Kapitel 5
Drei Tage nach der Präsentation kam der erlösende Anruf von David Milton. Sie waren engangiert. Die ganze Firma feierte eine ganze Nacht lang diesen überragenden Erfolg und Sarahs Chef hörte nicht auf, sich bei ihr wieder und wieder zu bedanken. Irgendwann wurde es Sarah zu viel Es ist genug Chandler, sagte sie irgendwann entnervt im Morgengrauen ich weiß ich habe gute Arbeit geleistet und ich bin auch glücklich, daß Du mich dafür so sehr lobst. Aber irgendwann muß Schluß sein. Du hast ja recht, erwiederte er, nahm seine Brille ab und begann sie mit einem Zipfel seines Hemdes zu putzen trotzdem, Du warst einfach... phänomenal, ergänzte der Rest der Belegschaft im Chor und allgemeines Gelächter machte sich breit. Mach Dir nichts draus, nuschelte ihr Kollege Kim mit einer Flasche Bier in der Hand und legte ihr freunschaftlich den Arm um die Schulter immerhin hast Du das Fortbestehen der Firma gesichert und somit auch unsere Arbeitsplätze gerettet. Dafür kann er Dich schonmal ein bischen ausgiebiger lobern, er grinste sie etwas benebelt an und widmete sich dann wieder Annie, der einzigen Sekräterin, die sich Chandler.net bisher leisten konnte. Sarah mußte lächeln, als sie Annies Gekicher hörte. Die Beiden schienen sich ja wirklich gut zu verstehen. Hey Sarah, Logan Winter kam auf sie zugeschlendert. Wie immer wirkte er, als sei er gerade einem Lifestyle Magazin entsprungen. Er trug enge Jeans und ein T-Shirt, daß seine hart antrainierten Muskeln gut zur Geltung brachten. Seine blonden Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab und um das Handgelenk trug er ein breites Lederarmband. Er war sich seiner Wirkung auf Frauen durchaus bewußt, lies es sich aber selten anmerken. Er wirkte eher wie der schüchterne Junge von Nebenan und die Frauenherzen schienen ihm nur so zuzufliegen. Sarah war allerdings gegen seinen Charme bisher immun geblieben. Sie sah ihn als das was er war, ein Kollege, vielleicht ein guter Freund, aber nicht mehr. Was sagst Du dazu, daß Du demnächst für ein halbes Jahr mit einer bekannten Boygroup durch Europa touren wirst? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung ob ich mich darüber freuen soll, entgegnete Sarah wahrheitsgemäß. Ich habe keine Ahnung was da auf mich zukommt. Mal abgesehen davon, daß ich Euch alle schrecklich vermissen werde, vereinzelt waren mitleidige ohs zu hören ich kann mir noch nicht vorstellen, ein halbes Jahr aus dem Koffer zu leben und von einem Hotel zum Anderen zu ziehen. Außerdem weiß ich nicht, ob ich mit den Leuten da klar komme. Ich meine, das ist eine komplett neue Welt für mich. Da kann ich mich schlecht hinter meinem Computer verkriechen. Du schaffst das schon, entgegnete Logan und klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter außerdem, he, Du wirst Europa sehen, wildfremde Männer werden Dir zu Füßen liegen und Du wirst jede Menge Spaß haben. Vertrau mir, fügte er noch hinzu, als er ihren skeptischen Blick auffing. Das ist aber noch nicht alles, sagte Sarah leise und sah sich nach allen Seiten um, ob ihnen jemand zuhörte. Vorsichtshalber zog sie ihn ein Stück von den Anderen weg ich habe mit einem von den Jungs am Abend vorher im Club ein bischen rumgeknutscht. Was? Logan sah sie entgeistert an. Nicht so laut, Sarah sah sich erneut um und senkte ihre Stimme dann zu einem Flüstern ich hatte keine Ahnung wer er war. Es ist einfach so passiert. Wir haben uns gesehen und peng, es hat gefunkt. Allerdings habe ich dann später herausgefunden, daß er eine Freundin hat und habe mich dann schnell verabschiedet. Das könnte allerdings Probleme geben, entgegnete Logan und kratzte sich am Kinn. Wie hat er reagiert, als er Dich bei der Präsentation gesehen hat? Naja, er war wohl im ersten Moment genauso überrascht wie ich. Doch wir haben das relativ schnell in den Griff gekriegt. Wir haben einfach so getan, als ob wir uns noch nie begegnet währen. Sie erwähnte nicht, das sie sich die ganze Zeit während ihres Vortrages wie ein Schulmädchen gefühlt hatte und immerwieder in seine Richtung schauen mußte. Mehr als eimal hatte sie seinen Blick aufgefangen, doch sie hatte es immerwieder auf den Zufall geschoben. Immerhin hatte er ihr ja die ganze Zeit zugehört. Da war es doch ganz normal, daß man die Person dauernd anschaute, oder etwa nicht? Na dann ist doch alles in Butter, oder? Es war ein kleines Mißgeschick und ihr habt beschlossen, es einfach auf sich beruhen zu lassen. Wenn er wirklich ein Probleme damit hätte, daß Du mitfährst, hätte er sich doch bestimmt schon bei Dir gemeldet. Meinst Du? Sarah war nicht sehr überzeugt. Na klar. Oder empfindest Du etwa mehr für ihn, als Du zugibst? Ich? Sarah war entsetzt Du kennst mich doch, soetwas passiert mir nicht. Ja klar, Du bist ja der eiskalte Engel, der uns Männer benutzt und uns dann von der Bettkante schubst, habe ich ganz vergessen, doch er lächelte bei diesen Worten. Sarah mußte lachen ganz recht, so bin ich. Also, sollte ich wohl auch kein Problem damit haben, mit ihm zusammen on Tour zu gehen, richtig? Richtig. Danke Logan, Du bist ein wahrer Freund. Tja, so bin ich, entgegnete er bescheiden. Sarah lachte und dabei entging ihr sein trauriger Blick. Er fragte sich, ob sie jemals mehr in ihm sehen würde, als nur einen guten Freund.
Um acht Uhr morgens betrat sie totmüde aber glücklich ihre kleine Wohnung. Sie warf ihren Schlüssel auf das kleine Regalbrett und nahm nach kurzer Überlegung das Bild in dem schlichten Holzrahmen herunter und drückte es an ihre Brust. Sie streifte sich auf dem Weg in ihr Schlafzimmer die Schuhe von den Füßen und ohne sich auszuziehen lies sie sich in ihr Bett fallen. Sie hielt das Bild ein Stück von sich weg und betrachtete das geliebte Gesicht. Was ein Tag. Danny, Du wirst es nicht glauben. Ich fahre nach Europa. Kannst Du Dir das vorstellen? Wie lange haben wir davon geträumt? Paris, Rom, Hamburg, alle diese Städte wollten wir uns zusammen ansehen. Jetzt tue ich das für uns. Ich verspreche Dir, ich werde Dir alles haarklein erzählen. Sie lächelte traurig und drückte einen dicken Kuß auf das kalte Glas. Dann drückte sie das Bild wieder an ihre Brust und rollte sich zusammen. Im selben Moment war sie auch schon eingeschlafen.
Kapitel 6