Kapitel 16
Logan hatte ganze Arbeit geleistet. Er hatte einen Freund in Deutschland angerufen, der ihm noch einen Gefallen schuldete. Er hatte ihn gebeten, für die nächsten zwei, drei Tage Sarahs Job zu übernehmen, bis in New York alles geregelt war und jemand aus der Firma kommen konnte. Drei Stunden später stand Neal vor ihrer Zimmertür. Er war bestürzt, dieses Mädchen mit den verweinten Augen und dem verzweifelten Gesichtsausdruck zu sehen. Hektisch lief sie im Zimmer auf und ab und erklärte ihm die grundlegenden Dinge ihrer Arbeit. Er sah kein größeres Problem in seiner Aufgabe, er war mit Computern vertraut. Dankbar schnappte Sarah sich dann nach einer halben Stunde ihren Koffer und hielt kurz inne, als sie an Dannys Bild vorbei kam. Entschlossen hob sie es auf und warf es in den Mülleimer. Mir ist da ein kleines Missgeschick passiert, sagte sie auf die Scherben deutend vielleicht kannst Du dem Zimmerservice bescheid geben, dass sie hier ein bisschen Ordnung machen. Mach Dir keine Gedanken, ich kümmere mich schon darum, entgegnete Neal. Aber meinst Du nicht, Du solltest mich den Anderen wenigstens kurz vorstellen? Sarah erschrak. Daran hatte sie noch garnicht gedacht. Natürlich hatte er recht, aber das Letzte was sie jetzt wollte, war den Jungs nochmals gegenüber zu treten. Entschlossen griff sie zum Telefon und wählte Jessys Nummer. Ja, meldete sie sich sofort. Hallo Jessy, Du musst mir einen Gefallen tun. Was ist denn los, alle laufen hier mit einem Trauerkloßgesicht rum und keiner sagt mir, was los ist. Howie ist ganz aufgebracht und wandert in meinem Zimmer auf und ab. Ich kann Dir das jetzt nicht erklären, sagte Sarah schnell aber ich muss hier weg. Ich möchte..., Was? unterbrach sie Jessy das ist doch wohl nicht Dein ernst. Was soll ich denn ohne Dich machen? Sorry, aber es geht nicht anders. Ich habe einen Kollegen hier, der mich vertritt. Könntest Du ihn bitte den Anderen vorstellen? Warum machst Du das nichts selbst? Sarah, bist Du etwa der Grund dafür, dass hier alle rum rennen wie aufgescheuchte Hühner? Sieht so aus. Frag doch Howie was los ist. Ich kann das jetzt nicht. Bitte, ich brauche Deine Hilfe. O.k., Du kannst mit mir rechnen. Vielleicht kannst Du mir ja irgendwann mal sagen, was eigentlich los ist. Vielleicht. Jessy, ich muss los. Neal wartet hier in meinem Zimmer auf Dich, o.k.? Ja...ähm...also, sehen wir uns irgendwann wieder? Wenn Du das dann noch willst, gerne. erwiderte Sarah die ungeduldig von einem Bein auf das Andere trat. O.k., ich verstehe das zwar alles nicht, aber ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute. Danke, machs gut Süße. Du auch. Sarah legte den Hörer auf und wandte sich an Neal. Jessy kommt gleich rüber und nimmt Dich unter ihre Fittiche. Viel Erfolg. Danke. Ähm...Sarah? Ja? Gibt es irgendetwas was ich wissen sollte? Sie schüttelte den Kopf nein, höchstens... sie überlegte kurz lass sie nicht zu nah an Dich heran. Sie brechen Dir nur das Herz. mit diesen Worten schnappte sie sich ihren Koffer und lies den ziemlich verwirrten Neal alleine im Zimmer zurück.
Verwirrt legte Jessy den Hörer auf. Howie? Er schien sie garnicht zu hören. Er wanderte weiter gehetzt im Zimmer auf und ab und murmelte unverständliches Zeug vor sich hin. Das hätte nicht passieren dürfen ... Vielleicht war sie es ja garnicht ... Wir haben ihr nichteinmal eine Chance gegeben ... Ich hätte über meinen Schatten springen sollen ... Howie! entschlossen packte Jessy ihn am Arm und beendete somit seine Odyssee durch das Zimmer. Sag mir auf der Stelle was hier los ist. Sarah ruft mich gerade an und bittet mich, ihre Vertretung unter meine Fittiche zu nehmen. Was läuft hier ab? Howie sah auf Sie hat eine Vertretung? Ja, Herr Gott nochmals, so langsam wurde sie wütend. Wir ... haben ihr schlimme ... Dinge an den Kopf geworfen, antwortete er stockend. Was für Dinge? Es ist ein Artikel in der Zeitung über A.J. und Amanda erschienen. In dem stand, dass er sich von ihr getrennt hat, weil sie angeblich nur auf seine Kohle aus war. Er hatte es noch niemandem erzählt, außer Sarah. Oh nein, entfuhr es Jessy. Das konnte nicht wahr sein. A.J. und sein aufbrausendes Temperament hatte sicherlich dafür gesorgt, dass Sarah so fluchtartig das Hotel verlassen hatte. Sie konnte sich die Szene lebhaft vorstellen. Ihr seid doch nicht ganz bei Trost, rief sie aus und war schon auf dem Weg Richtung Tür. Wo willst Du hin? Na sie aufhalten, was denkst Du denn. Ich komme mit. Gemeinsam hasteten sie den Flur hinunter und klopften an Sarahs Zimmertür. Ein junger Mann öffnete ihnen. Ist sie noch da? fragte Howie atemlos. Nein, sie ist vor fünf Minuten gegangen.
A.J. lag auf seinem Bett und starrte blicklos an die Zimmerdecke. Er konnte es immer noch nicht fassen. Als Amanda plötzlich vor ihm gestanden hatte, mit rotgeweinten Augen und wutverzerrtem Gesicht, hatte er alles noch für ein Missverständnis gehalten. Außer sich hatte sie ihm die schon etwas ramponierte Zeitung unter die Nase gehalten und ihn gefragt, ob das seine Methoden seien, eine Beziehung zu beenden. Ungläubig hatte er den Artikel wieder und wieder gelesen. Das konnte doch nicht sein. Nicht Sarah. Niemals. Dann hatte er angefangen darüber nachzudenken und die kleinen unbedeutenden Details hatten sich in seinem Kopf zu einem Ganzen geformt. Er hatte sich an ihr blasses Gesicht erinnert, als Nick ihr verkündete, er hätte ihre Tasche fallen lassen und die Erleichterung, als sie, was auch immer, unversehrt in der Tasche vorgefunden hatte. Und als er nach der Mappe greifen wollte, war sie sofort in Abwehrstellung gegangen. Der wichtigste Punkt allerdings, der gegen sie sprach, war immer noch, dass sie alleine auf diesem beschissenen Dach gewesen waren. Es konnte einfach nicht anders gewesen sein. Trotzdem hatte ihre Bestürzung vorhin so echt gewirkt. Sie schien wirklich verzweifelt und er hatte sehr wohl ihre Tränen gesehen, die sie mühsam versuchte zurückzuhalten. Konnte sie eine so gute Schauspielerin sein? Amanda kam aus dem Bad und unterbrach seine Gedanken. Sie krabbelte zu ihm auf das Bett und versuchte sich an ihn zu schmiegen. Entschlossen schob er sie ein Stück von sich weg. Amanda nicht. Das hat doch keine Sinn sagte er und blickte dabei in ihr verzerrtes Gesicht. Tränen strömten ihr über die Wangen und Mitleid keimte in ihm auf. So hatte er sich das wirklich nicht vorgestellt. Ich dachte, wenn ich herkomme und Du alles erklären kannst, ist alles wieder gut, sagte sie und ihr weinerlicher Tonfall lies die Härchen auf seinem Arm in alle Himmelsrichtungen abstehen. Ich weiß, es ist alles ziemlich dumm gelaufen, sagte er aber das ändert nichts an der Tatsache, das wir beide nicht länger zusammen sind. Ich liebe Dich nicht mehr, er versuchte absichtlich etwas grober zu sein. Vielleicht würde sie es dann endlich kapieren. Er sah die Wut in ihren Augen aufblitzen das ist also der Dank dafür, dass ich Dich so lange unterstützt habe? Das ich monatelang alleine zu Hause gesessen und auf Dich gewartet habe? A.J. schwieg. Er hatte keine Lust sich auf eine solche Diskussion einzulassen. Er würde ihr sonst nur noch mehr wehtun. Baby, versuchte sie es jetzt sanfter wir hatten doch so eine schöne Zeit, und mit diesen Worten lies sie ihre Hand langsam über seine Brust gleiten. Er packte sie und legte sie zurück in ihren Schoß. Lass das Amanda, es ist vorbei. Verstehst Du das denn nicht? Doch, ich denke ich habe verstanden, sagte sie wütend und stand auf. Das wird Dir noch leid tun, rief sie, packte ihre Reisetasche die noch unausgepackt neben seinem Bett stand und gleich darauf hörte er die Zimmertür zuschlagen. Zum zweiten Mal heute ungewöhnlich laut. Er war wieder allein mit seinen Gedanken. Er fühlte kein Bedauern, dass Amanda gegangen war. Er hoffte nur, dass noch etwas von seiner Einrichtung übrig war, wenn er wieder nach Hause kam. Er traute Amanda durchaus zu, dass sie soeben mit den Möbelpackern telefonierte. Leise klopfte es an der Tür. Wer war denn das nun wieder? Mit einem lauten Seufzer erhob er sich und schlurfte zur Tür. Davor stand ein junger Page des Hotels und hielt ihm einen braunen Umschlag entgegen. Guten Tag Mr. McLean. Das hier wurde heute morgen für sie abgegeben. A.J. nahm den Umschlag in Empfang und kramte aus seiner Hosentasche eine fünf Dollar Note, die er dem Pagen in die Hand drückte. Ohne ein weiteres Wort schloss er die Tür und setzt sich wieder auf das Bett. Er drehte den Umschlag einige Minuten unschlüssig in den Händen. Kein Absender, keine Adresse. Entschlossen öffnete er den Umschlag und zog einige Seiten Papier hervor. Oben auf war ein kleiner Zettel geheftet. Sofort erkannte er Sarahs geschwungene Handschrift. Er schluckte. Schnell überflog er den Text. Dabei hörte er ihre sanfte Stimme und sah ihre wunderschönen grünen Augen vor sich. Dann legte er den kleinen Zettel beiseite und blickte auf die Noten in seiner Hand. Ganz oben auf dem ersten Blatt prangte der Titel On nights like this. Er konnte sich auf das Ganze noch keinen Reim machen. Sicher war nur, dass sie den Umschlag vor der Auseinandersetzung heute Mittag abgegeben hatte. Leise summte er die Melodie und die melancholischen Töne berührten sein Herz. Er stand auf und holte seine Gitarre hervor. Mit untergeschlagenen Beinen, die Noten vor sich auf dem Bett ausgebreitet begann er die ersten Akkorde zu spielen und sang leise dazu den Text.
No matter what anyone says time doenst pull you trough
Cause there are nights wehen I still cry when I think of you
Sometimes it swallows me this space I feel inside
But I think of how strong you were and it helps me to get by
And all the times when you would come to me in my dreams
I thought I was losing my mind, but its the sanest Ive ever been
And on those days when life seems too much
I hear your voice and Im comforted by your touch
On nights like this
I know that youre still here with me
On nights like this
I know youre in a better place
On nights like this i pray
I may be with you again someday
On nights like this I pray
That I may be worthy someday
Theres the anger that blocked out the light
Theres the doubts that held me captive night after night
The endless hours I spent asking why
When theres so many evil people, it just doesnt seem right
On nights like this
I know that youre still here with me
On nights like this
I know youre in a better place
On nights like this I pray
I may be with you again someday
On nights like this I pray
That I may be worthy someday
And I remember the night when I held you in my arms
Trying to give you the strength, the will to hold on
And you looked in my eyes and said Baby be strong,
I dont want to leave you but its time for me to go
And at that moment, as your hand slipped out of mine
A tear rolled down as you closed your eyes for the last time
And all the pain that had been written on your face
Suddenly disappeared and by a smile it was replaced
On nights like this
I know that youre still here with me
On nights like this
I know youre in a better place
On nights like this I pray
I may be with you again someday
On nights like this I pray
That I may be worthy someday
(Die Lyrics habe ich mir bei Soraya ausgeborgt, sind also leider nicht von mir)
In A.J.s Augen brannten Tränen. Das war also ihr großes Geheimnis? Der Schmerz den sie die ganze Zeit mit sich herumgetragen hatte? Er hatte es schon gespürt, als er sie das erste Mal in diesem Club gesehen hatte. Diese Verletzlichkeit. Er spürte ihre Lippen auf den seinen und er stöhnte leise. Was hatte er nur getan? Die Szene vor ihrem ersten Konzert fiel ihm wieder ein. Er hörte ihr verzweifeltes Schluchzen und sah ihr tränenüberströmtes Gesicht. Er verbarg sein Gesicht in den Händen und weinte, sowohl über seinen Schmerz sie verloren zu haben, als auch über ihren verzweifelten Hilferuf, den sie ihm hier hatte zukommen lassen. Nach einer Weile legte er entschlossen die Gitarre beiseite und stand auf. Er musste mit ihr reden, musste ihr sagen, dass es ihm leid tat. Wie hatte er nur glauben können, dass sie etwas mit dieser Geschichte zu tun hatte? Es war ihm egal, dass sie alleine auf dem Dach gewesen waren. Sie konnte es nicht gewesen sein. Er hätte das schon von Anfang an wissen sollen. Er hoffte nur, das es noch nicht zu spät war. Schnell verließ er sein Zimmer und klopfte an ihre Zimmertür. Ein junger Mann öffnete ihm. Verdattert hielt A.J. inne und starrte den Mann mit offenem Mund an. Kann ich ihnen helfen? fragte der Mann. J-Ja...ich suche Sarah...Sarah OConner. Tut mir leid, sie ist vor einer halben Stunde abgereist. Aber komm doch herein. Wenn ich richtig gezählt habe, sind wir dann vollständig. Ein feines Lächeln umspielte Neals Lippen, als er die Tür weit öffnete und A.J. herein lies. Kevin, Brian, Nick, Howie und Jessy saßen auf dem Boden im Kreis und starrten ihm entgegen. Du hast es Dir also auch anders überlegt? war alles was Kevin sagte.
Kapitel 17