihm ein Glas trinken wir auf meine Heimkehr. Sie nahm einen tiefen Schluck und merkte fast sofort, wie die beruhigende Wirkung des Alkohols einsetzte. Seufzend lies sie sich in die dicken Polster sinken und zog die Beine unter ihren Körper. Logan betrachtete sie von der Seite. Sie war so wunderschön. Eigentlich sollte er froh darüber sein, dass sie wieder hier war. Sie hatte für seinen Geschmack viel zu oft von diesem A.J. geredet. Andererseits konnte er sie auch nicht leiden sehen. Und das tat sie. So sehr sie sich auch bemühte, nach außen hin die starke Frau zu spielen, er hatte sie längst durchschaut. Er war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich die Entschuldigung der Jungs ausschlagen würde. Sie waren ihr ans Herz gewachsen, was an sich schon eine große Leistung war. Sich mit Sarah anzufreunden war in der letzten Zeit nahezu unmöglich gewesen. Was denkst Du? fragte sie ihn unvermittelt. Oh, oh, ertappt, dachte er. Laut sagte er ich habe nur gerade darüber nachgedacht, was Chandler wohl sagen wird. Was schon? Er wird ziemlich sauer sein, aber wenn alles gut läuft, wird er das alles auch genau so schnell wieder vergessen. Da könntest Du recht haben. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, sagte sie und ihr Blick schweifte in die Ferne wie konnten sie so etwas Schlechtes von mir denken? Ich könnte mir vorstellen, dass sie in diesem Business schon so Einiges erlebt haben. Da wird man vielleicht ein wenig überempfindlich, jetzt nehme ich sie auch noch in Schutz, dachte er verärgert und nippte an seinem Wein, damit Sarah nicht merkte, was er wirklich dachte. Doch das war unnötig. Sie schien längst nicht mehr mit ihren Gedanken bei ihm zu sein. Wieder seufzte sie und er sah, wie sie sich innerlich einen Ruck gab. Egal. Sollen sie doch denken was sie wollen, und mit diesen Worten kuschelte sie sich an ihn, den Kopf auf seine Schulter gebettet. Diese Nähe verwirrte ihn. Wie konnte jemand so gut riechen, sich so gut, so richtig anfühlen? Ohne darüber nachzudenken beugte er sich zu ihr hinunter und küsste sie. Im ersten Moment zuckte sie zusammen, doch dann erwiderte sie seinen Kuss zärtlich. Er schlang die Arme um sie und zog sie noch ein Stück näher zu sich heran. Gott, sie schmeckte so gut! Unvermittelt wurde sie steif in seinen Armen und schob ihn von sich fort. Verwirrt lies er sie los und blickte sie an. Er sah Bestürzung in ihren Augen und dieser Gesichtsausdruck war schlimmer, als jede Ohrfeige die sie ihm hätte verpassen können. Es tut mir leid, murmelte er mit gesenktem Kopf. Nein, tut es Dir nicht, sagte sie sanft, umfasste sein Kinn und zwang ihn damit, sie anzusehen. Doch Du weißt, dass das nicht richtig währe. Warum? Warum sollte das nicht richtig sein? Ich liebe Dich. Schnell legte sie ihm einen Finger auf die Lippen Schscht. Nicht. Zerstöre bitte nicht unsere Freundschaft. Sie ist mir im Moment das Wichtigste auf der Welt, ich möchte das nicht verlieren, sie wußte wie hohl ihre Worte klangen. Sie hatte ihn in dem Moment verloren, als sie ihn küsste. Eine Sekunde war sie schwach geworden. Sie wollte einfach nur in seinen Armen die Geborgenheit wieder finden, die sie vor einigen Stunden in einem fernen Land verloren hatte. Doch sie hatte sofort gemerkt, dass das nicht möglich war. Nicht so. Logan stand auf. Ich muss gehen, und mit diesen Worten hatte er sich schon umgedreht und war aus dem Zimmer geflüchtet. Gleich darauf hörte sie die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss fallen. Jetzt war sie ganz alleine.
Kapitel 18